Posts Tagged ‘Daniel Grosse’

Badespaß im Marbacher Regenrückhaltebecken

Dienstag, März 13th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies gibt sich gerne zurückhaltend volksnah. Das hat er insbesondere in der Marbach schon etliche Male bewiesen, wenn er bei Veranstaltungen der Vereine im Bürgerhaus nicht als prominentes Stadtoberhaupt, sondern als privater Gast vor Ort war.

So verwundert es auch nicht, dass man den Marburger Stadtchef hin und wieder durch die Straßen Marbachs gehen sieht. Weder irgendwelche Personenschützer, noch eine schwarze Dienstlimousine, begleiten dann den OB. Am Weltfrauentag etwa saß Spieß geschlagene zwei Stunden auf einer der zwei Bänke am Regenrückhaltebecken. Passanten berichten, er habe in einer Zeitschrift oder einem ähnlichen Schriftstück gelesen. Aus der Ferne beobachtet, könnte es sich um Themen wie Bäder, Wasser oder Freizeitspaß gehandelt haben. Da sich die Vorbeigehenden aufgrund der Prominenz des Oberbürgermeisters nicht getraut hatten, diesen anzusprechen, war zunächst nichts weiter bekannt geworden.

Auf Nachfrage im Rathaus, wollte die Pressestelle zunächst nichts zu der Sache sagen. Das sei privat, hieß es. Nach mehrmaligem Nachfragen, konnten die Sprecher des OB jedoch nicht mehr ausweichen, da im selben Moment der Stadtchef auf dem Weg zur Teeküche war und von dem Telefonat Bruchstücke mitbekam. Ja, er habe in einem Katalog für Freizeitaktivitäten gelesen, räumte er ein. Schließlich sei das Regenrückhaltebecken entlang des Höhenwegs für die Marbacher ein zentraler Ort, der aufgewertet werden müsse. Da liege der Gedanke nahe, das Schilf radikal zu entfernen, die Böschungen in Ufernähe zu befestigen und eventuell sogar zwei Startblöcke zu bauen. Die bislang fehlende Wassertiefe könnte durch Aushebungsarbeiten ausgeglichen werden. Von einem Freibad wollte Spies nicht sprechen, eher von einem Schwimmteich, wie er schon längst auf vielen Privatgrundstücken vorzufinden sei.

Geschützte Tiere, wie Enten und Reiher, sowie Molche, müssten im Zuge der Maßnahme umgesiedelt werden, sollten sie sich nicht mit der Situation arrangieren. Die Funktion als Regenrückhaltebecken soll die Teichanlage behalten. Gewährleisten soll dies unter anderem, dass die Zahl der Badegäste niedrig gehalten wird, damit durch die zusätzliche Verdrängung des Wassers durch Badende, der Wasserstand im Normbereich bleibt.

Eintritt in Kirchen wird kostenpflichtig

Dienstag, März 13th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Kirchenaustritte beschäftigen seit jeher die beiden großen Kirchen in Deutschland. Wenn sich Mitglieder einer Konfession dazu entschließen, diesen Schritt zu gehen, geschieht das in vielen Fällen aus pekuniären Gründen – also des Geldes wegen. Mit Immobilienverkäufen allein ist dieser Weggang an zahlenden Gläubigen langfristig nicht zu verkraften. Die Landeskirchen suchen daher schon seit Längerem nach Lösungen mit nachhaltigem Effekt. Marburg könnte ein Vorreiter sein auf dem Weg einer soliden Finanzierung der Gotteshäuser und des Personals.

Mit dem Stadtteil Marbach nimmt die Markuskirche an einem Pilotprojekt teil, das zeigen soll, welche Wege gangbar sind. So ist geplant, nicht nur Kirchgänger stärker in die Finanzierung einzubinden. Auch Besucher anderer Veranstaltungen in der Markuskirche sollen großzügiger ihre Geldbeutel öffnen, heißt es in einer Mitteilung. Was bedeutet das konkret? Es werden demnach im Laufe des Frühjahrs an beiden Eingängen der Kirche Lesegeräte installiert, die, wie beim bargeldlosen Bezahlen, bei jedem Betreten des Gebäudes einen vorher festgelegten Betrag von den EC-Karten der Besucher abbuchen. Einmal jährlich wird dieser jeweilige Betrag der Kirchenverwaltung gemeldet. Wer an dem Verfahren nicht teilnimmt, hat die Möglichkeit, etwa beim Herumgehen des Kollektebeutels, den Betrag nachzumelden. Gleiches gilt für Besucher sonstiger Veranstaltungen in den Kirchenräumen.

Damit die Nachmeldungen reibungslos funktionieren, werden die Konfirmanden nach und nach mit Geräten ausgestattet, die sich bereits bei den Zugbegleitern in den Bahnen seit Jahren bewährt haben.

Mit welchen Beträgen zu rechnen ist, konnten bislang weder das zuständige Pfarramt noch Vertreter der Landeskirchen sagen. Ob das Vorhaben erfolgreich ist, hängt auch davon ab, wie viele Menschen weiterhin in die Gottesdienste gehen. Bei zehn bis 15 Besuchern an gewöhnlichen Sonntagen könnte es schwierig werden. Ostern und Weihnachten hingegen sind Kassenschlager, ebenso Taufen und Hochzeiten – erst recht Basare und andere offene Veranstaltungen.

Marbach direkt ist gescheitert – und erfindet sich neu

Montag, März 12th, 2018

Von Daniel Grosse

Marbach direkt ist gescheitert. Zumindest in der Online-Variante, die hin und wieder „reale Nachrichten und Hintergründe“ liefert. Was folgt?

Bereits bei den vergangenen beiden Seminaren der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin zu lokalem, hyperlokalem Journalismus, war mir deutlich geworden, dass der Wert an Berichterstattung steigt, und zwar mit der Anzahl an Bewohnern in Stadt und Stadtteil. Wir haben hier in der Marbach rund 4.500 Einwohner. Wir haben zwei Bäcker, eine Apotheke, eine Tankstelle, einige Ärzte und viele Privatmenschen. Und wir haben die Behringwerke, die natürlich längst gesplitted sind in Siemens, CSL etc.

Das reicht nicht. Da passiert nichts. Zumindest nicht das, was real nachrichtlich online ins Blatt gehoben werden könnte. Die journalistischen Nachrichtenkriterien sind nicht erfüllt. Deshalb: Wirklich wahr?

Ihr könnt diese Rubrik immer daran erkennen, dass Wirklich wahr? ganz oben erscheint.

Und wenn ihr glaubt, dass Wirklich wahr? das Niveau von POSTILLON oder STREIFLICHT der SZ erreicht hat, freue ich mich auf eine Nachricht.

Aber: Wenn neben euch ein Mensch umfällt, die Bäckerei explodiert, der Nachbar irre Dinge tut, Bürgermeister oder Ortsvorsteher sich verhaltensauffällig verhalten, Behring-Manager und andere Menschen seltsames Zeug verkünden, dann spätestens ist es an der Zeit, eine Mail an Marbach direkt zu senden. info (at) dgrosse.de

Der Behring-Tunnel kommt – Anwohner können aufatmen

Montag, März 12th, 2018

In beide Richtungen donnert derzeit – hier auf Höhe des Bürgerhauses – noch der Verkehr auf der vielbefahrenen Emil-von-Behring-Straße sowie auf dem Marbacher Weg.   Archivfoto: Daniel Grosse

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Der Behring-Verkehr ist zum Synonym geworden für den mehrmals täglich entstehenden Kollaps auf den beiden Marbacher Hauptverkehrsstraßen Marbacher Weg und Emil-von-Behring-Straße. Wenn tausende von Mitarbeitern des Werks, Lieferanten, Zubringer für Ware der Unternehmen und Märkte im Gebiet Lahntal und Hinterland – und zusätzlich noch privat fahrende Marbacher dieses oberirdische Nadelöhr nutzen, stockt er nicht nur, der Verkehr ruht.

Bereits vor Jahrzehnten war immer wieder der Behring-Tunnel im Gespräch, wurde heiß diskutiert, in den Folgejahren wieder als gute Idee aufgegriffen, aber nie umgesetzt. Er soll eine unterirdische Verbindung für Fahrzeuge schaffen, die aus Richtung Marbach in Richtung Innenstadt sowie zurück unterwegs sind.

Der erste Spatenstich für dieses Jahrhundertprojekt könnte bereits im Mai erfolgen. Bislang waren die Arbeiten auch daran gescheitert, dass nahe des künftigen Tunneleingangs enorme Mengen von Pyrit, auch Katzengold genannt, in einer Tiefe von zehn bis 15 Metern die Umsetzung des Projekts unmöglich machten. Da Pyrit wegen seiner besonderen Eigenschaften als Metall auf der Liste der geschützten Metalle steht, hatten sich Organisationen wie der Europäische Rat für Edelmetall sowie der BUND vereint gegen das Projekt stark gemacht.

Wie erst kürzlich von Seiten mehrer Mitarbeiter der Behringwerke, die namentlich nicht genannt werden möchten, zu erfahren war, hätten Forscherkollegen nämlich herausgefunden, dass Pyrit die Eigenschaft habe, bei Berührung mit anderen Metallen explosive Wirkungen zu entfalten. Konkret würden im schlimmsten Falle also Tunnel-Bohrmaschinen oder Bagger mit ihren metallischen Arbeitswerkzeugen Explosionen erzeugen. Die Folgen wären dramatisch. Einstürzende Häuser entlang der Emil-von Behring-Straße, im schlimmsten Falle gar eine Explosion auf dem nahen Werksgelände. Schäden in Millionenhöhe.

Nun ist es jedoch gelungen, Wasser aus dem nur wenige hundert Meter entfernten Regenrückhaltebecken, in der Marbach auch Ententeich genannt, chemisch so zu bearbeiten, es zu verändern, dass es beim Bohren eingespritzt, das Pyrit in eine harmlose weiche Masse verändert, die mittels Absaugvorrichtungen an anderer Stelle wieder in den Naturkreislauf rückgeführt werden kann. Nachdem sowohl der Europäische Rat für Edelmetall sowie der BUND bei einem Ortstermin ihr Einverständnis gegeben haben, steht dem Projekt Behring-Tunnel wohl nichts mehr im Wege. Mit Widersprüchen der Bürger werde nicht gerechnet, heißt es aus dem Rathaus. Die einmonatige Frist dafür beginnt am 28. März.

Milliardär aus Marbach pflegt grünen Gedanken

Mittwoch, März 7th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Forbes hat heute die Reichsten der Welt präsentiert. Jeff Bezos ist demnach die Nummer 1. Bis 1000 reicht die Liste. US Präsident Donald Trump belegt einen einsamen Platz im hinteren Viertel. Medial vergessen ist jedoch der Gründer der Naturfreundehäuser, die es inzwischen in 42 Ländern weltweit gibt. Einst als Hort für Vagabundierende erdacht, haben sich die Unterkünfte inzwischen längst zu Einrichtungen entwickelt, die Gruppen vielfältige Naturerlebnisse ermöglichen. Das erste seiner Art steht in Marburg-Marbach, nahe der Behringwerke.

Der Gründer der Naturfreundehäuser, Bertol Nau, hat kürzlich bei einem Treffen mit dem Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies nochmals bekräftigt, wie wichtig das Naturerleben sei. Nau, der im Marbacher Saalegrund aufgewachsen ist, rangiert auf der Forbes-Liste der Milliardäre auf dem 223. Platz. Er möchte den Naturgedanken ausbauen.

Dem Vernehmen nach gibt es Gespräche mit der Stadt Marburg und dem Ortsbeirat Marbach, dass künftig das Bürgerhaus in dem Marburger Stadtteil ausschließlich von Gruppen gebucht werden darf, die sich offen zum grünen Gedanken bekennen. Wie dieses Versprechen überprüft werden könne, sei noch nicht geklärt, heißt es. Bertol Nau verhandelt nach eigener Aussage inzwischen mit den Verantwortlichen vor Ort und plant, das Bürgerhaus in eine private Stiftung zu überführen. Dann hätte er, als Hausherr, das Sagen und könnte tatsächlich den angedachten grünen Gedanken umsetzen.

Mal Journalist, mal Krimi-Autor – Marbacher stellen sich vor

Dienstag, Januar 16th, 2018

Fortsetzung der Reihe, die ab dem nächsten Heft, im März, „Marbacher stellen sich vor“, heißt.   Repro: Daniel Grosse

Kaum ist die neue Ausgabe der Marbacher Nachrichten erschienen, ist das kleine Magazin mit Geschichten und Neuigkeiten aus dem Marburger Stadtteil Marbach auch schon nicht mehr wiederzuerkennen. Neues Layout, neue Ideen, neues Redaktionsteam. Vieles ist gut, vieles können wir noch besser machen. Vorschläge bitte gerne an mich per Mail.

info (at) dgrosse (punkt) de

Individuelle Kurzgeschichten für Kinder

Dienstag, Dezember 19th, 2017

Schreiben ist Handwerk. Und eine Kurzgeschichte bringt es auf den Punkt.   Foto: Daniel Grosse

Immer wieder die gleiche Situation beim abendlichen Zubettgehen. Sie möchten Ihrem Kind oder den Kindern etwas vorlesen, aber alle Bücher sind schon mehrmals dran gewesen, das Neue ist noch nicht im Haus, Ihre Kinder wollen Abwechslung – zum freien Erzählen haben Sie heute partout keine Lust. Jetzt können Sie punkten mit etwas, das Ihre Kinder noch nicht kennen: mit einer individuellen Kurzgeschichte, die genau das erzählt, was Ihr Kind mag. Ich schreibe diese Kurzgeschichten für Kinder zwischen 6 und 10 Jahre.

Die individuelle Kurzgeschichte für Ihr Kind:
– Schreiben Sie mir 5 Sätze zum Inhalt, die für die Geschichte wichtig sind
– Ich benötige das Alter Ihres Kindes
– Planen Sie zwei bis drei Wochen ein
– …und Sie bekommen eine Kurzgeschichte mit einer Länge von 10.000 Zeichen – zu einem Festpreis

Sprechen Sie mich einfach an. Oder schreiben Sie mir eine Mail an info (at) dgrosse.de
Weiteres können wir besprechen, und schon bald lesen Sie Ihrem Kind seine Geschichte vor. Liest ihr Kind selbst und kommt auf den Geschmack, möchte gar selber Geschichten schreiben, berate ich Sie gerne.

Streiflicht jetzt im Kino – Thriller-Dreh im Europabad Marbach – Interview mit Regisseur

Donnerstag, November 9th, 2017

So kennen die Marbacher ihr Europabad aus vergangenen Zeiten. Das Drehkreuz, das Kassenhäuschen. Auf dem Bild zu sehen ist eine Szene aus dem Kinofilm Streiflicht – gedreht auch im ehemaligen Europabad. 2010. Es wurde entkernt. An gleicher Stelle steht heute ein schickes Wohnhaus. Erhalten blieb die runde Form des – ursprünglichen – Marbacher Wahrzeichens.   Foto: privat

von Daniel Grosse

Im Europabad in der Marbach geschehen seltsame Dinge, zumindest im Film Streiflicht von Regisseur Thomas Rösser. Das ehemalige Schwimmbad in dem Marburger Stadtteil war Teil der Kulisse beim Dreh vor sieben Jahren. Morgen startet der Thriller in Marburg auf großer Leinwand im Kino. Mit dem Filmemacher sprach ich über das Projekt und mailte ihm ergänzend Fragen. Heraus kam ein Interview. Dort verriet Rösser mir, warum er in der Marbach drehen wollte, weshalb er damals Angst hatte, wieso auch die Crew mutig sein musste und welches Projekt er nun plant.

Welchen Bezug haben Sie persönlich „zur Marbach“, wie wir unseren Stadtteil ja nennen?
Thomas Rösser:
1989 sind meine Eltern, mein Bruder und ich in die Marbach gezogen. Ich war 16. Meine Eltern wohnen dort weiterhin. Ein schöner Stadtteil, ich hatte tolle Jahre dort. Ich erinnere mich daran, dass es durch die Berge wirklich hart war, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Ich habe schon immer Sport gemacht, aber die Hohe Leuchte mit dem Fahrrad zu meistern, ist eine Herausforderung.

Warum haben Sie 2010 gerade im Europabad gedreht?
Rösser: Ich habe im Europabad schwimmen gelernt. Das große Sprungbrett war die Mutprobe schlechthin. Als wir den Dreh geplant haben, suchten wir ein altes Schwimmbad. Über drei Ecken erhielten wir die offizielle Genehmigung. Als wir die erste Besichtigung hatten, verschlug es mir fast den Atem. Es sah alles noch aus wie früher – nur ohne Wasser. Es roch sogar noch nach Chlor. Ich fand alte Schwimmflügel und Handtücher. Es war für mich sofort klar, dass es keine bessere Location geben würde.

Was geschah dort im Film – ohne natürlich zu viel vorab zu verraten?
Rösser: Das mache ich nicht, wobei es eine meiner Lieblingsszenen ist. Zunächst sollten die Leser wissen, dass wir einen Independent-Film produziert haben, ohne Filmförderung und doppelten Boden. Das aufgebrachte Budget reicht bei anderen Filmen gerade mal für das Catering. Im Film schleicht Wilko, gespielt von Michael Herrmann, durch die Umkleidekabinen, um dort dem Geheimnis des mysteriösen Gemäldes auf die Spur zu kommen. Das Bild scheint seine Besitzer zu bedrohen. In den Umkleidekabinen herrschte eine klaustrophobische Atmosphäre. Und das Ganze bei absoluter Dunkelheit zu passieren, erforderte schon etwas Mut, selbst für die Crew. Ich hoffe, ich konnte das im Film auch so einfangen. Denn ich hatte Angst.

Was war denn die Besonderheit bei dem Dreh?
Rösser:
Wir haben aufgrund der Verletzungsgefahr noch eine Extraversicherung abgeschlossen, da vor allem das Becken des Sprungturms sehr tief war. Wir hatten uns große Gedanken gemacht, dass dort jemand hineinfällt. Übrigens befindet sich die Dachluke, durch die Wilko in das Schwimmbad gelangt, nicht im Europabad. Ich muss in nächster Zeit mal dort vorbeischauen und mir die Wohnungen ansehen. Ich glaube, ich kann noch einiges vom Ursprünglichen erkennen.

Nun dürfen Sie gerne jemandem danken für die damalige Unterstützung in der Marbach. Wem?
Rösser:
Herrn Kappeller, dem damaligen Immobilieninvestor, für die offizielle Genehmigung und dem Tennisverein Europabad Marbach und Peter Penzler. Wir haben auf dem Parkplatz oberhalb des Europabades gedreht. Als Wilko mit seinem Auto das Schwimmbad erreichte, regnete es. Eine tolle Stimmung. Zwei Nächte später, als wir dort wieder drehten, war der Boden trocken. Wir bekamen Wasser zum Anfeuchten des Parkplatzes. Ist nicht wichtig, denken Sie vielleicht, aber für uns elementar, denn die Szenen folgen direkt aufeinander und der Zuschauer hätte es gesehen. Und falls es der Zuschauer nicht bemerkt hätte, hätte ich es gewusst – und ich hätte es immer gesehen.

Stichwort Marbach-Krimi. Kennen Sie eigentlich Birger und Betty, die beiden Marbacher aus dem Buch „Plausch am Ententeich“? Oder wissen Sie, wer Harry, der schreckliche Marbacher, ist?
Rösser:
Ja, wäre gelogen, aber ich habe schnell nachgesehen. Eine interessante Herangehensweise an einen Text. Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Werde gleich ein Exemplar für meine Eltern bestellen. Das ist natürlich eine ganz andere Art, sich einer Geschichte zu nähern. Wir hatten für Streiflicht 13 Drehbuchfassungen und man ist nie zufrieden. Momentan schreibe ich an dem Drehbuch für „Der Gelbe Ballon“, eine sozialkritische Liebeskomödie.

Viel Erfolg und danke für das Interview.

Frische Ideen oder stirbt das Lokalblog?

Dienstag, Mai 2nd, 2017

Gekommen, um zu bleiben. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Zurück aus Berlin, wo ich in den vergangenen Tagen rund 30 Blogger, Journalisten, Wissenschaftler und andere interessante Menschen getroffen, gehört und gesprochen habe, werden ab sofort frische Ideen in dieses Lokalblog MARBACH DIREKT einfließen. Um was es in Berlin ging, und was das mit den Marbacher Lesern zu tun hat? „Gekommen, um zu bleiben – Neue Ideen für lokale Onlinemedien“ hieß die Redaktionskonferenz/das Seminar, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

MARBACH DIREKT einfach offline stellen, die Kanäle kappen, tschüss zu sagen, das war kürzlich die Option. Die Marbach ist schließlich klein, wir sprechen hier also von hyperlokalem Journalismus für rund 4.000 Marbacher. Kann so etwas funktionieren? Oder leiden wir in unserem Mikrokosmos schlicht an Themenarmut? Keineswegs. Nicht zuletzt nach der Berlin-Konferenz bin ich mir daher sicher: Ja, das funktioniert, das mit MARBACH DIREKT, und ist wichtig als Gegenöffentlichkeit für angestammte Medien wie etwa die Oberhessische Presse oder andere.

MARBACH DIREKT macht also auch weiterhin in der Regel keinen Terminjournalismus. Wenn doch, dann sind Termine Startschuss oder Beschleuniger für langfristige Berichterstattung. MARBACH DIREKT liefert einen anderen Blick auf Themen, die in unserem Stadtteil wichtig sind für seine Bewohner – und damit die Leser.

„Wie geht gute Berichterstattung im Lokalen und Hyperlokalen? Welche multimedialen Möglichkeiten können gerade kleine Onlineseiten nutzen, die ohne eingefahrene verlegerische Strukturen arbeiten, um etwa Themen des Wahlkampfs aufmerksamkeitsstark zu erzählen? Ein paar engagierte Journalistinnen und Journalisten hatten sich mit eigens gegründeten Onlinemedien vor einigen Jahren daran gemacht, wieder stärker auf Themen vor Ort einzugehen und auch die schwierigen nicht auszusparen. Um zu überzeugen, braucht auch ein noch so kleines Medium ein scharfes Profil, das auf die Leserschaft, die Umgebung und die Konkurrenzsituation zugeschnitten ist.“ So hatten die Kollegen der drehscheibe/bpb zu Beginn der Berliner Redaktionskonferenz geschrieben.

Eine twitter-Rückschau ist hier zu sehen.

Also drei Ergebnisse: Nach Berlin ist vor Berlin. Und nur die systematische und nachhaltige Vernetzung der Hyperlokalen untereinander schafft letztlich den konsequenten Gegenentwurf zu etablierten Medien. Eine sich regelmäßig aktualisierende Seite im Internet sollte installiert werden, die einen Überblick über deutsche Online-Lokalmedien/Lokalblogs liefert.

Marbacher ehren ihren berühmten Forscher

Montag, April 3rd, 2017

Der Bürgerverein überreicht einen Blumenstrauß an der Gedenktafel von Emil von Behring im Bürgerhaus Marbach (von links: Heinz Muth, Irmgard Sedlacek, Andreas Lauer, Manfred Keller vom Vorstand des Bürgervereins und Daniel Grosse vom Redaktionsteam der „Marbacher Nachrichten“).
Foto: Bernd Duve-Papendorf

Am 100. Todestag von Emil von Behring hat der Bürgerverein Marbach im Bürgerhaus des Marburger Stadtteils an der Gedenktafel zu Ehren Behrings an das Wirken des Nobelpreisträgers erinnert.

Am vergangenen Freitag haben die wissenschaftliche Welt, die Behring-Nachfolgefirmen, die Universität und die Stadt des 100. Todestags des Nobelpreisträgers Emil von Behring gedacht, der mit nur 63 Jahren verstorben war.

Durch sein Wirken als Militärarzt und Assistent Robert Kochs an der Berliner Charité hat er die Bekämpfung von Infektionskrankheiten revolutioniert. In Marburg setzte er seine Forschungen fort und kaufte Gelände, wo er Pferde zur  Serumgewinnung hielt. Mit dem Geld des Nobelpreises (208000 Goldfranken) erwarb er in der Marbach den Schneiderschen Gutshof (Brunnenstraße) mit umfangreichen Ländereien. Das 1904 gegründete Behringwerk wurde 1914 zur GmbH erweitert und 1920 zur Aktiengesellschaft.

Sein Wirken stand in engem Zusammenwirken mit Stadt, Universität und Gutsverwaltung. Seit der Eingemeindung Marbachs 1974 zählen die Behringwerke neben der Universität zum größten Arbeitgeber der Stadt.

In den Nachrufen zu seinem Tod wurde Behring im In- und Ausland als der größte Wohltäter der Menschheit gewürdigt. Max von Gruber schreibt in seiner Gedenkrede: „Nur ein Mann von seltener Tüchtigkeit und Ausdauer konnte diese Leistung vollbringen“. Auch noch heute braucht die Menschheit Ärzte wie Emil von Behring. Ohne ihn wäre die Entwicklung und hohe Lebensqualität von Stadt und Universität nicht möglich gewesen, so Manfred Keller vom Bürgerverein Marbach.