Endlich als Brettspiel im Laden: Familienspaß mit Zugriff

April 19th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Mit dem neuen Spiel „Zugriff“ ist endlich wieder ein Brettspiel für die ganze Familie auf dem Markt. Es ist schnell, unbarmherzig und wahnsinnig witzig. So jedenfalls heißt es in der Werbung für „Zugriff“. Vorgestellt hat es ein Erfinder, dem man das gar nicht zugetraut hätte, schließlich ist der Top-Jurist in seinem Hauptjob mit ganz anderen Dingen beschäftigt. „Aber in den vergangenen Jahren konnte ich durch die massive mediale Berichterstattung so viel über das Vorgehen bei einer Razzia lernen, und in welchen Branchen sie sich am ehesten lohnt, dass mir morgens die Idee kam: Das kann man doch auch spielen, am besten mit der ganzen Familie“, sagt Spiele-Erfinder Jus Dillon-Wurst.

Und das tolle ist, bei „Zugriff“ muss kein Spieler nur langweilig am Wohnzimmertisch sitzen, die Spieler schwärmen aus. Sobald jemand vier Ereigniskarten einer Branche gesammelt hat, stürmt er los. Ab da läuft die Zeit. 15 Minuten verbleiben, bis erste Ergebnisse den Mitspielern präsentiert werden müssen. Das kann eine Akte aus einem Büro des Durchsuchten sein, eine Kassenrolle oder auch ein Firmenchef persönlich. Ob das denn nicht kriminell sei und Familien in die Illegalität treibe, wird Spiele-Erfinder Jus Dillon-Wurst häufig gefragt: „Natürlich ist es das. Aber glauben Sie ernsthaft, dass Sie heute noch Familien für ein Brettspiel begeistern, bei dem zum Beispiel gelbe oder rote Holzfiguren möglichst schnell auf passende Farbfelder gelangen müssen?“

Nun wird der Markt entscheiden, ob „Zugriff“ einschlägt. Aber bei den Ereigniskarten müsste das gelingen: Autoindustrie, Gastronomie, Einzelhandel aller Art.

Kinovorführer brutal geweckt – nach 35 Jahren

April 18th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

BL drehte sich in seinem Bett gerade von links nach rechts, als er das Gejohle hörte. BL ist die Abkürzung für einen Mann, der in Hinterindien als letzter seiner Zunft noch im aktiven Dienst ist. Zumindest im Bereitschaftsdienst. Es war 8 Uhr abends. „Die Meute rief: `Lasst uns rein!`“, berichtet BL. Er schaute auf seinen Kalender. Dort stand 18. April 2018. Das letzte Mal hatte der Kinovorführer dieses Spektakel vor 35 Jahren erlebt. Und nun war er der Einzige im ganzen Land mit Vorführerlaubnis. Nach so langer Zeit durfte BL endlich wieder seine Kinotüre öffnen.

Innerhalb weniger Minuten musste BL sich für einen Film entscheiden. Nur drei Filme hatten die Jahrzehnte unbeschadet überlebt: Vom Winde verweht, Zurück in die Zukunft 1, Robocop. BL schwitzte, denn wenn das nun schief ging – weitere 35 Jahre würde er nicht überleben. Immerhin wäre er dann über 90.

Zehn Minuten später wusste BL, dass seine Entscheidung richtig war. Er schaute den riesigen Filmspulen zu. Die drehten sich gleichmäßig, während unten im Kinosaal 7.899 Zuschauer im einst größten und einzigen Kinosaal Hinterindiens Popcorn aßen. Marty McFly war zurück. Und BL schlief ein.

Ins Innere einer Firewall – Fünf Frauen gelingt Unglaubliches

April 17th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Ella Björnlund ist eine von ihnen. Gemeinsam mit vier Kolleginnen hat sie es gewagt, als eine von fünf Frauen erstmals in eine Firewall einzudringen. Die Forscherinnen waren mittendrin. Die weltweit erste Mission dieser Art ist geglückt.

In dem Inneren der Firewall war Björnlund sehr schlecht zu erreichen. Handys oder Funkgeräte funktionierten dort nicht. So musste die Weltpresse darauf warten, was die fünf Frauen nach ihrem Trip zu berichten hatten. Und das war unglaublich.

„Wir sahen Russen, Franzosen, Amerikaner, auch ein Mann aus Bergisch-Gladbach versuchte, die Mauer emporzuklettern. Da wir jedoch mittendrin waren, konnten wir ja weder helfen noch abwehren“, berichtet Ella Björnlund dem Nachrichtensender DIE WAND. Das war wohl auch besser so, schließlich sind solche Wände massiv gefertigt und mit allerlei Raffinessen ausgestattet.

Einer, der sich auf dem Markt auskennt, ist Bong. Seinen richtigen Namen möchte er nicht nennen, zu diskret sei sein Geschäft. Immerhin bedient Bong den internationalen Markt für Firewalls, im Osten wie im Westen. Er sagt, worauf es ankommt: „Die Firewalls müssen massiv und undurchdringbar sein. Es nützt nichts, wenn Sie auf Eiche rund um ihren Standort vertrauen. Auch Stahl verhindert nicht, dass doch jemand hindurchdringt. Hitze kann vernichtend sein.“ Bong rät daher von einer Materialschlacht ab, auch die Höhe einer Firewall sei nicht entscheidend, „vielmehr kommt es auf die Dicke oder Tiefe der Wall an“, erklärt der Fachmann.

Und wie beurteilt Bong den Erfolg der fünf Forscherinnen? Weshalb konnten sie gar in das Innere der Firewall eindringen? „Da müssen die Programmierer eine Tür offengelassen haben, oder der Schlüssel lag schlicht unter der Fußmatte.“

Keine Scheu vor Kundenmief

April 16th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Parfümerien und Drogerien könnten die Verlierer sein, wenn Körpergerüche ihrer Kunden nicht mehr wahrzunehmen sind. Aber auch andere geruchsintensive Sparten im Einzelhandel sind betroffen: Gewürzläden oder Kaffeeröstereien. Immerhin zählt zu den so genannten biometrischen Charakteristika auch der individuelle Körpergeruch eines Menschen. Und der lässt sich nicht verfälschen, wohl aber überdecken durch andere Gerüche. Stichwort: stark duftendes Sortiment in Geschäften. Parfüm, Gewürze, Kaffee und so weiter.

Mit der erneut entbrannten Diskusssion um digitale Fingerabdrücke und andere biometrische Daten, die EU-weit Pflicht werden könnten, wird es spannend, wie der Handel reagiert – immerhin ist es vom Personalausweis zur EC-Karte nur ein kleiner Schritt. Und mit ihr zahlen die meisten Kunden.

Wenn ein Kunde ein Parfüm kauft, mit seiner Karte zahlt, der Geruchserkenner im Lesegerät aber wegen des Ladengeruchs nichts mehr erkennt, könnte künftig zweierlei geschehen: der Kunde wird nicht akzeptiert, eine geklaute Karte funktioniert trotzdem.

Bon Jour, Präsident des Deutschen Duftinstituts, bietet bereits kostenpflichtige Schulungen für Ladenbetreiber an. Seinen wichtigsten Rat gibt er allerdings vorab kostenlos: „Bauen Sie Nähe zu Ihrem Kunden auf, rechnen Sie in einem kleinen Nebenraum ab, vertrauen Sie auf Ihre Nase, beschnuppern Sie ruhig auch Ihre Kunden vor dem Bezahlen. Das tut zwar manchmal weh, aber nur so können Sie der empfindlichen Bezahlelektronik auch wirklich eine Hilfe sein. Haben Sie Verständnis für die Konstrukteure der Geruchserkenner. Und immer daran denken: Menschen stinken nunmal zuweilen.“

Vögel als Kuriere der Juristen

April 16th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Rechtsanwaltskanzleien und die Bundesrechtsanwaltskammer haben ein Problem: irgendetwas stimmt nicht mit diesem Postfach. Es nennt sich beA und ist sogar ein besonderes elektronisches Anwaltspostfach. Aber beA machte nicht das, was es sollte. Also nahm die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) diese Technologie kurz vor Weihnachten 2017 wieder vom Netz. Das geschah aus Sicherheitsgründen, wie wiederholt das Fachblatt BRAK-Mitteilungen mitteilte. Nun suchen alle Beteiligten nach einer Lösung.

„Warum brauchen die so lange?“, fragten kürzlich mehrere Top-Juristen ihren Wirt, als der sich gerade umdrehte, um gespülte Gläser ins Regal zu stellen. Jus Dillon-Wurst setzte als Senior Partner der Großkanzlei „Cornwall and more“ noch einen drauf: „Alle Fahrradreifen sind platt. Unsere Kuriere kollabieren und die Mandanten stöhnen. Sogar Amazon geht in die Knie.“ Natürlich hatte der Wirt auch keine Ahnung, wie die Anwaltschaft nach diesem grauenvollen Kollaps des beA künftig ihre Briefe, Mitteilungen und andere Postsachen verschicken soll.

„Brieftauben“, murmelte der nur und umwickelte einen Schlauch mit Isolierband, damit nicht noch mehr Bier aus seiner Zapfanlage auslief. Als Vordenker und kluger Kopf sagte Dillon-Wurst sogleich: „Das ist die Lösung!“ Der Wirt legte den Kopf schief. „Natürlich, ich nehme immer Isolierband, wenn es sutscht.“ Aber da war der Cornwall-Jurist schon längst wieder im Gespräch mit seinen Kollegen. Weil jedoch der Wirt ein Neugieriger war, schrieb er mit, was er da so hörte. Gegen 23 Uhr rief er seinen Freund bei der Lokalzeitung an, der soeben noch nach einer Meldung für die Spätnachricht suchte. Nun hatte der Zeitungsmann seine Meldung.

Am nächsten Morgen saß Jus-Dillon Wurst in seinem gläsernen Büro bei Croissant und Latte Macchiato, überflog die Meldungen im Internet – und verschluckte sich. Seiner Yucca-Palme las er mit heiserer Stimme vor:

„Brieftauben könnten schon bald zu Tausenden Boten der Anwaltschaft werden. Wie die Landzeitung berichtet, habe es gestern ein Treffen prominenter Vertreter verschiedener Großkanzleien gegeben. Weil ein neuartiges elektronisches Postfach nicht funktioniere, seien die Vögel nun die letzte Rettung, um den massiv gestiegenen Postverkehr der Juristen untereinander und mit den Gerichten abzuwickeln. Weil jedoch Pakete und großformatige Sendungen die Tauben überforderten, sollte diese Tiere anderes Gefieder ausbilden. Bussarde und große Adlerarten könnten zum Einsatz kommen. Die zuständigen Rechtsanwaltskammern seien noch skeptisch, ist zu hören, die Bundesrechtsanwaltskammer verhandelt jedoch scheinbar bereits mit Wildparks und Vertretern von Gerichten.“

Wohngebiet am Oberen Rotenberg nimmt erste Hürde

April 11th, 2018

Rund fünf Hektar Fläche umfasst das Gebiet am Oberen Rotenberg/Höhenweg (orangefarbene Markierung). Laut Standortanalyse könnten etwa 200 neue Wohneinheiten dort entstehen, etwa 60 davon als geförderter Wohnungsbau.    Grafik: Stadt Marburg

Nachfolgend eine Pressemitteilung der Stadt Marburg – im Wortlaut:

„Marburg. Rund fünf Hektar am Oberen Rotenberg, fast zehn Hektar am Hasenkopf – die Stadtverwaltung hat zwei große Flächen für den potenziellen Bau neuer Wohngebiete analysiert und verglichen. Das Ergebnis der Untersuchung liegt vor, im Herbst soll das Stadtparlament entscheiden, wo es vorrangig losgeht. Ortsbeiräte, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die breite Marburger Öffentlichkeit werden an der Entscheidungsfindung beteiligt. Baubeginn für die ersten Häuser könnte frühestens in fünf Jahren sein.

„Marburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Wir gehen diese wichtige soziale Frage weiter an und wollen, unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, die beste Lösung identifizieren und gemeinsam umsetzen“, so das Stadtoberhaupt. Diese Beteiligung reicht von gemeinsamen Sitzungen der Ortsbeiräte von Ockershausen und Marbach mit Fachleuten aus der Verwaltung über öffentliche Informationsveranstaltungen für alle Bürgerinnen und Bürger, Diskussionsrunden für die Anwohner/innen in den Stadtteilen samt Stadtteilspaziergängen bis zur gezielten Auswertung der Debatten, Einschätzungen, Anregungen, Befürchtungen und Ideen.

All das sind Bausteine des neuen Konzeptes, das die Stadt nun zum ersten Mal als Modellprojekt der Bürger/innenbeteiligung anwendet. Die Marburgerinnen und Marburger sollen mitbestimmen, auf welchem der beiden potenziellen Baugebiete im Stadtwald oder am Oberen Rotenberg es vorrangig losgehen soll. Und sie sollen mitarbeiten an einer Antwort auf die Frage, was dort wie gestaltet wird, welche Form und Struktur das neue Wohngebiet haben soll. „Wir geben keine Priorisierung für eines der beiden Gebiete vor“, so der Oberbürgermeister, „fest steht nur, dass gebaut wird, weil es den Bedarf an Wohnraum gibt, dem wir Rechnung tragen wollen und müssen“.

Seit dem vom Parlament einmütig beschlossenen Wohnraumversorgungskonzept sind seit 2015 jährlich hunderte neue Wohneinheiten sowohl von Wohnungsbaugesellschaften als auch von privaten Investoren errichtet worden. Dennoch ist der Bedarf insbesondere an gefördertem, bezahlbarem Wohnraum groß: Bis 2020 fehlen voraussichtlich noch rund 350 Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen. „In den letzten Jahren ist schon viel passiert, aber nun stehen wir vor einer wichtigen Entscheidung für die weitere Entwicklung unserer Stadt, die wir am besten gemeinsam treffen“, so Spies. „Die Möglichkeit, in den bestehenden Wohngebieten ,nachzuverdichten‘, wie es im Fachjargon heißt, ist in Marburg weitgehend ausgeschöpft“, erklärt Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel. Neue Standorte müssen her.

Im Regionalplan Mittelhessen sind die Flächen am Oberen Rotenberg/Höhenweg sowie am Hasenkopf/Stadtwald seit vielen Jahren schon als „Vorranggebiete Siedlung“ langfristig für den Wohnungsbau ausgewiesen. Beide Gebiete sind nun vergleichend geprüft worden. Dabei ist das Ziel die Entwicklung eines neuen Quartiers für „die Versorgung benachteiligter Wohnungssuchender mit bezahlbaren Wohnraum“ bei gleichzeitiger „Vermeidung einseitiger Belegungsstrukturen“. Das heißt, es geht um einen Mix an gefördertem und nicht gefördertem Wohnraum für eine möglichst große soziale Vielfalt an Menschen, die in dem neuen Gebiet leben werden.

Beide Gebiete sind bislang unbebaut und landwirtschaftlich genutzt. Für beide Gebiete wurde in der 36 Seiten umfassenden Analyse die Wirkung einer potenziellen Siedlung auf das Stadt- und Landschaftsbild, auf die Qualität der Freiräume, auch für die Naherholung in der direkten Umgebung, geprüft. Untersucht wurde auch, welche Infrastruktur (Läden, Schulen, Kitas etc.) und Verkehrsanbindungen es schon gibt oder welche erst noch geschaffen werden müssen. Schließlich geht das Papier auch auf die Umsetzbarkeit in Bezug auf Kosten, Risiken, Zeitdauer etc. ein.

Beide Gebiete liegen auf dem Berg. Von der Lahn hinauf zum Oberen Rotenberg im Stadtteil Marbach mit seinen aktuell 3300 Einwohner/innen sind 130 bis 150 Höhenmeter zu überwinden, der Rudolphsplatz liegt gut drei Kilometer entfernt. Das untersuchte Gebiet hat ein Potenzial von 200 neuen Wohneinheiten. Der Hang ist nach Nordosten ausgerichtet. Das Konzept für eine neue Siedlung direkt im Anschluss an die Ein-, Zwei-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser am Höhenweg müsste auf den Bestand Rücksicht nehmen. Der ist seit Jahrzehnten gewachsen und hat sich in jüngerer Vergangenheit kaum verändert. Die Anbindung eines neuen Wohngebiets an den ÖPNV wäre unkompliziert. Eng würde es lediglich an der Haarnadelkurve am Barfüßertor.  Baubeginn könnte nach heutigem Stand der Dinge frühestens in fünf bis sechs Jahren sein – inklusive städtebaulichem Wettbewerb und Planverfahren.

Nun zum Hasenkopf im Stadtwald. In dem recht jungen Stadtteil leben aktuell 1430 Einwohner/innen. Der Höhenunterschied ins Tal ist fast ebenso groß, die Entfernung zum Rudolphsplatz gut einen Kilometer weiter als zum Vergleichsgebiet am Höhenweg. 350 Wohneinheiten könnten laut Analyse am Hasenkopf entstehen – in Südwesthanglage und freier plan- und bebaubar als am Höhenweg. Das neue Wohngebiet könnte den recht jungen Stadtwald am und um das ehemalige Kasernengelände erweitern. Der gut funktionierende Stadtteil würde auf rund 3000 Einwohner/innen heranwachsen und damit für weitere Angebote vor Ort attraktiv werden. Der Soziale-Stadt-Prozess, die etablierte Gemeinwesenarbeit sowie die vorhandene und ausbaufähige Infrastruktur sind weitere Pluspunkte des Hasenkopfes. Allerdings sind die Eigentümerverhältnisse der Flächen, die zum Wohngebiet werden könnten, dort wesentlich komplizierter als am Oberen Rotenberg. Deshalb könnte ein neues Wohngebiet dort auch erst später bezogen werden – mit sieben Jahren mindestens zwischen Beschluss und Umsetzung rechnet die Vergleichsstudie.

Was die soziale Komponente angeht, liegen beide Gebiete zwar prozentual gleich auf, aber nicht in der absoluten Zahl der geförderten Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen. Die Analyse rechnet mit einem Anteil von rund 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau – also zehn Prozent mehr als die in Marburg gültige Quotenregelung. Am Hasenkopf wären das rund 100 geförderte Wohnungen und am Höhenweg etwa 60. „Aus städtebaulicher Sicht wäre ein noch höherer Anteil denkbar“, heißt es in dem Papier. Welche Chancen und Risiken das mit sich bringen würde, müsste dann mit Blick auf die Sozialverträglichkeit noch geprüft werden.

„Aus fachlicher Sicht eignen sich beide Gebiete“, so Oberbürgermeister Spies. „Nun gilt es, die Ergebnisse der Studie durch die Beteiligung der Öffentlichkeit zu präzisieren und ein möglichst von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragenes Votum des Stadtparlaments vorzubereiten“. Der nächste Schritt sei nun, das weitere Verfahren nach der Zustimmung des Stadtparlaments gemeinsam mit den Ortsbeiräten zu besprechen. Läuft alles nach Plan, entscheiden die Stadtverordneten im vierten Quartal 2018 darüber, auf welcher Fläche vorrangig gebaut wird.

Von der Fleischtheke in die Praxis

April 11th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Models und Musiker müssen sich einfach liebhaben. Dass das so ist, bestätigen aktuell in den Klatschspalten auch wieder ein Supermodel und ein junger Mann japanischer Herkunft. Was jedoch nicht an die Öffentlichkeit dringt, sind Verbindungen zwischen ganz anderen Personen. Sie gehören Berufsgruppen an, die auf den ersten Blick recht harmlos erscheinen. Laut Umfragen liegen dort bei den Eheschließungen Orthopäden und Fleischereifachverkäuferinnen ganz weit vorne im Ranking. Jemand, der davon überhaupt keine Ahnung, aber immer eine Meinung hat, ist Jus Dillon-Wurst. Der Top-Jurist der Großkanzlei „Cornwall and more“ war zufällig zugegen, als in der Kirche seines Stadtteils Marburg-Marbach, vor einigen Monaten, eine befreundete Fleischereifachverkäuferin ihren langjährigen Verlobten geheiratet hat: einen Orthopäden.

Jus Dillon-Wurst kennt die wahren Motive. Er weiß, weshalb sich so häufig Angehörige dieser beiden Berufsgruppen dauerhaft verbinden.

Herr Dillon-Wurst, was verbindet Orthopäden und Fleischereifachverkäuferinnen?

Jus Dillon-Wurst: Es ist das Körperliche.

Was bitte?

JDW: Es geht bei beiden um Körper. Sie beschäftigen sich beide wöchentlich mindestens 40 Stunden mit dem Körper.

Das geht die Leser nichts an, was da so körperlich läuft zwischen zwei Menschen. Bleiben Sie bitte seriös.

JDW: Seien Sie nicht so kleingeistig. Was tun denn die Angehörigen dieser Berufsgruppen, was ist ihr Job?

Nun, sie analysieren ihre Patienten und entdecken womöglich Haltungsschäden. Und die andere Berufsgruppe kennt sämtliche Feinheiten von Schlachtvieh, kann zu Wurst und Fleisch vieles sagen, Kunden beraten.

JDW: Sehen Sie. Das ist das Körperliche, was ich meine. Ob Mensch oder Tier, spielt keine Rolle. Und wenn beide ihre Rolle ernst nehmen, könnten sie auch die Jobs tauschen.

Jetzt werden Sie wieder einmal albern. Sie meinen, Ihre Freundin, die Fleischereifachverkäuferin, könnte ohne eine Fortbildung Patienten behandeln?

JDW: Nicht behandeln, ihnen aber anhand von Mitgebrachtem aus der Kühltheke anschaulich erklären, wo genau sich das orthopädische Problem befindet. Der Orthopäde kommt nicht in den Körper hinein, seine Partnerin schon.

Aber beleidigt das nicht den guten Geschmack, wenn in der Sprechstunde Hähnchenschenkel oder Eisbein für medizinische Fragen herhalten müssen?

JDW: Quatsch, es wirkt verbindend. Der Patient nimmt anschließend das Anschauungsobjekt mit und isst es auf.

Und das haben Ihnen Ihre Freundin und deren Mann so berichtet?

JDW: Natürlich nicht. Aber wie sonst sollten die Experten dieser Umfrage denn zu einem solch seltsamen Ergebnis gekommen sein? Orthopäde und Fleischereifachverkäuferin, ich bitte Sie. Liebe?

Werden Sie nicht wieder arrogant.

JDW: Doch, ich darf das als Senior Partner und Top-Jurist.

Angela Merkel steht auf Farben – Neue Männerkleidung fürs Kabinett

April 10th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

„Es herrscht Uneinigkeit zwischen den Koalitionären sowie innerhalb der Union und der SPD: Bei der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg gibt es viel zu besprechen und zu schlichten.“ So schreibt tagesschau.de in seinem Vorspann. Wie zu hören ist, ist zumindest eine in Lila-Brombeer gekleidete Dame nicht sehr erfreut gewesen. Neben den wenigen Frauen am großen Tisch, hatte sie sich zur echten Farbe bekannt und kurzerhand ein Thema als TOP 1 gewählt – noch vor allem Anderen: die Farbe der Kleidung. Denn sämtliche Herren wählten Schwarz, Grau oder Dunkelblau. Das ist altbacken, bieder und absolut out. Derlei drastische Worte wählte die künftige Kanzlerin nach der Veranstaltung, als sie mit einer Delegation beratender Juristen im Foyer des Schlosses Fingerfood aß.

Einer der Juristen war Jus Dillon-Wurst, Senior Partner bei „Cornwall and more“. In einem Gelb-Rot-Orange-Karierten Sakko hatte ihn die Redakteurin des Magazins RechtGroß nach seiner dritten Bratwurst entdeckt. Die Folge:

Hallo Herr Dillon-Wurst, schmeckt die Bratwurst?

Jus Dillon-Wurst: Wer sind Sie?

Magazin RechtGroß, Sie wissen schon.

JDW: Ah. Ja, dann fangen Sie mal an zu fragen.

Warum tragen Sie ein solch seltsames Sakko?

Weil ich zum Beraterstab Angela Merkels gehöre.

Und da muss man sich zum Clown machen?

JDW: Ja, sogar als Top-Jurist. Sehen Sie, alle meinen, es gehe dort um Inhalte, um das Große Ganze, innenpolitisch und draußen in der Welt. Aber, und das erzähle ich Ihnen als Insider, jeder von den Mitgliedern dieser GroKo schaut dem Gegenüber zunächst auf den Rockzipfel.

Wie das?

JDW: Na, Sie Durmel, das, was er trägt. Und deshalb hat Frau Merkel, wie sie mir beim Tee erzählte, auch schon manchmal Herrn Spahn als oder mit Herrn Seehofer angesprochen.

Aber die sehen sich doch so gar nicht ähnlich.

JDW: Doch, nehmen Sie die Köpfe weg. Was bleibt, sind dunkle Anzüge. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich die GroKo zur außerordentlichen Sitzung in Kürze in einem eiskalten hochalpinen Tagungsort treffen sollte. Mit Schal und Mütze vermummt, könnte das bei Gesprächen nicht nur peinlich, sondern auch innenpolitisch hoch brisant werden. Wer den anderen nicht erkennt… Und außerdem sind diese Nichtfarben langweilig.

Zurück zu Ihrem irren Sakko.

JDW: Ja, das hat Frau Merkel tatsächlich auf eine Idee gebracht.

Lassen Sie hören.

JDW: Die Geschäftsordnung wird geändert. Grau, Dunkelblau und Schwarz gelten ab sofort als verboten. Kein Mitglied der Regierung darf sich ab dem 1. Juni mehr so kleiden. Wer für die neue Garderobe einen finanziellen Zuschuss benötigt, kann diesen bei dem Bundesrechnungshof beantragen. Er ist allerdings mit 9.325 Euro gedeckelt.

Bitte? Dafür bekommen Sie bei C&A mindestens 40 Anzüge und bei einem Maßschneider zehn.

JDW: Mag sein, aber die bunten müssen Sie ja auch ersteinmal finden. Meinen zum Beispiel hat mir ein befreundeter Italiener in Palermo geschneidert. Die Italiener können das. Und wenn Sie also nun die Flugkosten der Kabinettskollegen nach Italien berechnen plus drei Anzüge plus Geld, das irgendwie fließt, weil Politiker eben reisen, dann kommen Sie schnell auf die rund 9.000 Euro.

Herr Dillon-Wurst, Sie sind ein Fuchs. Und grüßen Sie bitte Ihren Freund in Italien von mir.

JDW: Pasquale Dillon-Wurst wird sich freuen. Oh. Das letzte streichen Sie bitte.

Hundefleisch und Abi-Treffen

April 9th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Der Brief traf ihn wie ein Schlag: 30. September 2018, Abi-Treffen. 40 Jahre und Gesichter, an die er sich nicht mehr so recht erinnern konnte. 1978 hatten Jus Dillon-Wurst, 23 Jungs und 28 Mädchen, ihre Allgemeine Hochschulreife attestiert bekommen. Inzwischen war Dillon-Wurst als Senior Partner mit seiner Großkanzlei „Cornwall and more“ einer der Global-Player der internationalen Wirtschaftskanzleien geworden. Jetzt, 2018.

Kürzlich, Ende März suchte der Top-Jurist nach neuem Hundefutter auf der Messe „Hund und Du“ in Gießen. Dort rempelte er an der Würstchenbude Bum Bum Bode an, der gerade für seine Rottweiler frisch einkaufen wollte. Was Dillon-Wurst zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass Bum Bum Bode Chefredakteur des Magazins „Fleischeslust“ war. Und noch ist.

Am Ausgang des Messezelts überkam Dillon-Wurst die Idee, wieder einmal an seinem Image zu feilen. Er ließ per Durchsage Bum Bum Bode an den Ausgang rufen. Als Reporter, der er aber noch niemals zuvor gewesen war, „interviewte“ er sodann den fleischlichen Chefredakteur.

Aufgrund der guten Beziehungen zwischen Dillon-Wurst und Marbach direkt mit „Wirklich wahr?“  drucken wir das Folgende ab:

Jus Dillon-Wurst: Halt! Hier!

Bum Bum Bode: Was? Aber hier stinkt es!

JDW: Werden Sie nicht unverschämt. Wir haben noch nicht einmal begonnen.

BBB: Trotzdem, was mievt hier?

JDW: Das liegt an dem Tierfutter.

BBB: Wieso Tierfutter? Ich habe soeben eine Messe für „Metzger und ihren Berufsstand“ besucht. „Hund und Du“ stand schon seit Wochen in meinem Kalender.

JDW: Sie essen Hund?

BBB: Wenn es sein muss, ja. Sogar meine eigenen. Sind sie nicht süß?

JDW: Oh je. Das ist wohl ein Missverständnis. Aber Sie schlachten nicht etwa auch….

BBB: Mittwoch und Freitag.

JDW: Das ist verboten.

BBB: Wir können auch auf Dienstag und Samstag verlegen.

JDW: Reden Sie keinen Quatsch. Hunde zu essen, ist in Deutschland nicht zwangsläufig verboten, aber das Schlachten davor und so weiter an vielerlei Auflagen gebunden. Ich denke, wir brechen das Gespräch hier ab.

BBB: Aber Jus, damals kurz vor 8, hattest du doch auch fast immer genüsslich in deine Frikadelle gebissen.

JDW: Ja, aber das war morgens, und da ging es nicht um Hundefleich.

BBB: Meinst du wirklich?

JDW: Das hätte ich gerochen.

BBB: Wie auch immer. Kommst du Ende September zu unserem Abi-Treffen?

JDW: Ihr seid doof, ich bin Jurist. Was soll ich mit euch? Oder möchtet ihr unbedingt „Mein Haus, mein Boot, mein Auto, meine Kinder“ spielen?

BBB: Quatsch. Wir sind zwar alle doof, aber uns verbindet doch eines: unser Abi.

JDW: Ach du meinst das, was das Ergebnis von Entscheidungen unserer Eltern und des Schulamts war? Und wofür wir arbeiten mussten mit Lehrern und Mitschülern, die wir uns nicht aussuchen konnten?

BBB: Jetzt komm‘ mal wieder runter.

JDW: Noch bin ich noch nicht mal bis zur Hälfte hochgeklettert.

BBB: Also, was ist? 23 haben bereits zugesagt. Wir treffen uns in einem Gewölbekeller.

JDW: Oh, in einer Tropfsteinhöhle, außerhalb, wie urig.

BBB: Nein, in einem Marburger Stadtteil. Und es ist günstig.

JDW: Was kostet der Spaß – und was bekommen wir dafür?

BBB: Fü… (nach dem ersten Umlaut blieb Bum Bum Bode der Kieferknochen eines Chihuahuas im Halse stecken)

Ein halbes Jahr später waren alle wieder glücklich. Jus Dillon-Wurst freute sich auf 50 Jahre Abi, Bum Bum Bode auf veganen Gemüsebrei und die Mitschüler auf das, was immer war: Pommes, Bratwurst, Ketchup und Majo.

Azubis sollten wieder bescheidener sein

April 4th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Auszubildende halten immer seltener durch. Die hohe Abbrecherquote zieht sich durch sämtliche Branchen. Wo früher das Kaffeekochen und das Holen von Mettbrötchen bei den so genannten Stiften verpönt war, ist es heute laut Gewerkschaftsangaben Folgendes: die Vergütung. Dort seien die Abbrecherquoten extrem hoch, also in den Berufen, wo auffallend wenig gezahlt werde.

Unfassbar, findet Jus Dillon-Wurst. Als Senior Partner einer Großkanzlei hatte er selbst auch schon andere Zeiten erlebt. Vor 40 Jahren verdiente der heutige Jurist 126 Mark pro Monat. Er half seinem damaligen Chef beim Sortieren der Akten, er kaufte Kaffeebohnen beim Laden um die Ecke und Jus Dillon-Wurst kannte die besten Metzger. „Was sich die Azubis von heute rausnehmen, kann ich nicht nachvollziehen. Die sollten sich einschränken, bescheiden sein. Ich lebte in der Kanzlei.“

Wer den Chef der Großkanzlei „Cornwall and more“ kennt, weiß, dass Dillon-Wurst so etwas wohl überlegt sagt. In seinem Kanzleiverbund hat er weltweit bereits vor Jahren ein Qualitätssiegel eingeführt. Das erhalten allerdings nur die Auszubildenden, die es schaffen, bestimmte Vorgaben zu erfüllen: 300 Euro im Monat sollen genügen für Wohnen, Essen und Freizeit. Wie das zu schaffen sei, wurde er häufig gefragt. Vor allem in Städten wie Tokio oder München reiche das Gehalt doch höchstens für vier Tage.

Verzicht. Junge Leute sollten verzichten, meint der Chefjurist. An sämtlichen Standorten von „Cornwall and more“ stehen deshalb nahe den Kanzleiräumen Feldbetten für die Azubis bereit. Überschüssiges Essen bringen Restaurants aus der näheren Umgebung. Dass dadurch eine Konkurrenz zu den Tafeln entsteht, ficht Dillon-Wurst nicht an. Das Freizeitproblem mit zusätzlichen Geldausgaben haben die Chefstrategen bei „Cornwall and more“ so gelöst, indem sie Freizeit einfach nicht mehr zulassen. Wer nach seinem normalen Kanzleidienst noch nicht ausgelastet ist, darf weitermachen. „Anfangs wollten unsere Auszubildenden diese Chance nicht recht wahrnehmen. Sie schämten sich, dass wir ihnen so viel zutrauten, 12, 14 oder gar 16 Stunden am Stück zu arbeiten, aber inzwischen haben sie ihre Scheu überwunden.“