Hundefleisch und Abi-Treffen

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Der Brief traf ihn wie ein Schlag: 30. September 2018, Abi-Treffen. 40 Jahre und Gesichter, an die er sich nicht mehr so recht erinnern konnte. 1978 hatten Jus Dillon-Wurst, 23 Jungs und 28 Mädchen, ihre Allgemeine Hochschulreife attestiert bekommen. Inzwischen war Dillon-Wurst als Senior Partner mit seiner Großkanzlei „Cornwall and more“ einer der Global-Player der internationalen Wirtschaftskanzleien geworden. Jetzt, 2018.

Kürzlich, Ende März suchte der Top-Jurist nach neuem Hundefutter auf der Messe „Hund und Du“ in Gießen. Dort rempelte er an der Würstchenbude Bum Bum Bode an, der gerade für seine Rottweiler frisch einkaufen wollte. Was Dillon-Wurst zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass Bum Bum Bode Chefredakteur des Magazins „Fleischeslust“ war. Und noch ist.

Am Ausgang des Messezelts überkam Dillon-Wurst die Idee, wieder einmal an seinem Image zu feilen. Er ließ per Durchsage Bum Bum Bode an den Ausgang rufen. Als Reporter, der er aber noch niemals zuvor gewesen war, „interviewte“ er sodann den fleischlichen Chefredakteur.

Aufgrund der guten Beziehungen zwischen Dillon-Wurst und Marbach direkt mit „Wirklich wahr?“  drucken wir das Folgende ab:

Jus Dillon-Wurst: Halt! Hier!

Bum Bum Bode: Was? Aber hier stinkt es!

JDW: Werden Sie nicht unverschämt. Wir haben noch nicht einmal begonnen.

BBB: Trotzdem, was mievt hier?

JDW: Das liegt an dem Tierfutter.

BBB: Wieso Tierfutter? Ich habe soeben eine Messe für „Metzger und ihren Berufsstand“ besucht. „Hund und Du“ stand schon seit Wochen in meinem Kalender.

JDW: Sie essen Hund?

BBB: Wenn es sein muss, ja. Sogar meine eigenen. Sind sie nicht süß?

JDW: Oh je. Das ist wohl ein Missverständnis. Aber Sie schlachten nicht etwa auch….

BBB: Mittwoch und Freitag.

JDW: Das ist verboten.

BBB: Wir können auch auf Dienstag und Samstag verlegen.

JDW: Reden Sie keinen Quatsch. Hunde zu essen, ist in Deutschland nicht zwangsläufig verboten, aber das Schlachten davor und so weiter an vielerlei Auflagen gebunden. Ich denke, wir brechen das Gespräch hier ab.

BBB: Aber Jus, damals kurz vor 8, hattest du doch auch fast immer genüsslich in deine Frikadelle gebissen.

JDW: Ja, aber das war morgens, und da ging es nicht um Hundefleich.

BBB: Meinst du wirklich?

JDW: Das hätte ich gerochen.

BBB: Wie auch immer. Kommst du Ende September zu unserem Abi-Treffen?

JDW: Ihr seid doof, ich bin Jurist. Was soll ich mit euch? Oder möchtet ihr unbedingt „Mein Haus, mein Boot, mein Auto, meine Kinder“ spielen?

BBB: Quatsch. Wir sind zwar alle doof, aber uns verbindet doch eines: unser Abi.

JDW: Ach du meinst das, was das Ergebnis von Entscheidungen unserer Eltern und des Schulamts war? Und wofür wir arbeiten mussten mit Lehrern und Mitschülern, die wir uns nicht aussuchen konnten?

BBB: Jetzt komm‘ mal wieder runter.

JDW: Noch bin ich noch nicht mal bis zur Hälfte hochgeklettert.

BBB: Also, was ist? 23 haben bereits zugesagt. Wir treffen uns in einem Gewölbekeller.

JDW: Oh, in einer Tropfsteinhöhle, außerhalb, wie urig.

BBB: Nein, in einem Marburger Stadtteil. Und es ist günstig.

JDW: Was kostet der Spaß – und was bekommen wir dafür?

BBB: Fü… (nach dem ersten Umlaut blieb Bum Bum Bode der Kieferknochen eines Chihuahuas im Halse stecken)

Ein halbes Jahr später waren alle wieder glücklich. Jus Dillon-Wurst freute sich auf 50 Jahre Abi, Bum Bum Bode auf veganen Gemüsebrei und die Mitschüler auf das, was immer war: Pommes, Bratwurst, Ketchup und Majo.

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