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In M geschah es, laut Bild-Zeitung – Grauen am Ententeich – Blog-Lesung aus dem zweiten Marbach-Krimi

Mittwoch, Februar 27th, 2019
Nach der „echten“ Lesung, anlässlich der WABLage 2.0 in Cölbe, folgt heute der letzte Teil der Blog-Lesung von „Grauen am Ententeich“. Das Bild mit den Enten und dem Herz hat Barbara Grosse gemalt. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Aus dem Rohmanuskript:

…Auch ein Gemischter Chor aus dem Marburger Stadtteil Marbach sollte doch dabei sein, erinnerte er sich eben noch, als er den Teglern zuhörte. Die Marbacher hatten Meller einen Brief geschrieben: „….Wir freuen uns sehr über Ihre Einladung. Die Freikarte, die Sie uns geschickt haben, hängt bereits gerahmt in unserem Probenraum. Unser Vorsitzender hat das gleich erledigt. Wir übersenden Ihnen noch zusätzlich herzliche Grüße unseres Chorleiters. Obwohl er mehrere Chöre leitet, schafft er es, im Herbst mit nach Berlin zu reisen. Das ist wunderbar. Freuen Sie sich auf unsere Stücke, die wir derzeit noch proben. Es grüßen Sie herzlich die Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chores aus der Marbach.“

Der Chorleiter der Tegler senkte die Arme, der Chor verstummte. Vor der Gedächtniskirche war ein Klatschen zu hören. Manfred Mellers Beifall ging zwar fast unter in dem frühabendlichen Verkehrslärm. Aber der Regierungschef war glücklich, erhob sich, Meller schlenderte davon und freute sich auf seine eigene Chorprobe mit seinem Gemischten Chor am Donnerstagabend. Bei Henry an der Ecke blickte Meller auf einen Kiosk. Sonst waren dem Mann die großen Buchstaben auf der Bild-Zeitung immer egal gewesen, wie sie versuchten, in fast schon schreiender Manier Leser anzulocken. Ein Wort schaffte es aber diesmal, selbst Meller für das Blatt zu interessieren: Notenschlüssel. „Rätsel um blutigen Notenschlüssel“, las er auf der Titelseite der Berliner Spätausgabe. Zum ersten Mal in seinem Leben kaufte er diese Zeitung und jetzt das.

Eine 28-jährige Sängerin wurde mit einem Messer im Brustkorb aufgefunden, las Meller. Sie hatte eben noch geprobt, mit ihrem Gemischten Chor. Geschehen war das Unfassbare in einer hessischen Universitätsstadt. Die Zeitung schrieb weiter von einem Marburger Stadtteil. Nur ein „M.“ zusätzlich war der einzige Hinweis auf diesen Stadtteil. Der Regierende Bürgermeister riss die Augen auf. Er erinnerte sich an den Brief . Der kam doch von diesem Chor aus Marburg-Marbach. Sollte das tatsächlich die Sängerin dieses Chors sein, den er persönlich eingeladen hatte, nach Berlin zu kommen? Eine Träne rann die Wange des Mannes herab. Meller erinnerte sich, dass sein Vater doch diesen Fotomann , einen nun wohl sehr alten Mann, aus früheren Zeiten kannte. Hatte der nicht auch mal bei einer Marburger Lokalzeitung gearbeitet. Er holte sein Handy aus der Tasche, suchte im Verzeichnis nach „Meller Senior“ und wartete. Sein Vater nahm nach dreimaligem Klingeln ab.

Wenn schon im fernen Berlin die Nachricht von der erstochenen Mareike Pelleworm Bild-Zeitungsleser interessierte, dann erst recht die Marburger. In der Marbach war der Chor-Mord das Thema am folgenden Tag. Das merkte auch der Zeitungsmann. Früh um vier zog er seinen Handwagen hinter sich her. Eben wollte er eine Ausgabe der Lokalzeitung in ein Zeitungsrohr stecken, als jemand seine Haustür öffnete. Wenige Meter vor ihm schaute ihn ein Mann an, dessen Finger mit diesen eindeutigen Spuren übersät waren, die nur langjährige Gartenarbeit hinterlässt. Im Schein der hellen Lampe über der Haustür schauten sich die beiden Männer an. Der Zeitungsmann zog das noch nach frischer Druckerschwärze riechende Exemplar aus dem Rohr und reichte es dem Gartenmann. Mit ihm war er doch vor zwei Jahren durch die Marbach gehetzt. Die Jagd, er erinnerte sich. So ging es auch dem Gartenmann. „Nun beginnt alles wieder von vorne“, sagte dieser.

Der Gartenmann las die Überschrift auf der Seite 1 der Zeitung: Blutiges Ende einer Sängerin. Und in der Unterzeile stand: „Das Grauen kehrt in die Marbach zurück.“ Ein lautes Quaken durchschnitt die Nachtruhe in dem Marburger Ortsteil. Die Tiere im nahen Ententeich unten am Höhenweg erwachten. „Warum kann es bei uns nicht beschaulich bleiben?“ Der Zeitungsmann schaute den Gartenmann mit großen Augen an, auf eine Antwort wartend. „Überlassen Sie diese Fragen und erst recht die Antworten darauf der Polizei. Die ermitteln sicher bereits in alle Richtungen.“

„Aber die wissen doch nichts, haben nur den Blick von außen. Wir leben hier, arbeiten hier. Zumindest viele von uns Marbachern. Müssten nicht wir viel einfacher herausbekommen, wer dieser armen Frau das angetan hat, unten im Bürgerhaus?“

Der Zeitungsmann war wieder mal erstaunt über seinen eigenen plötzlichen Mut, fast schon wie damals bei der Jagd nach dem Kopf. Sonst meist unsicher, von anderen gehänselt, fühlte er erneut, welche Kraft er doch hatte.

Sollte dieser Mann vielleicht gar so etwas wie der neue Anführer einer Ermittlergruppe werden, die auf eigene Faust nach einem fiesen, hinterhältigen Mörder sucht, der unschuldigen jungen Frauen mit Blut Notenschlüssel auf die Haut malt?

„Haben Sie fünf Minuten Zeit?“

„Ja.“

Der Gartenmann winkte einladend. „Aber wirklich nur fünf. Die Leser warten. Sie wissen schon.“ Seinen Job nahm der Zeitungsmann sehr ernst.

In der Küche erreichte das Kaffeewasser 94 Grad. Gleich wird es blubbern, dachte sich der Zeitungsmann. Er liebte diesen Moment, kannte ihn doch selbst nur zu gut. Jeden Morgen nach seiner Tour durch die Marbach setzte er sich gegen halb sechs oder sechs an seinen Küchentisch, während das Kaffeewasser auf die 100 Grad-Marke zusteuerte. Nach der Jagd damals mit den anderen Marbachern, war auch der Zeitungsmann leer. Innendrin. Dass diese beiden Frauen ihn letztlich jedoch nicht brechen konnten, machte den Zeitungsausträger stark. Die Kopf-Jagd hatte ihn sehr verändert, selbstbewusster gemacht. Früher wäre er noch nicht einmal einer so harmlosen Einladung wie der des Gartenmannes, in diesen Minuten, gefolgt. Einfach Ja sagen, wenn ihn jemand auf eine Tasse Kaffee hereinbittet. Undenkbar. Er war einst ein von Ängsten und Unsicherheiten getriebener, kleiner Mann. Einst. Bevor das Ganze mit dem Kopf anfing, mit der wilden Jagd und dem furchtbaren Harry. Da, vor zwei Jahren, wurde er einer, der zu einer Gruppe gehörte. Der Zeitungsausträger hatte plötzlich eine Funktion. Mit Birger und Betty, diesen jungen Marbachern, die so selbstbewusst daher kamen, mit dem Gartenmann und dem Alten, dem mit dem Faible für Fotos, war es ihm als Teil einer festen Gruppe gelungen, ein Abenteuer zu bestehen. Da war der Austräger nicht mehr der, der allmorgendlich anonym, unscheinbar, durch die dunklen Straßen der Marbach lief, den Handkarren vollgepackt mit der Zeitung vom Tage. Nicht mehr nur spannende Neuigkeiten ins Haus liefern, wie andere die Welt bewegten, von spannenden Hobbys erzählten oder als Sportler Rekorde brachen. Der Zeitungsausträger war endlich selbst Teil einer solchen Nachricht. Die Jagd mit den anderen nach dem Kopf verlieh ihm gar einen Promi-Status. Reporter seiner eigenen Zeitung, die er austrug, befragten ihn damals. Das tat gut. Teil eines Ganzen zu sein, machte ihn glücklich.

Fortsetzung folgt…

Plausch am Ententeich – Die Hütte

Dienstag, Juni 14th, 2016

Gut, damit steht unter diesem fünfundzwanzigsten Kapitel ein letztes Mal „Fortsetzung folgt“. Denn mit dem Kapitel Z ist in Kürze der hyperlokale Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, beendet. Dieses Mal lesen Sie, warum es manchmal scheinbar wichtig ist, innerorts 80 zu fahren, warum die Augen brannten, was sich durch die Marbach schlängelt, wer keine Auskunft erteilt, was Hütten verbergen und was ansonsten Unfassbares auf der Welt geschieht.

Kapitel Y: Die Hütte

Von Daniel Grosse

…Hätte der Zeitungschef gewusst, was soeben in der Marbach geschehen, war, er hätte die Bargeld-Meldung von der Seite gekickt. Aber sie war im Moment nun einmal das beste, was er hatte für die Seite 1. Da klingelte sein Telefon. „Krahlich, Pressestelle Marburger Polizeipräsidium, wir haben ein Problem.“ Eine Minute später hätte der Journalist den PR-Kollegen der Polizei am liebsten gleichzeitig umarmt und erwürgt.

Inzwischen war es später Sonntagnachmittag, 16 Uhr, in vier Stunden würde Harrys Ultimatum ablaufen, wenn der Kopf bis dahin nicht gefunden war und bei Harry wäre. Das war Birger, Betty, dem Gartenmann, dem Zeitungsausträger und auch dem älteren Herrn bewusst – aber egal. „Was kümmert uns das jetzt noch?“, fragte jemand von ihnen in die Runde. Betty kniete neben der schönen Polizistin und hielt sie fest im Arm, blinzelte Birger dabei zu. Der verstand nichts. Oder doch? Betty und Frauen?, überlegte Birger. Das klären wir später. Die Kommissarin war noch immer ganz benommen, hatte aber schnell ihre Dienststelle angerufen. Der Pressemann dort reagierte, woraufhin kurz darauf das Telefon des Redaktionsleiters geklingelt und dieser von der Sache in der Frisörakademie erfahren hatte. Allerdings hatte die Polizei keineswegs ein Interesse daran, dass ein Journalist schnelles und gutes Futter für seine Zeitungsseiten bekommen sollte. Das Interesse ging in eine ganz andere Richtung. Die kleine Vermisstenmeldung kürzlich in der Zeitung, war der Anlass. Biene und Bella wurden darin beschrieben, es hieß, sie seien vermisst. Um Hinweise war gebeten worden.

Und deshalb kam nun auch einige Minuten später der Redaktionsleiter gemeinsam mit dem Polizeisprecher Krahlich in einem alten Porsche 911 den Marbacher Weg herauf gerast. „50 bitte, der Herr.“ Doch der Journalist kümmerte sich nicht um den Regel-hörigen Krahlich neben ihm. 80 zeigte die Tachonadel, als die beiden am Abzweig zum Köhlersgrund vorbei fuhren. „Das klären wir später“, sagte der Polizeisprecher streng, drehte den Kopf zur Seite und grinste. Schließlich wusste er, wie sehr sich der Journalist nach jedem Signal der Kommissarin sehnte. Jedes kleine Zeichen, das andeutete: „Ja, mit uns zwei könnte es etwas werden“, war ein Fest für den Zeitungsmann. Er begehrte diese Polizistin. Und nun war sie verletzt, wie schlimm, wussten weder der Polizeisprecher noch der Journalist. Beide mussten schnell zu ihr.

Vor dem Frisörsalon stand bereits ein Notarztwagen. Ein Flatterband sperrte die Frisörakademie weiträumig ab. Neugierige reckten die Hälse. Die Marbacher Feuerwehr hatte erst vorhin einen gemeinsamen Ausflug mit dem örtlichen Männergesangverein unternommen. So kam es, dass auch zwei Feuerwehrfahrzeuge unweit des Tatorts parkten. Schnell wuchs die Zahl der Neugierigen an. „Was ist los?“, rief jemand dem Gartenmann zu, der vor der Akademie kurz frische Luft schnappen musste. „Frag die Polizei“, erwiderte der. „Aber du bist doch vor Ort. Also, was ist passiert?“ Langsam wurde der Marbacher Ortsvorsteher unruhig. Kannte er doch den Gartenmann schon so viele Jahre und nun stellte der sich so bockig an. Noch nicht mal diese kleine Auskunft. Missmutig stellte sich der Ortsvorsteher zu den anderen in die Menge.

„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gesehen? Was ist geschehen?“ Wie die Kommissarin, war auch der Polizeisprecher ein Profi. Die Fragen durften sachlich sein. Anteilnahme kam später. Jetzt ging es um schnelle Ermittlungsergebnisse. Auch der Redaktionsleiter war dazu gekommen. Sanft, fast schon beiläufig, küsste er die Polizistin auf die Wange. Sie schaute ihn an, lächelte. „Du bist lieb, aber jetzt zur Sache“, sagte die Kommissarin und berichtete präzise, was geschehen war. Birger und Betty, die die Zärtlichkeiten zwischen den beiden sehr wohl bemerkt hatten, hörten der Kommissarin zu. Der ältere Herr mit seinen Pressefoto-Erfahrungen vom WM-Jahr 1982 und der Redaktionsleiter nickten sich zu. Sie kannten sich schon seit Jahrzehnten. Auch den Zeitungsausträger hatte der Zeitungschef erkannt. In der Kantine des Zeitungshauses war er ihm häufiger aufgefallen, so schüchtern und klein wie er war. Wohl gerade deshalb.

Diese paar Haare, dort am Tatort, mussten dieser Biene gehören. Der dicke Mann, der der Kommissarin eine halbe Dose Reizgas in die Augen gesprüht hatte, war ganz sicher Harry. Also der, der unbedingt diesen Frisierschädel brauchte. Alles schien so klar und einfach zu sein. Zudem zog sich auch noch eine lange Blutspur durch den Flur der Frisörakademie. Also gab es für die Spurensicherung und ihre Kollegen von der Medizinerfront massenweise Material. Fast schon wie eine Schnitzeljagd, dachte Birger. Da müssten sie diesen Harry doch leicht finden können.

„Ihr habt uns doch damals diese Meldung geschickt, dass zwei Frauen, die eine mit roten Haarbüscheln und die andere mit einem Po-langen schwarzen Zopf, von der Frisöakademie vermisst wurden, oder“, fragte die Kommissarin den Redaktionsleiter wieder ganz sachlich. „Ja, nach dem Anruf eures Herrn Krahlich habe ich schnell die Unterlagen geholt und die Datei aus der Anzeigenabteilung ausgedruckt.“ Die Anzeige war damals nicht per Mail, per Internet oder telefonisch bei der Marburger Tageszeitung eingegangen – sondern persönlich überbracht worden. „Ja, das ist schon ungewöhnlich, kommt aber vor in kleineren Städten wie Marburg.“ Der Journalist grinste. „Und wisst ihr, wie die beiden Personen aussahen, die die Vermisstenmeldung bei uns in der Anzeigenabteilung abgegeben hatten?“ Diese Besonderheit war das erste, was ihm seine Kollegin im Zeitungshaus vorhin noch zugerufen hatte, diese komische Randnotiz. „Die eine hatte rote Haarbüschel auf dem Kopf und die andere einen sehr, sehr langen Zopf.“ Wow, das wird doch noch eine Geschichte, freute sich der Journalist, während er das den anderen berichtete. Denn so sehr er auch das Vertrauensverhältnis zur Poizei schätzte und diese unglaubliche Ermittlerin liebte, war er doch auf seinem Gebiet zu sehr Profi, als dass er das nicht verarbeiten würde. Noch nicht morgen, aber vielleicht übermorgen würde das sein Aufmacher auf der Seite 1.

„Und welche Namen hatten die beiden“, wollte die Kommissarin wissen, „mit welchen Namen haben sie die Suchanzeige unterzeichnet?“ Tine und Stella Berger. Irgendwas stimmte nicht. Allen war das klar. Und das war mehr als dieses Ähnlichkeit der Personen und die ähnlich klingenden Namen der Frauen. Biene und Bella, Tine und Stella. Rote Haare, schwarzer Zopf. Harry. Den galt es zu finden.

Aus dem Hinterausgang der Frisörakademie trat ein ganzer Pulk an Menschen heraus. Zum Glück hatten die Kollegen von der Spurensicherung und die Mediziner nichts dagegen, dass sie der Blutspur folgten. Die Spur war breit, verwertbares Material in Massen. Die Kommissarin ging vorne weg, dahinter der Polizeisprecher, zwei weitere Beamte, und in einigem Abstand folgten der Redaktionsleiter, zudem Betty, Birger und die drei Marbacher, die inzwischen schon so etwas,wie ihre Freunde geworden waren. Das Du war längst selbstverständlich.

Das Grüppchen ging durch mehrere Gärten, stieg über drei Zäune, immer noch schlängelte sich die Blutspur durch die schöne Marbacher Natur. Die Kommissarin hatte dem brutalen Mann in den Oberschenkel getroffen. Dem starken Blutverlust nach zu urteilen, war das Projektil scheinbar in ein Gefäß eingedrungen mit lebenswichtiger Funktion. Ob dieser Mann überhaupt noch lebte?, fragte sich die Polizistin und stand plötzlich vor einem – nein, ein Haus war das nicht, eher eine Hütte. Sie kannte sich in der Marbach zwar nicht sehr gut aus, aber irgendwo in der Nähe der Brunnenstraße mussten sie wohl sein. Die Turmglocken der Markuskirche läuteten. 17 Uhr.

Von drinnen drang Geschirrgeklapper durch die Fenster. Eines stand offen. Ein Radio war wohl eingeschaltet, der Nachrichtensprecher machte seinen Job: „Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.“ Der Nachrichtensprecher fasste mit diesen Worten nochmals zusammen, was bereits den ganzen Tag durch die Medien ging und so unfassbar schien.

Alle hatten einen Kloß im Hals nach dieser Meldung, aber die Polizisten und der Journalist waren Profis genug, so dass sie gleich wieder innerlich umschalteten und auch hier in der Marbach mit dem Schlimmsten rechneten: mit einem schwer bewaffneten, schwer verletzten brutalen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte – außer diesen Frisierkopf vielleicht. Dann ging alles ganz schnell. Die einfache Holztür zerbarst, die Polizisten stürmten in die Hütte, in der Küche schrie eine Frau. Und in einem großen roten Sessel saß ein Mann mit dickem Bauch und Glatze, Hausschuhen an den Füßen, sein Vollbart war seltsam weiß verschmiert. Weit aufgerissene Augen starrten die eben Hereingestürmten an. In dem Mund des Mannes steckte etwas. Es war weiß und stank. Der Mann war nicht verwundet.

…Fortsetzung folgt.