Posts Tagged ‘Marburg’

Milliardär aus Marbach pflegt grünen Gedanken

Mittwoch, März 7th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Forbes hat heute die Reichsten der Welt präsentiert. Jeff Bezos ist demnach die Nummer 1. Bis 1000 reicht die Liste. US Präsident Donald Trump belegt einen einsamen Platz im hinteren Viertel. Medial vergessen ist jedoch der Gründer der Naturfreundehäuser, die es inzwischen in 42 Ländern weltweit gibt. Einst als Hort für Vagabundierende erdacht, haben sich die Unterkünfte inzwischen längst zu Einrichtungen entwickelt, die Gruppen vielfältige Naturerlebnisse ermöglichen. Das erste seiner Art steht in Marburg-Marbach, nahe der Behringwerke.

Der Gründer der Naturfreundehäuser, Bertol Nau, hat kürzlich bei einem Treffen mit dem Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies nochmals bekräftigt, wie wichtig das Naturerleben sei. Nau, der im Marbacher Saalegrund aufgewachsen ist, rangiert auf der Forbes-Liste der Milliardäre auf dem 223. Platz. Er möchte den Naturgedanken ausbauen.

Dem Vernehmen nach gibt es Gespräche mit der Stadt Marburg und dem Ortsbeirat Marbach, dass künftig das Bürgerhaus in dem Marburger Stadtteil ausschließlich von Gruppen gebucht werden darf, die sich offen zum grünen Gedanken bekennen. Wie dieses Versprechen überprüft werden könne, sei noch nicht geklärt, heißt es. Bertol Nau verhandelt nach eigener Aussage inzwischen mit den Verantwortlichen vor Ort und plant, das Bürgerhaus in eine private Stiftung zu überführen. Dann hätte er, als Hausherr, das Sagen und könnte tatsächlich den angedachten grünen Gedanken umsetzen.

Mal Journalist, mal Krimi-Autor – Marbacher stellen sich vor

Dienstag, Januar 16th, 2018

Fortsetzung der Reihe, die ab dem nächsten Heft, im März, „Marbacher stellen sich vor“, heißt.   Repro: Daniel Grosse

Kaum ist die neue Ausgabe der Marbacher Nachrichten erschienen, ist das kleine Magazin mit Geschichten und Neuigkeiten aus dem Marburger Stadtteil Marbach auch schon nicht mehr wiederzuerkennen. Neues Layout, neue Ideen, neues Redaktionsteam. Vieles ist gut, vieles können wir noch besser machen. Vorschläge bitte gerne an mich per Mail.

info (at) dgrosse (punkt) de

Individuelle Kurzgeschichten für Kinder

Dienstag, Dezember 19th, 2017

Schreiben ist Handwerk. Und eine Kurzgeschichte bringt es auf den Punkt.   Foto: Daniel Grosse

Immer wieder die gleiche Situation beim abendlichen Zubettgehen. Sie möchten Ihrem Kind oder den Kindern etwas vorlesen, aber alle Bücher sind schon mehrmals dran gewesen, das Neue ist noch nicht im Haus, Ihre Kinder wollen Abwechslung – zum freien Erzählen haben Sie heute partout keine Lust. Jetzt können Sie punkten mit etwas, das Ihre Kinder noch nicht kennen: mit einer individuellen Kurzgeschichte, die genau das erzählt, was Ihr Kind mag. Ich schreibe diese Kurzgeschichten für Kinder zwischen 6 und 10 Jahre.

Die individuelle Kurzgeschichte für Ihr Kind:
– Schreiben Sie mir 5 Sätze zum Inhalt, die für die Geschichte wichtig sind
– Ich benötige das Alter Ihres Kindes
– Planen Sie zwei bis drei Wochen ein
– …und Sie bekommen eine Kurzgeschichte mit einer Länge von 10.000 Zeichen – zu einem Festpreis

Sprechen Sie mich einfach an. Oder schreiben Sie mir eine Mail an info (at) dgrosse.de
Weiteres können wir besprechen, und schon bald lesen Sie Ihrem Kind seine Geschichte vor. Liest ihr Kind selbst und kommt auf den Geschmack, möchte gar selber Geschichten schreiben, berate ich Sie gerne.

Für Marbacher ein Muss – Kinofilm Streiflicht irritiert und kommt gleichzeitig galant daher

Donnerstag, November 16th, 2017

Weich gezeichnet und überblendet, fast in der Anonymität verschwindend, agieren Thomas Rösser (rechts) und sein Streiflicht-Komponist Markus Metzler, auf der Bühne vor dem Glitzervorhang des Marburger Kinos „Studio“ im Capitol. Gleich beginnt der Film. Es ist Mittwochabend im gefühlt ausverkauften Kinosaal.     Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Eine Kurzkritik

Die gute Nachricht ist: Das alte Marbacher Europabad kommt in dem Film Streiflicht sehr gut weg. Die schlechte: dazu später. Gestern präsentierte der Macher, Regisseur und Drehbuchautor des Kinofilms, Thomas Rösser, im Marburger Kino „Studio“ eine weitere Vorstellung – eine Sonderveranstaltung.

So stiegen Rösser und der Komponist der Streiflicht-Filmmusik, Markus Metzler, gemeinsam vor Beginn auf die Bühne. In unterhaltsamer Wechselrede sprachen beide über die Entstehung der Musik. Dutzende Orchestermusiker machten diese letztlich erst möglich. Das Ergebnis: eine brillante Untermalung, Verstärkung und Begleitung dessen, was die Zuschauer auf der Leinwand zu sehen bekommen.

Und der Film selbst, das Visuelle? Ja, er ist gut. Streiflicht ist interessant. Langsam kommt er daher, tatsächlich, ganz so, wie Rösser ihn eingangs auch angekündigt hatte. Streiflicht erinnert an Filmkunst aus den späten 50ern, an die 60er. „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, ist zu spüren. Dieser Film aus den 70ern mit Donald Sutherland wird als Thriller/Drama gelistet. Rösser macht es ebenso in seiner Werbung für sein Werk Streiflicht. Zufall? Das ist nicht entscheidend, wichtiger erscheint die Bildsprache, wie Streiflicht mit Farben spielt. Szenen sind mal optisch überzeichnet, fast grell, insgesamt aber sehr weich gehalten, matt. Sparsam waren die Macher beim Schnitt. Das tut gut, so folgt das Auge in aller Ruhe dem, was geschieht – oder eben nicht geschieht. Die Längen tun gut. Zehntelsekunden kurze Momente, in denen ETWAS aufblitzt, etwas Unheimliches, würzen den Film, ohne ihn doch wieder eher hektisch werden zu lassen.

Die Geschichte im Ganzen ist in sich logisch, wenn auch an zwei Stellen, nach dem erstmaligen Anschauen, irgendetwas nicht ganz stimmt. Vielleicht löst sich das beim mehrmaligen Betrachten auch auf. Und entpuppt sich als Irrtum des Kritikers. Nicht nur das Europabad kommt im Film gut weg. Marburger erkennen Dutzende markante Orte in der Uni-Stadt wieder. Besonders schön: der Eis-schleckende Hauptdarsteller in der Rolle des Wilko vor dem Café Klingelhöfer im Marburger Südviertel. Nur ein Beispiel.

Ja, Wilko. Und da kommt das Aber. Zumindest gleich. Wunderbar ist, dass Rolle und Schauspieler dem Betrachter Zeit geben, zu verstehen, was Wilko wie sagt. Das unterscheidet übrigens sämtliche Dialoge in Streiflicht auf angenehme Weise von denen, die in Sendungen wie „Tatort“ oder anderen Filmen, meist im Fernsehen, bisweilen ganz selbstverständlich, gesprochen werden. Und zwar schnell und undeutlich. Ganz anders also in Streiflicht. Auch Wilkos Mimik in Rössers Film ist klar, sie ist verständlich, unterstreicht das Gesprochene. Aber: Der Hauptdarsteller spricht seinen Text hölzern. Verzeihung. Vielleicht mag das ein Stilmittel des Films sein. Vielleicht ein Markenzeichen des Schauspielers, aber irgendetwas an der Rolle und dem Wilko-spielenden Menschen irritiert. Auf jeden Fall ist es seine Sprache, wie er Worte betont. Da fehlt die Lässigkeit. Liegt es am Schauspieler, an der Rolle des Wilko oder an dem Regisseur?

Insgesamt ist Streiflicht – und wieder ein Aber – aber ein ansprechender Kinofilm mit angenehmen Längen, der seine Betrachter galant durch Marburg und das Umland mitnimmt. Und für Marbacher ein Muss. Allein deshalb, weil viele dort Schwimmen gelernt, jede Wand- und Bodenfliese sowie die Treppe zur Schwimmhalle hinauf sicher noch exakt im Gedächtnis haben, weil sich viele bestimmt gerne ans Kassenpersonal, an andere Mitarbeiter und den Bademeister erinnern, wie er ohne Murren stets das Sprungbrett mal hoch, mal runter hat fahren lassen (war stufenlos verstellbar). Und der Film ist wichtig, weil das Europabad so wenigstens weiterhin sichtbar bleibt. Wenn auch „nur“ in einem Film.

Streiflicht jetzt im Kino – Thriller-Dreh im Europabad Marbach – Interview mit Regisseur

Donnerstag, November 9th, 2017

So kennen die Marbacher ihr Europabad aus vergangenen Zeiten. Das Drehkreuz, das Kassenhäuschen. Auf dem Bild zu sehen ist eine Szene aus dem Kinofilm Streiflicht – gedreht auch im ehemaligen Europabad. 2010. Es wurde entkernt. An gleicher Stelle steht heute ein schickes Wohnhaus. Erhalten blieb die runde Form des – ursprünglichen – Marbacher Wahrzeichens.   Foto: privat

von Daniel Grosse

Im Europabad in der Marbach geschehen seltsame Dinge, zumindest im Film Streiflicht von Regisseur Thomas Rösser. Das ehemalige Schwimmbad in dem Marburger Stadtteil war Teil der Kulisse beim Dreh vor sieben Jahren. Morgen startet der Thriller in Marburg auf großer Leinwand im Kino. Mit dem Filmemacher sprach ich über das Projekt und mailte ihm ergänzend Fragen. Heraus kam ein Interview. Dort verriet Rösser mir, warum er in der Marbach drehen wollte, weshalb er damals Angst hatte, wieso auch die Crew mutig sein musste und welches Projekt er nun plant.

Welchen Bezug haben Sie persönlich „zur Marbach“, wie wir unseren Stadtteil ja nennen?
Thomas Rösser:
1989 sind meine Eltern, mein Bruder und ich in die Marbach gezogen. Ich war 16. Meine Eltern wohnen dort weiterhin. Ein schöner Stadtteil, ich hatte tolle Jahre dort. Ich erinnere mich daran, dass es durch die Berge wirklich hart war, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Ich habe schon immer Sport gemacht, aber die Hohe Leuchte mit dem Fahrrad zu meistern, ist eine Herausforderung.

Warum haben Sie 2010 gerade im Europabad gedreht?
Rösser: Ich habe im Europabad schwimmen gelernt. Das große Sprungbrett war die Mutprobe schlechthin. Als wir den Dreh geplant haben, suchten wir ein altes Schwimmbad. Über drei Ecken erhielten wir die offizielle Genehmigung. Als wir die erste Besichtigung hatten, verschlug es mir fast den Atem. Es sah alles noch aus wie früher – nur ohne Wasser. Es roch sogar noch nach Chlor. Ich fand alte Schwimmflügel und Handtücher. Es war für mich sofort klar, dass es keine bessere Location geben würde.

Was geschah dort im Film – ohne natürlich zu viel vorab zu verraten?
Rösser: Das mache ich nicht, wobei es eine meiner Lieblingsszenen ist. Zunächst sollten die Leser wissen, dass wir einen Independent-Film produziert haben, ohne Filmförderung und doppelten Boden. Das aufgebrachte Budget reicht bei anderen Filmen gerade mal für das Catering. Im Film schleicht Wilko, gespielt von Michael Herrmann, durch die Umkleidekabinen, um dort dem Geheimnis des mysteriösen Gemäldes auf die Spur zu kommen. Das Bild scheint seine Besitzer zu bedrohen. In den Umkleidekabinen herrschte eine klaustrophobische Atmosphäre. Und das Ganze bei absoluter Dunkelheit zu passieren, erforderte schon etwas Mut, selbst für die Crew. Ich hoffe, ich konnte das im Film auch so einfangen. Denn ich hatte Angst.

Was war denn die Besonderheit bei dem Dreh?
Rösser:
Wir haben aufgrund der Verletzungsgefahr noch eine Extraversicherung abgeschlossen, da vor allem das Becken des Sprungturms sehr tief war. Wir hatten uns große Gedanken gemacht, dass dort jemand hineinfällt. Übrigens befindet sich die Dachluke, durch die Wilko in das Schwimmbad gelangt, nicht im Europabad. Ich muss in nächster Zeit mal dort vorbeischauen und mir die Wohnungen ansehen. Ich glaube, ich kann noch einiges vom Ursprünglichen erkennen.

Nun dürfen Sie gerne jemandem danken für die damalige Unterstützung in der Marbach. Wem?
Rösser:
Herrn Kappeller, dem damaligen Immobilieninvestor, für die offizielle Genehmigung und dem Tennisverein Europabad Marbach und Peter Penzler. Wir haben auf dem Parkplatz oberhalb des Europabades gedreht. Als Wilko mit seinem Auto das Schwimmbad erreichte, regnete es. Eine tolle Stimmung. Zwei Nächte später, als wir dort wieder drehten, war der Boden trocken. Wir bekamen Wasser zum Anfeuchten des Parkplatzes. Ist nicht wichtig, denken Sie vielleicht, aber für uns elementar, denn die Szenen folgen direkt aufeinander und der Zuschauer hätte es gesehen. Und falls es der Zuschauer nicht bemerkt hätte, hätte ich es gewusst – und ich hätte es immer gesehen.

Stichwort Marbach-Krimi. Kennen Sie eigentlich Birger und Betty, die beiden Marbacher aus dem Buch „Plausch am Ententeich“? Oder wissen Sie, wer Harry, der schreckliche Marbacher, ist?
Rösser:
Ja, wäre gelogen, aber ich habe schnell nachgesehen. Eine interessante Herangehensweise an einen Text. Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Werde gleich ein Exemplar für meine Eltern bestellen. Das ist natürlich eine ganz andere Art, sich einer Geschichte zu nähern. Wir hatten für Streiflicht 13 Drehbuchfassungen und man ist nie zufrieden. Momentan schreibe ich an dem Drehbuch für „Der Gelbe Ballon“, eine sozialkritische Liebeskomödie.

Viel Erfolg und danke für das Interview.

Flugblatt zu Gewerbegebiet in Marbach – Konfrontation oder Lösungen?

Freitag, Mai 12th, 2017

Auch um dieses Marbacher Gebiet geht es.  Archivfoto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Journalisten sollen nicht einseitig berichten. Sie sollen mindestens zwei Quellen überprüfen – aber sie sollen auch das weitergeben, was sich ereignet. Vor allem im Lokalen. Und das ist manchmal solch etwas wie dieses, zum Thema tegut, Gewerbegebiet und Bebauung am Oberen Rotenberg, was mich zur Nachtzeit per E-Mail erreicht hat: Nachbarn einer Marbacherin haben eine Nachbarschaftsinitiative (Marbacher Nachbarn) gegen ein eventuelles Gewerbegebiet und eventuelle Baumaßnahmen am Oberen Rotenberg und den Marbacher Wiesen gegründet. In diesem Beitrag in MARBACH DIREKT zitiere ich aus einem gemailten Flugblatt zum Thema, das die Initiative schon nach eigenen Angaben verschiedentlich verteilt habe. Zudem hat „Marbacher Nachbarn“ auf change.org eine Petitition aufgelegt: Naturareal am Marburger Rücken retten: Gewerbegebiet und Bebauung verhindern!“

Das Flugblatt in Auszügen:

„Planungen zu Gewerbegebiet, Windkraft und Wohnbebauung bedrohen die „Grüne Lunge“ am Marburger Westrand….Das Naturareal um den Sellhof, die Alte Weinstraße und den Marbacher Wiesengrund am Westrand Marburgs wird von Planungen zu einem großen Gewerbegebiet, Windkraftanlagen und Wohnbebauung bedroht:
▪ Großer Marktkomplex geplant (tegut, Bäckerei, Cafe, Dienstleistungs-zentrum: gesamt ca. 2200 qm) auf der westlichen Hälfte des Gärtnereigeländes am Oberen Rotenberg. Das Gärtnereigelände ist kein Gewerbegebiet, sondern landwirtschaftliche Fläche mit Sondernutzung (Bauamt Stadt Marburg), Umwidmung in Gewerbefläche notwendig. Zulässige Verkaufsflächen am Stadtrand laut Regionalplan Mittelhessen max. 800 m2, aus gutem Grund: keine Dezentralisierung der Städte. Genehmigung der Abweichung durch Regierungspräsidium Giessen notwendig. … Auch für östliche Hälfte des Gärtnerei-Grundstücks liegt eine Kaufoption für tegut vor (laut Projektentwicklungsfirma, öffentliche Ortsbeiratssitzung Marbach am 29.3.17), das hieße: Erweiterung (Verdoppelung) der Gewerbegebiets-fläche. Konkrete Pläne existierten nicht. Ist die Ansiedelung weiterer Anbieter wie in anderen Gewerbegebieten denkbar? … Wohnbebauung der Marbacher Wiesen in Verlängerung des Gärtnerei-Areals geplant, Flächenumwidmung notwendig. Planungen zum Einkaufsmarkt und Wohnbebauung Marbacher Wiesen bedingen einander laut Vertretern der Stadt Marburg (Diskussion Ortsbeiratssitzung Marbach 29.3.17). Welche Bedenken haben wir?  Gefährdung eines wichtigen Naherholungsgebiets für ganz Marburg. Nur ein erster Schritt zu weiterer Bebauung und langfristig Zerstörung dieses wunderschönen und schützenswerten Naturareals. … Großes Gewerbegebiet (kein „kleiner Supermarkt“): erhebliches Verkehrs-aufkommen, insbesondere durch LKW (realistisch sind laut Branchenkennern 7-10 LKW-Hinfahrten plus Rückfahrten pro Tag, besonders früh morgens). Zu erwartende LKW-Anfahrt über Marbach („Im Köhlersgrund“ oder „Brunnenstraße“); … Versiegelung großer Flächen oberhalb des Ortsteils Marbach: erhebliche Zunahme der Wassermengen, die den Stadtteil Marbach belasten. Mögliche Folgen für Straßen und ggf. auch Wohnbebauung in der Marbach. … Freie Flächen zwischen Marbach, Wehrshausen und Ockershausen sind einewichtige Frischluftschneise für ganz Marburg. Zubauen dieser Flächen kann die Luftqualität weiter Teile der Stadt verschlechtern. … Eine Zunahme des PKW-Verkehrs in und aus diesem Gebiet ist für die Marbachund Marburger Innenstadt schwer zu verkraften; schon jetzt massive
Überlastung des nördlichen Innenstadtbereichs während der „Rush hours“. … Im angrenzenden Gebiet der Bauplanungen: Vielzahl bedrohter, geschützterTierarten, insbesondere seltene Vogelarten. Störung vor allem in der Brutzeitdurch Lärm, ständig laufende Abluft-/Kühlanlagen und nächtliches Licht…..  Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil Marbach wünschenswert, sinnvoller im Dorfkern oder in Nähe der Behringwerke; wichtig: Schutz der ortsansässigen Bäckereien. Ein einmal begonnener Eingriff in die Natur dieses Bereichs, der Beginn der
Umwidmung von landwirtschaftlicher Fläche in Gewerbefläche zieht mittel- und langfristig weitere Bebauung nach sich, wie die Erfahrung in anderen Stadtteilen zeigt….“

…Kontakt: marna-marburg@t-online.de

Für die weniger medienkundigen Leser: Es geht nicht um einseitige Berichterstattung, hier geht es  vielmehr darum, über Menschen  und Meinungen zu berichten, die sich mit Marbacher Themen auseinandersetzen. In welche Richtung auch immer. Die Diskussion ist eröffnet.

Cölbe und die Lesung aus dem Krimi Plausch am Ententeich – Kultur bei der WABLage

Montag, Februar 13th, 2017

Schön war die Lesung aus meinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“, am gestrigen Sonntagmorgen, 12. Februar, in Cölbe bei der WABLage. Ein tolles Publikum! 50 Zuhörer hat der Veranstalter gezählt. Weitere Lesungen in und um Marburg mit dem „Plausch am Ententeich“ folgen. Und auch eine Fortsetzung des PLAUSCHs: das GRAUEN.      Foto: privat

Unblutige Hast durch Marbach – kopflos und mit Torte

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

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Spannung und Humor auf 144 Buchseiten im Krimi Plausch am Ententeich.   Foto: privat

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt. Diese Sätze schreibt die Texterin und Journalistin Carmen Eickhoff in ihrem Blog Textscheune. Gelesen hat sie den Lokalkrimi „Plausch am Ententeich“, der natürlich auf allen Marbacher Nachttischen und in sämtlichen Marbacher Bücherregalen stehen sollte. Lesen Sie, was Carmen Eickhoff noch über die beiden Marbacher Birger und Betty und ihre Abenteuer schreibt.

Von Daniel Grosse

Aktualisierung am 16.12: In der Marburger Oberstadt, bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉

„Journalist Daniel Grosse aus Marbach hat eine neue Form des Krimi-Schreibens entwickelt, nämlich das open-end-one-hour-fix-limit-writing. Die Bezeichnung stammt von mir, aber geschrieben hat er nach eigenen Angaben genau so. Ein Kapitel in einer Stunde. Immer recht improvisiert, und erst in den letzten Kapiteln entwickelte sich auch vor seinem inneren Auge, wie die immer schneller und rasanter verlaufende Geschichte (für Marbacher Verhältnisse) enden würde.

Das Konzept ist sicher für die Teilnehmer des NaNoWriMo interessant, die ja auch in limitierter Zeit, den 30 Novembertagen, versuchen, eine kohärente Story bestimmter Länge, nämlich mindestens 30.000 Zeichen, zu entwickeln und festzuschreiben. Hier hat es jemand geschafft, in noch weniger Zeit einen abgeschlossenen Krimi zu schreiben, ohne vorher stehenden Plot aber mit tagesaktuellen Einsprengseln aus der realen Welt, und ihn in den verbleibenden vier Tagen auf Druckreife zu bringen für eine Veröffentlichung bei Books on Demand.

Die Geschichte

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt.

Der Plot ist schräg und bleibt nur dank der beiden bodenständigen Hauptfiguren Birger und Betty lebensnah. Durchaus spannend ist, dass im Nachhinein ein roter Faden erkennbar ist und sich eine geschlossene Geschichte entwickelt, obwohl es beim Lesen manchmal hakt. Aber die Phantasie des Lesers schließt die Sprünge immer spätestens im Folgekapitel. Die knappe, hauptsatzdominierte Sprache, die im Stakkato Satz für Satz neue Informationen preis gibt, hat selten ausreichend Muße, in Nebensätzen etwas zu erläutern, vertiefen oder illustrieren.

Das bilderlose Buch (Cover ausgenommen) kommt nüchtern und klar daher, bietet Lesestoff für einen Nachmittag und hinterlässt bei Ortsunkundigen den Eindruck, der zentrale Ort des sozialen Lebens in Marbach sei natürlich: der Ententeich. 😉  ……“ Quelle: Blog Textscheune

Und im Buchblog Lesezauber.net ist über den Plausch am Ententeich zu lesen: „…Dieses Buch wird Marbacher und die angrenzenden Bewohner sicherlich sehr erfreuen. Auf ca. 140 Seiten darf man Birger und seiner Freundin Betty beim Kuchen essen und anschließend bei der Lösung eines mysteriösen Falles in Marbach beistehen.

Dabei bekommen die 2 tatkräftige Unterstützung aus der Nachbarschaft, denn sie werden von einem Unbekannten bedroht, der etwas zurück haben will, was Birger und Betty unfreiwilligerweise besitzen.

Plausch am Ententeich ist eine nette Unterhaltung, ein Regionalkrimi für zwischendurch. Dabei verzichtet Daniel Grosse auf blutige Szenen und halsbrecherische Verfolgungsjagden, da sind es eher die Anspielungen auf …. Marbach, die Anwohnern sicherlich auffallen und gefallen werden. …“  Quelle: Buchblog Lesezauber.net

Aktualisierung am 16.12: Bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉

Plausch am Ententeich – Die Hütte

Dienstag, Juni 14th, 2016

Gut, damit steht unter diesem fünfundzwanzigsten Kapitel ein letztes Mal „Fortsetzung folgt“. Denn mit dem Kapitel Z ist in Kürze der hyperlokale Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, beendet. Dieses Mal lesen Sie, warum es manchmal scheinbar wichtig ist, innerorts 80 zu fahren, warum die Augen brannten, was sich durch die Marbach schlängelt, wer keine Auskunft erteilt, was Hütten verbergen und was ansonsten Unfassbares auf der Welt geschieht.

Kapitel Y: Die Hütte

Von Daniel Grosse

…Hätte der Zeitungschef gewusst, was soeben in der Marbach geschehen, war, er hätte die Bargeld-Meldung von der Seite gekickt. Aber sie war im Moment nun einmal das beste, was er hatte für die Seite 1. Da klingelte sein Telefon. „Krahlich, Pressestelle Marburger Polizeipräsidium, wir haben ein Problem.“ Eine Minute später hätte der Journalist den PR-Kollegen der Polizei am liebsten gleichzeitig umarmt und erwürgt.

Inzwischen war es später Sonntagnachmittag, 16 Uhr, in vier Stunden würde Harrys Ultimatum ablaufen, wenn der Kopf bis dahin nicht gefunden war und bei Harry wäre. Das war Birger, Betty, dem Gartenmann, dem Zeitungsausträger und auch dem älteren Herrn bewusst – aber egal. „Was kümmert uns das jetzt noch?“, fragte jemand von ihnen in die Runde. Betty kniete neben der schönen Polizistin und hielt sie fest im Arm, blinzelte Birger dabei zu. Der verstand nichts. Oder doch? Betty und Frauen?, überlegte Birger. Das klären wir später. Die Kommissarin war noch immer ganz benommen, hatte aber schnell ihre Dienststelle angerufen. Der Pressemann dort reagierte, woraufhin kurz darauf das Telefon des Redaktionsleiters geklingelt und dieser von der Sache in der Frisörakademie erfahren hatte. Allerdings hatte die Polizei keineswegs ein Interesse daran, dass ein Journalist schnelles und gutes Futter für seine Zeitungsseiten bekommen sollte. Das Interesse ging in eine ganz andere Richtung. Die kleine Vermisstenmeldung kürzlich in der Zeitung, war der Anlass. Biene und Bella wurden darin beschrieben, es hieß, sie seien vermisst. Um Hinweise war gebeten worden.

Und deshalb kam nun auch einige Minuten später der Redaktionsleiter gemeinsam mit dem Polizeisprecher Krahlich in einem alten Porsche 911 den Marbacher Weg herauf gerast. „50 bitte, der Herr.“ Doch der Journalist kümmerte sich nicht um den Regel-hörigen Krahlich neben ihm. 80 zeigte die Tachonadel, als die beiden am Abzweig zum Köhlersgrund vorbei fuhren. „Das klären wir später“, sagte der Polizeisprecher streng, drehte den Kopf zur Seite und grinste. Schließlich wusste er, wie sehr sich der Journalist nach jedem Signal der Kommissarin sehnte. Jedes kleine Zeichen, das andeutete: „Ja, mit uns zwei könnte es etwas werden“, war ein Fest für den Zeitungsmann. Er begehrte diese Polizistin. Und nun war sie verletzt, wie schlimm, wussten weder der Polizeisprecher noch der Journalist. Beide mussten schnell zu ihr.

Vor dem Frisörsalon stand bereits ein Notarztwagen. Ein Flatterband sperrte die Frisörakademie weiträumig ab. Neugierige reckten die Hälse. Die Marbacher Feuerwehr hatte erst vorhin einen gemeinsamen Ausflug mit dem örtlichen Männergesangverein unternommen. So kam es, dass auch zwei Feuerwehrfahrzeuge unweit des Tatorts parkten. Schnell wuchs die Zahl der Neugierigen an. „Was ist los?“, rief jemand dem Gartenmann zu, der vor der Akademie kurz frische Luft schnappen musste. „Frag die Polizei“, erwiderte der. „Aber du bist doch vor Ort. Also, was ist passiert?“ Langsam wurde der Marbacher Ortsvorsteher unruhig. Kannte er doch den Gartenmann schon so viele Jahre und nun stellte der sich so bockig an. Noch nicht mal diese kleine Auskunft. Missmutig stellte sich der Ortsvorsteher zu den anderen in die Menge.

„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gesehen? Was ist geschehen?“ Wie die Kommissarin, war auch der Polizeisprecher ein Profi. Die Fragen durften sachlich sein. Anteilnahme kam später. Jetzt ging es um schnelle Ermittlungsergebnisse. Auch der Redaktionsleiter war dazu gekommen. Sanft, fast schon beiläufig, küsste er die Polizistin auf die Wange. Sie schaute ihn an, lächelte. „Du bist lieb, aber jetzt zur Sache“, sagte die Kommissarin und berichtete präzise, was geschehen war. Birger und Betty, die die Zärtlichkeiten zwischen den beiden sehr wohl bemerkt hatten, hörten der Kommissarin zu. Der ältere Herr mit seinen Pressefoto-Erfahrungen vom WM-Jahr 1982 und der Redaktionsleiter nickten sich zu. Sie kannten sich schon seit Jahrzehnten. Auch den Zeitungsausträger hatte der Zeitungschef erkannt. In der Kantine des Zeitungshauses war er ihm häufiger aufgefallen, so schüchtern und klein wie er war. Wohl gerade deshalb.

Diese paar Haare, dort am Tatort, mussten dieser Biene gehören. Der dicke Mann, der der Kommissarin eine halbe Dose Reizgas in die Augen gesprüht hatte, war ganz sicher Harry. Also der, der unbedingt diesen Frisierschädel brauchte. Alles schien so klar und einfach zu sein. Zudem zog sich auch noch eine lange Blutspur durch den Flur der Frisörakademie. Also gab es für die Spurensicherung und ihre Kollegen von der Medizinerfront massenweise Material. Fast schon wie eine Schnitzeljagd, dachte Birger. Da müssten sie diesen Harry doch leicht finden können.

„Ihr habt uns doch damals diese Meldung geschickt, dass zwei Frauen, die eine mit roten Haarbüscheln und die andere mit einem Po-langen schwarzen Zopf, von der Frisöakademie vermisst wurden, oder“, fragte die Kommissarin den Redaktionsleiter wieder ganz sachlich. „Ja, nach dem Anruf eures Herrn Krahlich habe ich schnell die Unterlagen geholt und die Datei aus der Anzeigenabteilung ausgedruckt.“ Die Anzeige war damals nicht per Mail, per Internet oder telefonisch bei der Marburger Tageszeitung eingegangen – sondern persönlich überbracht worden. „Ja, das ist schon ungewöhnlich, kommt aber vor in kleineren Städten wie Marburg.“ Der Journalist grinste. „Und wisst ihr, wie die beiden Personen aussahen, die die Vermisstenmeldung bei uns in der Anzeigenabteilung abgegeben hatten?“ Diese Besonderheit war das erste, was ihm seine Kollegin im Zeitungshaus vorhin noch zugerufen hatte, diese komische Randnotiz. „Die eine hatte rote Haarbüschel auf dem Kopf und die andere einen sehr, sehr langen Zopf.“ Wow, das wird doch noch eine Geschichte, freute sich der Journalist, während er das den anderen berichtete. Denn so sehr er auch das Vertrauensverhältnis zur Poizei schätzte und diese unglaubliche Ermittlerin liebte, war er doch auf seinem Gebiet zu sehr Profi, als dass er das nicht verarbeiten würde. Noch nicht morgen, aber vielleicht übermorgen würde das sein Aufmacher auf der Seite 1.

„Und welche Namen hatten die beiden“, wollte die Kommissarin wissen, „mit welchen Namen haben sie die Suchanzeige unterzeichnet?“ Tine und Stella Berger. Irgendwas stimmte nicht. Allen war das klar. Und das war mehr als dieses Ähnlichkeit der Personen und die ähnlich klingenden Namen der Frauen. Biene und Bella, Tine und Stella. Rote Haare, schwarzer Zopf. Harry. Den galt es zu finden.

Aus dem Hinterausgang der Frisörakademie trat ein ganzer Pulk an Menschen heraus. Zum Glück hatten die Kollegen von der Spurensicherung und die Mediziner nichts dagegen, dass sie der Blutspur folgten. Die Spur war breit, verwertbares Material in Massen. Die Kommissarin ging vorne weg, dahinter der Polizeisprecher, zwei weitere Beamte, und in einigem Abstand folgten der Redaktionsleiter, zudem Betty, Birger und die drei Marbacher, die inzwischen schon so etwas,wie ihre Freunde geworden waren. Das Du war längst selbstverständlich.

Das Grüppchen ging durch mehrere Gärten, stieg über drei Zäune, immer noch schlängelte sich die Blutspur durch die schöne Marbacher Natur. Die Kommissarin hatte dem brutalen Mann in den Oberschenkel getroffen. Dem starken Blutverlust nach zu urteilen, war das Projektil scheinbar in ein Gefäß eingedrungen mit lebenswichtiger Funktion. Ob dieser Mann überhaupt noch lebte?, fragte sich die Polizistin und stand plötzlich vor einem – nein, ein Haus war das nicht, eher eine Hütte. Sie kannte sich in der Marbach zwar nicht sehr gut aus, aber irgendwo in der Nähe der Brunnenstraße mussten sie wohl sein. Die Turmglocken der Markuskirche läuteten. 17 Uhr.

Von drinnen drang Geschirrgeklapper durch die Fenster. Eines stand offen. Ein Radio war wohl eingeschaltet, der Nachrichtensprecher machte seinen Job: „Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.“ Der Nachrichtensprecher fasste mit diesen Worten nochmals zusammen, was bereits den ganzen Tag durch die Medien ging und so unfassbar schien.

Alle hatten einen Kloß im Hals nach dieser Meldung, aber die Polizisten und der Journalist waren Profis genug, so dass sie gleich wieder innerlich umschalteten und auch hier in der Marbach mit dem Schlimmsten rechneten: mit einem schwer bewaffneten, schwer verletzten brutalen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte – außer diesen Frisierkopf vielleicht. Dann ging alles ganz schnell. Die einfache Holztür zerbarst, die Polizisten stürmten in die Hütte, in der Küche schrie eine Frau. Und in einem großen roten Sessel saß ein Mann mit dickem Bauch und Glatze, Hausschuhen an den Füßen, sein Vollbart war seltsam weiß verschmiert. Weit aufgerissene Augen starrten die eben Hereingestürmten an. In dem Mund des Mannes steckte etwas. Es war weiß und stank. Der Mann war nicht verwundet.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Treppe

Mittwoch, Mai 25th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Ob Birger und Betty jemals wieder in aller Ruhe miteinander Schwarzwälder Kirschtorte essen und verliebt durch die Wälder rund um die Marbach joggen? Drücken Sie den beiden die Daumen! Die Jagd nach dem Kopf kann nicht mehr lange dauern. Kapitel Z naht.    Bild: Barbara Grosse

Auf zur neunzehnten Runde. Der Online-Fortsetzungskrimi Plausch am Ententeich zeigt Dramatik im Treppenhaus der Markuskirche, bringt einen Bauch ins Spiel, lässt Teenager in Jugendsprech sprechen und macht einen jungen Marbacher todunglücklich.

Kapitel S: Die Treppe

Von Daniel Grosse

…Im Haus neben der Markuskirche stritt sich zur gleichen Zeit lautstark ein Paar darüber, mit welchem Antrieb ihr neues Auto denn fahren sollte. Mit Benzin, Diesel, Rapsöl, Gas oder Strom. „Da hast du’s“, sagte die Frau und knallte ihrem Mann eine Zeitung vors Hirn. „Lies doch selbst!“ Laut der Meldung sollen Käufer von batteriebetriebenen Pkw ab sofort einen Zuschuss von 4000 Euro bekommen. Für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor betrage die Prämie 3000 Euro, war dort zu lesen. Drinnen in der Kirche war es still geworden.

„Feierabend! Her damit!“ Ob Biene oder Bella, das nun sagten, während sich der Griff um seinen Knöchel immer fester umschloss, konnte Birger nicht mehr wahrnehmen. Er spürte einen gewaltigen Schlag in seinen Magen. Vornüber beugte sich der junge Marbacher. Aus seinen Augenwinkeln sah er nur noch, wie er von der obersten Stufe des Treppenhauses der Markuskirche, wie in Zeitlupe, nach vorne fiel. Die fünfte, sechste Stufe kam immer näher. Noch 40 Zentimeter und er würde mit seiner Stirn mit voller Wucht auf die Stufenkante prallen. Sein Ende. Birger wunderte sich unter Schmerzen und im freien Fall darüber, wie viele Gedanken nur in Millisekunden durch ein menschliches Gehirn schießen können. Gerne hätte er noch länger fasziniert sein eigenes physisches und psychisches Vermögen betrachtet und darüber sinniert. Aber sein Kopf war zu nah am Aufprallpunkt angekommen. Es war soweit. Birger schlug auf.

Dass sich das so weich anfühlt, wunderte ihn dann doch. Und er roch etwas, einen Menschen. Mit starken Magenschmerzen streckte sich Birger auf der Treppe, schaute hoch. Er blickte in zwei Augen, die er aber nur in diesem Gesicht vermutete. Sehen konnte Birger die Augen nicht – denn sie waren verbunden.

Mit dem Kopf war er auf einen riesigen Bauch geprallt. Dieser Bauch gehörte zu dem bärtigen Mann mit der Binde im Gesicht. Hinter ihm standen zwei gestylte Frauen, die aber nicht Biene oder Bella waren.„Na mein Kleiner, hast du etwas für mich?“, fragte der Bärtige, dessen Füße in Hausschlappen steckten. Ohne Zweifel: Harry! Wo war der Kopf bloß? Im Rucksack, fiel es Birger wieder ein, und den hatte doch eben noch Betty, als die wahnsinnigen Frauen, Bella und Biene, sie an der Treppe überrascht hatten. Birger überlegte. „Was soll ich denn haben?“, fragte er den Bärtigen. Schon hob dieser Harry seine rechte Hand, wollte zum Schlag ausholen, da hielt ihn jemand von hinten fest. Eine der beiden Begleiterinnen, die den zurzeit sehbehinderten Harry in die Markuskirche geführt hatten, stoppte ihren Chef. „Harry, der hat doch nichts dabei. Schon gar nicht den Kopf.“ Das überzeugte den Bärtigen. „Aber dass nur noch 26 Stunden verbleiben, bis mein Ultimatum abläuft, das weißt du schon, oder?“ Diese Frage von Harry beantwortete Birger mit einem kurzen Nicken. „Und wie schon vor zig Stunden durch den Schädel mitgeteilt: Wenn ich bis dahin diesen beschissenen Frisierkopf nicht zurück bekomme, wird etwas mit Bella und Biene geschehen, was du dir mit deinem kleinen Spatzenhirn niemals selber ausdenken könntest.“

Da saß Birger nun. Er lehnte an der Treppenhauswand, saß auf der sechstletzten Stufe in einer Kirche, hatte stechende Magenschmerzen – und seine Begleiter samt seiner lieben Betty waren verschwunden. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Von unten hörte Birger noch, wie eine schwere Tür ins Schloss fiel. Seinen Kopf senkte er auf die Brust, er wollte nur noch schlafen. Kurz vor dem Einnicken sah Birger zwei Turnschuhe. Sie standen direkt vor ihm. In den Turnschuhen steckte ein Junge, vielleicht 13 oder 14. Er grinste Birger an. Seine riesigen Kopfhörer bedeckten fast den halben Kopf. Ein Ohrteil hatte der Junge keck zur Seite geschoben. „Hey Alter, hast du auch den Typen gesehen mit dem Megabauch und den Hausschlappen?“ „Lass mich bitte in Ruhe“, bat Birger den Teenager. Der zuckte nur mit den Schultern und ging an Birger vorbei. Oben an der Treppe angekommen, nahm er allerdings auch das zweite Ohrteil von seinen Gehörgängen weg, tippte auf sein Smartphone und im nächsten Moment hörte Birger einen Sprecher sagen: „Hier ist youfm, dein Sender. Du hast es sicher schon gehört: Die Würzburger Kickers haben in der Relegation gegen Duisburg souverän den Durchmarsch in die Zweite Liga geschafft. Bis vor kurzem kaum vorstellbar.“

„Cool, oder?“, hörte Birger den Teenager noch fragen. Ja, cool, dachte sich Birger. Aber eigentlich war gar nichts cool. Fußball schon gar nicht. Alles war beschissen. Birger fühlte sich schlecht. Er nahm sein Smartphone, drückte eines der Kurzwahlfelder, wartete. Vier mal tutete es. Dann meldete sich eine Frauenstimme – und das war nicht Betty. Zu der Stimme gehörte eine Frau mit roten Haarbüscheln, was Birger sofort klar war. Mist. Was tun? Dann begann die Stimme zu sprechen und was sie sagte, gefiel dem jungen Marbacher gar nicht. Überhaupt nicht.

…Fortsetzung folgt.