Der Tod riecht nun einmal so, nach Eisen, blutig – Grauen am Ententeich – Krimi aus der Marbach

Februar 13th, 2019
Mit dem Arbeitstitel „Grauen am Ententeich – Birger und Betty decken auf“ ist der zweite Teil der Marburg-Marbach-Krimi-Reihe von Daniel Grosse am Start. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Arbeitstitel „Grauen am Ententeich – Birger und Betty decken auf“. Bei der dreitägigen Kultur-Veranstaltung WABLage 2.0 in Cölbe musste der Krimi-Nachfolger vom „Plausch am Ententeich“, Mitte Februar 2019, während meiner Lesung, zeigen, was Birger und Betty zu Weiterem antreibt. In loser Folge ist hier mehr darüber zu lesen. Das Buch folgt im Laufe des Jahres. Print und E-Book.

Aus dem Rohmanuskript:

Nur weil das A nicht auf der Notenlinie stand, starb Mareike Pelleworm. Sie sang an diesem Abend das Stück „Gib mir diesen Stich ins Herz“. Das Messer steckte noch tief im Brustkorb der 28-Jährigen, als die Kommissarin auf den Parkplatz des Bürgerhauses Marbach fuhr. Das After Shave ihres guten Freundes, der vielleicht mehr als das war, haftete noch an ihrer Haut. Der liebe Redaktionsleiter der Marburger Lokalzeitung, dachte sie. Sie schüttelte sich bei dem Anblick, der sich ihr bot. 20 Menschen, Frauen und Männer, gemischt, manche schick gekleidet, andere in lockerer Freizeitkleidung standen vor dem Bürgerhaus. Die Kommissarin sah Tränen, versteinerte Gesichter, andere blickten starr vor sich hin. Manche plapperten, die meisten schwiegen jedoch. Der Kollege vor Ort hatte der Kommissarin schon Details genannt. Die Gruppe hatte geprobt. Im Anbau des Bürgerhauses übten die Mitglieder des Gemischten Chores ihre Stücke ein. Im Herbst wollten die Sängerinnen und Sänger vier oder fünf Stücke bei dem Konzert in der Gedächtniskirche in Berlin singen. Eine Einladung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin hatte auch die Marbacher überrascht. Aber die Freikarte hatten nun einmal sie gewonnen.

Es war eine Idee, die aus einem Wettbewerb heraus entstanden war. Immerhin sang der Regierende Bürgermeister von Berlin seit Jahren selbst in einem Gemischten Chor. Er wollte in der Hauptstadt hören, was in der Provinz an gesanglichen Schätzen verborgen ist. Ein Chor von zehn, die die Einladung erhalten hatten, war der Gemischte Chor aus der Marbach. Er sollte nach Berlin reisen. Im Oktober zum Herbstkonzert in die Gedächtniskirche.

Ob sich das nun erledigt hat?, überlegte die Kommissarin, als sie aus ihrem Dienstfahrzeug stieg. Sie hob ihr linkes Bein aus dem Wagen, weit gespreizt, stellte den Fuß auf den Boden des Parkplatzes. Der intime Geruch des Redaktionsleiters strömte an ihr vorbei. Sie hatte vorhin keine Zeit gehabt, neue Unterwäsche oder eine andere Hose anzuziehen. An Duschen gar nicht zu denken. Trotz des Grauens , das sie erwartete, lächelte die Kommissarin kurz.

Im Flur des Bürgerhaus-Anbaus roch es nach Eisen. Die Kommissarin kannte das. Tatorte waren doch alle gleich. Der Tod, wenn er blutig daher kam, roch nun einmal so. Trotzdem irritierte sie etwas. Wenn der Chor vorhin geprobt hat, mussten eigentlich alle in dem Probenraum anwesend gewesen sein. Warum hat keiner etwas von dem Stich mitbekommen?

„Haben Sie auch den Notenschlüssel erkannt?“, fragte eine Stimme hinter ihr, die zu einem Mann gehörte, der die Ermittlerin an einen Basketballspieler erinnerte. Allein wegen seiner schieren Größe. Die Kommissarin stellte sich vor, wie dieser Mann mühelos jeden Ball über die Köpfe seiner Gegenspieler hinweg in den Korb hob. Fast hätte sie den Kollegen nicht erkannt, der neben dem Hünen stand. Noch hatte er diesen so dünnen weißen Anzug an, wie Anstreicher ihn tragen, mit solch einer putzigen Kapuze oben dran. Er gehörte zur Spurensicherung. Sie hatte ihre Arbeit beendet. Verhören wollte die Kommissarin eigentlich erst später. Warum kam dieser Basketballspieler also jetzt schon zu ihr oder wurde gebracht?

„Sie sind vom Fach? Anscheinend ja. Warum also ein Notenschlüssel, was meinen Sie?“

Die Kommissarin schaute zu dem Kopf des großen Mannes hinauf und wartete auf die Antwort.

„Ich bin der Chorleiter“, sagte der Angesprochene.

Die Sahne hing ihr noch im Mundwinkel. Betty schaute in den runden Spiegel, der an der blau-gekachelten Wand hing. Die war nicht ihr Badezimmer. Eine Männerstimme rief von hinten: „Komm bitte wieder zu deinem Konditor zurück ins Bett. Ein Stück ist noch da.“ Der, der das sagte, war Birger, es war sein Bett, seine Wohnung. Und er war der Freund von Betty, von seiner Liebsten, die neben Birger nichts mehr liebte als Schwarzwälder Kirschtorte. War sie unglücklich, sagte sie häufig ganz unvermittelt: „Dann mach ich nicht mehr mit.“ Das Signal für Birger, in Hochgeschwindigkeit zum Bäcker in der Brunnenstraße zu rennen und am besten gleich eine ganze Torte zu kaufen.

Fortsetzung folgt….

Endlich im Herz der WABLage tief drinnen verankert – die Marbach mit Kunst, Chor und Geschichten

Februar 11th, 2019

Von Daniel Grosse

Neues trifft auf alte Wände. Zwei der Werke in den Hallen der WABLage 2.0 in Cölbe. Foto: Daniel Grosse

Riesige, armdicke Hölzer donnern herunter auf die dickbauchige Trommel, der Magen bebt. Mehr als ein Dutzend Künstler ziehen Besucher hinein in eine Welt aus Formen, Farben, Ideen und Gesprächen. Ein Marbacher Chor aus Frauen und Männern singt dazu mehr als das Hallelujah von Cohen. Zuvor liest Daniel Grosse aus seinem Grauen am Ententeich. Später sprechen sogar Puppen. Was das alles war, am Ende, fasst Poetry Slammer Felix Römer, Pionier der Szene, am späten Sonntagnachmittag punktgenau zusammen. Zusammen mit seinen Workshop-Teilnehmerinnen. Nicht nur die Landrätin klatscht. Alle!

Das, und noch viel mehr, war die WABLage 2.0 in Cölbe bei Marburg. 8. bis 10. Februar 2019. Ich schreibe dies jetzt subjektiv. Garantiert nicht nachrichtlich, denn während dieser zweieinviertel Tage in Cölbe drehte sich alles um Kultur – und die ist subjektiv. Denn: Wie herrlich, wenn zwei Damen vor einem Kunstwerk stehen, die eine schaut die andere an und sagt: „Das geht so aber gar nicht.“ Das sind Momente, in denen die Kunst gewonnen hat. Sie hat eine Reaktion, eine Emotion, ausgelöst.

Es wird eine WABLage 3.0 geben. 1, 2 oder 3 Jahre bis dahin. Je nachdem, wann der Rohbau stehen wird an der Stelle, wo jetzt noch die, aber in wenigen Tagen pulverisierten WABL-Hallen, stehen. Laut E-Verein-Vorstand kommt sogar eine WABLage 4.0. Der endgültige Beginn einer Cölber Tradition. Hallelujah.

In der Gondel – kürzeste Krimi-Lesung der Welt

Januar 15th, 2019

Von Daniel Grosse
Die Marbach soll „gelesen“ werden. Also nahm ich 30 Flyer, 30 vorgedruckte Postkarten und 20 Lesezeichen mit. Die erste Fahrt mit der Gondel im Skiurlaub, da die Idee. Wo trifft man sonst sechs bis zehn Menschen für 15 Minuten und ist ihnen ganz nah? In der Gondel einer Bergbahn. In meiner Jackentasche steckten mehrere Flyer und Postkarten. Professionell hatte ein Kollege dort aufdrucken lassen, was auf dem Marbach-Krimi Plausch am Ententeich abgebildet ist. Auch das Logo mit den zwei Enten. Und das knallrote Herz. Hinzu kamen die ISBN-Nummer, mein Autorennname, ja, auch der Begriff „Marbach-Krimi“. Direkt nach der Talstation, oder besser oberhalb der Mittelstation, kurz vor dem Ausstieg? Wann wäre der beste Zeitpunkt, um ganz platt Werbung für den Krimi und die Marbach zu machen?, fragte ich mich. Ab der Mittelstation, da waren die Mitfahrer am besten drauf. Das merkte ich spätestens nach der dritten Fahrt. Also schnell eine Geschichte rund um mich erzählt, den Krimi, die Marbach. Auch wie verrückt die Protagonisten so sind und das Ganze mit dem Plausch am Ententeich ein Schreibexperiment war. Dann öffneten sich die Kabinentüren. Ein kurzer Abschied und der nachgerufene Gruß von mir: „Viel Spaß beim Lesen. Ich freue mich auf eine Rückmeldung.“

Nach etwa zehn Fahrten kam Stufe 2 der PR-Kampagne: Die kürzeste Krimi-Lesung der Welt. Auf dem Lesezeichen zu meinem Krimi stand die Zusammenfassung der Geschichte rund um Birger, Betty und den Kopf. Die Mitfahrenden in der Gondel fragte ich jedes Mal: „Darf ich Ihnen kurz vor dem Gipfel die kürzeste Krimi-Lesung der Welt präsentieren?“ Keiner sagte Nein. Alle blickten mich vielmehr fragend, gleichzeitig erwartungsvoll, an. Bingo. Egal, ob nur zwei Wintersportler in der Gondel saßen oder acht, ob Deutsche, Holländer oder Österreicher, alle freuten sich, dass die Fahrt zum Gipfel so endete.

Fazit: Als Freier Autor immer eine Geschichte dabei haben, anderen davon erzählen, Situationen nutzen – und an Werbematerial denken.
PS: Die Steigerung wäre eine längere Lesung in der Gondel gewesen oder auf einer Skihütte beim Einkehrschwung. Aber der komplette Krimi lag leider zu Hause auf dem Nachttisch 🙁 Der nächste Skiurlaub kommt bestimmt. Dann!

Der neue Ententeich

Dezember 17th, 2018

Von Daniel Grosse

Das Marbacher Regenrückhaltebecken, der Ententeich, wird saniert und dazu ausgebaggert. Das Bild entstand im November.          Foto: Daniel Grosse

Seit einigen Tagen baggern und arbeiten Maschinen am Regenrückhaltebecken in der Marbach – am Höhenweg. Was geschieht dort, warum machen die das, was ist der Zweck der Arbeiten und wie lange werden die Arbeiten noch andauern? Das hatte ich im November die Verantwortlichen bei der Stadt gefragt.

Die Antwort: An dem Regenrückhaltebecken hat die Stadt Marburg den Bewuchs (Rohrkolben) im Dauerstaubereich des Beckens entfernt. Vergangene Woche wurden rund 60 Prozent der Fläche im Dauerstau geräumt.

Und warum waren die Arbeiten nötig? Ist dadurch die Funktion des Beckens zusätzlich verbessert? Soll sich die verbliebene Schlammwüste von selbst wieder regenerieren oder sind dort zusätzliche („Verschönerungs“-)Arbeiten geplant?

Die abschließende Antwort der Stadt: Das Rückhaltebecken wurde vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Vorzeigeobjekt ausgewählt – dazu anbei ein Auszug aus der Broschüre „Hessische Städte – natürlich vielfältig!“ Unter dem Kapitel „Gewässerunterhaltung“ finden Sie die Antwort auf Ihre Frage zum Hintergrund der Maßnahme.  Die durch die Pflegearbeiten aufgewühlten Sedimente setzen sich wieder ab. Das dauert umso länger, je feiner die Sedimente sind.


Köpfe mit Aussagen zur Situation in der Marbach

Oktober 24th, 2018

Die Auswahl ist gut, die Idee der Blattmacher auch. Inspiration zur Landtagswahl gibt es in der aktuellen Ausgabe der Marbacher Nachrichten, Oktober 2018.   Foto/Repro: Daniel Grosse  /  Quelle: Marbacher Nachrichten, 10/18

Von Daniel Grosse

„Wir befragen die Kandidatinnen und Kandidaten“, steht zu Beginn des Beitrags in den Marbacher Nachrichten. Was dann folgt sind fixe Fragen an Dirk Bamberger (CDU), Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen), Lisa Freitag (FDP/MBL Fraktion), Eric Markert, (AfD), Handan Özgüven (SPD) und Jan Schalauske (Die Linke).

Näheres zu den Antworten nachfolgend:

      

Fotos/Repro: Daniel Grosse     Quelle: Marbacher Nachrichten, Ausgabe Oktober 2018

 

 

 

Vor der Wahl einer Partei ist vor der Orange – Nur wer sie schält, erfährt, ob sie schmeckt

Oktober 24th, 2018

Verkehr umgibt uns täglich, die Themen dazu sind auch Schwerpunkte mancher Parteien.    Foto: Daniel Grosse

Kreuzchen machen, heißt es am kommenden Sonntag, dem hessischen Wahlsonntag. Marbach direkt stellt plakativ nochmal kurz die Inhalte, den Kern der Parteien vor. So zumindest lautet der Plan, wenn ich diesen Vorspann schreibe. Für die Inhalte des Folgenden sind ausschließlich die Parteien verantwortlich. Was das mit der Marbach zu tun hat? Das werden wir in den kommenden Jahren sehen. Spätestens dann, wenn Wahlversprechen auch in unserem Stadtteil einzulösen sind. Ob die Frucht Orange dann auch genießbar ist, muss sich zudem noch zeigen.

von Daniel Grosse

Grüne Marburg-Biedenkopf

„Die Zukunft ist GRÜN“. Dort heißt es am Anfang: „Uns eint, uns verbindet ein Kreis von Grundwerten, nicht eine Ideologie. Wir haben als Partei von Grundwerten linke Traditionen aufgenommen, wertkonservative und auch solche des Rechtsstaatsliberalismus. Unsere Grundposition heißt: Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte.“

SPD Marburg

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CDU Marburg

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Die Piraten

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Andere

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Dafür, dass Menschen – insbesondere als Wähler – gerne schnell erfahren möchten, für was jemand und eine Partei steht, was seine und ihre Ziele sind, wie es um die Haltung steht, war die schnelle Suche auf den Internetseiten der jeweiligen Parteien, die auch in Marburg antreten, sehr enttäuschend. Einzig die Marburger Grünen schaffen es zumindest, in wenigen Zeilen eine Grundaussage zu liefern. Auch wenn sie sich dort auf ihre Mutterpartei beziehen. Wer also Details erfahren möchte, dazu, wofür die Parteien jeweils stehen, kommt nicht daran vorbei, sich die Internet-Auftritte genauer anzuschauen. Arbeitskreise, Inhaltliches und Ansprechpartner erleichtern die weitere Recherche. Wer die Orange essen möchte, muss sie zunächst schälen.

Also: Am Sonntag Kreuzchen machen! Aber mit Sinn und Verstand! Deshalb vorher lesen und mit den Verantwortlichen sprechen!

Übernahme der Tochter: Jetzt fließen die Milliarden

Mai 9th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Heute Morgen um 10.30 Uhr las Gerwin Gehlhaar, dass Gigantisches im Telekommunikationsmarkt in Bewegung sei: Vodafone übernimmt eine riesige Tochterfirma. Schnell formulierte der 45-Jährige ein Schreiben an das Amtsgericht Wanne-Eickel, mit der Überschrift: Eilt! Und weiter heißt es dort: „Aufgrund des Prätsedentzzzfalles ‚Übernahme der Tochter durch eine Mutter‘ beantrage ich, Gerwin Gehlhaar, dass meine Tochter Amanda Gehlhaar, 18, ab sofort von unserem Nachbarn Eberhard Braunschwicker, 24, übernommen werden darf. Ich bitte das Gericht, eine Ausnahme zu machen, weil der Käufer ja ein Vater ist.“ Das Amtsgericht Wanne-Eickel erklärte sich einverstanden.

Woher Eberhard Braunschwicker, der bei Redaktionsschluss noch nichts von dem gerichtlichen Eilantrag wusste, die Milliarden für Gerwin Gehlhaar holen soll, ist nicht bekannt. Auch Amanda, die Tochter, war zum Zeitpunkt der Pressemeldung noch in der Schule. Klassenkameraden, so heißt es, hätten allerdings bei Instagram bereits Fotomontagen gepostet, die Amanda Gehlhaar am Ballermann mit 18 1-Meter-langen Strohhalmen abbilden.

Digital-Kongress re:publica 2019 in Berlin: Smartphones und Tablets unerwünscht

Mai 3rd, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

„Das kann ja wohl nicht wahr sein. Wir und die Kolleginnen und Kollegen stehen hier vorne auf dem Podium oder referieren in einem der 287 Räume vor erwachsenen Menschen und die haben nichts besseres zu tun als ständig auf ihre Smartphones, Tablets oder Notebooks zu schauen!“ Organisator Markus Beckedahl ist sauer. Als Netzpolitikbeobachter, Journalist und Aktivist hat er vor mehr als zehn Jahren die re:publica mitbegründet. Seit gestern toben sich dort in Berlin 10.000 Netz-affine Menschen aus. Und jetzt das.

Tatsächlich hören die Besucher nicht zu. Sie schauen auf ihre Geräte, statt dem Vortragenden zustimmend zu folgen. So beschreiben es dutzende Korrespondenten, die derzeit von der re:publica 2018 aus Berlin berichten. Auch sie können es nicht fassen, wie ignorant diese Menschen sein müssen. Dabei gehe es doch gerade um deren Themen. „In der Schule würden diese jungen Leute sofort einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen“, sagt Sandra Scheeres. Als oberste Bildungshüterin Berlins hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sie zur re:publica entsandt.

Schon längst ist die Kritik bei der gesamten Organisationsspitze rund um Markus Beckedahl angekommen. Immerhin könne es nicht sein, dass sich tausende Besucher – die immerhin zur digitalen Elite Europas gehören – anmelden und dann so tun als würde sie das alles nicht interessieren, so Beckedahl. Deshalb fordert der Digital-Chef der re:publica alle Mitstreiter dazu auf, spätestens für die Ausgabe 2019 der Internet-Konferenz ein striktes Verbot einzuführen. Smartphones, Notebooks und Tablets sind dann tabu. Stattdessen erhalten die Teilnehmer der digitalen Zusammenkunft je einen Kugelschreiber, Bleistift und ein von Elon Musk signiertes Notizbuch. Sofern sein selbstfliegendes Flugzeug im Frühjahr 2019 den Weg nach Berlin findet und Musk rechtzeitig zur Signierstunde befördert.

Spendenläuferin unterschätzt: Dreijährige aber unter Dopingverdacht

April 27th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Elsbeth Dümp ist fassungslos. Weil ihre Enkeltochter einfach nicht aufhören wollte, auf dem Sportplatz in der Marbach ihre Runden zu drehen, stand die Siebzigjährige zunächst vor einem echten Problem. Mit einem harmlosen Formular hatte das spätere Drama begonnen. Ein Sportverein hatte über den Kindergarten die Drei- bis Sechsjährigen dazu aufgerufen, Runden zu laufen. Pro Runde 100 Euro. Für Elsbeth Dümp eine gute Idee. Sie kreuzte alles an, teilte sogar ihre Bankverbindung mit, drei Wochen später dann der Schock: der Verein hatte 10.000 Euro abgebucht. „100 Runden, welch ein Wahnsinn! Meine Enkeltochter ist drei. Ich hatte mit maximal eineinhalb Runden gerechnet. Das hätte ich noch bezahlen können. Aber das?!“, sagte sie, nachdem sie ihren Kontoauszug erhalten hatte.

Schnell hieß es, wie das sein könne, dass ein so junges Mädchen derlei Leistungen vollbringt. Das Wort Doping war zu hören. Die Großmutter hatte Glück, denn nach dem Rennen hatte die Kleine einen Strohhalm benutzt, den eine Freundin einsteckte, „weil er so schön grün war“, wie sie sagte. Diesen Strohhalm nahmen dann Experten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an sich, untersuchten ihn – und tatsächlich: die Dreijährige hatte gedopt.

Vier Wochen nach dem Rennen stand das Ergebnis der Analyse fest: Center Schock-Kaugummis und Bionade. Warum die Kleine eine derartig hohe Konzentration dieser, bei Kindern so beliebten Produkte, in ihrem Blut hatte, konnten auch die Eltern nicht beantworten.“In jedem Fall werden wir fortan bei Kindergeburtstagen unserer Tochter einen Zettel mitgeben, auf dem wir bitten, unserer Tochter diese Dinge nur in Maßen zu geben“, sagte die Mutter

Die dreijährige Enkeltochter von Elsbeth Dümp wurde lebenslang für sämtliche Spendenläufe gesperrt.

Entschuldigung, aber es geht um das bedauernswerte dumme Ar***loch

April 23rd, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

„Erlauben Sie mir die Feststellung, dass Sie einfach ein bedauernswertes dummes Arschloch sind.“ – „Derartige Äußerungen“, so ist von Anwaltsseite zu lesen, „pfeffern sich im persönlichen Streit befindliche Anwälte um die Ohren. “ Nun musste der Bundesgerichtshof (BGH) entscheiden, ob der Kläger als tituliertes „bedauernswertes dummes Arschloch“ Ansprüche auf Unterlassung und Geldentschädigung geltend machen kann. Es ging hin und her in dem Rechtstreit, gekämpft wurde mit harten Bandagen – verbal. Und das ist wahr. Nachzulesen im Urteil des BGH vom 14. November 2017, Aktenzeichen VI ZR 534/15.

„Unerträglich“, findet Jus Dillon-Wurst. Der Senior-Partner der Großkanzlei „Cornwall and more“ ist am Boden zerstört. Er schäme sich, wie er sagt, für seine Berufskollegen. Früher, als er ein junger Jurist war, hätten sich seine Kollegen noch duelliert, sie wären abends in die Kneipe gegangen, um zu wetten, wer nach so und so vielen Schnäpsen schneller vom Keipenhocker fällt. Und nicht selten krachten Fäuste auf Nasenbeine. Dillon-Wurst erklärt im Interview die Hintergründe.

Herr Dillon-Wurst, was passt Ihnen nicht an diesen verbalen Attacken?

Jus Dillon-Wurst: Die heutigen Kollegen, vor allem die jungen, sind einfach peinlich.

Das ist zu pauschal.

JDW: Sie wollen es mal wieder genau wissen, oder? Na gut. Das sind Weicheier. Schreien kann jeder, argumentieren auch, wenn er halbwegs klar im Kopf ist. Aber seinen Mann stehen, wenn er es muss, das ist eine Kunst.

Eine, die Sie damals beherrscht haben?

JDW: Sie Schleimer. Aber ja, ich konnte tatsächlich austeilen. Nicht selten trafen wir uns als junge Anwälte abends im Stadtpark. Wir waren Gegner, weil unsere Mandanten Gegner waren.

Sie benutzten Waffen?

JDW: Naürlich! Die zwei, die Sie auch haben: Fäuste.

Wie primitiv.

JDW: Sie Weichei! Glauben Sie wirklich, Fäuste seien nur dafür da, um sie im Winter in Handschuhe zu stecken? Mitnichten. Die können sie sogar argumentativ einsetzen. Und das beste Argument sitzt noch immer an derselben Stelle wie das Nasenbein.

Sind Sie nun Mediziner oder Jurist?

JDW: Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Kommen Sie heute Abend in den Stadtpark. Dort zeige ich Ihnen, wo Ihr Nasenbein sitzt. Und danach sagen Sie mir, wer recht hat.

Darf ich auch ein Kamerateam und eine Reporterin aus der Redaktion mitbringen?

JDW: Bringen Sie mit, wen Sie möchten, aber unbedingt einen Verbandskasten.