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Weinen um die Tochter der geliebten Frau nach grauenvoller Tat – Grauen am Ententeich – Marbach-Krimi

Freitag, Februar 22nd, 2019
Das Schreiben folgt Gesetzen. Die können Autoren aber auch ignorieren. Sie können improvisieren, so wie ich es im ersten Marbach-Krimi, „Plausch am Ententeich“, gemacht hatte. Der Nachfolger, „Grauen …“, folgt jedoch bislang den Regeln. Bislang 😉 Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Auch die folgenden Kapitel las ich während meiner Lesung auf der jüngsten WABLage, der WABLage 2.0, in Cölbe. Mit diesem vierten Teil meiner Lesung im Blog-Format ist bald der öffentliche Teil beendet. Das Manuskript ist noch nicht fertig. 2019 folgt jedoch das komplette Buch. Gedruckt und als E-Book. Hoffentlich auch als Hörbuch.

Auszug aus dem Rohmanuskript:

…“Ich lese Comics und liebe meine Betty, die Schwarzwälder Kirschtortenspezialistin. Mit den Chören habe ich nichts am Hut“, sagte Birger.

Der junge Marbacher kannte die tote Frau aus Grundschulzeiten. Sie hatten damals dieselbe Klasse besucht. 20 Jahre war das her. Von Mareike wusste Birger nicht mehr viel, war ihr später lediglich ab und zu beim Bäcker in der Brunnenstraße begegnet, wenn er mal wieder Nachschub an Schwarzwälder Kirschtorte für seine Betty besorgen musste. Dass er so wenig über Mareike wusste, glaubte Birger zumindest in diesen Minuten, als der Zeitungsmann vor ihm stand und ihn befragte. Trotzdem war Birger schockiert. Die Bluttat beschäftigte ihn.

Der Fotomann schaute zu Boden. Seine Augen bekamen einen wässrigen Glanz. Er drehte den Kopf weg von Birger. Aber der sah den Tropfen, diesen ganz kleinen, wie er unterhalb des rechten Ohrs des Kiefergelenks des alten Mannes hinablief. „Sie weinen ja.“ Birgers Mund stand staunend offen.

„Was sagst du da, Junge?“ Der alte Mann starrte Birger an. Seine Mundwinkel zeigten nach unten, zitterten leicht. Weitere Tränen liefen an seinen Wangen hinab. „Ja, natürlich weine ich. Oder wie würdest du dich denn fühlen, wenn die Tochter der Frau, die du einmal geliebt hast, so grauenvoll zugerichtet wird?“

Sie meinen: „Die tote Mareike Pelleworm war diese Tochter, von der sie da erzählen?“

Birgers Jagdinstinkt war geweckt. Der alte Birger, der Neugierige, erwachte zum Leben. Er riss die Arme hoch und seine Hand knallte gegen die Lampe. Birger schrie auf. Er war wieder der alte Tollpatsch. Vielleicht hatte ihm einfach ein Abenteuer gefehlt. Deswegen war er so still geworden, gerade weil es in der Marbach immer so beschaulich zuging. Fast immer. Das war nun vorbei. Birgers Leben geriet wieder in Fahrt. Jetzt mussten die anderen her. Zeitungsmann. Gartenmann. Sie waren doch schon damals dabei, als Birger, Betty und die anderen den Kopf gejagd hatten

Vor der Ruine der Berliner Gedächtniskirche saß ein Mann auf kalten Stufen, gekleidet in einen grauen Wollmantel. Ein roter Schal hielt seinen Hals warm. Für einen Spätsommerabend war es eigentlich viel zu kühl. Ein fast schon eisiger Wind pfiff durch die Häuserschluchten Berlins. Im Hintergrund hupten Autofahrer in einem fortwährenden Stakkato. Der Feierabendverkehr beherrschte die Hauptstadt in diesen Minuten. Der auf den Stufen sitzende Mann hörte genau zu, lauschte jedem Ton, den Verkehr nahm er jedoch nicht wahr. Denn wenige Meter vor ihm hatten sich zwei Dutzend Menschen platziert. Links die Frauen, in der Mitte Männer, zur Rechten wieder Frauen. Sie öffneten ihre Münder. Leonard Cohen hätte sich in diesem Moment vielleicht neben den Mann gesetzt, könnte er jetzt noch hier sein. Die Menschen in der Gruppe sangen dessen vielleicht bekanntestes Stück: Halleluja. Beim Gemischten Chor Tegel, dem der Mann auf den Stufen konzentriert zuhörte, gehörte das Stück schon lange zum festen Repertoire.

Plötzlich ging ein Ruck durch die Gruppe der Sängerinnen und Sänger. Die Töne trafen sie nicht mehr richtig, der Chorleiter der Tegler drehte sich irritiert immer wieder um. Manfred Meller, der Mann auf den Stufen vor der Gedächtniskirche, wusste natürlich, weshalb die Mitglieder des Chors sich nicht mehr konzentrierten. Er war erkannt worden. Dabei muss doch auch ein Regierender Bürgermeister mal still und allein inmitten seiner Stadt sitzen dürfen, ohne dass er gleich als Amtsträger zu identifizieren ist, dachte sich der Mann: als DER Amtsträger. Manfred Meller war nun seit mehreren Jahren der Chef Berlins. Und Meller liebte den Chorgesang. Immerhin war er selbst aktiver Sänger, und er war Schirmherr eines Herbstkonzerts, das in wenigen Wochen in seiner Gedächtniskirche in Berlin stattfinden sollte.

Auch ein Gemischter Chor aus dem Marburger Stadtteil Marbach sollte doch dabei sein, erinnerte er sich eben noch, als er den Teglern zuhörte. Die Marbacher hatten Meller einen Brief geschrieben: …

Fortesetzung folgt.

Von sich aufbäumenden Leibern – Grauen am Ententeich – zweiter Marbach-Krimi

Dienstag, Februar 19th, 2019

Von Daniel Grosse

Im „Grauen am Ententeich“ dürfen die Figuren des Marbach-Krimis endlich häufiger Luft holen. Weniger improvisiert, längere Sätze, mehr Details – und Ruhe. Und Blut. Foto: Daniel Grosse

Mareike Pelleworm ist tot. Das Messer steckt noch in ihrer Brust. Nicht nur die Kommissarin möchte herausfinden, was dort in der Marbach vor sich geht. Auch Birger und Betty beginnen mit der Jagd. Ihr Revier: die Chor-Szene.

Aus dem Rohmanuskript:

….Die Sahne hing ihr noch im Mundwinkel. Betty schaute in den runden Spiegel, der an der blau-gekachelten Wand hing. Dies war nicht ihr Badezimmer. Eine Männerstimme rief von hinten: „Komm bitte wieder zu deinem Konditor zurück ins Bett. Ein Stück ist noch da.“ Der, der das sagte, war Birger, es war sein Bett, seine Wohnung. Und er war der Freund von Betty, von seiner Liebsten, die neben Birger nichts mehr liebte als Schwarzwälder Kirschtorte. War sie unglücklich, sagte sie häufig ganz unvermittelt: „Dann mach ich nicht mehr mit.“ Das Signal für Birger, in Hochgeschwindigkeit zum Bäcker in der Brunnenstraße zu rennen und am besten gleich eine ganze Torte zu kaufen.

Betty gab nach. Sie löste sich von ihrem Spiegelbild, ließ auf der Zunge den kleinen Sahneklecks zergehen. Nun ruhte ihr Kopf in der rechten Armbeuge von Birger. „Denkst du gerade an die schicke Kommissarin, die vor zwei Jahren diese irren Frauen mit den verrückten Frisuren und diesen dicken Harry gejagt hat, durch die Marbach?“

„Ich weiß nicht.“

„Du weißt nicht, was du gerade denkst?“

„Das ist nicht so einfach.“

„Was ist nicht so einfach? Mir zu sagen, über was du nachdenkst oder zuzugeben, dass du sie anhimmelst.“

„Betty, wir liegen hier. Gerade war ich dir noch so nahe, war in dir. Habe dir danach löffelweise Schwarzwälder Kirschtorte sanft in deinen Mund geschoben – und jetzt stresst du rum. Was ist dein Problem?“

„Mein Problem ist, dass du seit dieser irren Jagd im vergangenen Jahr kein einziges deiner Hefte aus der Reihe ‚Mord am Ententeich‘ mehr gelesen hast, dass du kein einziges Mal seitdem wieder oben im Wald unterwegs warst, um Lurche zu suchen und zu fotografieren. Du bist so furchtbar vorsichtig geworden. Warum stolperst du zum Beispiel schon seit Monaten über keinen hochstehenden Gulli-Deckel mehr, wie kommt es, dass du Salz und Zucker neuerdings auseinanderhalten kannst? Du siehst nicht mehr richtig hin, wie schön meine Beine sind, die Beine, die du doch früher immer stundenlang streicheln konntest. Auch weil sie vom Joggen so schön sportlich modelliert seien, wie du immer betont hast. Was ist los Birger? Willst du bei der Polizei anheuern, wirst du Kommissaranwärter? Soll ich mich blond färben und Handschellen besorgen?“

Betty holte tief Luft, Schweißtropfen liefen ihr an Stirn und Schläfen hinab. Sie schaute auf die Knöpfe, die Birgers Bettbezug zusammenhielten, beobachtete das Karomuster, wie es ganz glatt die Bettdecke umhüllte. Während Bettys Monolog hatten sich die beiden Marbacher kein Mal angesehen. Er sah zur Zimmerdecke. Sein Blick verlor sich in der Ferne, die es in diesem Raum eigentlich nicht gab. Irgend etwas irritierte Betty. Das Karomuster des Bettzeugs war verzerrt. Genau dort, wo Birgers Körpermitte sein musste. Mit ihrer Hand straffte Betty die Stelle des Stoffes. Das Muster blieb verzerrt. Betty fühlte den Grund dafür. Birger stöhnte leise. Ob dies nun an dem sanften Druck durch Bettys Hand oder an seinen Gedanken an diese Kommissarin lag, war ihr jetzt egal. Sie schob die Decke zur Seite, schaute Birger in die Augen. Sein Blick kehrte aus der Ferne zurück ins Jetzt, in dieses Schlafzimmer, zurück zu der Frau, die sich in diesem Moment mit weit gespreizten Beinen ganz langsam auf seine Körpermitte setzte. In zwei Unterleibern wurde es heiß. Birger schloss die Augen. Beide schrien gleichzeitig. Die Kommissarin war jetzt weit weg, ganz weit weg. …….

Fortsetzung folgt.


Unblutige Hast durch Marbach – kopflos und mit Torte

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

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Spannung und Humor auf 144 Buchseiten im Krimi Plausch am Ententeich.   Foto: privat

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt. Diese Sätze schreibt die Texterin und Journalistin Carmen Eickhoff in ihrem Blog Textscheune. Gelesen hat sie den Lokalkrimi „Plausch am Ententeich“, der natürlich auf allen Marbacher Nachttischen und in sämtlichen Marbacher Bücherregalen stehen sollte. Lesen Sie, was Carmen Eickhoff noch über die beiden Marbacher Birger und Betty und ihre Abenteuer schreibt.

Von Daniel Grosse

Aktualisierung am 16.12: In der Marburger Oberstadt, bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉

„Journalist Daniel Grosse aus Marbach hat eine neue Form des Krimi-Schreibens entwickelt, nämlich das open-end-one-hour-fix-limit-writing. Die Bezeichnung stammt von mir, aber geschrieben hat er nach eigenen Angaben genau so. Ein Kapitel in einer Stunde. Immer recht improvisiert, und erst in den letzten Kapiteln entwickelte sich auch vor seinem inneren Auge, wie die immer schneller und rasanter verlaufende Geschichte (für Marbacher Verhältnisse) enden würde.

Das Konzept ist sicher für die Teilnehmer des NaNoWriMo interessant, die ja auch in limitierter Zeit, den 30 Novembertagen, versuchen, eine kohärente Story bestimmter Länge, nämlich mindestens 30.000 Zeichen, zu entwickeln und festzuschreiben. Hier hat es jemand geschafft, in noch weniger Zeit einen abgeschlossenen Krimi zu schreiben, ohne vorher stehenden Plot aber mit tagesaktuellen Einsprengseln aus der realen Welt, und ihn in den verbleibenden vier Tagen auf Druckreife zu bringen für eine Veröffentlichung bei Books on Demand.

Die Geschichte

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt.

Der Plot ist schräg und bleibt nur dank der beiden bodenständigen Hauptfiguren Birger und Betty lebensnah. Durchaus spannend ist, dass im Nachhinein ein roter Faden erkennbar ist und sich eine geschlossene Geschichte entwickelt, obwohl es beim Lesen manchmal hakt. Aber die Phantasie des Lesers schließt die Sprünge immer spätestens im Folgekapitel. Die knappe, hauptsatzdominierte Sprache, die im Stakkato Satz für Satz neue Informationen preis gibt, hat selten ausreichend Muße, in Nebensätzen etwas zu erläutern, vertiefen oder illustrieren.

Das bilderlose Buch (Cover ausgenommen) kommt nüchtern und klar daher, bietet Lesestoff für einen Nachmittag und hinterlässt bei Ortsunkundigen den Eindruck, der zentrale Ort des sozialen Lebens in Marbach sei natürlich: der Ententeich. 😉  ……“ Quelle: Blog Textscheune

Und im Buchblog Lesezauber.net ist über den Plausch am Ententeich zu lesen: „…Dieses Buch wird Marbacher und die angrenzenden Bewohner sicherlich sehr erfreuen. Auf ca. 140 Seiten darf man Birger und seiner Freundin Betty beim Kuchen essen und anschließend bei der Lösung eines mysteriösen Falles in Marbach beistehen.

Dabei bekommen die 2 tatkräftige Unterstützung aus der Nachbarschaft, denn sie werden von einem Unbekannten bedroht, der etwas zurück haben will, was Birger und Betty unfreiwilligerweise besitzen.

Plausch am Ententeich ist eine nette Unterhaltung, ein Regionalkrimi für zwischendurch. Dabei verzichtet Daniel Grosse auf blutige Szenen und halsbrecherische Verfolgungsjagden, da sind es eher die Anspielungen auf …. Marbach, die Anwohnern sicherlich auffallen und gefallen werden. …“  Quelle: Buchblog Lesezauber.net

Aktualisierung am 16.12: Bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉