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Eiskalter Besuch an der Haustür

Donnerstag, November 10th, 2016

Von Daniel Grosse

Gegen den wohl künftigen Präsidenten der USA anschreiben zu wollen, nachrichtlich, ist nicht leicht in diesen Tagen. Zu präsent ist dieser höchst umstrittene Mann mit seinen „ungewöhnlichen“ Ideen. Zurückhaltend formuliert. Trotzdem ein Versuch mit einem eher zeitlosen Thema: Auch in der Marbach bestellen Studenten, Hausfrauen, Hausmänner, Geschäftsleute, Rentner und andere Marbacher hin und wieder bei den großen Versendern. Sie ordern Musikinstrumente, elektronische Geräte, ganze Küchen und was sonst noch alles. Und eben auch Lebensmittel. Sogar der Gigant unter den Versendern mit dem großen A am Anfang hat Lebensmittel im Angebot. Er ist erfolgreich. Aber wer wirklich die Zeichen der Zeit erkannt hat, und das schon vor vielen Jahren, sind zwei andere Versender, große Nummern im Direktvertrieb.

Und noch viel direkter als all die anderen Unternehmen: Diese zwei Tiefkühltruhen auf Rädern mit B und E am Wortanfang liefern Produkte wie Fritten, Schnitzel und Eis, heruntergekühlt auf eisige Minusgrade. Direkt ins Haus.

Und es gibt sie immer noch, diese zwei Unternehmen. Erstaunlich, wo doch inzwischen die Discounter dieser Welt spätestens nach 15 Autominuten deutschlandweit zu erreichen sind und auch selbst der Gigant unter den Versendern die leckere Eiskugel zur Haustür bringt. Welches Geheimnis macht diese zwei Relikte der Konsumwelt also so erfolgreich? Ist es das Umsorgen des Kunden? Funktioniert das Geschäftsprinzip der Tiefkühlprofis, weil sie Kunden bedienen, die den besonderen Service in Anspruch nehmen, weil sie das eben so schon seit Jahrzehnten machen? Zumindest scheinen die frostigen Direktvertriebler an ihrem Geschäftsmodell festzuhalten. Denn die Tiefkühltruhen auf vier Rädern rollen allwöchentlich durch die Marbach. Ein Mann mit Headset im Ohr und hektischem Gebaren springt aus seinem Fahrzeug, klingelt und händigt den Kunden zwei, drei oder fünf Beutel oder Pakete mit Tiefkühlkost aus. Ist das das Geschäftsgeheimnis? Sich als der mobile Tante-Emma-Laden zu gerieren, der eben persönlich kommt, die Ware auch ins Haus trägt, gerne auch über Jahrzehnte hinweg? Der einen schnellen Plausch führt. Der seine Kunden – oder eher Kundinnen – schon seit Jahren persönlich kennt, was auch daran zu erkennen ist, dass der Fahrer sie persönlich namentlich anspricht und die Nachbarschaft kennt?

Also, wir fassen zusammen: Was die Giganten der Versender machen, machen andere schon seit vielen, vielen Jahren. Scheinbar nur besser oder zumindest mit Ausdauer. Und in einem kleinen Bereich. Sie haben eine Nische gefunden – das Eisige. Und diese Nische bedienen sie konsequent.  Sie kommen und bringen die Ware ins Haus. Die Kunden dieser Direktvertrieb-Relikte sind… Ja, wer? Familien, Alleinstehende, Ältere, die ohne Auto? Und sind es auch die, die schlecht NEIN sagen können, zu dem, was sie schon seit Jahren umsorgt? Denn was wäre die Alternative, zumindest unter den Direktvertrieblern der Minusgrade-Branche zu wählen? B oder E? Denn das sind die zwei, die sich den eiskalten Markt teilen. Und ein Heraustreten aus diesem Umsorgtsein würde für Kunden zudem bedeuten, zu Discountern wie etwa A oder L zu wechseln. Aber die kommen eben nicht bis vor die Haustür. Noch nicht. Obwohl eine der Ketten doch immer wieder damit geworben hat, die des Supermarktimperiums mit dem R am Anfang. Wir liefern zu Ihnen nach Hause. Ab 30 Euro Einkaufswert. Kostenlos. Aber: Tiefkühlware ausgenommen. Das lässt also die rollenden Tiefkühltruhen der zwei eingangs beschriebenen Tiefkühldirektvertriebler kalt und wohl gleichzeitig vor Eifer glühen. Das ist ihr Markt und da sind sie stark. Und was kostet dieser Service und das Umsorgtsein? Selber fragen!

Was auf den ersten Blick wie eine PR-Nummer für B und E daherkommt, sind eher Gedanken um veränderte Konsumgewohnheiten, die natürlich auch vor der Marbach nicht Halt machen. In unserem Stadtteil leben viele Ältere und Familien. Teilweise schon seit Generationen. Und da ist es besonders interessant, zu beobachten, wie sich alte Geschäftsmodelle Nischen bedienen, eiskalter Nischen, deren Macher schon früh erkannt haben, wie wichtig es ist, nah am Kunden zu sein, statt ihn lediglich zu beliefern von irgendeinem Paketdienst. Direktvertrieb alter Schule? Staubsaugervertreter von V fällt mir da ein… Aber das ist ein anderes Thema.

Plausch am Ententeich – Die Hütte

Dienstag, Juni 14th, 2016

Gut, damit steht unter diesem fünfundzwanzigsten Kapitel ein letztes Mal „Fortsetzung folgt“. Denn mit dem Kapitel Z ist in Kürze der hyperlokale Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, beendet. Dieses Mal lesen Sie, warum es manchmal scheinbar wichtig ist, innerorts 80 zu fahren, warum die Augen brannten, was sich durch die Marbach schlängelt, wer keine Auskunft erteilt, was Hütten verbergen und was ansonsten Unfassbares auf der Welt geschieht.

Kapitel Y: Die Hütte

Von Daniel Grosse

…Hätte der Zeitungschef gewusst, was soeben in der Marbach geschehen, war, er hätte die Bargeld-Meldung von der Seite gekickt. Aber sie war im Moment nun einmal das beste, was er hatte für die Seite 1. Da klingelte sein Telefon. „Krahlich, Pressestelle Marburger Polizeipräsidium, wir haben ein Problem.“ Eine Minute später hätte der Journalist den PR-Kollegen der Polizei am liebsten gleichzeitig umarmt und erwürgt.

Inzwischen war es später Sonntagnachmittag, 16 Uhr, in vier Stunden würde Harrys Ultimatum ablaufen, wenn der Kopf bis dahin nicht gefunden war und bei Harry wäre. Das war Birger, Betty, dem Gartenmann, dem Zeitungsausträger und auch dem älteren Herrn bewusst – aber egal. „Was kümmert uns das jetzt noch?“, fragte jemand von ihnen in die Runde. Betty kniete neben der schönen Polizistin und hielt sie fest im Arm, blinzelte Birger dabei zu. Der verstand nichts. Oder doch? Betty und Frauen?, überlegte Birger. Das klären wir später. Die Kommissarin war noch immer ganz benommen, hatte aber schnell ihre Dienststelle angerufen. Der Pressemann dort reagierte, woraufhin kurz darauf das Telefon des Redaktionsleiters geklingelt und dieser von der Sache in der Frisörakademie erfahren hatte. Allerdings hatte die Polizei keineswegs ein Interesse daran, dass ein Journalist schnelles und gutes Futter für seine Zeitungsseiten bekommen sollte. Das Interesse ging in eine ganz andere Richtung. Die kleine Vermisstenmeldung kürzlich in der Zeitung, war der Anlass. Biene und Bella wurden darin beschrieben, es hieß, sie seien vermisst. Um Hinweise war gebeten worden.

Und deshalb kam nun auch einige Minuten später der Redaktionsleiter gemeinsam mit dem Polizeisprecher Krahlich in einem alten Porsche 911 den Marbacher Weg herauf gerast. „50 bitte, der Herr.“ Doch der Journalist kümmerte sich nicht um den Regel-hörigen Krahlich neben ihm. 80 zeigte die Tachonadel, als die beiden am Abzweig zum Köhlersgrund vorbei fuhren. „Das klären wir später“, sagte der Polizeisprecher streng, drehte den Kopf zur Seite und grinste. Schließlich wusste er, wie sehr sich der Journalist nach jedem Signal der Kommissarin sehnte. Jedes kleine Zeichen, das andeutete: „Ja, mit uns zwei könnte es etwas werden“, war ein Fest für den Zeitungsmann. Er begehrte diese Polizistin. Und nun war sie verletzt, wie schlimm, wussten weder der Polizeisprecher noch der Journalist. Beide mussten schnell zu ihr.

Vor dem Frisörsalon stand bereits ein Notarztwagen. Ein Flatterband sperrte die Frisörakademie weiträumig ab. Neugierige reckten die Hälse. Die Marbacher Feuerwehr hatte erst vorhin einen gemeinsamen Ausflug mit dem örtlichen Männergesangverein unternommen. So kam es, dass auch zwei Feuerwehrfahrzeuge unweit des Tatorts parkten. Schnell wuchs die Zahl der Neugierigen an. „Was ist los?“, rief jemand dem Gartenmann zu, der vor der Akademie kurz frische Luft schnappen musste. „Frag die Polizei“, erwiderte der. „Aber du bist doch vor Ort. Also, was ist passiert?“ Langsam wurde der Marbacher Ortsvorsteher unruhig. Kannte er doch den Gartenmann schon so viele Jahre und nun stellte der sich so bockig an. Noch nicht mal diese kleine Auskunft. Missmutig stellte sich der Ortsvorsteher zu den anderen in die Menge.

„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gesehen? Was ist geschehen?“ Wie die Kommissarin, war auch der Polizeisprecher ein Profi. Die Fragen durften sachlich sein. Anteilnahme kam später. Jetzt ging es um schnelle Ermittlungsergebnisse. Auch der Redaktionsleiter war dazu gekommen. Sanft, fast schon beiläufig, küsste er die Polizistin auf die Wange. Sie schaute ihn an, lächelte. „Du bist lieb, aber jetzt zur Sache“, sagte die Kommissarin und berichtete präzise, was geschehen war. Birger und Betty, die die Zärtlichkeiten zwischen den beiden sehr wohl bemerkt hatten, hörten der Kommissarin zu. Der ältere Herr mit seinen Pressefoto-Erfahrungen vom WM-Jahr 1982 und der Redaktionsleiter nickten sich zu. Sie kannten sich schon seit Jahrzehnten. Auch den Zeitungsausträger hatte der Zeitungschef erkannt. In der Kantine des Zeitungshauses war er ihm häufiger aufgefallen, so schüchtern und klein wie er war. Wohl gerade deshalb.

Diese paar Haare, dort am Tatort, mussten dieser Biene gehören. Der dicke Mann, der der Kommissarin eine halbe Dose Reizgas in die Augen gesprüht hatte, war ganz sicher Harry. Also der, der unbedingt diesen Frisierschädel brauchte. Alles schien so klar und einfach zu sein. Zudem zog sich auch noch eine lange Blutspur durch den Flur der Frisörakademie. Also gab es für die Spurensicherung und ihre Kollegen von der Medizinerfront massenweise Material. Fast schon wie eine Schnitzeljagd, dachte Birger. Da müssten sie diesen Harry doch leicht finden können.

„Ihr habt uns doch damals diese Meldung geschickt, dass zwei Frauen, die eine mit roten Haarbüscheln und die andere mit einem Po-langen schwarzen Zopf, von der Frisöakademie vermisst wurden, oder“, fragte die Kommissarin den Redaktionsleiter wieder ganz sachlich. „Ja, nach dem Anruf eures Herrn Krahlich habe ich schnell die Unterlagen geholt und die Datei aus der Anzeigenabteilung ausgedruckt.“ Die Anzeige war damals nicht per Mail, per Internet oder telefonisch bei der Marburger Tageszeitung eingegangen – sondern persönlich überbracht worden. „Ja, das ist schon ungewöhnlich, kommt aber vor in kleineren Städten wie Marburg.“ Der Journalist grinste. „Und wisst ihr, wie die beiden Personen aussahen, die die Vermisstenmeldung bei uns in der Anzeigenabteilung abgegeben hatten?“ Diese Besonderheit war das erste, was ihm seine Kollegin im Zeitungshaus vorhin noch zugerufen hatte, diese komische Randnotiz. „Die eine hatte rote Haarbüschel auf dem Kopf und die andere einen sehr, sehr langen Zopf.“ Wow, das wird doch noch eine Geschichte, freute sich der Journalist, während er das den anderen berichtete. Denn so sehr er auch das Vertrauensverhältnis zur Poizei schätzte und diese unglaubliche Ermittlerin liebte, war er doch auf seinem Gebiet zu sehr Profi, als dass er das nicht verarbeiten würde. Noch nicht morgen, aber vielleicht übermorgen würde das sein Aufmacher auf der Seite 1.

„Und welche Namen hatten die beiden“, wollte die Kommissarin wissen, „mit welchen Namen haben sie die Suchanzeige unterzeichnet?“ Tine und Stella Berger. Irgendwas stimmte nicht. Allen war das klar. Und das war mehr als dieses Ähnlichkeit der Personen und die ähnlich klingenden Namen der Frauen. Biene und Bella, Tine und Stella. Rote Haare, schwarzer Zopf. Harry. Den galt es zu finden.

Aus dem Hinterausgang der Frisörakademie trat ein ganzer Pulk an Menschen heraus. Zum Glück hatten die Kollegen von der Spurensicherung und die Mediziner nichts dagegen, dass sie der Blutspur folgten. Die Spur war breit, verwertbares Material in Massen. Die Kommissarin ging vorne weg, dahinter der Polizeisprecher, zwei weitere Beamte, und in einigem Abstand folgten der Redaktionsleiter, zudem Betty, Birger und die drei Marbacher, die inzwischen schon so etwas,wie ihre Freunde geworden waren. Das Du war längst selbstverständlich.

Das Grüppchen ging durch mehrere Gärten, stieg über drei Zäune, immer noch schlängelte sich die Blutspur durch die schöne Marbacher Natur. Die Kommissarin hatte dem brutalen Mann in den Oberschenkel getroffen. Dem starken Blutverlust nach zu urteilen, war das Projektil scheinbar in ein Gefäß eingedrungen mit lebenswichtiger Funktion. Ob dieser Mann überhaupt noch lebte?, fragte sich die Polizistin und stand plötzlich vor einem – nein, ein Haus war das nicht, eher eine Hütte. Sie kannte sich in der Marbach zwar nicht sehr gut aus, aber irgendwo in der Nähe der Brunnenstraße mussten sie wohl sein. Die Turmglocken der Markuskirche läuteten. 17 Uhr.

Von drinnen drang Geschirrgeklapper durch die Fenster. Eines stand offen. Ein Radio war wohl eingeschaltet, der Nachrichtensprecher machte seinen Job: „Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.“ Der Nachrichtensprecher fasste mit diesen Worten nochmals zusammen, was bereits den ganzen Tag durch die Medien ging und so unfassbar schien.

Alle hatten einen Kloß im Hals nach dieser Meldung, aber die Polizisten und der Journalist waren Profis genug, so dass sie gleich wieder innerlich umschalteten und auch hier in der Marbach mit dem Schlimmsten rechneten: mit einem schwer bewaffneten, schwer verletzten brutalen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte – außer diesen Frisierkopf vielleicht. Dann ging alles ganz schnell. Die einfache Holztür zerbarst, die Polizisten stürmten in die Hütte, in der Küche schrie eine Frau. Und in einem großen roten Sessel saß ein Mann mit dickem Bauch und Glatze, Hausschuhen an den Füßen, sein Vollbart war seltsam weiß verschmiert. Weit aufgerissene Augen starrten die eben Hereingestürmten an. In dem Mund des Mannes steckte etwas. Es war weiß und stank. Der Mann war nicht verwundet.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Ekelmasse

Donnerstag, Juni 9th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Die Jagd nach dem Kopf – ob sie schon beendet ist? In dem Marbach-Krimi wird es eklig. Zeit für die Ermittler der Polizei? Schließlich könnte es um mehr gehen als nur einen Frisierkopf und nur einen angekündigten Mord.   Bild: Barbara Grosse

Die zweiundzwanzigste Runde vom hyperlokalen Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, startet. Erbrochenes kommt darin vor, viele Fragen tauchen auf, der Kopf macht mehr als Ärger und frische Luft tut einfach gut. Und dann noch der Wahlkampf.

Kapitel V: Die Ekelmasse

Von Daniel Grosse

…Hunderte Kilometer südlich der Marbach feierten währenddessen die Schweizer ein Jahrhundertereignis. Wie bei Birger, geschah dieses Unfassbare im Untergrund, tief drinnen im Fels. Denn nach fast 17 Jahren Bauzeit hatten die Schweizer im Gotthard-Massiv tatsächlich den längsten Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Am nördlichen und südlichen Ende fuhren gleichzeitig die ersten Züge in den Berg, verkündeten rund um die Welt die Nachrichtensprecher. Aber davon bekam Birger nichts mit. Wohl spürte er die feuchte Hand, die sich auf seine Wange legte. Aber dieses Gefühl, und das Husten neben ihm, verschwanden – waren plötzlich ganz weit weg.

Menschen flüsterten durcheinander, hatten krächzende Stimmen. Irgendwo inmitten dieser Dunkelheit schienen sich bedauernswerte Kreaturen zu übergeben. Würgegeräusche und ein beißender Geruch nach Buttersäure waren der Beweis dafür. „Wie sehen wir bloß aus“, fragte eine Frau. Ein Mann: „Ich kann nichts sehen.“ Über und über war er von Zeitungspapier bedeckt. Eine Stimme hinter einem Erd-verschmierten Gesicht wollte eben sprechen, erstarb jedoch, spuckte stattdessen einen großen Schwall Halbverdautes über die anderen hinweg. Es war absolut finster. In weiter Ferne riefen Kinder sich etwas zu, es hörte sich an wie: „Kommen wir noch pünktlich zur Schule?“

Birger war es, der sich plötzlich blitzschnell aufrichtete, ganz automatisch sein Smartphone nahm. Funkstille. Kein Strom mehr. Der Akku war längst leer. Ach, er befand sich ja in dieser feuchten Gruft. Birger kombinierte, so weit er das überhaupt noch schaffte in seinem Zustand, so sehr dröhnte sein Kopf – und dann diese Übelkeit. Seltsam, wie bei den anderen, wunderte er sich. Birger musste Stunden geschlafen haben. Oder war er derart lange sogar bewusstlos gewesen? Und was war hier eigentlich um ihn herum los? Es musste früher Morgen sein, Schulbeginn. Das Ultimatum. Birger rechnete, kam auf etwa 12 Stunden, die noch verblieben, ehe die Lebenszeit von Biene und Bella ablief. Es sei denn, Harry würde bis dahin den künstlichen Kopf zurückbekommen.

Eigentlich hatte ihn und die anderen all das aber gar nicht mehr zu interessieren. Harry war zweifelsohne extrem gefährlich, Biene und Bella schienen sadistisch durchs Leben zu gehen – und der Kopf? Ja, wo war der geblieben?

Birger nahm sein Feuerzeug aus der Hosentasche, zündete, die kleine Flamme spendete ein wenig Licht. Da erkannte er Betty. Sie kniete direkt vor ihm. Sie lächelte, umarmte ihren Freund liebevoll, und Birger begann zu erzählen, von gestern Abend. Davon, wie grotesk und seltsam sie und die drei Männer in diesem feuchten Marbacher Untergrund zugerichtet waren. Er berichtete ihnen von jedem Detail. Was keiner der fünf verstand, war, woher diese Übelkeit gekommen war. Denn sogar Birger war ja die ganze Zeit kurz davor, sich komplett zu entleeren. Zumindest den Magen. Und in der Luft waberte noch immer dieser ekelhafte Geruch, den die fünf kannten. Es war der Gestank aus dem Frisierkopf. Stimmt, der Kopf hatte ja einen Riss. Und vor vielen Stunden war dieser Gestank schon einmal aus dem Kunst-Schädel geströmt. Etwa in dem Haus des älteren Herrn, der so gern fotografierte. Also musste der Kopf doch hier sein, hier unten in diesem Labyrinth der feuchten Gänge und Räume.

„Wohin seid ihr eigentlich gestern so schnell verschwunden, nachdem diese beiden wahnsinnigen Stylefrauen Biene und Bella in der Markuskirche aufgetaucht waren? Ich hatte noch mit einem Teenager und diesem dicken Harry das Vergnügen. Dann rief ich auf deinem Telefon an, Betty, und da meldete sich diese Biene. Was war los? Haben die beiden verrückten Frauen euch so unglaublich durchgeknallt in Szene gesetzt – du mit Sahne, der alte Mann mit den Objektiven über dem Gesicht, die Erde auf dem Gartenmann und dann noch der in Zeitungspapier eingewickelte Austräger?“ Die Fragen purzelten nur so aus Birger heraus.

Woher sollte Birger auch wissen, dass Biene und Bella bewaffnet gewesen waren, gestern abend. Dass die vier sich plötzlich zwei Pistolen gegenüber sahen. Was hätten sie anderes tun sollen, als mit den beiden Verrückten mitzugehen, wohin auch immer? Sie hatten tatsächlich Betty, den Gartenmann, den älteren Herrn und den Zeitungsausträger in diesen gigantischen Wassertank im Erdinnern neben der Brunnenstraße gebracht. In dieses Labyrinth. Dort lagerten bereits die ganzen Utensilien, die die beiden Frauen für ihre Inszenierung brauchten: Sahne, Erde, Objektive, Zeitungen. Aber warum das Ganze? Weil sie den Kopf nicht bei den vier Menschen fanden, die sie entführt hatten? Aus Rache? Nein, dafür schien alles zu sehr geplant gewesen zu sein. Immerhin wussten Sie ja scheinbar auch einiges über die Vorlieben, Hobbys oder die Berufe der Entführten.

Was Biene und Bella allerdings nicht wussten, war, dass der Kopf die ganze Zeit, keine zehn Meter von ihnen, in einer Ecke des Raumes lag, verborgen hinter einer alten, angeschimmelten Holzkiste. Betty hatte ja den Rucksack mit dem Kopf nach der Aktion in der Markuskirche dabei gehabt und ihn schnell versteckt. Sie fürchtete sich zwar sehr, als die beiden Frauen sie zwangen, sich in diesem feuchten Raum hinzulegen und still zu sein. Aber den Rucksack hatte sie zum Glück noch hinter die Kiste werfen können. Da lag er immer noch.

Der anfängliche Riss hatte sich durch den Aufprall geweitet. Ein großes Loch offenbarte den Inhalt des Kopfes. Eine weiße Masse quoll in der Nacht hervor. Die roch zwar jetzt immer noch etwas seltsam, in den vergangenen Stunden hatte sich ihr Aggregatzustand allerdings verändert. Von wabbelig hin zu fest. Und dieses Etwas aus dem Kopfinnern verhinderte, dass von weiter drinnen das, was den fünf den Magen umgedreht hatte und sie in Tiefschlaf versetzt hatte, weiterhin die Luft verpestete. Ein noch viel schlimmerer Stoff. Aber der Narkoseeffekt endete damit zumindest. Schon als Bella und Biene am Vorabend damit begonnen hatten, die vier so seltsam herzurichten, hatte die narkotisierende Wirkung eingesetzt. Ganz langsam. Trotzdem waren die vier schnell sehr schläfrig geworden, die beiden Stylefrauen hingegen sahen zu, dass sie, leicht benommen, noch aus dieser stinkenden Gruft herauskommen konnten. Das hatten sie geschafft. Allerdings ohne den Frisierkopf.

Die fünf Marbacher Helden standen vor der schweren Eisentür, atmeten tief durch. Endlich draußen an der frischen Luft. Durch die Brunnenstraße fuhren die Autos im Berufsverkehr. Birger dachte an das Kondom in den dunklen Gängen. Ihn ekelte die Vorstellung. Noch mehr als gestern. Aber die frische Marbacher Morgenluft tat gut. Die fünf saugten die Frische in ihre Lungen. Schräg gegenüber steckte die aktuelle Zeitung im Gartenzaun des Gutshofs. Der Zeitungsausträger wunderte sich zwar darüber, wer seinen Job übernommen hatte, las dann aber vor: „Der US-Vorwahlkampf ist zu Ende: Hillary Clinton sichert sich die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten – als erste Frau in der Geschichte der USA, ein historischer Moment.“ Trotzdem sei sie, Medienberichten zufolge, die unbeliebteste Kandidatin seit Langem. Nur einer sei unbeliebter – der Mann, der zwischen ihr und dem Weißen Haus stehe: Donald Trump. „Den greift sie denn auch frontal an“, las der Austräger vor. Schön, dachte Betty, wie wohl unser Kampf hier ausgeht. War es Zeit, die Polizei einzuschalten?

…Fortsetzung folgt.

Die Geschichte hinter dem Krimi: Plausch am Ententeich

Freitag, Mai 27th, 2016

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Noch etwas PR in eigener Sache: Noch in diesem Sommer soll der Plausch am Ententeich als Taschenbuch erscheinen.    Foto: Daniel Grosse

Liebe Leserinnen und Leser,

was steht hinter dem Konzept für den hyperlokalen Online-Fortsetzungskrimi PLAUSCH AM ENTENTEICH?
Dahinter steht die Idee, dass ich eines meiner originär journalistischen Dinge belletristisch weiterdrehen möchte. Unter MARBACH DIREKT habe ich in meinem Blog bislang Ergebnisse von Recherchen in unserem Stadtteil Marbach geliefert. Es entstand so etwas wie eine hyperlokale Online-Zeitung. Aber da geht noch mehr, fand ich, nämlich den Menschen, den 4000, die hier leben, einen kleinen Krimi zu bieten. Die Figuren darin sind erfunden, die meisten jedenfalls. Die Plätze und Orte hingegen gibt es tatsächlich.

Als ich im Februar nach und nach die ersten Kapitel online stellte, war der Plausch am Ententeich noch eine reine Schmonzette. Ein Online-Fortsetzungs-Groschenroman. Mit Herz, Schmerz, Liebe. Das lag mir aber schreiberisch und dramaturgisch gar nicht. Es entwickelte sich ein Krimi.

Über einen Verteiler und eine WhatsApp-Gruppe informiere ich jedes Mal einen festen Leserkreis, wenn der Plausch erneut online geht.

Warum diese zeitliche Begrenzung (und nicht z. B. eine andere zeitliche Begrenzung)?
Weil ich jeweils nur eine Stunde für ein Kapitel aufwenden möchte. Ich möchte in diesen 60 Minuten das Maximale stemmen. Das ist immer realistisch, funktioniert, manche Fehler kann ich natürlich nicht ausmerzen. Zu knapp ist die Zeit. Ich finde den Gedanken so charmant, als One-Man-Show Ende Juni sagen zu können: Ich habe in 26 Stunden ein kleines Buch mit 26 weitestgehend improvisiert geschriebenen Kapiteln verfasst, das zudem halbwegs logisch, fehlerfrei und vor allem unterhaltsam daherkommt. Und die Leser haben es gerne gelesen, hoffe ich. Rückmeldungen kamen in den vergangenen Wochen immer wieder. Weitestgehend positive.

Seit drei Kapiteln baue ich am Ende immer etwas aktuell real Nachrichtliches ein.

Warum die Kapitel A-Z? Hat das Alphabet irgendeine Bedeutung für die Geschichte? Oder die Zahl 26?
Weil das Projekt damit einen klaren Anfang und ein Ende hat. Auch zeitlich. So kann ich zudem punktgenau bei Z landen. Wie es ausgeht, weiß ich heute noch nicht. Das überlege ich mir in dem Moment, wo ich mit Kapitel Z beginne.

Lustig ist auch jedes Mal, dass ich meine Figuren eigentlich erst beim improvisierten Schreiben immer besser kennen lerne. Eine Schreibübung? Das ist der Plausch am Ententeich. Fernab von meinem Broterwerb, dem Journalismus rund um Recht, Juristen, Beruf und Karriere. Also ein ganz anderes Schreiben. Und wenn Leser an dieser Übung auch noch teilhaben können mit einem Krimi aus und über ihren Beritt – umso besser.

Derzeit skizziere ich einen großen, klassischen Print-Roman. Vielleicht wird’s ein Krimi. Die Anfangsidee steht schon lange fest. Können Sie übrigens auf meinem Blog lesen. Einfach nur ‚Panoramabilder‘ und ‚Daniel Grosse‘ und ‚Marbach direkt‘ in eine Suchmaschine eintippen. Oder Sie klicken diesen Link an: http://irondan.de/?p=50

Gruß, Daniel Grosse

Plausch am Ententeich – Die Treppe

Mittwoch, Mai 25th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Ob Birger und Betty jemals wieder in aller Ruhe miteinander Schwarzwälder Kirschtorte essen und verliebt durch die Wälder rund um die Marbach joggen? Drücken Sie den beiden die Daumen! Die Jagd nach dem Kopf kann nicht mehr lange dauern. Kapitel Z naht.    Bild: Barbara Grosse

Auf zur neunzehnten Runde. Der Online-Fortsetzungskrimi Plausch am Ententeich zeigt Dramatik im Treppenhaus der Markuskirche, bringt einen Bauch ins Spiel, lässt Teenager in Jugendsprech sprechen und macht einen jungen Marbacher todunglücklich.

Kapitel S: Die Treppe

Von Daniel Grosse

…Im Haus neben der Markuskirche stritt sich zur gleichen Zeit lautstark ein Paar darüber, mit welchem Antrieb ihr neues Auto denn fahren sollte. Mit Benzin, Diesel, Rapsöl, Gas oder Strom. „Da hast du’s“, sagte die Frau und knallte ihrem Mann eine Zeitung vors Hirn. „Lies doch selbst!“ Laut der Meldung sollen Käufer von batteriebetriebenen Pkw ab sofort einen Zuschuss von 4000 Euro bekommen. Für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor betrage die Prämie 3000 Euro, war dort zu lesen. Drinnen in der Kirche war es still geworden.

„Feierabend! Her damit!“ Ob Biene oder Bella, das nun sagten, während sich der Griff um seinen Knöchel immer fester umschloss, konnte Birger nicht mehr wahrnehmen. Er spürte einen gewaltigen Schlag in seinen Magen. Vornüber beugte sich der junge Marbacher. Aus seinen Augenwinkeln sah er nur noch, wie er von der obersten Stufe des Treppenhauses der Markuskirche, wie in Zeitlupe, nach vorne fiel. Die fünfte, sechste Stufe kam immer näher. Noch 40 Zentimeter und er würde mit seiner Stirn mit voller Wucht auf die Stufenkante prallen. Sein Ende. Birger wunderte sich unter Schmerzen und im freien Fall darüber, wie viele Gedanken nur in Millisekunden durch ein menschliches Gehirn schießen können. Gerne hätte er noch länger fasziniert sein eigenes physisches und psychisches Vermögen betrachtet und darüber sinniert. Aber sein Kopf war zu nah am Aufprallpunkt angekommen. Es war soweit. Birger schlug auf.

Dass sich das so weich anfühlt, wunderte ihn dann doch. Und er roch etwas, einen Menschen. Mit starken Magenschmerzen streckte sich Birger auf der Treppe, schaute hoch. Er blickte in zwei Augen, die er aber nur in diesem Gesicht vermutete. Sehen konnte Birger die Augen nicht – denn sie waren verbunden.

Mit dem Kopf war er auf einen riesigen Bauch geprallt. Dieser Bauch gehörte zu dem bärtigen Mann mit der Binde im Gesicht. Hinter ihm standen zwei gestylte Frauen, die aber nicht Biene oder Bella waren.„Na mein Kleiner, hast du etwas für mich?“, fragte der Bärtige, dessen Füße in Hausschlappen steckten. Ohne Zweifel: Harry! Wo war der Kopf bloß? Im Rucksack, fiel es Birger wieder ein, und den hatte doch eben noch Betty, als die wahnsinnigen Frauen, Bella und Biene, sie an der Treppe überrascht hatten. Birger überlegte. „Was soll ich denn haben?“, fragte er den Bärtigen. Schon hob dieser Harry seine rechte Hand, wollte zum Schlag ausholen, da hielt ihn jemand von hinten fest. Eine der beiden Begleiterinnen, die den zurzeit sehbehinderten Harry in die Markuskirche geführt hatten, stoppte ihren Chef. „Harry, der hat doch nichts dabei. Schon gar nicht den Kopf.“ Das überzeugte den Bärtigen. „Aber dass nur noch 26 Stunden verbleiben, bis mein Ultimatum abläuft, das weißt du schon, oder?“ Diese Frage von Harry beantwortete Birger mit einem kurzen Nicken. „Und wie schon vor zig Stunden durch den Schädel mitgeteilt: Wenn ich bis dahin diesen beschissenen Frisierkopf nicht zurück bekomme, wird etwas mit Bella und Biene geschehen, was du dir mit deinem kleinen Spatzenhirn niemals selber ausdenken könntest.“

Da saß Birger nun. Er lehnte an der Treppenhauswand, saß auf der sechstletzten Stufe in einer Kirche, hatte stechende Magenschmerzen – und seine Begleiter samt seiner lieben Betty waren verschwunden. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Von unten hörte Birger noch, wie eine schwere Tür ins Schloss fiel. Seinen Kopf senkte er auf die Brust, er wollte nur noch schlafen. Kurz vor dem Einnicken sah Birger zwei Turnschuhe. Sie standen direkt vor ihm. In den Turnschuhen steckte ein Junge, vielleicht 13 oder 14. Er grinste Birger an. Seine riesigen Kopfhörer bedeckten fast den halben Kopf. Ein Ohrteil hatte der Junge keck zur Seite geschoben. „Hey Alter, hast du auch den Typen gesehen mit dem Megabauch und den Hausschlappen?“ „Lass mich bitte in Ruhe“, bat Birger den Teenager. Der zuckte nur mit den Schultern und ging an Birger vorbei. Oben an der Treppe angekommen, nahm er allerdings auch das zweite Ohrteil von seinen Gehörgängen weg, tippte auf sein Smartphone und im nächsten Moment hörte Birger einen Sprecher sagen: „Hier ist youfm, dein Sender. Du hast es sicher schon gehört: Die Würzburger Kickers haben in der Relegation gegen Duisburg souverän den Durchmarsch in die Zweite Liga geschafft. Bis vor kurzem kaum vorstellbar.“

„Cool, oder?“, hörte Birger den Teenager noch fragen. Ja, cool, dachte sich Birger. Aber eigentlich war gar nichts cool. Fußball schon gar nicht. Alles war beschissen. Birger fühlte sich schlecht. Er nahm sein Smartphone, drückte eines der Kurzwahlfelder, wartete. Vier mal tutete es. Dann meldete sich eine Frauenstimme – und das war nicht Betty. Zu der Stimme gehörte eine Frau mit roten Haarbüscheln, was Birger sofort klar war. Mist. Was tun? Dann begann die Stimme zu sprechen und was sie sagte, gefiel dem jungen Marbacher gar nicht. Überhaupt nicht.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Kirche

Mittwoch, Mai 18th, 2016

Die achtzehnte Runde vom Plausch am Ententeich lässt die Markuskirche erzittern, macht zwei Frauen zu blitzschnellen Jägerinnen, bringt fünf Marbacher in größte Not, und ein Mann erfährt, was die Politik vorhat.

Kapitel R: Die Kirche

Von Daniel Grosse

…Dort vorne, keine 30 Meter entfernt, gingen Biene und Bella. Das sahen auch die anderen aus der Gruppe. “Hinterher!” Betty schaltete als erste. Als sie an der Tankstelle vorbei kamen, sahen sie auch die Meldung, die der Spiegel aktuell auf dem Titelblatt hatte. Danach hatte der Moderator und Republik-Aufreger Jan Böhmermann in einem Video soeben in seiner Show “Neo Magazin Royale” gezeigt, wie seine Redaktion zwei Schauspieler als Kandidaten in eine Sendung namens „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust hatte. Ein Herr Schneiders, 55, war wohl als biertrinkender Vater René aufgetreten, Simon S., 30, als Eisenbahnfreak Robin. Ihre vorgetäuschte Suche nach einer Frau für Robin lief – laut dieser Spiegel-Meldung – am 10. April bei dem Privatsender ErTeEl. Böhmermann gab scheinbar der Farce in seiner Sendung “Neo Magazine Royale” den Namen “Verafake”.

„Los jetzt, aber leise!“ Betty zerrte die anderen weiter. Soll Böhmermann doch weiterhin den Satire-Tester spielen. Sie spielten ihr eigenes Spiel und das hieß: hinterher, leise, so dass Biene und Bella, die Gestylten, sie nicht entdeckten. Das taten sie auch nicht. Mit grimmigem Grinsen passierten die beiden Frauen die Kita mit dem vielen Gelb an Fenstern und Fassade. Dann bogen sie nach links, weiter hoch Richtung Markuskirche schlenderten die Frauen. Vor dem Schaukastenfenster der Kirche blieben sie links neben dem Kircheneingang stehen. „Jetzt setzt sich die Kirche für Flüchtlinge ein, gewährt Asyl und so weiter.“ Biene mit den roten Haarbüscheln las einen Zeitungsbericht, der dort hing. „Wenn die Zuflucht finden, warum sollten wir das dann nicht auch versuchen?“ Die Frage überzeugte Bella, hielt ihrer Kumpanin die Kirchentür auf und diese fiel leise, aber bestimmt, wieder ins Schloss.

Fünf Augenpaare hatten die Szene beobachtet. Nun wussten Birger, Betty, der Gartenmann, der alte Herr und der Zeitungsausträger zumindest, wo die Frauen waren. Und aus der Kirche würden sie unbemerkt auch nicht mehr heraus gelangen. Von wegen. Die fünf Verfolger hätten fast die zwei weiteren Kirchentüren vergessen. In jedem Stockwerk eine. Aber, wenn die hier unten unverschlossen war, musste sich ja jemand im Kirchengebäude aufhalten. Keine Veranstaltung zurzeit, kein Gottesdienst, und auch sonst keinen offensichtlichen Grund gab es dafür, dass die untere Tür nicht verschlossen war. Das zumindest war seltsam.

Birger rannte nach oben zu der Tür neben dem Kirchenschiff, der Zeitungsmann prüfte den Eingang im ersten Stock. Beide Türen waren verschlossen. Gut. Vorsichtig, geräuschlos, betraten die fünf das Gotteshaus. Oben im Treppenhaus hörten sie zwei Frauen leise miteinander sprechen. Das mussten Biene und Bella sein. Stufe für Stufe stiegen die Verfolger höher. „Wo geht es denn zum Glockenturm?“, fragte Birger flüsternd den Gartenmann. Als alter Marbacher musste er doch Bescheid wissen, schüttelte jedoch bloß seinen Kopf.

Es war Samstag, 17 Uhr. Ein Inferno brach über sie herein. Glockengeläut wie von 1000 Riesenglocken ließ die fünf erzittern. Das 5 Uhr-Läuten hatten die Verfolger völlig vergessen. Scheinbar auch eine Frau mit roten Haarbüscheln und eine mit einem Po-langen schwarzen Zopf. Denn die rannten wie vom Teufel getrieben in drei langen Sätzen an ihnen vorbei, wollten schon unten zur Tür hinaus, da blieben sie plötzlich stehen. Die beiden Frauen starrten die fünf dort oben an, fixierten den Zeitungsmann, hoben beide ihre Zeigefinger und sagten gleichzeitig: „Du?“ Was dann folgt, war sicher für das Gotteshaus Neuland. Eine wilde Jagd. Denn Biene schrie noch dazu: „Da, der junge Typ, schau Bella, was der in der Hand hält!“ Ja, den unheimlichen Frisierkopf trug Birger inzwischen unter dem Arm. In seinem Rucksack war kein Platz mehr, weil er sich vorhin im Vorbeihasten den neuen Band seines Lieblingscomics „Mord am Ententeich“ bei der Frisörakademie heimlich eingesteckt hatte. Fünf Exemplare für seine Sammlung.

Die Situation in der Kirche war absurd. Einerseits wollten die fünf ja tatsächlich Biene und Bella vor Harry warnen, damit dieser die Frauen nicht niedermetzelt. Schließlich lief bald das Ultimatum ab. Denn noch könnten die Frauen oder auch die fünf den Kopf in aller Ruhe zu Harry bringen und alles wäre gut. Von wegen. Denn andererseits trauten Birger, Betty, der Gartenmann, der alte Herr und auch der Zeitungsmann, Harry nicht über den Weg. Irgendwas stimmte mit dem nicht, waren sie sich sicher. Und auch mit dem Kopf war bereits so viel Seltsames geschehen. Nein, den mussten sie behalten, aber gleichzeitig trotzdem die anderen warnen: Biene und Bella.

All diese Gedanken schossen in Sekundenbruchteilen durch die Hirne der fünf Marbacher. Schon waren die beiden Gestylten nur noch ein Stockwerk unter ihnen, rannten schnell weiter hoch. Gleich wären sie bei ihnen – und dann? Ja, was dann? Sie waren fünf, die beiden Frauen nur zwei. Überlegenheit. Ob sie es darauf ankommen lassen sollten? Gerade als Betty Birger klarmachen wollte, einfach stehen zu bleiben, um mit den Frauen vernünftig zu sprechen, spürte er eine Hand mit langen dünnen Fingern am Knöchel seines rechten Beins. Eisern umschloss die Hand Birgers Bein. Sie gehörte zu einem grinsenden Schädel, von dem rote Haarbüschel abstanden und der ihn anstarrte. Sogar sprechen konnte der Schädel. Und er war nicht allein. Daneben erschien bereits ein zweiter. Einer mit einem langen schwarzen Zopf. „Feierabend! Her damit!“ Birger erstarrte.

Im Haus neben der Markuskirche stritt sich zur gleichen Zeit lautstark ein Paar darüber, mit welchem Antrieb ihr neues Auto denn fahren sollte. Mit Benzin, Diesel, Rapsöl, Gas oder Strom. „Da hast du’s“, sagte die Frau und knallte ihrem Mann eine Zeitung vors Hirn. „Lies doch selbst!“ Laut der Meldung sollen Käufer von batteriebetriebenen Pkw ab sofort einen Zuschuss von 4000 Euro bekommen. Für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor betrage die Prämie 3000 Euro, war dort zu lesen. Drinnen in der Kirche war es still geworden.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Überraschung

Sonntag, Mai 15th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Der Online-Fortsetzungskrimi aus und über Marburg-Marbach ist bei Kapitel Q angelangt.   Bild: Barbara Grosse

Plausch am Ententeich startet in die siebzehnte Runde. Ein dickbäuchiger Mann begrüßt in einer Akademie, ein kleiner Mann zerrt Menschen hinaus, und seltsame Frisuren bewegen sich in Richtung Markuskirche. Dann noch die Meldung zu Jan Böhmermann.

Kapitel Q: Die Überraschung

Von Daniel Grosse

…An der Tankstelle Ecke Brunnenstraße/Emil-von-Behringstraße kaufte sich zur selben Zeit ein Mann ein Eis. Er war sehr groß und kräftig, schwarzes, volles Haar, das ihm üppig vom Kopf abstand. Er trug ein schwarzes T-Shirt und kurze Hosen. Sommers wie winters kannten ihn so die Marbacher. Auch der Tankstellenkassierer lächelte und fragte ihn: „Dazu die Bild, wie immer?“ Vor der Tankstelle schlug der Mann das Blatt auf: Eine 21 Jahre alte Frau aus Somalia überschüttet sich mit Benzin und zündet sich selbst an. Tragödie in dem australischen Flüchtlingslager auf Nauru. Damit wollte sie gegen ihre Internierung auf der umstrittenen Pazifikinsel protestieren, schrieb die Zeitung. Tränen liefen dem Mann im schwarzen T-Shirt über die Wangen.

In der Frisörakademie in der Marbach war richtig viel los. Natürlich hatten auch die Teilnehmer der dortigen Kurse die Neuigkeiten der letzten Tage gelesen, in der Zeitung. Zum Beispiel das aus Nauru. Aber sie wollten auch wissen, was das für ein seltsames Grüppchen war, das dort vorne neben der Eingangstür saß. Zwei junge Leute, ein Mann und eine Frau, dann ein älterer Herr, der die ganze Zeit in einer Fotozeitschrift las, ein Mann mit Erde unter den Fingernägeln, wie bei einem Gartenmann, und ein kleiner, verhuscht dreinblickender Kerl mit fliehendem Blick.

„Meine Herren, meine Dame, um was geht es?“ Vor den fünf stand ein Mann in Hausschlappen. Ein mächtiger Bauch spannte sich unter seinem Hemd. Er grinste. Dabei hatte dieser Mann keinen Grund zu grinsen. Immerhin stützten ihn zwei, zugegeben, schick frisierte junge Frauen. Sie hatten ihn zu der Gruppe geführt. Aber: der Mann mit dem dicken Bauch konnte nichts sehen. Seine Augen waren verbunden. „Wundern Sie sich nicht. Ich hatte eine handfeste Auseinandersetzung mit meiner Frau und ihr Kochlöffel hätte mir fast mein Augenlicht geraubt. Hätten wir nicht die Blindenstudienanstalt in Marburg und eine dementsprechend gute Augenheilkunde im Klinikum, wäre ich jetzt vielleicht blind.“

Der Zeitungsausträger wäre am liebsten unter seinen Stuhl gekrochen. Natürlich kannte er diesen Mann. Es war der, der ihm das Foto von Betty und Birger vor die Nase gehalten hatte. Er, der Austräger hatte den Auftrag, die beiden zu finden. Den Kopf wollte dieser dicke Mann haben. Aber was machte er hier, in der Frisörakademie? „Chef, soll ich Senfgelb nochmal bestellen?“ Aus einem Nebenraum drang dieser Frage in die Ohren des Austrägers. Zweifellos war dieser Augen-Verbundene Derselbe, der ihn auf der Brunnenstraße zum Spitzeln angestiftet hatte. Betty und Birger sollte er ihm ausliefern. Und er war zudem der Chef dieser Frisörakademie. Und noch dazu sicher auch der Mann hinter dieser Comic-Reihe, die Birger so faszinierte: Mord am Ententeich.

Wir müssen jetzt ganz schnell gehen. Gedanken, die der Austraäger auch schnell aussprach. Der kleine Mann zerrte seine neuen Freunde aus dem Vorraum dieser Akademie in der Emil-von-Behring-Straße. Er war so selbstbewusst und gefiel sich in seiner Rolle. „Sagen Sie, was fällt Ihnen ein?“ Der Gartenmann und der ältere Herr waren erbost. Jetzt hatten sie endlich doch entschieden, in diese Akademie zu gehen, um dort eine Adresse oder zumindest Namen dieser beiden Frauen zu bekommen, die wohl dem Tode geweiht waren: Biene und Bella. Dieser Harry hatte ja in seiner Display-Botschaft gedroht, die beiden Frauen umzubringen, würde er nicht binnen 72 Stunden den Kopf in Händen halten. Natürlich kannten die fünf diese Botschaft, aber sie wussten nicht, wer die Frauen in der Botschaft waren. Einzig der Zeitungsausträger wusste von Zusammenhängen. Auch den Namen der Frau mit den roten Haarfransen und der mit dem Po-langen Zopf kannte der Zeitungsmann. Ebenso wusste er, dass das eben, der Harry war. Der Killer? Der Austräger erzählte seinen neuen Freunden alles, vor der Tür der Frisörakademie. Sein Wissen erdrückte ihn. Hätte er nicht geplaudert, er wäre verrückt geworden.

Noch 32 Stunden. Hinter der Glastür, im Inneren der Akademie, stand ein vollbärtiger Mann mit verbundenen Augen. Zwei Gestylte führten ihn von dort weg. Wahrscheinlich in dessen Büro. Harry. Natürlich war er mit seiner Akademie Herausgeber eines umstrittenen Comics, das sich aber gut verkaufen ließ. Mord am Ententeich.

Der Zeitungsausträger: „Birger, wie gut dass Sie den stinkenden Kopf in Ihrem Rucksack vorhin drin behalten haben.“ Genau. Birger gab ihm Recht. Denn noch war die Zeit nicht reif für eine Übergabe. Erst recht nicht jetzt. Denn, konnten sie diesem Harry trauen? Was hatte er wirklich vor? Was, wenn plötzlich…? Birger verstummte in seinen Gedanken. Rote Haarbüschel und ein Po-langer Zopf. Ohne Zweifel zwei Menschen, die geradewegs in Richtung Markuskirche unterwegs waren. Dort vorne, keine 30 Meter entfernt, gingen Biene und Bella. Das sahen auch die anderen aus der Gruppe. „Hinterher!“ Betty schaltete als erste.

Als sie an der Tankstelle vorbei kamen, sahen sie auch die Meldung, die der Spiegel aktuell auf dem Titelblatt hatte. Danach hatte der Moderator und Republik-Aufreger Jan Böhmermann in einem Video soeben in seiner Show „Neo Magazin Royale“ gezeigt, wie seine Redaktion zwei Schauspieler als Kandidaten in eine Sendung namens „Schwiegertochter gesucht“ eingeschleust hatte. Ein Herr Schneiders, 55, war wohl als biertrinkender Vater René aufgetreten, Simon S., 30, als Eisenbahnfreak Robin. Ihre vorgetäuschte Suche nach einer Frau für Robin lief – laut dieser Spiegel-Meldung – am 10. April bei dem Privatsender ErTeEl. Böhmermann gab scheinbar der Farce in seiner Sendung „Neo Magazine Royale“ den Namen „Verafake“.

…Fortsetzung folgt

Ortsvorsteher oder eher Ortsversteher? – Kommentar

Freitag, April 29th, 2016

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Kommentar von Daniel Grosse zur Sitzung des Marbacher Ortsbeirats.   Foto: privat

Wären wir im Wilden Westen, würden wir ihn Sheriff, Häuptling oder Marshall nennen. Sind wir aber nicht, deshalb heißt er hier schlicht Ortsvorsteher. Und die Marbacher haben seit Dienstag einen neuen: Jürgen Muth.

Von Daniel Grosse

Sechs mal Ja und drei mal Nein, entschieden die Mitglieder des Ortsbeirates während der jüngsten Sitzung im Anbau des Bürgerhauses. Dann stand fest, dass Jürgen Muth künftig der starke Mann an der Spitze dieses kommunalen Gremiums sein soll. Als Nachfolger von Dr. Ulrich Rausch, nach fast zwei Jahrzehnten, in denen dieser als Ortsvorsteher für die für den Ortsbeirat (drei Worte nachträglich ergänzt!) Marbach gearbeitet hat.

Ja, gearbeitet. Denn dieses Ehrenamt darf auch weiterhin kein Posten sein, auf dem man verwaltet. Dieses Amt bedeutet Arbeit. Und davon wartet nun eine Menge auf den neuen Mann an der Spitze. Immerhin ist er als Ortsvorsteher laut Hessischer Gemeindeordnung Vorsitzender des Ortsbeirats. Und der Ortsbeirat ist immerhin zu allen wichtigen Angelegenheiten, die den Ortsbezirk betreffen, zu hören, insbesondere zum Entwurf des Haushaltsplans. Er hat ein Vorschlagsrecht in allen Angelegenheiten, die den Ortsbezirk angehen.

Was das für Angelegenheiten sind, was auch für den Ortsvorsteher Themen sein müssten, können wir täglich sehen, wenn wir durch die Marbach gehen oder fahren. Wir hören von Themen, wie Bänken, die fehlen, erfahren von Plänen zu Marbacher Wiesen und Äckern, auf denen künftig vielleicht mehrere Hundert Menschen leben könnten, lesen von Hoffnungen vieler Eltern, die sich eine Kinder- und Jugendfaschingsfeier im Bürgerhaus wünschen, sehen vor unserem geistigen Auge Windräder, die sich am Himmel über der Marbach drehen, wundern uns über eine verkohlte Ortsmitte, und wir freuen uns über eine Bürgerhauswiese mit dreizehn Wildbienen im neuen Insektenhotel sowie einen Kräutergarten und engagierte Kräuterfrauen. Und das ist längst nicht alles.

Der Ortsvorsteher sollte also auch so etwas wie ein Ortsversteher sein. Er muss zuhören können, offen sein für Vorschläge. Kreativ darf er sein und durchsetzungsstark. Muss ausgleichen und abwägen können. Hat gleichfalls eine Bringschuld, sprich, der Ortsvorsteher sollte einschneidende oder Gewinn-bringende Entwicklungen und Pläne den Marbachern mitteilen.

Der vergangene Dienstag und die Wahl Jürgen Muths stellt auch eine Zäsur dar. Ende, Einschnitt, Neuanfang – alles nur Begriffe, die aber gleichfalls verdeutlichen, wie wichtig dieses Amt ist. Weil es dazu dient, dass die Belange der Marbacher berücksichtigt werden. Ortsbeirat und sein Chef sollen Mittler zu den städtischen Behörden sein – ein helfender Vermittler. Wie sich der neue Ortsbeirat mit seinem neuen Ortsvorsteher an der Spitze künftig für die Marbacher engagiert, seinem gesetzlichen und moralischen Auftrag gerecht wird, müssen die kommenden Monate zeigen. Eines ist klar: Auch weiterhin sollte der neue Häuptling selten verwalten, umso häufiger kreativ arbeiten. Ich jedenfalls wünsche ihm dafür die viel zitierte Glückliche Hand.

Weitere Punkte, die der Ortsbeirat am Dienstag diskutierte:

  • Mehrere Mehrfamilienhäuser sollen am Steilhang unterhalb des Höhenwegs entstehen. Nicht zuletzt aufgrund des Schwerlastverkehrs und der Busse sowie der vielen Autos, die täglich den Höhenweg befahren, wird ein hoher Druck auf Straße und Hang ausgeübt. Das sollte bei einem künftigen Bau der Häuser und sämtlichen Planungen unbedingt berücksichtigt werden, hieß es. Die Gefahr von Hangrutschungen sei einfach zu groß. Die Stadt ist aufgefordert, dem Ortsbeirat die Pläne zukommen zu lassen.
  • Scheinbar soll nun doch ein Windrad nahe des Sellhofs am Oberen Rotenberg errichtet werden, keines von gewaltiger Dimension, eher ein kleineres. Lesenswert zur Meinungsbildung ist der Beitrag Marburg auf dem Weg zur innovationsfreien Zone.
  • Näheres zu diesen Punkten lesen Sie in Kürze hier bei Marbach direkt.