Posts Tagged ‘Plausch am Ententeich’

Vernissage kommt an und verzaubert

Mittwoch, März 29th, 2017

Daniel Grosse liest im grün-bunten Ambiente, während die Musiker Pause haben.   Foto: privat

Von Daniel Grosse

Wow, was für ein Nachmittag! Am Samstag besuchten etwa 50 Besucher die Vernissage am Oberen Rotenberg. Bei Blumen Philipps im Glashaus hingen und standen weit über 20 Acrylgemälde von Barbara Grosse, Heidi Wollmer und Frank Hinrichs. Leila Grosse sang, Yvonne Zörner spielte – auf ihrer Gitarre. Das Gesamtpaket komplettierte dann eine ganz junge Sängerin, die mit 99 Luftballons ihr Konzertdebüt gab. Auch die Lesung von Daniel Grosse aus seinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“ erreichte rund 30 Zuhörer.

Gut möglich, dass weitere Veranstaltungen rund um Blumen, Kunst, Musik und Literatur im Glashaus des Marbacher Traditionsbetriebes folgen.

Vernissage bei Blumen Philipps – Leinwände tauchen ein in bunte Welt der Blumen und Pflanzen

Mittwoch, März 1st, 2017

Noch im Aufbau, aber ab dem morgigen Donnerstag werden die farbenfrohen Bilder der Ausstellung mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Im Glashaus“ bei Blumen Philipps am Oberen Rotenberg in Marbach zu sehen sein. Weitere Fotos folgen.   Foto: Daniel Grosse


Aktualisierung 2. März: Ab heute sind die Bilder bei Blumen Philipps zu bewundern.

Heidi Wollmer aus Wetter, Barbara Grosse aus der Marbach und Frank Hinrichs aus Roßdorf laden ein zur farbenfrohen Vernissage der Ausstellung „Im Glashaus“. Noch ist dies nur der vorläufige Arbeitstitel der Kulturveranstaltung in den lichtdurchfluteten Räumen von Blumen Philipps am Oberen Rotenberg in Marburg-Marbach. Wenn die offizielle Ausstellungseröffnung am Samstag, 25. März, um 14 Uhr, dort stattfindet, werden die mehr als 15 farbenfrohen Leinwände mit Acrylmalerei der drei Künstler schon einige Wochen lang das Gewächshaus von Blumen Philipps in einen Zauber aus Blumen und Mehr verwandelt haben. Freunde der gemalt-gestalteten Kunst, der Gartenkunst und der Kriminalliteratur können also gespannt sein. Daniel Grosse liest am Tag der Vernissage aus seinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“ und auch brillant musikalisch soll’s werden. Die Marbacher Gitarrenspielerin Yvonne Zörner hat bereits zugesagt. Details folgen später. Näheres oder Änderungen werden rechtzeitig online, über die Presse und Aushänge bekanntgegeben.
Auch Termine für weitere Krimi-Lesungen sind in Planung, die Fortsetzung vom „Plausch“ ist in Arbeit.

Cölbe und die Lesung aus dem Krimi Plausch am Ententeich – Kultur bei der WABLage

Montag, Februar 13th, 2017

Schön war die Lesung aus meinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“, am gestrigen Sonntagmorgen, 12. Februar, in Cölbe bei der WABLage. Ein tolles Publikum! 50 Zuhörer hat der Veranstalter gezählt. Weitere Lesungen in und um Marburg mit dem „Plausch am Ententeich“ folgen. Und auch eine Fortsetzung des PLAUSCHs: das GRAUEN.      Foto: privat

Warum Marbacher und Kölner die gleichen Krimis mögen

Donnerstag, Januar 12th, 2017

Birger und Betty sind verliebt – und sie warten bereits auf eine Fortsetzung des Marbach-Krimis.   Illustration: Barbara Grosse

Weil der Regionalkrimi in der Marbach spielt, Marbacher darin die Hauptrolle spielen, und das Unfassbare in meinem Roman alles andere als verspielt daherkommt, passt das folgende Interview, das das Bücherportal/Bücherblog LESERKANONE.DE vor wenigen Tagen mit mir geführt hat, gut in dieses Blog MARBACH DIREKT.

Also: In meinem gleichnamigen Kriminalroman lade ich, Daniel Grosse, zu einem »Plausch am Ententeich« ein. Im Interview mit Leserkanone.de sprach ich jüngst als Autor über mein Buch, dessen Entstehungsgeschichte und eine ungewöhnliche Regel beim Schreiben – und über weitere Buchprojekte sowie eine Lesung im Februar.

– Herr Grosse, im Sommer des abgelaufenen Jahres ist Ihr Roman »Plausch am Ententeich« erschienen. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz davon genommen, könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern deshalb kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Gerne. Zwei Marbacher, ein Liebespaar, finden etwas. Am Ententeich. Dieses Etwas ist grausig. Es macht seltsame Dinge und überbringt dabei eine Botschaft. Die beiden jungen Leute haben keine Wahl. Den schrecklichen Fund müssen Birger und Betty unbedingt abliefern. Bei wem und wo, ahnen sie jedoch nur. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. 72 Stunden verbleiben. Und wenn die jungen Marbacher dieses Ultimatum nicht einhalten, sterben zwei Frauen. Oder gar die zwei Finder des unheimlichen Dings selber? Ein perfides Druckmittel lässt Birger und Betty zusätzlich schaudern.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Lustig, dass Sie diese Fragen gerade jetzt stellen. Zurzeit lese ich den Thriller »Engelskalt« von Samuel Bjørk«. Der Norweger schreibt schnell, liefert häufig kurze Sätze, bringt Geschwindigkeit in seine Geschichte. Halbsätze in schneller Folge. Wer das mag, wird auch Freude an »Plausch am Ententeich« haben. Wer zudem trotz vieler Krimi- und Thriller-Elemente das Komische akzeptiert und sich gerne auf irre Figuren einlässt, liest mein Buch an einem Nachmittag in einem Rutsch, ohne zwischendurch essen oder trinken zu wollen. … Weiterlesen unter

http://www.leserkanone.de/index.php?befehl=autoren&autor=6107&interview=427

Cölbe, wir kommen! Marbacher sind dabei!

Donnerstag, Dezember 15th, 2016

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Auch Marbacher machen bei der Kulturveranstaltung mit. Schon allein deshalb lohnt ein Besuch in Cölbe.   Repro: Daniel Grosse

Auf facebook ist zu lesen: „WABLage am 11. und 12. Februar 2017 in Cölbe  –  Literatur-Café, Kunst, Künstler, Kultur, Musik und Unterhaltung, das wird an den beiden Tagen jeweils ab 10 Uhr in den WABL-Hallen in Cölbe geboten. Unter der Leitung von Frank Hinrichs stellen insgesamt 17 bildende Künstler eine Auswahl ihrer Werke aus. Die K&K&K-Tage beginnen jeweils mit einer Lesung und klingen im wahrsten Sinne des Wortes abends musikalisch ab 18 Uhr aus. Schirmherrin ist Landrätin Kirsten Fründt.“

Eine starke Beteiligung der Marbach bei der Cölber Kulturveranstaltung ist garantiert, immerhin wird Barbara Grosse dort viele ihrer farbstarken Bilder ausstellen, Daniel Grosse liest aus seinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“. Auch der Auftritt eines Gemischten Chors aus der Marbach ist nicht unwahrscheinlich. Näheres in Kürze.

Unblutige Hast durch Marbach – kopflos und mit Torte

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

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Spannung und Humor auf 144 Buchseiten im Krimi Plausch am Ententeich.   Foto: privat

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt. Diese Sätze schreibt die Texterin und Journalistin Carmen Eickhoff in ihrem Blog Textscheune. Gelesen hat sie den Lokalkrimi „Plausch am Ententeich“, der natürlich auf allen Marbacher Nachttischen und in sämtlichen Marbacher Bücherregalen stehen sollte. Lesen Sie, was Carmen Eickhoff noch über die beiden Marbacher Birger und Betty und ihre Abenteuer schreibt.

Von Daniel Grosse

Aktualisierung am 16.12: In der Marburger Oberstadt, bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉

„Journalist Daniel Grosse aus Marbach hat eine neue Form des Krimi-Schreibens entwickelt, nämlich das open-end-one-hour-fix-limit-writing. Die Bezeichnung stammt von mir, aber geschrieben hat er nach eigenen Angaben genau so. Ein Kapitel in einer Stunde. Immer recht improvisiert, und erst in den letzten Kapiteln entwickelte sich auch vor seinem inneren Auge, wie die immer schneller und rasanter verlaufende Geschichte (für Marbacher Verhältnisse) enden würde.

Das Konzept ist sicher für die Teilnehmer des NaNoWriMo interessant, die ja auch in limitierter Zeit, den 30 Novembertagen, versuchen, eine kohärente Story bestimmter Länge, nämlich mindestens 30.000 Zeichen, zu entwickeln und festzuschreiben. Hier hat es jemand geschafft, in noch weniger Zeit einen abgeschlossenen Krimi zu schreiben, ohne vorher stehenden Plot aber mit tagesaktuellen Einsprengseln aus der realen Welt, und ihn in den verbleibenden vier Tagen auf Druckreife zu bringen für eine Veröffentlichung bei Books on Demand.

Die Geschichte

Zwei Marbacher kommen einer heißen Story auf die Spur, wollen ein Verbrechen verhindern und Leben retten und passieren dabei viele typische Marbacher Orte. Für Ortsunkundige erschließt sich dabei, dass Marbach ein hübsches Örtchen sein muss, in dem man einander kennt.

Der Plot ist schräg und bleibt nur dank der beiden bodenständigen Hauptfiguren Birger und Betty lebensnah. Durchaus spannend ist, dass im Nachhinein ein roter Faden erkennbar ist und sich eine geschlossene Geschichte entwickelt, obwohl es beim Lesen manchmal hakt. Aber die Phantasie des Lesers schließt die Sprünge immer spätestens im Folgekapitel. Die knappe, hauptsatzdominierte Sprache, die im Stakkato Satz für Satz neue Informationen preis gibt, hat selten ausreichend Muße, in Nebensätzen etwas zu erläutern, vertiefen oder illustrieren.

Das bilderlose Buch (Cover ausgenommen) kommt nüchtern und klar daher, bietet Lesestoff für einen Nachmittag und hinterlässt bei Ortsunkundigen den Eindruck, der zentrale Ort des sozialen Lebens in Marbach sei natürlich: der Ententeich. 😉  ……“ Quelle: Blog Textscheune

Und im Buchblog Lesezauber.net ist über den Plausch am Ententeich zu lesen: „…Dieses Buch wird Marbacher und die angrenzenden Bewohner sicherlich sehr erfreuen. Auf ca. 140 Seiten darf man Birger und seiner Freundin Betty beim Kuchen essen und anschließend bei der Lösung eines mysteriösen Falles in Marbach beistehen.

Dabei bekommen die 2 tatkräftige Unterstützung aus der Nachbarschaft, denn sie werden von einem Unbekannten bedroht, der etwas zurück haben will, was Birger und Betty unfreiwilligerweise besitzen.

Plausch am Ententeich ist eine nette Unterhaltung, ein Regionalkrimi für zwischendurch. Dabei verzichtet Daniel Grosse auf blutige Szenen und halsbrecherische Verfolgungsjagden, da sind es eher die Anspielungen auf …. Marbach, die Anwohnern sicherlich auffallen und gefallen werden. …“  Quelle: Buchblog Lesezauber.net

Aktualisierung am 16.12: Bei Lehmanns, ehemals Elwert, scheinen Exemplare vom „Plausch am Ententeich“ tatsächlich noch in den Regalen vorrätig zu sein. Ein klares Statement gegen die Riesen unter den Versendern 😉

Plausch am Ententeich – Die Hütte

Dienstag, Juni 14th, 2016

Gut, damit steht unter diesem fünfundzwanzigsten Kapitel ein letztes Mal „Fortsetzung folgt“. Denn mit dem Kapitel Z ist in Kürze der hyperlokale Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, beendet. Dieses Mal lesen Sie, warum es manchmal scheinbar wichtig ist, innerorts 80 zu fahren, warum die Augen brannten, was sich durch die Marbach schlängelt, wer keine Auskunft erteilt, was Hütten verbergen und was ansonsten Unfassbares auf der Welt geschieht.

Kapitel Y: Die Hütte

Von Daniel Grosse

…Hätte der Zeitungschef gewusst, was soeben in der Marbach geschehen, war, er hätte die Bargeld-Meldung von der Seite gekickt. Aber sie war im Moment nun einmal das beste, was er hatte für die Seite 1. Da klingelte sein Telefon. „Krahlich, Pressestelle Marburger Polizeipräsidium, wir haben ein Problem.“ Eine Minute später hätte der Journalist den PR-Kollegen der Polizei am liebsten gleichzeitig umarmt und erwürgt.

Inzwischen war es später Sonntagnachmittag, 16 Uhr, in vier Stunden würde Harrys Ultimatum ablaufen, wenn der Kopf bis dahin nicht gefunden war und bei Harry wäre. Das war Birger, Betty, dem Gartenmann, dem Zeitungsausträger und auch dem älteren Herrn bewusst – aber egal. „Was kümmert uns das jetzt noch?“, fragte jemand von ihnen in die Runde. Betty kniete neben der schönen Polizistin und hielt sie fest im Arm, blinzelte Birger dabei zu. Der verstand nichts. Oder doch? Betty und Frauen?, überlegte Birger. Das klären wir später. Die Kommissarin war noch immer ganz benommen, hatte aber schnell ihre Dienststelle angerufen. Der Pressemann dort reagierte, woraufhin kurz darauf das Telefon des Redaktionsleiters geklingelt und dieser von der Sache in der Frisörakademie erfahren hatte. Allerdings hatte die Polizei keineswegs ein Interesse daran, dass ein Journalist schnelles und gutes Futter für seine Zeitungsseiten bekommen sollte. Das Interesse ging in eine ganz andere Richtung. Die kleine Vermisstenmeldung kürzlich in der Zeitung, war der Anlass. Biene und Bella wurden darin beschrieben, es hieß, sie seien vermisst. Um Hinweise war gebeten worden.

Und deshalb kam nun auch einige Minuten später der Redaktionsleiter gemeinsam mit dem Polizeisprecher Krahlich in einem alten Porsche 911 den Marbacher Weg herauf gerast. „50 bitte, der Herr.“ Doch der Journalist kümmerte sich nicht um den Regel-hörigen Krahlich neben ihm. 80 zeigte die Tachonadel, als die beiden am Abzweig zum Köhlersgrund vorbei fuhren. „Das klären wir später“, sagte der Polizeisprecher streng, drehte den Kopf zur Seite und grinste. Schließlich wusste er, wie sehr sich der Journalist nach jedem Signal der Kommissarin sehnte. Jedes kleine Zeichen, das andeutete: „Ja, mit uns zwei könnte es etwas werden“, war ein Fest für den Zeitungsmann. Er begehrte diese Polizistin. Und nun war sie verletzt, wie schlimm, wussten weder der Polizeisprecher noch der Journalist. Beide mussten schnell zu ihr.

Vor dem Frisörsalon stand bereits ein Notarztwagen. Ein Flatterband sperrte die Frisörakademie weiträumig ab. Neugierige reckten die Hälse. Die Marbacher Feuerwehr hatte erst vorhin einen gemeinsamen Ausflug mit dem örtlichen Männergesangverein unternommen. So kam es, dass auch zwei Feuerwehrfahrzeuge unweit des Tatorts parkten. Schnell wuchs die Zahl der Neugierigen an. „Was ist los?“, rief jemand dem Gartenmann zu, der vor der Akademie kurz frische Luft schnappen musste. „Frag die Polizei“, erwiderte der. „Aber du bist doch vor Ort. Also, was ist passiert?“ Langsam wurde der Marbacher Ortsvorsteher unruhig. Kannte er doch den Gartenmann schon so viele Jahre und nun stellte der sich so bockig an. Noch nicht mal diese kleine Auskunft. Missmutig stellte sich der Ortsvorsteher zu den anderen in die Menge.

„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gesehen? Was ist geschehen?“ Wie die Kommissarin, war auch der Polizeisprecher ein Profi. Die Fragen durften sachlich sein. Anteilnahme kam später. Jetzt ging es um schnelle Ermittlungsergebnisse. Auch der Redaktionsleiter war dazu gekommen. Sanft, fast schon beiläufig, küsste er die Polizistin auf die Wange. Sie schaute ihn an, lächelte. „Du bist lieb, aber jetzt zur Sache“, sagte die Kommissarin und berichtete präzise, was geschehen war. Birger und Betty, die die Zärtlichkeiten zwischen den beiden sehr wohl bemerkt hatten, hörten der Kommissarin zu. Der ältere Herr mit seinen Pressefoto-Erfahrungen vom WM-Jahr 1982 und der Redaktionsleiter nickten sich zu. Sie kannten sich schon seit Jahrzehnten. Auch den Zeitungsausträger hatte der Zeitungschef erkannt. In der Kantine des Zeitungshauses war er ihm häufiger aufgefallen, so schüchtern und klein wie er war. Wohl gerade deshalb.

Diese paar Haare, dort am Tatort, mussten dieser Biene gehören. Der dicke Mann, der der Kommissarin eine halbe Dose Reizgas in die Augen gesprüht hatte, war ganz sicher Harry. Also der, der unbedingt diesen Frisierschädel brauchte. Alles schien so klar und einfach zu sein. Zudem zog sich auch noch eine lange Blutspur durch den Flur der Frisörakademie. Also gab es für die Spurensicherung und ihre Kollegen von der Medizinerfront massenweise Material. Fast schon wie eine Schnitzeljagd, dachte Birger. Da müssten sie diesen Harry doch leicht finden können.

„Ihr habt uns doch damals diese Meldung geschickt, dass zwei Frauen, die eine mit roten Haarbüscheln und die andere mit einem Po-langen schwarzen Zopf, von der Frisöakademie vermisst wurden, oder“, fragte die Kommissarin den Redaktionsleiter wieder ganz sachlich. „Ja, nach dem Anruf eures Herrn Krahlich habe ich schnell die Unterlagen geholt und die Datei aus der Anzeigenabteilung ausgedruckt.“ Die Anzeige war damals nicht per Mail, per Internet oder telefonisch bei der Marburger Tageszeitung eingegangen – sondern persönlich überbracht worden. „Ja, das ist schon ungewöhnlich, kommt aber vor in kleineren Städten wie Marburg.“ Der Journalist grinste. „Und wisst ihr, wie die beiden Personen aussahen, die die Vermisstenmeldung bei uns in der Anzeigenabteilung abgegeben hatten?“ Diese Besonderheit war das erste, was ihm seine Kollegin im Zeitungshaus vorhin noch zugerufen hatte, diese komische Randnotiz. „Die eine hatte rote Haarbüschel auf dem Kopf und die andere einen sehr, sehr langen Zopf.“ Wow, das wird doch noch eine Geschichte, freute sich der Journalist, während er das den anderen berichtete. Denn so sehr er auch das Vertrauensverhältnis zur Poizei schätzte und diese unglaubliche Ermittlerin liebte, war er doch auf seinem Gebiet zu sehr Profi, als dass er das nicht verarbeiten würde. Noch nicht morgen, aber vielleicht übermorgen würde das sein Aufmacher auf der Seite 1.

„Und welche Namen hatten die beiden“, wollte die Kommissarin wissen, „mit welchen Namen haben sie die Suchanzeige unterzeichnet?“ Tine und Stella Berger. Irgendwas stimmte nicht. Allen war das klar. Und das war mehr als dieses Ähnlichkeit der Personen und die ähnlich klingenden Namen der Frauen. Biene und Bella, Tine und Stella. Rote Haare, schwarzer Zopf. Harry. Den galt es zu finden.

Aus dem Hinterausgang der Frisörakademie trat ein ganzer Pulk an Menschen heraus. Zum Glück hatten die Kollegen von der Spurensicherung und die Mediziner nichts dagegen, dass sie der Blutspur folgten. Die Spur war breit, verwertbares Material in Massen. Die Kommissarin ging vorne weg, dahinter der Polizeisprecher, zwei weitere Beamte, und in einigem Abstand folgten der Redaktionsleiter, zudem Betty, Birger und die drei Marbacher, die inzwischen schon so etwas,wie ihre Freunde geworden waren. Das Du war längst selbstverständlich.

Das Grüppchen ging durch mehrere Gärten, stieg über drei Zäune, immer noch schlängelte sich die Blutspur durch die schöne Marbacher Natur. Die Kommissarin hatte dem brutalen Mann in den Oberschenkel getroffen. Dem starken Blutverlust nach zu urteilen, war das Projektil scheinbar in ein Gefäß eingedrungen mit lebenswichtiger Funktion. Ob dieser Mann überhaupt noch lebte?, fragte sich die Polizistin und stand plötzlich vor einem – nein, ein Haus war das nicht, eher eine Hütte. Sie kannte sich in der Marbach zwar nicht sehr gut aus, aber irgendwo in der Nähe der Brunnenstraße mussten sie wohl sein. Die Turmglocken der Markuskirche läuteten. 17 Uhr.

Von drinnen drang Geschirrgeklapper durch die Fenster. Eines stand offen. Ein Radio war wohl eingeschaltet, der Nachrichtensprecher machte seinen Job: „Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.“ Der Nachrichtensprecher fasste mit diesen Worten nochmals zusammen, was bereits den ganzen Tag durch die Medien ging und so unfassbar schien.

Alle hatten einen Kloß im Hals nach dieser Meldung, aber die Polizisten und der Journalist waren Profis genug, so dass sie gleich wieder innerlich umschalteten und auch hier in der Marbach mit dem Schlimmsten rechneten: mit einem schwer bewaffneten, schwer verletzten brutalen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte – außer diesen Frisierkopf vielleicht. Dann ging alles ganz schnell. Die einfache Holztür zerbarst, die Polizisten stürmten in die Hütte, in der Küche schrie eine Frau. Und in einem großen roten Sessel saß ein Mann mit dickem Bauch und Glatze, Hausschuhen an den Füßen, sein Vollbart war seltsam weiß verschmiert. Weit aufgerissene Augen starrten die eben Hereingestürmten an. In dem Mund des Mannes steckte etwas. Es war weiß und stank. Der Mann war nicht verwundet.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Ekelmasse

Donnerstag, Juni 9th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Die Jagd nach dem Kopf – ob sie schon beendet ist? In dem Marbach-Krimi wird es eklig. Zeit für die Ermittler der Polizei? Schließlich könnte es um mehr gehen als nur einen Frisierkopf und nur einen angekündigten Mord.   Bild: Barbara Grosse

Die zweiundzwanzigste Runde vom hyperlokalen Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, startet. Erbrochenes kommt darin vor, viele Fragen tauchen auf, der Kopf macht mehr als Ärger und frische Luft tut einfach gut. Und dann noch der Wahlkampf.

Kapitel V: Die Ekelmasse

Von Daniel Grosse

…Hunderte Kilometer südlich der Marbach feierten währenddessen die Schweizer ein Jahrhundertereignis. Wie bei Birger, geschah dieses Unfassbare im Untergrund, tief drinnen im Fels. Denn nach fast 17 Jahren Bauzeit hatten die Schweizer im Gotthard-Massiv tatsächlich den längsten Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Am nördlichen und südlichen Ende fuhren gleichzeitig die ersten Züge in den Berg, verkündeten rund um die Welt die Nachrichtensprecher. Aber davon bekam Birger nichts mit. Wohl spürte er die feuchte Hand, die sich auf seine Wange legte. Aber dieses Gefühl, und das Husten neben ihm, verschwanden – waren plötzlich ganz weit weg.

Menschen flüsterten durcheinander, hatten krächzende Stimmen. Irgendwo inmitten dieser Dunkelheit schienen sich bedauernswerte Kreaturen zu übergeben. Würgegeräusche und ein beißender Geruch nach Buttersäure waren der Beweis dafür. „Wie sehen wir bloß aus“, fragte eine Frau. Ein Mann: „Ich kann nichts sehen.“ Über und über war er von Zeitungspapier bedeckt. Eine Stimme hinter einem Erd-verschmierten Gesicht wollte eben sprechen, erstarb jedoch, spuckte stattdessen einen großen Schwall Halbverdautes über die anderen hinweg. Es war absolut finster. In weiter Ferne riefen Kinder sich etwas zu, es hörte sich an wie: „Kommen wir noch pünktlich zur Schule?“

Birger war es, der sich plötzlich blitzschnell aufrichtete, ganz automatisch sein Smartphone nahm. Funkstille. Kein Strom mehr. Der Akku war längst leer. Ach, er befand sich ja in dieser feuchten Gruft. Birger kombinierte, so weit er das überhaupt noch schaffte in seinem Zustand, so sehr dröhnte sein Kopf – und dann diese Übelkeit. Seltsam, wie bei den anderen, wunderte er sich. Birger musste Stunden geschlafen haben. Oder war er derart lange sogar bewusstlos gewesen? Und was war hier eigentlich um ihn herum los? Es musste früher Morgen sein, Schulbeginn. Das Ultimatum. Birger rechnete, kam auf etwa 12 Stunden, die noch verblieben, ehe die Lebenszeit von Biene und Bella ablief. Es sei denn, Harry würde bis dahin den künstlichen Kopf zurückbekommen.

Eigentlich hatte ihn und die anderen all das aber gar nicht mehr zu interessieren. Harry war zweifelsohne extrem gefährlich, Biene und Bella schienen sadistisch durchs Leben zu gehen – und der Kopf? Ja, wo war der geblieben?

Birger nahm sein Feuerzeug aus der Hosentasche, zündete, die kleine Flamme spendete ein wenig Licht. Da erkannte er Betty. Sie kniete direkt vor ihm. Sie lächelte, umarmte ihren Freund liebevoll, und Birger begann zu erzählen, von gestern Abend. Davon, wie grotesk und seltsam sie und die drei Männer in diesem feuchten Marbacher Untergrund zugerichtet waren. Er berichtete ihnen von jedem Detail. Was keiner der fünf verstand, war, woher diese Übelkeit gekommen war. Denn sogar Birger war ja die ganze Zeit kurz davor, sich komplett zu entleeren. Zumindest den Magen. Und in der Luft waberte noch immer dieser ekelhafte Geruch, den die fünf kannten. Es war der Gestank aus dem Frisierkopf. Stimmt, der Kopf hatte ja einen Riss. Und vor vielen Stunden war dieser Gestank schon einmal aus dem Kunst-Schädel geströmt. Etwa in dem Haus des älteren Herrn, der so gern fotografierte. Also musste der Kopf doch hier sein, hier unten in diesem Labyrinth der feuchten Gänge und Räume.

„Wohin seid ihr eigentlich gestern so schnell verschwunden, nachdem diese beiden wahnsinnigen Stylefrauen Biene und Bella in der Markuskirche aufgetaucht waren? Ich hatte noch mit einem Teenager und diesem dicken Harry das Vergnügen. Dann rief ich auf deinem Telefon an, Betty, und da meldete sich diese Biene. Was war los? Haben die beiden verrückten Frauen euch so unglaublich durchgeknallt in Szene gesetzt – du mit Sahne, der alte Mann mit den Objektiven über dem Gesicht, die Erde auf dem Gartenmann und dann noch der in Zeitungspapier eingewickelte Austräger?“ Die Fragen purzelten nur so aus Birger heraus.

Woher sollte Birger auch wissen, dass Biene und Bella bewaffnet gewesen waren, gestern abend. Dass die vier sich plötzlich zwei Pistolen gegenüber sahen. Was hätten sie anderes tun sollen, als mit den beiden Verrückten mitzugehen, wohin auch immer? Sie hatten tatsächlich Betty, den Gartenmann, den älteren Herrn und den Zeitungsausträger in diesen gigantischen Wassertank im Erdinnern neben der Brunnenstraße gebracht. In dieses Labyrinth. Dort lagerten bereits die ganzen Utensilien, die die beiden Frauen für ihre Inszenierung brauchten: Sahne, Erde, Objektive, Zeitungen. Aber warum das Ganze? Weil sie den Kopf nicht bei den vier Menschen fanden, die sie entführt hatten? Aus Rache? Nein, dafür schien alles zu sehr geplant gewesen zu sein. Immerhin wussten Sie ja scheinbar auch einiges über die Vorlieben, Hobbys oder die Berufe der Entführten.

Was Biene und Bella allerdings nicht wussten, war, dass der Kopf die ganze Zeit, keine zehn Meter von ihnen, in einer Ecke des Raumes lag, verborgen hinter einer alten, angeschimmelten Holzkiste. Betty hatte ja den Rucksack mit dem Kopf nach der Aktion in der Markuskirche dabei gehabt und ihn schnell versteckt. Sie fürchtete sich zwar sehr, als die beiden Frauen sie zwangen, sich in diesem feuchten Raum hinzulegen und still zu sein. Aber den Rucksack hatte sie zum Glück noch hinter die Kiste werfen können. Da lag er immer noch.

Der anfängliche Riss hatte sich durch den Aufprall geweitet. Ein großes Loch offenbarte den Inhalt des Kopfes. Eine weiße Masse quoll in der Nacht hervor. Die roch zwar jetzt immer noch etwas seltsam, in den vergangenen Stunden hatte sich ihr Aggregatzustand allerdings verändert. Von wabbelig hin zu fest. Und dieses Etwas aus dem Kopfinnern verhinderte, dass von weiter drinnen das, was den fünf den Magen umgedreht hatte und sie in Tiefschlaf versetzt hatte, weiterhin die Luft verpestete. Ein noch viel schlimmerer Stoff. Aber der Narkoseeffekt endete damit zumindest. Schon als Bella und Biene am Vorabend damit begonnen hatten, die vier so seltsam herzurichten, hatte die narkotisierende Wirkung eingesetzt. Ganz langsam. Trotzdem waren die vier schnell sehr schläfrig geworden, die beiden Stylefrauen hingegen sahen zu, dass sie, leicht benommen, noch aus dieser stinkenden Gruft herauskommen konnten. Das hatten sie geschafft. Allerdings ohne den Frisierkopf.

Die fünf Marbacher Helden standen vor der schweren Eisentür, atmeten tief durch. Endlich draußen an der frischen Luft. Durch die Brunnenstraße fuhren die Autos im Berufsverkehr. Birger dachte an das Kondom in den dunklen Gängen. Ihn ekelte die Vorstellung. Noch mehr als gestern. Aber die frische Marbacher Morgenluft tat gut. Die fünf saugten die Frische in ihre Lungen. Schräg gegenüber steckte die aktuelle Zeitung im Gartenzaun des Gutshofs. Der Zeitungsausträger wunderte sich zwar darüber, wer seinen Job übernommen hatte, las dann aber vor: „Der US-Vorwahlkampf ist zu Ende: Hillary Clinton sichert sich die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten – als erste Frau in der Geschichte der USA, ein historischer Moment.“ Trotzdem sei sie, Medienberichten zufolge, die unbeliebteste Kandidatin seit Langem. Nur einer sei unbeliebter – der Mann, der zwischen ihr und dem Weißen Haus stehe: Donald Trump. „Den greift sie denn auch frontal an“, las der Austräger vor. Schön, dachte Betty, wie wohl unser Kampf hier ausgeht. War es Zeit, die Polizei einzuschalten?

…Fortsetzung folgt.

Die Geschichte hinter dem Krimi: Plausch am Ententeich

Freitag, Mai 27th, 2016

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Noch etwas PR in eigener Sache: Noch in diesem Sommer soll der Plausch am Ententeich als Taschenbuch erscheinen.    Foto: Daniel Grosse

Liebe Leserinnen und Leser,

was steht hinter dem Konzept für den hyperlokalen Online-Fortsetzungskrimi PLAUSCH AM ENTENTEICH?
Dahinter steht die Idee, dass ich eines meiner originär journalistischen Dinge belletristisch weiterdrehen möchte. Unter MARBACH DIREKT habe ich in meinem Blog bislang Ergebnisse von Recherchen in unserem Stadtteil Marbach geliefert. Es entstand so etwas wie eine hyperlokale Online-Zeitung. Aber da geht noch mehr, fand ich, nämlich den Menschen, den 4000, die hier leben, einen kleinen Krimi zu bieten. Die Figuren darin sind erfunden, die meisten jedenfalls. Die Plätze und Orte hingegen gibt es tatsächlich.

Als ich im Februar nach und nach die ersten Kapitel online stellte, war der Plausch am Ententeich noch eine reine Schmonzette. Ein Online-Fortsetzungs-Groschenroman. Mit Herz, Schmerz, Liebe. Das lag mir aber schreiberisch und dramaturgisch gar nicht. Es entwickelte sich ein Krimi.

Über einen Verteiler und eine WhatsApp-Gruppe informiere ich jedes Mal einen festen Leserkreis, wenn der Plausch erneut online geht.

Warum diese zeitliche Begrenzung (und nicht z. B. eine andere zeitliche Begrenzung)?
Weil ich jeweils nur eine Stunde für ein Kapitel aufwenden möchte. Ich möchte in diesen 60 Minuten das Maximale stemmen. Das ist immer realistisch, funktioniert, manche Fehler kann ich natürlich nicht ausmerzen. Zu knapp ist die Zeit. Ich finde den Gedanken so charmant, als One-Man-Show Ende Juni sagen zu können: Ich habe in 26 Stunden ein kleines Buch mit 26 weitestgehend improvisiert geschriebenen Kapiteln verfasst, das zudem halbwegs logisch, fehlerfrei und vor allem unterhaltsam daherkommt. Und die Leser haben es gerne gelesen, hoffe ich. Rückmeldungen kamen in den vergangenen Wochen immer wieder. Weitestgehend positive.

Seit drei Kapiteln baue ich am Ende immer etwas aktuell real Nachrichtliches ein.

Warum die Kapitel A-Z? Hat das Alphabet irgendeine Bedeutung für die Geschichte? Oder die Zahl 26?
Weil das Projekt damit einen klaren Anfang und ein Ende hat. Auch zeitlich. So kann ich zudem punktgenau bei Z landen. Wie es ausgeht, weiß ich heute noch nicht. Das überlege ich mir in dem Moment, wo ich mit Kapitel Z beginne.

Lustig ist auch jedes Mal, dass ich meine Figuren eigentlich erst beim improvisierten Schreiben immer besser kennen lerne. Eine Schreibübung? Das ist der Plausch am Ententeich. Fernab von meinem Broterwerb, dem Journalismus rund um Recht, Juristen, Beruf und Karriere. Also ein ganz anderes Schreiben. Und wenn Leser an dieser Übung auch noch teilhaben können mit einem Krimi aus und über ihren Beritt – umso besser.

Derzeit skizziere ich einen großen, klassischen Print-Roman. Vielleicht wird’s ein Krimi. Die Anfangsidee steht schon lange fest. Können Sie übrigens auf meinem Blog lesen. Einfach nur ‚Panoramabilder‘ und ‚Daniel Grosse‘ und ‚Marbach direkt‘ in eine Suchmaschine eintippen. Oder Sie klicken diesen Link an: http://irondan.de/?p=50

Gruß, Daniel Grosse

Plausch am Ententeich – Die Treppe

Mittwoch, Mai 25th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Ob Birger und Betty jemals wieder in aller Ruhe miteinander Schwarzwälder Kirschtorte essen und verliebt durch die Wälder rund um die Marbach joggen? Drücken Sie den beiden die Daumen! Die Jagd nach dem Kopf kann nicht mehr lange dauern. Kapitel Z naht.    Bild: Barbara Grosse

Auf zur neunzehnten Runde. Der Online-Fortsetzungskrimi Plausch am Ententeich zeigt Dramatik im Treppenhaus der Markuskirche, bringt einen Bauch ins Spiel, lässt Teenager in Jugendsprech sprechen und macht einen jungen Marbacher todunglücklich.

Kapitel S: Die Treppe

Von Daniel Grosse

…Im Haus neben der Markuskirche stritt sich zur gleichen Zeit lautstark ein Paar darüber, mit welchem Antrieb ihr neues Auto denn fahren sollte. Mit Benzin, Diesel, Rapsöl, Gas oder Strom. „Da hast du’s“, sagte die Frau und knallte ihrem Mann eine Zeitung vors Hirn. „Lies doch selbst!“ Laut der Meldung sollen Käufer von batteriebetriebenen Pkw ab sofort einen Zuschuss von 4000 Euro bekommen. Für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor betrage die Prämie 3000 Euro, war dort zu lesen. Drinnen in der Kirche war es still geworden.

„Feierabend! Her damit!“ Ob Biene oder Bella, das nun sagten, während sich der Griff um seinen Knöchel immer fester umschloss, konnte Birger nicht mehr wahrnehmen. Er spürte einen gewaltigen Schlag in seinen Magen. Vornüber beugte sich der junge Marbacher. Aus seinen Augenwinkeln sah er nur noch, wie er von der obersten Stufe des Treppenhauses der Markuskirche, wie in Zeitlupe, nach vorne fiel. Die fünfte, sechste Stufe kam immer näher. Noch 40 Zentimeter und er würde mit seiner Stirn mit voller Wucht auf die Stufenkante prallen. Sein Ende. Birger wunderte sich unter Schmerzen und im freien Fall darüber, wie viele Gedanken nur in Millisekunden durch ein menschliches Gehirn schießen können. Gerne hätte er noch länger fasziniert sein eigenes physisches und psychisches Vermögen betrachtet und darüber sinniert. Aber sein Kopf war zu nah am Aufprallpunkt angekommen. Es war soweit. Birger schlug auf.

Dass sich das so weich anfühlt, wunderte ihn dann doch. Und er roch etwas, einen Menschen. Mit starken Magenschmerzen streckte sich Birger auf der Treppe, schaute hoch. Er blickte in zwei Augen, die er aber nur in diesem Gesicht vermutete. Sehen konnte Birger die Augen nicht – denn sie waren verbunden.

Mit dem Kopf war er auf einen riesigen Bauch geprallt. Dieser Bauch gehörte zu dem bärtigen Mann mit der Binde im Gesicht. Hinter ihm standen zwei gestylte Frauen, die aber nicht Biene oder Bella waren.„Na mein Kleiner, hast du etwas für mich?“, fragte der Bärtige, dessen Füße in Hausschlappen steckten. Ohne Zweifel: Harry! Wo war der Kopf bloß? Im Rucksack, fiel es Birger wieder ein, und den hatte doch eben noch Betty, als die wahnsinnigen Frauen, Bella und Biene, sie an der Treppe überrascht hatten. Birger überlegte. „Was soll ich denn haben?“, fragte er den Bärtigen. Schon hob dieser Harry seine rechte Hand, wollte zum Schlag ausholen, da hielt ihn jemand von hinten fest. Eine der beiden Begleiterinnen, die den zurzeit sehbehinderten Harry in die Markuskirche geführt hatten, stoppte ihren Chef. „Harry, der hat doch nichts dabei. Schon gar nicht den Kopf.“ Das überzeugte den Bärtigen. „Aber dass nur noch 26 Stunden verbleiben, bis mein Ultimatum abläuft, das weißt du schon, oder?“ Diese Frage von Harry beantwortete Birger mit einem kurzen Nicken. „Und wie schon vor zig Stunden durch den Schädel mitgeteilt: Wenn ich bis dahin diesen beschissenen Frisierkopf nicht zurück bekomme, wird etwas mit Bella und Biene geschehen, was du dir mit deinem kleinen Spatzenhirn niemals selber ausdenken könntest.“

Da saß Birger nun. Er lehnte an der Treppenhauswand, saß auf der sechstletzten Stufe in einer Kirche, hatte stechende Magenschmerzen – und seine Begleiter samt seiner lieben Betty waren verschwunden. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen. Von unten hörte Birger noch, wie eine schwere Tür ins Schloss fiel. Seinen Kopf senkte er auf die Brust, er wollte nur noch schlafen. Kurz vor dem Einnicken sah Birger zwei Turnschuhe. Sie standen direkt vor ihm. In den Turnschuhen steckte ein Junge, vielleicht 13 oder 14. Er grinste Birger an. Seine riesigen Kopfhörer bedeckten fast den halben Kopf. Ein Ohrteil hatte der Junge keck zur Seite geschoben. „Hey Alter, hast du auch den Typen gesehen mit dem Megabauch und den Hausschlappen?“ „Lass mich bitte in Ruhe“, bat Birger den Teenager. Der zuckte nur mit den Schultern und ging an Birger vorbei. Oben an der Treppe angekommen, nahm er allerdings auch das zweite Ohrteil von seinen Gehörgängen weg, tippte auf sein Smartphone und im nächsten Moment hörte Birger einen Sprecher sagen: „Hier ist youfm, dein Sender. Du hast es sicher schon gehört: Die Würzburger Kickers haben in der Relegation gegen Duisburg souverän den Durchmarsch in die Zweite Liga geschafft. Bis vor kurzem kaum vorstellbar.“

„Cool, oder?“, hörte Birger den Teenager noch fragen. Ja, cool, dachte sich Birger. Aber eigentlich war gar nichts cool. Fußball schon gar nicht. Alles war beschissen. Birger fühlte sich schlecht. Er nahm sein Smartphone, drückte eines der Kurzwahlfelder, wartete. Vier mal tutete es. Dann meldete sich eine Frauenstimme – und das war nicht Betty. Zu der Stimme gehörte eine Frau mit roten Haarbüscheln, was Birger sofort klar war. Mist. Was tun? Dann begann die Stimme zu sprechen und was sie sagte, gefiel dem jungen Marbacher gar nicht. Überhaupt nicht.

…Fortsetzung folgt.