Posts Tagged ‘Marburg’

Vor der Wahl einer Partei ist vor der Orange – Nur wer sie schält, erfährt, ob sie schmeckt

Mittwoch, Oktober 24th, 2018

Verkehr umgibt uns täglich, die Themen dazu sind auch Schwerpunkte mancher Parteien.    Foto: Daniel Grosse

Kreuzchen machen, heißt es am kommenden Sonntag, dem hessischen Wahlsonntag. Marbach direkt stellt plakativ nochmal kurz die Inhalte, den Kern der Parteien vor. So zumindest lautet der Plan, wenn ich diesen Vorspann schreibe. Für die Inhalte des Folgenden sind ausschließlich die Parteien verantwortlich. Was das mit der Marbach zu tun hat? Das werden wir in den kommenden Jahren sehen. Spätestens dann, wenn Wahlversprechen auch in unserem Stadtteil einzulösen sind. Ob die Frucht Orange dann auch genießbar ist, muss sich zudem noch zeigen.

von Daniel Grosse

Grüne Marburg-Biedenkopf

„Die Zukunft ist GRÜN“. Dort heißt es am Anfang: „Uns eint, uns verbindet ein Kreis von Grundwerten, nicht eine Ideologie. Wir haben als Partei von Grundwerten linke Traditionen aufgenommen, wertkonservative und auch solche des Rechtsstaatsliberalismus. Unsere Grundposition heißt: Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte.“

SPD Marburg

?

CDU Marburg

?

Die Piraten

?

Andere

?

Dafür, dass Menschen – insbesondere als Wähler – gerne schnell erfahren möchten, für was jemand und eine Partei steht, was seine und ihre Ziele sind, wie es um die Haltung steht, war die schnelle Suche auf den Internetseiten der jeweiligen Parteien, die auch in Marburg antreten, sehr enttäuschend. Einzig die Marburger Grünen schaffen es zumindest, in wenigen Zeilen eine Grundaussage zu liefern. Auch wenn sie sich dort auf ihre Mutterpartei beziehen. Wer also Details erfahren möchte, dazu, wofür die Parteien jeweils stehen, kommt nicht daran vorbei, sich die Internet-Auftritte genauer anzuschauen. Arbeitskreise, Inhaltliches und Ansprechpartner erleichtern die weitere Recherche. Wer die Orange essen möchte, muss sie zunächst schälen.

Also: Am Sonntag Kreuzchen machen! Aber mit Sinn und Verstand! Deshalb vorher lesen und mit den Verantwortlichen sprechen!

Mit Unterschriften gegen Pläne am Oberen Rotenberg

Montag, April 23rd, 2018

Von Daniel Grosse

Das Baugebiet auf den Wiesen am Oberen Rotenberg/Höhenweg in Marburg-Marbach ist zwar noch lange keines. Aber immer wieder ist bereits jetzt zu lesen, dass sich Menschen gegen Überlegungen, dort eventuell in großem Stil zu bauen, wehren. Für heute Vormittag (Montag), 11 Uhr, hat zum Beispiel die so genannte „Initiative Marbacher Nachbarn“ angekündigt, der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk (SPD) eine Unterschriftensammlung zu überreichen. Mehr als 400 Unterschriften habe sie gegen eine eventuelle Bebauuung gesammelt, teilt die Initiative mit.

Zugrunde liegt ein Memo mit folgendem Wortlaut:

„Keine Bebauung von Oberem Rotenberg und Marbacher Wiesen !….Bau eines Gewerbegebietes und Wohnbebauung am Oberen Rotenberg und „Engelsberg“ (Marbacher Wiesen) gefährden ein wichtiges Naherholungsgebiet und einen Bereich mit erheblicher klimatischer Bedeutung für ganz Marburg.
Welche Folgen hat das für Natur und Klima?
• Freie Flächen am Stadtrand sind eine wichtige Frischluftschneise für ganz Marburg. Zubauen dieser Flächen kann die Luftqualität weiter Teile der Stadt verschlechtern. Aktuelle Daten/Klimamessungen sind notwendig im Bereich Marburger Rücken zwischen Marbach-Engelsberg und Ockershausen-Hasenkopf zur Kaltluftentstehung über den Höhenflächen und Kaltluftzufuhr in die tiefer gelegenen Bebauungs- und Stadtlagen. Gibt es aktuelle Klimafunktionskarten der Stadt (nicht nur Daten aus Investoren-Gutachten)?
• Verpflichtung zur Luftreinhaltung der Städte: eine Verringerung/Veränderung der Frischluftzufuhr in die Tallagen der Stadt kann zur Nichteinhaltung von Schadstoffgrenzwerten führen. Welche Folgen hat das für den Marburger Straßenverkehr? Welche Untersuchungen gibt es, um die zur Einhaltung der Schadstoffgrenzen zu gewährleisten? Ginge es um drohende Fahrverbote hat die Stadt die Nachweispflicht, entsprechende Vorsorge getroffen zu haben.
• Zahlreiche geschützte Arten in diesem Bereich: Amphibien (Erdkröten, Molche; Schutzgebiet Erdkröten weniger als 100 m entfernt: Köhlersgrund/ Dammelsberg); Vögel wie Graureiher, Wiedehopf, Eulen, Kauze, Greifvögel, Schwalben, Feldlerchen, Zaunkönig, Zugvögel wie Wildgänse und Kraniche.
• Der Engelsberg ist ein Wasserpuffer bei starkem Regen ! Versiegelung großer, hoch gelegener Flächen führen zu erheblicher Zunahme der Wassermengen, die den Stadtteil Marbach belasten mit Folgen für Straßen, Wasserleitsysteme und ggf. auch Wohnbebauung. Zu erwarten sind erhebliche finanzielle Belastungen für die Bewohner weiter Teile der Marbach. Die Folgekosten müssten einzig von den Investoren getragen werden ! Die angedachten Zisternen sind nicht ausreichend.
• Erhebliches Verkehrsaufkommen – PKW und LKW – auf dafür nicht geeigneten Straßen mitten durch den Ortsteil Marbach, entlang Naturschutzgebieten („Im Köhlersgrund“), über „Rotenberg“ oder „Hohe Leuchte“. Es gibt derzeit keine LKW-geeignete Zufahrt, außer, wie vom Bauamt vorgeschlagen, ein weiter (Um-)Weg über die Lahntal-Landstraße und Neubaugebiet Wehrshausen.
• Verkehrszunahme auch in der ohnehin überlasteten nördlichen Marburger Innenstadt (schon seit Jahren kilometerlanger Stau bis Marbach zur Rush hour).
• Ist geklärt, ob es Weltkriegsminen in dem Bereich gibt ? (ähnliches Projekt in Gossfelden musste wegen Kosten der Minenräumung aufgegeben werden)
• Bau eines Einkaufszentrum mit ca. 2000 qm nach §11 Baunutzungsverordnung (Sondergebiet für Einkaufszentren und großflächigen Einzelhandel) widerspricht dem Regionalplan Mittelhessen (hier nur Wohnfläche vorgesehen). Zulässige Verkaufsflächen am Stadtrand max. 800 qm, bei Sondergenehmigung höchstens 1200 qm Gesamtfläche.
2
• Planungen für Bauleitplanverfahren des Einkaufszentrums (tegut) stammen
unmittelbar von der Werner Group. Bisher keine unabhängigen Prüfungen und
Gutachten der Stadt (wie von Bauamt bei Ortsbeirat Marbach angekündigt).
• Einkaufszentrum ist nicht im Gewerbeentwicklungskonzept Marburg 2017
vorhanden: Ist die Planung zum tegut-Einkaufszentrum mit dem Marburger
Gesamtkonzept abgestimmt? Kann die Bedarfsplanung stimmen, wenn nicht im
GEK integriert?
• Verlagerung der Einkaufszentren an den Stadtrand widerspricht sowohl Vorgaben
im Regionalplan MH als auch aktuellen Vorgaben der Bundesregierung.
• Keine Zersiedelung und „Gewerbekomplexierung“ des Umlands bei Leerstand
von Gewerbe und teuren Immobilien in den Innenstädten (auch in Marbach und
Umfeld Rotenberg stehen Immobilien leer aufgrund hoher Preise).
• Ausreichende Einkaufsflächen für Marbach und Wehrshausen vorhanden:
Ketzerbach (u.a. tegut; auch nicht weiter als Oberer Rotenberg für die meisten
Marbacher und besserer ÖPNV-Anschluss) sowie in PKW-Entfernung zahlreiche
Märkte in Stadt Marburg, Sterzhausen, Wehrda, Cappel. Ein Vorranggelände für
den Bau eines Supermarktes am oberen Höhenweg wurde vor wenigen Jahren als
„nicht benötigt“ aufgegeben, hier sind jetzt Mehrfamilienhäuser. Damals waren
bereits Planungen zu Erweiterungsfläche „Engelsberg“ für Regionalplan
Mittelhessen den Akteuren bekannt. Jetzt plötzlich Bedarf?
• Voten der Ortsbeiräte Marbach und Wehrshausen für Supermarkt basierten auf
falschen Informationen bezüglich der Ausweisung des Gebietes (nach Auskunft
des Ortsbeirats Marbach). Die Voten der Ortsbeiräte sollten daher wiederholt
werden, insbesondere nach sorgfältiger Recherche und Darlegung der
Folgekosten für die Bürger der Stadtteile bei Erschließung des Geländes.
• Unzulässige Vorgänge wie Reservierungen/ Vorverträge für Baugebiete Flurstück
Engelsberg durch Investoren noch vor Beginn des Gesamtverfahrens – dies führt
zu Vorfestlegungen und Druck auf die Entscheidungsträger.
Wo sind Transparenz und Bürgerbeteiligung der Stadt? Bisher sind für den Oberen
Rotenberg nur die gesetzlich vorgeschriebenen Formen der Bürgerbeteiligung
angekündigt worden, also keine darüber hinausgehende Beteiligung von Anwohnern
und interessierten Bürgern zu diesem Vorhaben. …“

Ins Innere einer Firewall – Fünf Frauen gelingt Unglaubliches

Dienstag, April 17th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Ella Björnlund ist eine von ihnen. Gemeinsam mit vier Kolleginnen hat sie es gewagt, als eine von fünf Frauen erstmals in eine Firewall einzudringen. Die Forscherinnen waren mittendrin. Die weltweit erste Mission dieser Art ist geglückt.

In dem Inneren der Firewall war Björnlund sehr schlecht zu erreichen. Handys oder Funkgeräte funktionierten dort nicht. So musste die Weltpresse darauf warten, was die fünf Frauen nach ihrem Trip zu berichten hatten. Und das war unglaublich.

„Wir sahen Russen, Franzosen, Amerikaner, auch ein Mann aus Bergisch-Gladbach versuchte, die Mauer emporzuklettern. Da wir jedoch mittendrin waren, konnten wir ja weder helfen noch abwehren“, berichtet Ella Björnlund dem Nachrichtensender DIE WAND. Das war wohl auch besser so, schließlich sind solche Wände massiv gefertigt und mit allerlei Raffinessen ausgestattet.

Einer, der sich auf dem Markt auskennt, ist Bong. Seinen richtigen Namen möchte er nicht nennen, zu diskret sei sein Geschäft. Immerhin bedient Bong den internationalen Markt für Firewalls, im Osten wie im Westen. Er sagt, worauf es ankommt: „Die Firewalls müssen massiv und undurchdringbar sein. Es nützt nichts, wenn Sie auf Eiche rund um ihren Standort vertrauen. Auch Stahl verhindert nicht, dass doch jemand hindurchdringt. Hitze kann vernichtend sein.“ Bong rät daher von einer Materialschlacht ab, auch die Höhe einer Firewall sei nicht entscheidend, „vielmehr kommt es auf die Dicke oder Tiefe der Wall an“, erklärt der Fachmann.

Und wie beurteilt Bong den Erfolg der fünf Forscherinnen? Weshalb konnten sie gar in das Innere der Firewall eindringen? „Da müssen die Programmierer eine Tür offengelassen haben, oder der Schlüssel lag schlicht unter der Fußmatte.“

Vögel als Kuriere der Juristen

Montag, April 16th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Rechtsanwaltskanzleien und die Bundesrechtsanwaltskammer haben ein Problem: irgendetwas stimmt nicht mit diesem Postfach. Es nennt sich beA und ist sogar ein besonderes elektronisches Anwaltspostfach. Aber beA machte nicht das, was es sollte. Also nahm die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) diese Technologie kurz vor Weihnachten 2017 wieder vom Netz. Das geschah aus Sicherheitsgründen, wie wiederholt das Fachblatt BRAK-Mitteilungen mitteilte. Nun suchen alle Beteiligten nach einer Lösung.

„Warum brauchen die so lange?“, fragten kürzlich mehrere Top-Juristen ihren Wirt, als der sich gerade umdrehte, um gespülte Gläser ins Regal zu stellen. Jus Dillon-Wurst setzte als Senior Partner der Großkanzlei „Cornwall and more“ noch einen drauf: „Alle Fahrradreifen sind platt. Unsere Kuriere kollabieren und die Mandanten stöhnen. Sogar Amazon geht in die Knie.“ Natürlich hatte der Wirt auch keine Ahnung, wie die Anwaltschaft nach diesem grauenvollen Kollaps des beA künftig ihre Briefe, Mitteilungen und andere Postsachen verschicken soll.

„Brieftauben“, murmelte der nur und umwickelte einen Schlauch mit Isolierband, damit nicht noch mehr Bier aus seiner Zapfanlage auslief. Als Vordenker und kluger Kopf sagte Dillon-Wurst sogleich: „Das ist die Lösung!“ Der Wirt legte den Kopf schief. „Natürlich, ich nehme immer Isolierband, wenn es sutscht.“ Aber da war der Cornwall-Jurist schon längst wieder im Gespräch mit seinen Kollegen. Weil jedoch der Wirt ein Neugieriger war, schrieb er mit, was er da so hörte. Gegen 23 Uhr rief er seinen Freund bei der Lokalzeitung an, der soeben noch nach einer Meldung für die Spätnachricht suchte. Nun hatte der Zeitungsmann seine Meldung.

Am nächsten Morgen saß Jus-Dillon Wurst in seinem gläsernen Büro bei Croissant und Latte Macchiato, überflog die Meldungen im Internet – und verschluckte sich. Seiner Yucca-Palme las er mit heiserer Stimme vor:

„Brieftauben könnten schon bald zu Tausenden Boten der Anwaltschaft werden. Wie die Landzeitung berichtet, habe es gestern ein Treffen prominenter Vertreter verschiedener Großkanzleien gegeben. Weil ein neuartiges elektronisches Postfach nicht funktioniere, seien die Vögel nun die letzte Rettung, um den massiv gestiegenen Postverkehr der Juristen untereinander und mit den Gerichten abzuwickeln. Weil jedoch Pakete und großformatige Sendungen die Tauben überforderten, sollte diese Tiere anderes Gefieder ausbilden. Bussarde und große Adlerarten könnten zum Einsatz kommen. Die zuständigen Rechtsanwaltskammern seien noch skeptisch, ist zu hören, die Bundesrechtsanwaltskammer verhandelt jedoch scheinbar bereits mit Wildparks und Vertretern von Gerichten.“

Wohngebiet am Oberen Rotenberg nimmt erste Hürde

Mittwoch, April 11th, 2018

Rund fünf Hektar Fläche umfasst das Gebiet am Oberen Rotenberg/Höhenweg (orangefarbene Markierung). Laut Standortanalyse könnten etwa 200 neue Wohneinheiten dort entstehen, etwa 60 davon als geförderter Wohnungsbau.    Grafik: Stadt Marburg

Nachfolgend eine Pressemitteilung der Stadt Marburg – im Wortlaut:

„Marburg. Rund fünf Hektar am Oberen Rotenberg, fast zehn Hektar am Hasenkopf – die Stadtverwaltung hat zwei große Flächen für den potenziellen Bau neuer Wohngebiete analysiert und verglichen. Das Ergebnis der Untersuchung liegt vor, im Herbst soll das Stadtparlament entscheiden, wo es vorrangig losgeht. Ortsbeiräte, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die breite Marburger Öffentlichkeit werden an der Entscheidungsfindung beteiligt. Baubeginn für die ersten Häuser könnte frühestens in fünf Jahren sein.

„Marburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Wir gehen diese wichtige soziale Frage weiter an und wollen, unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, die beste Lösung identifizieren und gemeinsam umsetzen“, so das Stadtoberhaupt. Diese Beteiligung reicht von gemeinsamen Sitzungen der Ortsbeiräte von Ockershausen und Marbach mit Fachleuten aus der Verwaltung über öffentliche Informationsveranstaltungen für alle Bürgerinnen und Bürger, Diskussionsrunden für die Anwohner/innen in den Stadtteilen samt Stadtteilspaziergängen bis zur gezielten Auswertung der Debatten, Einschätzungen, Anregungen, Befürchtungen und Ideen.

All das sind Bausteine des neuen Konzeptes, das die Stadt nun zum ersten Mal als Modellprojekt der Bürger/innenbeteiligung anwendet. Die Marburgerinnen und Marburger sollen mitbestimmen, auf welchem der beiden potenziellen Baugebiete im Stadtwald oder am Oberen Rotenberg es vorrangig losgehen soll. Und sie sollen mitarbeiten an einer Antwort auf die Frage, was dort wie gestaltet wird, welche Form und Struktur das neue Wohngebiet haben soll. „Wir geben keine Priorisierung für eines der beiden Gebiete vor“, so der Oberbürgermeister, „fest steht nur, dass gebaut wird, weil es den Bedarf an Wohnraum gibt, dem wir Rechnung tragen wollen und müssen“.

Seit dem vom Parlament einmütig beschlossenen Wohnraumversorgungskonzept sind seit 2015 jährlich hunderte neue Wohneinheiten sowohl von Wohnungsbaugesellschaften als auch von privaten Investoren errichtet worden. Dennoch ist der Bedarf insbesondere an gefördertem, bezahlbarem Wohnraum groß: Bis 2020 fehlen voraussichtlich noch rund 350 Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen. „In den letzten Jahren ist schon viel passiert, aber nun stehen wir vor einer wichtigen Entscheidung für die weitere Entwicklung unserer Stadt, die wir am besten gemeinsam treffen“, so Spies. „Die Möglichkeit, in den bestehenden Wohngebieten ,nachzuverdichten‘, wie es im Fachjargon heißt, ist in Marburg weitgehend ausgeschöpft“, erklärt Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel. Neue Standorte müssen her.

Im Regionalplan Mittelhessen sind die Flächen am Oberen Rotenberg/Höhenweg sowie am Hasenkopf/Stadtwald seit vielen Jahren schon als „Vorranggebiete Siedlung“ langfristig für den Wohnungsbau ausgewiesen. Beide Gebiete sind nun vergleichend geprüft worden. Dabei ist das Ziel die Entwicklung eines neuen Quartiers für „die Versorgung benachteiligter Wohnungssuchender mit bezahlbaren Wohnraum“ bei gleichzeitiger „Vermeidung einseitiger Belegungsstrukturen“. Das heißt, es geht um einen Mix an gefördertem und nicht gefördertem Wohnraum für eine möglichst große soziale Vielfalt an Menschen, die in dem neuen Gebiet leben werden.

Beide Gebiete sind bislang unbebaut und landwirtschaftlich genutzt. Für beide Gebiete wurde in der 36 Seiten umfassenden Analyse die Wirkung einer potenziellen Siedlung auf das Stadt- und Landschaftsbild, auf die Qualität der Freiräume, auch für die Naherholung in der direkten Umgebung, geprüft. Untersucht wurde auch, welche Infrastruktur (Läden, Schulen, Kitas etc.) und Verkehrsanbindungen es schon gibt oder welche erst noch geschaffen werden müssen. Schließlich geht das Papier auch auf die Umsetzbarkeit in Bezug auf Kosten, Risiken, Zeitdauer etc. ein.

Beide Gebiete liegen auf dem Berg. Von der Lahn hinauf zum Oberen Rotenberg im Stadtteil Marbach mit seinen aktuell 3300 Einwohner/innen sind 130 bis 150 Höhenmeter zu überwinden, der Rudolphsplatz liegt gut drei Kilometer entfernt. Das untersuchte Gebiet hat ein Potenzial von 200 neuen Wohneinheiten. Der Hang ist nach Nordosten ausgerichtet. Das Konzept für eine neue Siedlung direkt im Anschluss an die Ein-, Zwei-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser am Höhenweg müsste auf den Bestand Rücksicht nehmen. Der ist seit Jahrzehnten gewachsen und hat sich in jüngerer Vergangenheit kaum verändert. Die Anbindung eines neuen Wohngebiets an den ÖPNV wäre unkompliziert. Eng würde es lediglich an der Haarnadelkurve am Barfüßertor.  Baubeginn könnte nach heutigem Stand der Dinge frühestens in fünf bis sechs Jahren sein – inklusive städtebaulichem Wettbewerb und Planverfahren.

Nun zum Hasenkopf im Stadtwald. In dem recht jungen Stadtteil leben aktuell 1430 Einwohner/innen. Der Höhenunterschied ins Tal ist fast ebenso groß, die Entfernung zum Rudolphsplatz gut einen Kilometer weiter als zum Vergleichsgebiet am Höhenweg. 350 Wohneinheiten könnten laut Analyse am Hasenkopf entstehen – in Südwesthanglage und freier plan- und bebaubar als am Höhenweg. Das neue Wohngebiet könnte den recht jungen Stadtwald am und um das ehemalige Kasernengelände erweitern. Der gut funktionierende Stadtteil würde auf rund 3000 Einwohner/innen heranwachsen und damit für weitere Angebote vor Ort attraktiv werden. Der Soziale-Stadt-Prozess, die etablierte Gemeinwesenarbeit sowie die vorhandene und ausbaufähige Infrastruktur sind weitere Pluspunkte des Hasenkopfes. Allerdings sind die Eigentümerverhältnisse der Flächen, die zum Wohngebiet werden könnten, dort wesentlich komplizierter als am Oberen Rotenberg. Deshalb könnte ein neues Wohngebiet dort auch erst später bezogen werden – mit sieben Jahren mindestens zwischen Beschluss und Umsetzung rechnet die Vergleichsstudie.

Was die soziale Komponente angeht, liegen beide Gebiete zwar prozentual gleich auf, aber nicht in der absoluten Zahl der geförderten Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen. Die Analyse rechnet mit einem Anteil von rund 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau – also zehn Prozent mehr als die in Marburg gültige Quotenregelung. Am Hasenkopf wären das rund 100 geförderte Wohnungen und am Höhenweg etwa 60. „Aus städtebaulicher Sicht wäre ein noch höherer Anteil denkbar“, heißt es in dem Papier. Welche Chancen und Risiken das mit sich bringen würde, müsste dann mit Blick auf die Sozialverträglichkeit noch geprüft werden.

„Aus fachlicher Sicht eignen sich beide Gebiete“, so Oberbürgermeister Spies. „Nun gilt es, die Ergebnisse der Studie durch die Beteiligung der Öffentlichkeit zu präzisieren und ein möglichst von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragenes Votum des Stadtparlaments vorzubereiten“. Der nächste Schritt sei nun, das weitere Verfahren nach der Zustimmung des Stadtparlaments gemeinsam mit den Ortsbeiräten zu besprechen. Läuft alles nach Plan, entscheiden die Stadtverordneten im vierten Quartal 2018 darüber, auf welcher Fläche vorrangig gebaut wird.

Großkanzlei expandiert in die Provinz – Marbach möglicher Standort

Donnerstag, März 15th, 2018

Mit Holz und dem Naturerlebnisgedanken möchte „Cornwall and more“ Mitarbeiter langfristig binden.  Foto: Daniel Grosse

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Wer sich in den Führungsetagen der großen deutschen Wirtschaftskanzleien umhört, lernt das Fürchten. Die Gruppe der Global Player unter den Mega-Kanzleien hat massive Personalprobleme. Die Großstädte im In- und Ausland sind schon längst ein Markt, auf dem es nichts mehr zu holen gibt. Immerhin können sich die Besten unter den Top-Juristen ihre Arbeitgeber aussuchen. „Cornwall and more“ hat das Problem erkannt und macht etwas, was schon viele in der Branche tun: benefits anbieten. Aber die Großkanzlei mit Standorten in München, Frankfurt, Düsseldorf und Schwäbisch Hall setzt auf den Charme der Provinz. Statt schöner, toller, exklusiver, heißt bei „Cornwall and more“ das Motto für die Neuen: Ran ans Holz!

Was wie ein abgenutzter Spruch aus der Baumarkt-Werbung klingt, ist durchaus ernst gemeint. Die Kanzleilenker möchten Bewerbern eben mehr bieten als immer nur einen Ausgleich für deren ausgewogene Work-Life-Balance oder ein 16. Monatsgehalt. Auch Sport- als Dienstwagen oder teure Kurzurlaube für Mitarbeiter mit 60-Stunden-Wochen sind schon längst kein Grund mehr, länger als nötig bei seinem Arbeitgeber zu bleiben.

Was also steckt hinter dem plakativen „Ran ans Holz“? Senior Partner Jus Dillon-Wurst, mit Wurzeln in Marburg-Marbach, erklärt die Hintergründe.

Was bezwecken Sie als Großkanzlei mit Ihrer Idee?

Jus Dillon-Wurst: Dumme Frage.

Warum?

JDW: Weil die Antwort bereits im Motto steht. Ran ans Holz erklärt sich selbst.

Das klingt aber eher nach Kegeln statt nach Bewerbersuche oder dem Halten talentierter Mitarbeiter.

JDW: Sehen Sie, die Juristen bei uns arbeiten häufig bis zum Umfallen. Das ist gut und wichtig für unseren Umsatz. Auch den Gewinnen schadet das nicht. Jedoch ist dieser Zustand bereits seit Jahren unverändert.

Wo also liegt das Problem?

JDW: Sie kapieren es nicht, oder? Wir können die Mitarbeiter nicht länger als 60 oder 70 Stunden arbeiten lassen. Das würde mit dem Arbeitszeitgesetz kollidieren. Das schreibt vor, regelmäßig Pausen einzulegen, die möglichst „körperlicher Natur“ sind.

Was bedeutet das?

JDW: Joggen, Stricken, Fitness, was auch immer. Wir prüfen das nicht nach.

Und wann kommt nun das Holz ins Spiel?

JDW: Hacken.

Bitte?

JDW: Holz hacken, das Holz sägen, es spalten, verarbeiten.

Aber das versaut Ihnen doch komplett Ihre Kanzleiräume.

JDW: Deshalb ja auch die Idee mit der Provinz und dem Naturgedanken. Wir haben bereits mit Schwäbisch Hall als Kleinstadt gute Erfahrungen gemacht. Dort fahren die jungen Kanzleikollegen bereits als 20- bis 25-Jährige ganz alleine in ihren Pausen auf unseren Geschäfts-E-Bikes in den nahen Wald und toben sich aus. Das schaffen die. Ohne Hilfe.

Und das funktioniert? Damit bekommen und halten Sie Mitarbeiter?

JDW: Das können Sie glauben! Wir planen nun weitere Standorte, zunächst nur in Deutschland. Und da ich die Marbach aus meiner Kindheit kenne, mit den Wäldern nur wenige Minuten entfernt, werden wir dort ein Büro eröffnen.

Sie glauben ernsthaft, dass sich junge Super-Juristen, so genannte High Potentials, mit Top-Noten und Empfehlungen auf den Vorort einer hessischen Unistadt einlassen?

JDW: Genau das. Mit der Firma Stihl haben wir bereits einen großen Deal abgeschlossen. In dem Vertrag steht, dass uns kostenlos 20 Motorsägen der neuesten Baureihe sowie 20 Äxte mit Edelschliff zur Verfügung gestellt werden. Kostenfrei. Dafür toben sich die Mitarbeiter auch nur dann am Holz aus, wenn sie zuvor einen Stihl-zertifizierten Kurs, der auch öffentlich anerkannt ist, absolvieren.

Einen Kurs?

JDW: Kein Scherz, aber in Deutschland benötigen Sie einen Schein, der es Ihnen erlaubt, im Wald mit einer Motorsäge „Holz zu machen“, wie die Insider sagen.

Wo in der Marbach soll denn Ihr neuer Standort entstehen? Ehrlich gesagt, klingt Ihre Idee etwas irre.

JDW: Das soll sie ja auch, danke Ihnen für das Kompliment. Wir sind irre, deshalb ja auch der weitere Schritt in die Provinz. Aber nur aus Irrem, oder lassen Sie es mich Gewagtes nennen, entsteht manchmal Neues. Also, zurück zu Ihrer Frage. Sie kennen sicher das ehemalige Pfarrhaus unweit der Grundschule. Das steht leer. Es bietet Platz und eine gute Sicht auf die Landschaft. Unten die Emil-von-Behring-Straße, oben die Haselhecke. Einen Steinwurf entfernt ein großer Parkplatz und das Bürgerhaus mit genügend Stellfläche.

Was sagt die Kirche dazu?

JDW: Das ist alles längst geregelt. Auch die Privatwaldbesitzer Marbachs sitzen längst im Boot. Sie freuen sich sogar auf die jungen Juristen, warnen allerdings vor Borkenkäfern.

Bitte?

JDW: Uns wurde bei einem Briefing mit den Eigentümern der Waldstücke und dem Forstamt erklärt, dass sie sich gerne abnorm verhalten?

Die Waldbesitzer?

JDW: Was ist eigentlich Ihr Beruf? Hören Sie genau zu!

Entschuldigung. Also?

JDW: Die Borkenkäfer besitzen einen natürlichen Beißreflex, der sich mitunter nicht nur auf das Gehölz erstreckt, sondern auch auf Unbekannte.

Unbekannte?

JDW: Menschen, Arbeiter, wer auch immer, der sich in Waldparzellen erstmals aufhält, den sie nicht kennen.

Wir sprechen von Borkenkäfern?

JDW: Ja, aber das ist nicht unsere Sache. Die Mitarbeiter werden bestens geschult. Sie bekommen das hin, wenn sie in den Pausen mit ihren Sägen und Äxten unterwegs sind.

Wann starten Sie also?

JDW: Am 1. Juni, wenn wir genug Bewerbungen gesichtet haben, die erfolgversprechend sind.

Läuft die Bewerbungsfrist noch?

JDW: Ja, bis zum 31. März.

Danke für das Gespräch, Herr Dillon-Wurst.

Versuchter Einbruch im früheren Europabad

Mittwoch, März 14th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Es sind diese Meldungen, die selbst langgediente Beamte ins Grübeln bringen. Immerhin sollte folgende Pressemitteilung nach Auskunft der Marburger Polizei eigentlich nicht veröffentlicht werden. Weil jedoch an diesem Tag im Präsidium eine Umbesetzung erfolgte und ein Polizeianwärter den PC-Arbeitsplatz des eigentlichen Pressesprechers übernahm, gelangte die Meldung ins Netz. Bei Facebook wurde sie bereits 6.985 mal mit einem Like versehen. Um was geht es?

Am vergangenen Wochenende wurden die Marburger Beamten zu einem Einsatz gerufen. Gegen 23 Uhr ging die telefonische Meldung bei der Zentrale ein. Ein Anwohner einer Seitenstraße der Europabadstraße meldete verdächtige Bewegungen an dem Appartmenthaus am Standort des ehemaligen Europabads. Leicht bekleidet sollen dort zwei Männer mittleren Alters „unter erhöhter Kraftanstrengung“, so der Originaltext, an der Tür im Erdgeschoss, vorne, gerüttelt haben. Der Anrufer sprach von Tritten gegen die Tür. Auch Aussagen wie, „Wir wollen schwimmen!“, seien zu hören gewesen.

Als die Beamten vor Ort waren, fanden sie, der Meldung zufolge, „zwei in sich zusammengesunkene Gestalten“ vor. Beide trugen tatsächlich nur Badehosen und rote Kappen mit den Initialen des Marburger Schwimmvereins. Aufgrund von Temperaturen im einstelligen Bereich wickelten die Beamten die Männer in Decken und brachten sie zunächst in Gewahrsam. Wie sich herausstellte, waren die Männer hochgradig toxisch verseucht. In ihrem Blut fand ein Amtsarzt Rückstände von Chlorschwimmogen. Aufgrund des Befunds verbrachten die Kollegen die beiden in das Marburger Klinikum auf den Lahnbergen. Ein Entzug wurde angeordnet.

Nach Rücksprache mit der Pressestelle der Polizei Marburg, gehe es den Männern, den Umständen entsprechend, gut. Zu ihrer Tat befragt, hätten sie ausgesagt, sie seien Leistungsschwimmer des Vereins und nach einer Feier mit Vereinskollegen zunächst ziellos durch die Marbach geirrt. Da habe sich der ältere der beiden an seine Jugend erinnert und an das „tolle, hydraulisch bewegliche Sprungbrett und den netten Bademeister“. Und da sie ihre Schwimmsachen wegen einer Erotik-Wette bereits getragen hätten, seien sie so bekleidet zu dem ehemaligen Schwimmbad gegangen. Den Männern droht nun ein Verfahren wegen Hausfriedensbruchs.

Badespaß im Marbacher Regenrückhaltebecken

Dienstag, März 13th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies gibt sich gerne zurückhaltend volksnah. Das hat er insbesondere in der Marbach schon etliche Male bewiesen, wenn er bei Veranstaltungen der Vereine im Bürgerhaus nicht als prominentes Stadtoberhaupt, sondern als privater Gast vor Ort war.

So verwundert es auch nicht, dass man den Marburger Stadtchef hin und wieder durch die Straßen Marbachs gehen sieht. Weder irgendwelche Personenschützer, noch eine schwarze Dienstlimousine, begleiten dann den OB. Am Weltfrauentag etwa saß Spieß geschlagene zwei Stunden auf einer der zwei Bänke am Regenrückhaltebecken. Passanten berichten, er habe in einer Zeitschrift oder einem ähnlichen Schriftstück gelesen. Aus der Ferne beobachtet, könnte es sich um Themen wie Bäder, Wasser oder Freizeitspaß gehandelt haben. Da sich die Vorbeigehenden aufgrund der Prominenz des Oberbürgermeisters nicht getraut hatten, diesen anzusprechen, war zunächst nichts weiter bekannt geworden.

Auf Nachfrage im Rathaus, wollte die Pressestelle zunächst nichts zu der Sache sagen. Das sei privat, hieß es. Nach mehrmaligem Nachfragen, konnten die Sprecher des OB jedoch nicht mehr ausweichen, da im selben Moment der Stadtchef auf dem Weg zur Teeküche war und von dem Telefonat Bruchstücke mitbekam. Ja, er habe in einem Katalog für Freizeitaktivitäten gelesen, räumte er ein. Schließlich sei das Regenrückhaltebecken entlang des Höhenwegs für die Marbacher ein zentraler Ort, der aufgewertet werden müsse. Da liege der Gedanke nahe, das Schilf radikal zu entfernen, die Böschungen in Ufernähe zu befestigen und eventuell sogar zwei Startblöcke zu bauen. Die bislang fehlende Wassertiefe könnte durch Aushebungsarbeiten ausgeglichen werden. Von einem Freibad wollte Spies nicht sprechen, eher von einem Schwimmteich, wie er schon längst auf vielen Privatgrundstücken vorzufinden sei.

Geschützte Tiere, wie Enten und Reiher, sowie Molche, müssten im Zuge der Maßnahme umgesiedelt werden, sollten sie sich nicht mit der Situation arrangieren. Die Funktion als Regenrückhaltebecken soll die Teichanlage behalten. Gewährleisten soll dies unter anderem, dass die Zahl der Badegäste niedrig gehalten wird, damit durch die zusätzliche Verdrängung des Wassers durch Badende, der Wasserstand im Normbereich bleibt.

Eintritt in Kirchen wird kostenpflichtig

Dienstag, März 13th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Kirchenaustritte beschäftigen seit jeher die beiden großen Kirchen in Deutschland. Wenn sich Mitglieder einer Konfession dazu entschließen, diesen Schritt zu gehen, geschieht das in vielen Fällen aus pekuniären Gründen – also des Geldes wegen. Mit Immobilienverkäufen allein ist dieser Weggang an zahlenden Gläubigen langfristig nicht zu verkraften. Die Landeskirchen suchen daher schon seit Längerem nach Lösungen mit nachhaltigem Effekt. Marburg könnte ein Vorreiter sein auf dem Weg einer soliden Finanzierung der Gotteshäuser und des Personals.

Mit dem Stadtteil Marbach nimmt die Markuskirche an einem Pilotprojekt teil, das zeigen soll, welche Wege gangbar sind. So ist geplant, nicht nur Kirchgänger stärker in die Finanzierung einzubinden. Auch Besucher anderer Veranstaltungen in der Markuskirche sollen großzügiger ihre Geldbeutel öffnen, heißt es in einer Mitteilung. Was bedeutet das konkret? Es werden demnach im Laufe des Frühjahrs an beiden Eingängen der Kirche Lesegeräte installiert, die, wie beim bargeldlosen Bezahlen, bei jedem Betreten des Gebäudes einen vorher festgelegten Betrag von den EC-Karten der Besucher abbuchen. Einmal jährlich wird dieser jeweilige Betrag der Kirchenverwaltung gemeldet. Wer an dem Verfahren nicht teilnimmt, hat die Möglichkeit, etwa beim Herumgehen des Kollektebeutels, den Betrag nachzumelden. Gleiches gilt für Besucher sonstiger Veranstaltungen in den Kirchenräumen.

Damit die Nachmeldungen reibungslos funktionieren, werden die Konfirmanden nach und nach mit Geräten ausgestattet, die sich bereits bei den Zugbegleitern in den Bahnen seit Jahren bewährt haben.

Mit welchen Beträgen zu rechnen ist, konnten bislang weder das zuständige Pfarramt noch Vertreter der Landeskirchen sagen. Ob das Vorhaben erfolgreich ist, hängt auch davon ab, wie viele Menschen weiterhin in die Gottesdienste gehen. Bei zehn bis 15 Besuchern an gewöhnlichen Sonntagen könnte es schwierig werden. Ostern und Weihnachten hingegen sind Kassenschlager, ebenso Taufen und Hochzeiten – erst recht Basare und andere offene Veranstaltungen.

Marbach direkt ist gescheitert – und erfindet sich neu

Montag, März 12th, 2018

Von Daniel Grosse

Marbach direkt ist gescheitert. Zumindest in der Online-Variante, die hin und wieder „reale Nachrichten und Hintergründe“ liefert. Was folgt?

Bereits bei den vergangenen beiden Seminaren der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin zu lokalem, hyperlokalem Journalismus, war mir deutlich geworden, dass der Wert an Berichterstattung steigt, und zwar mit der Anzahl an Bewohnern in Stadt und Stadtteil. Wir haben hier in der Marbach rund 4.500 Einwohner. Wir haben zwei Bäcker, eine Apotheke, eine Tankstelle, einige Ärzte und viele Privatmenschen. Und wir haben die Behringwerke, die natürlich längst gesplitted sind in Siemens, CSL etc.

Das reicht nicht. Da passiert nichts. Zumindest nicht das, was real nachrichtlich online ins Blatt gehoben werden könnte. Die journalistischen Nachrichtenkriterien sind nicht erfüllt. Deshalb: Wirklich wahr?

Ihr könnt diese Rubrik immer daran erkennen, dass Wirklich wahr? ganz oben erscheint.

Und wenn ihr glaubt, dass Wirklich wahr? das Niveau von POSTILLON oder STREIFLICHT der SZ erreicht hat, freue ich mich auf eine Nachricht.

Aber: Wenn neben euch ein Mensch umfällt, die Bäckerei explodiert, der Nachbar irre Dinge tut, Bürgermeister oder Ortsvorsteher sich verhaltensauffällig verhalten, Behring-Manager und andere Menschen seltsames Zeug verkünden, dann spätestens ist es an der Zeit, eine Mail an Marbach direkt zu senden. info (at) dgrosse.de