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Für Marbacher ein Muss – Kinofilm Streiflicht irritiert und kommt gleichzeitig galant daher

Donnerstag, November 16th, 2017

Weich gezeichnet und überblendet, fast in der Anonymität verschwindend, agieren Thomas Rösser (rechts) und sein Streiflicht-Komponist Markus Metzler, auf der Bühne vor dem Glitzervorhang des Marburger Kinos „Studio“ im Capitol. Gleich beginnt der Film. Es ist Mittwochabend im gefühlt ausverkauften Kinosaal.     Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Eine Kurzkritik

Die gute Nachricht ist: Das alte Marbacher Europabad kommt in dem Film Streiflicht sehr gut weg. Die schlechte: dazu später. Gestern präsentierte der Macher, Regisseur und Drehbuchautor des Kinofilms, Thomas Rösser, im Marburger Kino „Studio“ eine weitere Vorstellung – eine Sonderveranstaltung.

So stiegen Rösser und der Komponist der Streiflicht-Filmmusik, Markus Metzler, gemeinsam vor Beginn auf die Bühne. In unterhaltsamer Wechselrede sprachen beide über die Entstehung der Musik. Dutzende Orchestermusiker machten diese letztlich erst möglich. Das Ergebnis: eine brillante Untermalung, Verstärkung und Begleitung dessen, was die Zuschauer auf der Leinwand zu sehen bekommen.

Und der Film selbst, das Visuelle? Ja, er ist gut. Streiflicht ist interessant. Langsam kommt er daher, tatsächlich, ganz so, wie Rösser ihn eingangs auch angekündigt hatte. Streiflicht erinnert an Filmkunst aus den späten 50ern, an die 60er. „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, ist zu spüren. Dieser Film aus den 70ern mit Donald Sutherland wird als Thriller/Drama gelistet. Rösser macht es ebenso in seiner Werbung für sein Werk Streiflicht. Zufall? Das ist nicht entscheidend, wichtiger erscheint die Bildsprache, wie Streiflicht mit Farben spielt. Szenen sind mal optisch überzeichnet, fast grell, insgesamt aber sehr weich gehalten, matt. Sparsam waren die Macher beim Schnitt. Das tut gut, so folgt das Auge in aller Ruhe dem, was geschieht – oder eben nicht geschieht. Die Längen tun gut. Zehntelsekunden kurze Momente, in denen ETWAS aufblitzt, etwas Unheimliches, würzen den Film, ohne ihn doch wieder eher hektisch werden zu lassen.

Die Geschichte im Ganzen ist in sich logisch, wenn auch an zwei Stellen, nach dem erstmaligen Anschauen, irgendetwas nicht ganz stimmt. Vielleicht löst sich das beim mehrmaligen Betrachten auch auf. Und entpuppt sich als Irrtum des Kritikers. Nicht nur das Europabad kommt im Film gut weg. Marburger erkennen Dutzende markante Orte in der Uni-Stadt wieder. Besonders schön: der Eis-schleckende Hauptdarsteller in der Rolle des Wilko vor dem Café Klingelhöfer im Marburger Südviertel. Nur ein Beispiel.

Ja, Wilko. Und da kommt das Aber. Zumindest gleich. Wunderbar ist, dass Rolle und Schauspieler dem Betrachter Zeit geben, zu verstehen, was Wilko wie sagt. Das unterscheidet übrigens sämtliche Dialoge in Streiflicht auf angenehme Weise von denen, die in Sendungen wie „Tatort“ oder anderen Filmen, meist im Fernsehen, bisweilen ganz selbstverständlich, gesprochen werden. Und zwar schnell und undeutlich. Ganz anders also in Streiflicht. Auch Wilkos Mimik in Rössers Film ist klar, sie ist verständlich, unterstreicht das Gesprochene. Aber: Der Hauptdarsteller spricht seinen Text hölzern. Verzeihung. Vielleicht mag das ein Stilmittel des Films sein. Vielleicht ein Markenzeichen des Schauspielers, aber irgendetwas an der Rolle und dem Wilko-spielenden Menschen irritiert. Auf jeden Fall ist es seine Sprache, wie er Worte betont. Da fehlt die Lässigkeit. Liegt es am Schauspieler, an der Rolle des Wilko oder an dem Regisseur?

Insgesamt ist Streiflicht – und wieder ein Aber – aber ein ansprechender Kinofilm mit angenehmen Längen, der seine Betrachter galant durch Marburg und das Umland mitnimmt. Und für Marbacher ein Muss. Allein deshalb, weil viele dort Schwimmen gelernt, jede Wand- und Bodenfliese sowie die Treppe zur Schwimmhalle hinauf sicher noch exakt im Gedächtnis haben, weil sich viele bestimmt gerne ans Kassenpersonal, an andere Mitarbeiter und den Bademeister erinnern, wie er ohne Murren stets das Sprungbrett mal hoch, mal runter hat fahren lassen (war stufenlos verstellbar). Und der Film ist wichtig, weil das Europabad so wenigstens weiterhin sichtbar bleibt. Wenn auch „nur“ in einem Film.

Streiflicht jetzt im Kino – Thriller-Dreh im Europabad Marbach – Interview mit Regisseur

Donnerstag, November 9th, 2017

So kennen die Marbacher ihr Europabad aus vergangenen Zeiten. Das Drehkreuz, das Kassenhäuschen. Auf dem Bild zu sehen ist eine Szene aus dem Kinofilm Streiflicht – gedreht auch im ehemaligen Europabad. 2010. Es wurde entkernt. An gleicher Stelle steht heute ein schickes Wohnhaus. Erhalten blieb die runde Form des – ursprünglichen – Marbacher Wahrzeichens.   Foto: privat

von Daniel Grosse

Im Europabad in der Marbach geschehen seltsame Dinge, zumindest im Film Streiflicht von Regisseur Thomas Rösser. Das ehemalige Schwimmbad in dem Marburger Stadtteil war Teil der Kulisse beim Dreh vor sieben Jahren. Morgen startet der Thriller in Marburg auf großer Leinwand im Kino. Mit dem Filmemacher sprach ich über das Projekt und mailte ihm ergänzend Fragen. Heraus kam ein Interview. Dort verriet Rösser mir, warum er in der Marbach drehen wollte, weshalb er damals Angst hatte, wieso auch die Crew mutig sein musste und welches Projekt er nun plant.

Welchen Bezug haben Sie persönlich „zur Marbach“, wie wir unseren Stadtteil ja nennen?
Thomas Rösser:
1989 sind meine Eltern, mein Bruder und ich in die Marbach gezogen. Ich war 16. Meine Eltern wohnen dort weiterhin. Ein schöner Stadtteil, ich hatte tolle Jahre dort. Ich erinnere mich daran, dass es durch die Berge wirklich hart war, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Ich habe schon immer Sport gemacht, aber die Hohe Leuchte mit dem Fahrrad zu meistern, ist eine Herausforderung.

Warum haben Sie 2010 gerade im Europabad gedreht?
Rösser: Ich habe im Europabad schwimmen gelernt. Das große Sprungbrett war die Mutprobe schlechthin. Als wir den Dreh geplant haben, suchten wir ein altes Schwimmbad. Über drei Ecken erhielten wir die offizielle Genehmigung. Als wir die erste Besichtigung hatten, verschlug es mir fast den Atem. Es sah alles noch aus wie früher – nur ohne Wasser. Es roch sogar noch nach Chlor. Ich fand alte Schwimmflügel und Handtücher. Es war für mich sofort klar, dass es keine bessere Location geben würde.

Was geschah dort im Film – ohne natürlich zu viel vorab zu verraten?
Rösser: Das mache ich nicht, wobei es eine meiner Lieblingsszenen ist. Zunächst sollten die Leser wissen, dass wir einen Independent-Film produziert haben, ohne Filmförderung und doppelten Boden. Das aufgebrachte Budget reicht bei anderen Filmen gerade mal für das Catering. Im Film schleicht Wilko, gespielt von Michael Herrmann, durch die Umkleidekabinen, um dort dem Geheimnis des mysteriösen Gemäldes auf die Spur zu kommen. Das Bild scheint seine Besitzer zu bedrohen. In den Umkleidekabinen herrschte eine klaustrophobische Atmosphäre. Und das Ganze bei absoluter Dunkelheit zu passieren, erforderte schon etwas Mut, selbst für die Crew. Ich hoffe, ich konnte das im Film auch so einfangen. Denn ich hatte Angst.

Was war denn die Besonderheit bei dem Dreh?
Rösser:
Wir haben aufgrund der Verletzungsgefahr noch eine Extraversicherung abgeschlossen, da vor allem das Becken des Sprungturms sehr tief war. Wir hatten uns große Gedanken gemacht, dass dort jemand hineinfällt. Übrigens befindet sich die Dachluke, durch die Wilko in das Schwimmbad gelangt, nicht im Europabad. Ich muss in nächster Zeit mal dort vorbeischauen und mir die Wohnungen ansehen. Ich glaube, ich kann noch einiges vom Ursprünglichen erkennen.

Nun dürfen Sie gerne jemandem danken für die damalige Unterstützung in der Marbach. Wem?
Rösser:
Herrn Kappeller, dem damaligen Immobilieninvestor, für die offizielle Genehmigung und dem Tennisverein Europabad Marbach und Peter Penzler. Wir haben auf dem Parkplatz oberhalb des Europabades gedreht. Als Wilko mit seinem Auto das Schwimmbad erreichte, regnete es. Eine tolle Stimmung. Zwei Nächte später, als wir dort wieder drehten, war der Boden trocken. Wir bekamen Wasser zum Anfeuchten des Parkplatzes. Ist nicht wichtig, denken Sie vielleicht, aber für uns elementar, denn die Szenen folgen direkt aufeinander und der Zuschauer hätte es gesehen. Und falls es der Zuschauer nicht bemerkt hätte, hätte ich es gewusst – und ich hätte es immer gesehen.

Stichwort Marbach-Krimi. Kennen Sie eigentlich Birger und Betty, die beiden Marbacher aus dem Buch „Plausch am Ententeich“? Oder wissen Sie, wer Harry, der schreckliche Marbacher, ist?
Rösser:
Ja, wäre gelogen, aber ich habe schnell nachgesehen. Eine interessante Herangehensweise an einen Text. Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Werde gleich ein Exemplar für meine Eltern bestellen. Das ist natürlich eine ganz andere Art, sich einer Geschichte zu nähern. Wir hatten für Streiflicht 13 Drehbuchfassungen und man ist nie zufrieden. Momentan schreibe ich an dem Drehbuch für „Der Gelbe Ballon“, eine sozialkritische Liebeskomödie.

Viel Erfolg und danke für das Interview.

Marbacher Nachrichten in Kürze

Dienstag, Juni 14th, 2016

Liebe Marbacherinnen und Marbacher,

in Kürze werden wieder die Marbacher Nachrichten in Ihren Zeitungsrohren und Briefkästen liegen. Nach dem Wechsel der Redaktionsleitung müssen wir uns neu ordnen. Zudem müssen wir zusätzlich den Ortswechsel eines Redaktionsmitgliedes verkraften. Aber der Kollege wird wohl trotzdem weiterhin Beiträge für die Marbacher Nachrichten liefern. Geplante Themen für die aktuelle Ausgabe sind daher bislang:

  • Plausch am Ententeich – der Marbach-Krimi
  • Aktueller Stand zur Bebauung hinter dem Höhenweg
  • Aktueller Stand zu einem tegut-Markt auf dem ehemaligen Gärtnerei-Gelände
  • Aktueller Stand zu den gigantischen Windrädern nahe des Görzhäuser Hofs, zwischen Marbach und Michelbach
  • Die Verkehrssituation in der Emil-von-Behring-Straße hinter der Kita
  • Die neue Saison im Marbacher Kräutergarten auf der Bürgerhauswiese, wo Mitmacher herzlich eingeladen sind
  • Die Geschichte des Feuerwehrspielplatzes in der Brunnenstraße und ein Ausblick
  • Vorstellung des neuen Marbacher Ortsvorstehers – und des Ortsbeirates
  • Reisebericht zur Turnierfahrt der Tischtennisabteilung des TSV Marbach
  • und noch Vieles mehr…

Gruß,

Daniel Grosse

Saisonstart! Brillen auf! Anbaden!

Dienstag, Mai 3rd, 2016

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Wer jetzt noch nicht seine Sommer-Schwimmbrille geputzt hat, sollte sich beeilen.   Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Morgen soll es endlich soweit sein: Das Aquamar (ohne M als Binnenmajuskel) startet in die Freibadsaison. Die Wetterprognosen sind günstig. Trockenes, warmes, sonniges Wetter haben die Meteorologen angekündigt. Also raus mit den Sommer-Schwimmbrillen! Ab 10 Uhr am morgigen 4. Mai sollen Badegäste, die dann ausschließlich das Freibadticket lösen, an diesem Tag auch freien Eintritt erhalten, teilt die Stadt mit. Täglich von 10 bis 19 Uhr wird das Freibad in den kommenden Tagen geöffnet sein.

Plausch am Ententeich – Der Unhold

Dienstag, Mai 3rd, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Plausch am Ententeich. In Marburg-Marbach geht die Suche weiter.   Bild: Barbara Grosse

In der sechzehnten Runde des Marbacher Online-Fortsetzungskrimis rund um Birger, Betty und Harry sucht ein Mann verzweifelt ein Loch zum Verschwinden, wittert derselbe das große Geld, liest irritiert ein Impressum – und ein anderer Mann weint.

Kapitel P: Der Unhold

Von Daniel Grosse

…Sein Skandal war seine Alte mit ihrer unsäglichen Art. Harry stand auf. Er musste raus aus diesem Mief. War das dort vorne an der Hausecke nicht der Zeitungsausträger? Den schnapp ich mir. Schon legte sich eine riesige Hand auf die Schulter eines kleinen Mannes. „Dich kenne ich doch. Du bringst jeden morgen brav die Zeitung und lungerst dann minutenlang vor meinem Haus herum.“ Der Zeitungsausträger wurde noch kleiner. Er beugte sich vor, suchte das Loch, in dem er verschwinden könnte. Aber es gab keines. „Kennst du die? Du kommst doch viel rum in der Marbach.“

Der Mann konnte es nicht fassen. Seine neuen Freunde. Oder waren sie eher Verbündete, Kumpane? Natürlich kannte er die zwei auf dem Foto, das ihm Harry vor die Nase hielt. War es jetzt klug, das diesem Raubein zu erzählen? Was wollte der grobe Kerl eigentlich von ihm? Der Zeitungsausträger erkannte sich selbst nicht wieder. Fast rebellisch waren seine Gedanken. Sonst immer angepasst, lehnte er sich erneut auf gegen seine Gewohnheiten. Und die waren: still sein, unauffällig leben, bloß nicht anecken. Aber dann hatte er sich das erste Mal in seinem Leben etwas getraut, neulich, als er bei dem Gartenmann geklingelt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war er jemand. Und jetzt wieder.

„Nein, die zwei Leute kenne ich nicht.“ Harry schaute den kleinen Mann aus seinen kleinen Augen an. Die Sehschlitze waren blattdünn geworden. Sein Blick bohrte sich in die Augäpfel des Austrägers. Den Schmerz vermochte dieser fast körperlich zu fühlen. Konnte er diesem Wicht trauen? Andererseits, weshalb sollte er ihn, er war schließlich Harry, anlügen. Harry gab dem Austräger das Foto. „Wenn dir diese beiden in der Marbach während deiner Touren über den Weg laufen, dann ruf mich an.“ 1234567. Harry. Diesen Zettel mit dieser Nummer und diesem Namen würde der Zeitungsausträger garantiert gut aufbewahren. Und ihn vor allem gleich seinem Team zeigen. Denn das waren die anderen inzwischen für ihn geworden: ein Team. Die beiden jungen Leute, Betty und Birger, der ältere Herr, der Fotomann, und dann noch der Gartenmann.

„Eigentlich können wir wieder nach oben zur Marbacher Hütte gehen.“ Das Team der Suchenden saß auf der Bank am Ententeich. „Vielleicht kommen die beiden Frauen ja doch noch zurück.“ Betty sprach ihre Gedanken in die Runde. „Und was ist mit Ihnen?“ Sie sah den Austräger an. Irgendwie blass sah er aus, fand Betty. Ist was? Tatsächlich diese Frage hatte Betty ihm gestellt, dachte der Zeitungsausträger. Und ob etwas ist. Ich habe euch in meiner Hosentasche stecken. Euch, wie ihr auf einem Foto erschrocken in die Kamera guckt. Und ein Vollbärtiger, Dickbäuchiger in Hausschlappen gekleideter Unhold hat mir dieses nette Porträt von euch in die Hand gedrückt. Und ich habe seine Nummer und kenne sogar seinen Namen. Was hätte der Austräger mit diesen Sätzen punkten können. Sein Ego wäre bestimmt um drei Meter gewachsen. Aber es durfte nicht sein. Er sprach diese gedachten, stummen Sätze also nicht aus. Einmal im Leben wollte er auch ein großes Geheimnis bewahren, einen Trumpf im Ärmel haben.

Natürlich wusste der Austräger von dem Foto. Und sicher war dieser Marbacher Riese der große Unbekannte hinter dem Frisierkopf-Rätsel. Betty und Birger hatten ja davon erzählt. Wenn er nun selbst mal auf der Sonnenseite stehen würde, wie wäre das?, überlegte der Austräger. Was er wohl für den Kopf bekommen würde von diesem Harry? 100 Euro, 1000 oder mehr? Da lag der Schädel vor ihm. Übel riechend, haarfein aufgerissen und mit verklebten Augen. Mit einem Trick konnte er die anderen ablenken und dann unbemerkt mit dem Schädel verschwinden. Harry würde ihn sicher fürstlich belohnen.

„Wollen Sie das haben“, fragte eine Stimme, die von ganz weg zu kommen schien. Der Austräger schüttelte sich, war wieder sofort zurück aus seiner Gedankenwelt rund um Harry. „Was denn“, fragte der Austräger?“ „Na, dieses Comic.“ Birger hielt ihm ein buntes Heft unter die Nase. Darauf zu sehen war ein Mann, nicht irgendeiner, sondern einer mit buschigem Vollbart, einem riesigen Bauch. Und seine Füße, ja, die steckten in Hausschuhen. In blutroter Schrift stand oben: Mord am Ententeich – Band 5. „Was ist denn das? Woher haben Sie das? Warum zeigen Sie mir das?“, fragte der Austräger. Seine Stimme war schrill, er zitterte. Er hatte es nicht gewagt, die erste Seite des Comics aufzuschlagen. „Das ist doch nur eines meiner Lieblingshefte. Wussten Sie denn nicht, dass ich die Comicreihe ‚Mord am Ententeich‘ regelmäßig lese? Nein, eher verschlinge ich die Hefte.“ Birger sah den verdutzten Austräger an. Betty ermutigte den Mann. „Nehmen Sie das Heft. Birger hat jeden Band mehrfach.“

Da saß er nun, der kleine Mann. Dort auf einer Bank am Ententeich in der Marbach. In seinen Händen ein Comic, das scheinbar von einem handelte, der ein Killer sein musste. Zumindest, wenn er dem Titelblatt glaubte. Geschichtenwelt und echtes Leben verschmolzen miteinander. Eben noch hätte der Austräger mit dem Kopf viel Geld verdienen können, nun wurde Harry bereits von Comic-Machern als Mörder verwurstet. Da drehte er das Heft beiläufig um, studierte die Rückseite. Ganz klein geschrieben war dort unten in der Ecke ein Vermerk: Impressum. Warum er diese Zeilen überflog, wusste der Austräger selbst nicht. Erneut spürte er eine fleischige Hand im Nacken von einem Kerl, der aber diesmal nicht real war. Der Austräger starrte aufs Impressum, denn Herausgeber der Comicreihe waren nicht etwa Disney oder Ehapa, sondern eine Frisörakademie. Und die kannte er nur zu gut.

An der Tankstelle Ecke Brunnenstraße/Emil-von-Behringstraße kaufte sich zur selben Zeit ein Mann ein Eis. Er war sehr groß und kräftig, schwarzes, volles Haar, das ihm üppig vom Kopf abstand. Er trug ein schwarzes T-Shirt und kurze Hosen. Sommers wie winters kannten ihn so die Marbacher. Auch der Tankstellenkassierer lächelte und fragte ihn: „Dazu die Bild, wie immer?“ Vor der Tankstelle schlug der Mann das Blatt auf: Eine 21 Jahre alte Frau aus Somalia überschüttet sich mit Benzin und zündet sich selbst an. Tragödie in dem australischen Flüchtlingslager auf Nauru. Damit wollte sie gegen ihre Internierung auf der umstrittenen Pazifikinsel protestieren, schrieb die Zeitung. Tränen liefen dem Mann im schwarzen T-Shirt über die Wangen.

….Fortsetzung folgt.

Mit PS, vielen Händen und viel Geduld

Freitag, April 29th, 2016

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Zwei Schlepper, Drahtseile, eine lange Leiter und Kettensägenkraft sowie viele helfende Hände – und der Mai- oder Pfingstbaum steht. Seit gestern ziert die bunt geschmückte Birke wieder das Marbacher Bürgerhaus und seinen Parkplatz. 180 gebackene Eier durften sich die Mitglieder des MGV und ihre Gäste anschließend schmecken lassen.   Fotos: Daniel Grosse

Ortsvorsteher oder eher Ortsversteher? – Kommentar

Freitag, April 29th, 2016

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Kommentar von Daniel Grosse zur Sitzung des Marbacher Ortsbeirats.   Foto: privat

Wären wir im Wilden Westen, würden wir ihn Sheriff, Häuptling oder Marshall nennen. Sind wir aber nicht, deshalb heißt er hier schlicht Ortsvorsteher. Und die Marbacher haben seit Dienstag einen neuen: Jürgen Muth.

Von Daniel Grosse

Sechs mal Ja und drei mal Nein, entschieden die Mitglieder des Ortsbeirates während der jüngsten Sitzung im Anbau des Bürgerhauses. Dann stand fest, dass Jürgen Muth künftig der starke Mann an der Spitze dieses kommunalen Gremiums sein soll. Als Nachfolger von Dr. Ulrich Rausch, nach fast zwei Jahrzehnten, in denen dieser als Ortsvorsteher für die für den Ortsbeirat (drei Worte nachträglich ergänzt!) Marbach gearbeitet hat.

Ja, gearbeitet. Denn dieses Ehrenamt darf auch weiterhin kein Posten sein, auf dem man verwaltet. Dieses Amt bedeutet Arbeit. Und davon wartet nun eine Menge auf den neuen Mann an der Spitze. Immerhin ist er als Ortsvorsteher laut Hessischer Gemeindeordnung Vorsitzender des Ortsbeirats. Und der Ortsbeirat ist immerhin zu allen wichtigen Angelegenheiten, die den Ortsbezirk betreffen, zu hören, insbesondere zum Entwurf des Haushaltsplans. Er hat ein Vorschlagsrecht in allen Angelegenheiten, die den Ortsbezirk angehen.

Was das für Angelegenheiten sind, was auch für den Ortsvorsteher Themen sein müssten, können wir täglich sehen, wenn wir durch die Marbach gehen oder fahren. Wir hören von Themen, wie Bänken, die fehlen, erfahren von Plänen zu Marbacher Wiesen und Äckern, auf denen künftig vielleicht mehrere Hundert Menschen leben könnten, lesen von Hoffnungen vieler Eltern, die sich eine Kinder- und Jugendfaschingsfeier im Bürgerhaus wünschen, sehen vor unserem geistigen Auge Windräder, die sich am Himmel über der Marbach drehen, wundern uns über eine verkohlte Ortsmitte, und wir freuen uns über eine Bürgerhauswiese mit dreizehn Wildbienen im neuen Insektenhotel sowie einen Kräutergarten und engagierte Kräuterfrauen. Und das ist längst nicht alles.

Der Ortsvorsteher sollte also auch so etwas wie ein Ortsversteher sein. Er muss zuhören können, offen sein für Vorschläge. Kreativ darf er sein und durchsetzungsstark. Muss ausgleichen und abwägen können. Hat gleichfalls eine Bringschuld, sprich, der Ortsvorsteher sollte einschneidende oder Gewinn-bringende Entwicklungen und Pläne den Marbachern mitteilen.

Der vergangene Dienstag und die Wahl Jürgen Muths stellt auch eine Zäsur dar. Ende, Einschnitt, Neuanfang – alles nur Begriffe, die aber gleichfalls verdeutlichen, wie wichtig dieses Amt ist. Weil es dazu dient, dass die Belange der Marbacher berücksichtigt werden. Ortsbeirat und sein Chef sollen Mittler zu den städtischen Behörden sein – ein helfender Vermittler. Wie sich der neue Ortsbeirat mit seinem neuen Ortsvorsteher an der Spitze künftig für die Marbacher engagiert, seinem gesetzlichen und moralischen Auftrag gerecht wird, müssen die kommenden Monate zeigen. Eines ist klar: Auch weiterhin sollte der neue Häuptling selten verwalten, umso häufiger kreativ arbeiten. Ich jedenfalls wünsche ihm dafür die viel zitierte Glückliche Hand.

Weitere Punkte, die der Ortsbeirat am Dienstag diskutierte:

  • Mehrere Mehrfamilienhäuser sollen am Steilhang unterhalb des Höhenwegs entstehen. Nicht zuletzt aufgrund des Schwerlastverkehrs und der Busse sowie der vielen Autos, die täglich den Höhenweg befahren, wird ein hoher Druck auf Straße und Hang ausgeübt. Das sollte bei einem künftigen Bau der Häuser und sämtlichen Planungen unbedingt berücksichtigt werden, hieß es. Die Gefahr von Hangrutschungen sei einfach zu groß. Die Stadt ist aufgefordert, dem Ortsbeirat die Pläne zukommen zu lassen.
  • Scheinbar soll nun doch ein Windrad nahe des Sellhofs am Oberen Rotenberg errichtet werden, keines von gewaltiger Dimension, eher ein kleineres. Lesenswert zur Meinungsbildung ist der Beitrag Marburg auf dem Weg zur innovationsfreien Zone.
  • Näheres zu diesen Punkten lesen Sie in Kürze hier bei Marbach direkt.

Auf zur Sitzung!

Dienstag, April 26th, 2016

Natürlich öffentlich, natürlich beheizt und natürlich zentral in der Marbach: Am heutigen Dienstag, ab 19.30, findet wieder eine Ortsbeiratssitzung statt. Wer möchte, kann sich die Sitzung im Anbau des Marbacher Bürgerhauses anschauen und anhören.

Auf der Tagesordnung steht bislang:

1. Feststellung der ordnungsgemäßen Einladung und der Beschlussfähigkeit
2. Wahl des Ortsvorstehers / der Ortsvorsteherin
3. Wahl des stellvertretenden Ortsvorstehers / der stellvertretenden Ortvorsteherin
4. Wahl des Schriftführers / der Schriftführerin
5. Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung
6. Anträge zur Tagesordnung
7. Bauvorhaben, Anbau eines Balkons, Karl-Justi-Straße 4, Brigitte und Lothar Oppermann
8. Besetzung des Ortsgerichtes Marburg III, Wahl eines/r Ortsgerichtsschöffen/in
9. Kenntnisnahmen, Genehmigungen, Verschiedenes, Termine
– Errichtung von zwei 5-Familienhäusern, Höhenweg 17 und 19, Helena+Viktor Doll
– Installation von Verkehrspfosten in der Brunnenstraße
– Sportlerehrung, 29. April 2016, 18 Uhr, Großsporthalle der Kaufmännischen Schulen
– Anbau einer WC-Anlage, „An der Steinkaute“, Naturfreunde e.V.
– Sauberhafter Frühjahrsputz 2016 in Marburg und seinen Stadtteilen, DBM
– „Sorge und Mitverantwortung in der Kommune“ Prof. Dr. Thomas Klie, 12. Mai 2016,
19.30 Uhr, Landratsamt, Im Lichtenholz 60
– Einweihungsfeier des „Elisabethenhof“, 27. April 2016, ab 11 Uhr, Rotenberg 60A
– Abbruch der Wanne auf dem Gebäude H0008, Pharmaserv, E.-v.-Behring-Straße 76
– Vortragsreihe „Gestaltungsmöglichkeiten bedürfnisorientierter Altenhilfe- Sorge und
Mitverantwortung in der Kommune; altenplanung@marburg-stadt.de
– Errichtung einer Gaube, Haselhecke 18, Yvonne Jäger-Kolling, Markus Kolling
– Feldwegebudget 2016

Neuer Einkaufsmarkt in Marbach

Mittwoch, Dezember 2nd, 2015

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Das Handelsunternehmen interessiert sich für einen Standort in Marbach.   Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Die Firma tegut prüft zumindest derzeit, ob sie in Marburg-Marbach, auf und hinter dem Gelände der derzeitigen Gärtnerei (Bereich Höhenweg/oberer Rotenberg) aktiv werden soll. Konkret: tegut prüft an der genannten Stelle einen Standort für einen neuen Supermarkt. Wenn dieser umgesetzt werden sollte, dann könnte mit einem Eröffnungstermin Ende 2017 gerechnet werden.

Aber viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel, mit wie vielen Parkplätzen zu rechnen ist und wie groß das Supermarktareal dann werden könnte. „Leider kann ich Ihnen noch keine weiteren Details nennen, da sich Prüfung und die danach folgenden Planungen erst im Anfangsstadium befinden. Wenn die Prüfung positiv verläuft, werden wir dazu zu gegebenem Zeitpunkt auch informieren“, so Stella Kircher, Leiterin der tegut-Unternehmenskommunikation, gegenüber „Marbach direkt“.

Weiteres in Kürze!

Plausch am Ententeich

Montag, Oktober 12th, 2015

Von Daniel Grosse

Die Marbach hat es verdient, dass über sie geschrieben wird. Deshalb startet bei MARBACH DIREKT in Kürze „Plausch am Ententeich“. Im besten Sinne des Wortes ein Groschenroman. Starke Charaktere leben in den Geschichten. Machen sie lebendig. Leser erkennen bekannte Straßen, Plätze und weniger bekannte Ecken Marbachs wieder. Und vielleicht auch so manche Marbacher Originale? Diese streiten, schimpfen, leben, lieben. Sie arbeiten oder faulenzen. Alles ist erlaubt. Es darf auch kitschig oder fies oder böse sein. Freuen Sie sich auf „Plausch am Ententeich“. Und: Natürlich ist bei „Plausch am Ententeich“ alles erfunden 😉