Archive for the ‘Marbach direkt – Neues und Hintergründiges aus Marburg-Marbach’ Category

Mit Unterschriften gegen Pläne am Oberen Rotenberg

Montag, April 23rd, 2018

Von Daniel Grosse

Das Baugebiet auf den Wiesen am Oberen Rotenberg/Höhenweg in Marburg-Marbach ist zwar noch lange keines. Aber immer wieder ist bereits jetzt zu lesen, dass sich Menschen gegen Überlegungen, dort eventuell in großem Stil zu bauen, wehren. Für heute Vormittag (Montag), 11 Uhr, hat zum Beispiel die so genannte „Initiative Marbacher Nachbarn“ angekündigt, der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk (SPD) eine Unterschriftensammlung zu überreichen. Mehr als 400 Unterschriften habe sie gegen eine eventuelle Bebauuung gesammelt, teilt die Initiative mit.

Zugrunde liegt ein Memo mit folgendem Wortlaut:

„Keine Bebauung von Oberem Rotenberg und Marbacher Wiesen !….Bau eines Gewerbegebietes und Wohnbebauung am Oberen Rotenberg und „Engelsberg“ (Marbacher Wiesen) gefährden ein wichtiges Naherholungsgebiet und einen Bereich mit erheblicher klimatischer Bedeutung für ganz Marburg.
Welche Folgen hat das für Natur und Klima?
• Freie Flächen am Stadtrand sind eine wichtige Frischluftschneise für ganz Marburg. Zubauen dieser Flächen kann die Luftqualität weiter Teile der Stadt verschlechtern. Aktuelle Daten/Klimamessungen sind notwendig im Bereich Marburger Rücken zwischen Marbach-Engelsberg und Ockershausen-Hasenkopf zur Kaltluftentstehung über den Höhenflächen und Kaltluftzufuhr in die tiefer gelegenen Bebauungs- und Stadtlagen. Gibt es aktuelle Klimafunktionskarten der Stadt (nicht nur Daten aus Investoren-Gutachten)?
• Verpflichtung zur Luftreinhaltung der Städte: eine Verringerung/Veränderung der Frischluftzufuhr in die Tallagen der Stadt kann zur Nichteinhaltung von Schadstoffgrenzwerten führen. Welche Folgen hat das für den Marburger Straßenverkehr? Welche Untersuchungen gibt es, um die zur Einhaltung der Schadstoffgrenzen zu gewährleisten? Ginge es um drohende Fahrverbote hat die Stadt die Nachweispflicht, entsprechende Vorsorge getroffen zu haben.
• Zahlreiche geschützte Arten in diesem Bereich: Amphibien (Erdkröten, Molche; Schutzgebiet Erdkröten weniger als 100 m entfernt: Köhlersgrund/ Dammelsberg); Vögel wie Graureiher, Wiedehopf, Eulen, Kauze, Greifvögel, Schwalben, Feldlerchen, Zaunkönig, Zugvögel wie Wildgänse und Kraniche.
• Der Engelsberg ist ein Wasserpuffer bei starkem Regen ! Versiegelung großer, hoch gelegener Flächen führen zu erheblicher Zunahme der Wassermengen, die den Stadtteil Marbach belasten mit Folgen für Straßen, Wasserleitsysteme und ggf. auch Wohnbebauung. Zu erwarten sind erhebliche finanzielle Belastungen für die Bewohner weiter Teile der Marbach. Die Folgekosten müssten einzig von den Investoren getragen werden ! Die angedachten Zisternen sind nicht ausreichend.
• Erhebliches Verkehrsaufkommen – PKW und LKW – auf dafür nicht geeigneten Straßen mitten durch den Ortsteil Marbach, entlang Naturschutzgebieten („Im Köhlersgrund“), über „Rotenberg“ oder „Hohe Leuchte“. Es gibt derzeit keine LKW-geeignete Zufahrt, außer, wie vom Bauamt vorgeschlagen, ein weiter (Um-)Weg über die Lahntal-Landstraße und Neubaugebiet Wehrshausen.
• Verkehrszunahme auch in der ohnehin überlasteten nördlichen Marburger Innenstadt (schon seit Jahren kilometerlanger Stau bis Marbach zur Rush hour).
• Ist geklärt, ob es Weltkriegsminen in dem Bereich gibt ? (ähnliches Projekt in Gossfelden musste wegen Kosten der Minenräumung aufgegeben werden)
• Bau eines Einkaufszentrum mit ca. 2000 qm nach §11 Baunutzungsverordnung (Sondergebiet für Einkaufszentren und großflächigen Einzelhandel) widerspricht dem Regionalplan Mittelhessen (hier nur Wohnfläche vorgesehen). Zulässige Verkaufsflächen am Stadtrand max. 800 qm, bei Sondergenehmigung höchstens 1200 qm Gesamtfläche.
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• Planungen für Bauleitplanverfahren des Einkaufszentrums (tegut) stammen
unmittelbar von der Werner Group. Bisher keine unabhängigen Prüfungen und
Gutachten der Stadt (wie von Bauamt bei Ortsbeirat Marbach angekündigt).
• Einkaufszentrum ist nicht im Gewerbeentwicklungskonzept Marburg 2017
vorhanden: Ist die Planung zum tegut-Einkaufszentrum mit dem Marburger
Gesamtkonzept abgestimmt? Kann die Bedarfsplanung stimmen, wenn nicht im
GEK integriert?
• Verlagerung der Einkaufszentren an den Stadtrand widerspricht sowohl Vorgaben
im Regionalplan MH als auch aktuellen Vorgaben der Bundesregierung.
• Keine Zersiedelung und „Gewerbekomplexierung“ des Umlands bei Leerstand
von Gewerbe und teuren Immobilien in den Innenstädten (auch in Marbach und
Umfeld Rotenberg stehen Immobilien leer aufgrund hoher Preise).
• Ausreichende Einkaufsflächen für Marbach und Wehrshausen vorhanden:
Ketzerbach (u.a. tegut; auch nicht weiter als Oberer Rotenberg für die meisten
Marbacher und besserer ÖPNV-Anschluss) sowie in PKW-Entfernung zahlreiche
Märkte in Stadt Marburg, Sterzhausen, Wehrda, Cappel. Ein Vorranggelände für
den Bau eines Supermarktes am oberen Höhenweg wurde vor wenigen Jahren als
„nicht benötigt“ aufgegeben, hier sind jetzt Mehrfamilienhäuser. Damals waren
bereits Planungen zu Erweiterungsfläche „Engelsberg“ für Regionalplan
Mittelhessen den Akteuren bekannt. Jetzt plötzlich Bedarf?
• Voten der Ortsbeiräte Marbach und Wehrshausen für Supermarkt basierten auf
falschen Informationen bezüglich der Ausweisung des Gebietes (nach Auskunft
des Ortsbeirats Marbach). Die Voten der Ortsbeiräte sollten daher wiederholt
werden, insbesondere nach sorgfältiger Recherche und Darlegung der
Folgekosten für die Bürger der Stadtteile bei Erschließung des Geländes.
• Unzulässige Vorgänge wie Reservierungen/ Vorverträge für Baugebiete Flurstück
Engelsberg durch Investoren noch vor Beginn des Gesamtverfahrens – dies führt
zu Vorfestlegungen und Druck auf die Entscheidungsträger.
Wo sind Transparenz und Bürgerbeteiligung der Stadt? Bisher sind für den Oberen
Rotenberg nur die gesetzlich vorgeschriebenen Formen der Bürgerbeteiligung
angekündigt worden, also keine darüber hinausgehende Beteiligung von Anwohnern
und interessierten Bürgern zu diesem Vorhaben. …“

Wohngebiet am Oberen Rotenberg nimmt erste Hürde

Mittwoch, April 11th, 2018

Rund fünf Hektar Fläche umfasst das Gebiet am Oberen Rotenberg/Höhenweg (orangefarbene Markierung). Laut Standortanalyse könnten etwa 200 neue Wohneinheiten dort entstehen, etwa 60 davon als geförderter Wohnungsbau.    Grafik: Stadt Marburg

Nachfolgend eine Pressemitteilung der Stadt Marburg – im Wortlaut:

„Marburg. Rund fünf Hektar am Oberen Rotenberg, fast zehn Hektar am Hasenkopf – die Stadtverwaltung hat zwei große Flächen für den potenziellen Bau neuer Wohngebiete analysiert und verglichen. Das Ergebnis der Untersuchung liegt vor, im Herbst soll das Stadtparlament entscheiden, wo es vorrangig losgeht. Ortsbeiräte, Anwohnerinnen und Anwohner sowie die breite Marburger Öffentlichkeit werden an der Entscheidungsfindung beteiligt. Baubeginn für die ersten Häuser könnte frühestens in fünf Jahren sein.

„Marburg braucht mehr bezahlbaren Wohnraum“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Wir gehen diese wichtige soziale Frage weiter an und wollen, unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, die beste Lösung identifizieren und gemeinsam umsetzen“, so das Stadtoberhaupt. Diese Beteiligung reicht von gemeinsamen Sitzungen der Ortsbeiräte von Ockershausen und Marbach mit Fachleuten aus der Verwaltung über öffentliche Informationsveranstaltungen für alle Bürgerinnen und Bürger, Diskussionsrunden für die Anwohner/innen in den Stadtteilen samt Stadtteilspaziergängen bis zur gezielten Auswertung der Debatten, Einschätzungen, Anregungen, Befürchtungen und Ideen.

All das sind Bausteine des neuen Konzeptes, das die Stadt nun zum ersten Mal als Modellprojekt der Bürger/innenbeteiligung anwendet. Die Marburgerinnen und Marburger sollen mitbestimmen, auf welchem der beiden potenziellen Baugebiete im Stadtwald oder am Oberen Rotenberg es vorrangig losgehen soll. Und sie sollen mitarbeiten an einer Antwort auf die Frage, was dort wie gestaltet wird, welche Form und Struktur das neue Wohngebiet haben soll. „Wir geben keine Priorisierung für eines der beiden Gebiete vor“, so der Oberbürgermeister, „fest steht nur, dass gebaut wird, weil es den Bedarf an Wohnraum gibt, dem wir Rechnung tragen wollen und müssen“.

Seit dem vom Parlament einmütig beschlossenen Wohnraumversorgungskonzept sind seit 2015 jährlich hunderte neue Wohneinheiten sowohl von Wohnungsbaugesellschaften als auch von privaten Investoren errichtet worden. Dennoch ist der Bedarf insbesondere an gefördertem, bezahlbarem Wohnraum groß: Bis 2020 fehlen voraussichtlich noch rund 350 Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen. „In den letzten Jahren ist schon viel passiert, aber nun stehen wir vor einer wichtigen Entscheidung für die weitere Entwicklung unserer Stadt, die wir am besten gemeinsam treffen“, so Spies. „Die Möglichkeit, in den bestehenden Wohngebieten ,nachzuverdichten‘, wie es im Fachjargon heißt, ist in Marburg weitgehend ausgeschöpft“, erklärt Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel. Neue Standorte müssen her.

Im Regionalplan Mittelhessen sind die Flächen am Oberen Rotenberg/Höhenweg sowie am Hasenkopf/Stadtwald seit vielen Jahren schon als „Vorranggebiete Siedlung“ langfristig für den Wohnungsbau ausgewiesen. Beide Gebiete sind nun vergleichend geprüft worden. Dabei ist das Ziel die Entwicklung eines neuen Quartiers für „die Versorgung benachteiligter Wohnungssuchender mit bezahlbaren Wohnraum“ bei gleichzeitiger „Vermeidung einseitiger Belegungsstrukturen“. Das heißt, es geht um einen Mix an gefördertem und nicht gefördertem Wohnraum für eine möglichst große soziale Vielfalt an Menschen, die in dem neuen Gebiet leben werden.

Beide Gebiete sind bislang unbebaut und landwirtschaftlich genutzt. Für beide Gebiete wurde in der 36 Seiten umfassenden Analyse die Wirkung einer potenziellen Siedlung auf das Stadt- und Landschaftsbild, auf die Qualität der Freiräume, auch für die Naherholung in der direkten Umgebung, geprüft. Untersucht wurde auch, welche Infrastruktur (Läden, Schulen, Kitas etc.) und Verkehrsanbindungen es schon gibt oder welche erst noch geschaffen werden müssen. Schließlich geht das Papier auch auf die Umsetzbarkeit in Bezug auf Kosten, Risiken, Zeitdauer etc. ein.

Beide Gebiete liegen auf dem Berg. Von der Lahn hinauf zum Oberen Rotenberg im Stadtteil Marbach mit seinen aktuell 3300 Einwohner/innen sind 130 bis 150 Höhenmeter zu überwinden, der Rudolphsplatz liegt gut drei Kilometer entfernt. Das untersuchte Gebiet hat ein Potenzial von 200 neuen Wohneinheiten. Der Hang ist nach Nordosten ausgerichtet. Das Konzept für eine neue Siedlung direkt im Anschluss an die Ein-, Zwei-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser am Höhenweg müsste auf den Bestand Rücksicht nehmen. Der ist seit Jahrzehnten gewachsen und hat sich in jüngerer Vergangenheit kaum verändert. Die Anbindung eines neuen Wohngebiets an den ÖPNV wäre unkompliziert. Eng würde es lediglich an der Haarnadelkurve am Barfüßertor.  Baubeginn könnte nach heutigem Stand der Dinge frühestens in fünf bis sechs Jahren sein – inklusive städtebaulichem Wettbewerb und Planverfahren.

Nun zum Hasenkopf im Stadtwald. In dem recht jungen Stadtteil leben aktuell 1430 Einwohner/innen. Der Höhenunterschied ins Tal ist fast ebenso groß, die Entfernung zum Rudolphsplatz gut einen Kilometer weiter als zum Vergleichsgebiet am Höhenweg. 350 Wohneinheiten könnten laut Analyse am Hasenkopf entstehen – in Südwesthanglage und freier plan- und bebaubar als am Höhenweg. Das neue Wohngebiet könnte den recht jungen Stadtwald am und um das ehemalige Kasernengelände erweitern. Der gut funktionierende Stadtteil würde auf rund 3000 Einwohner/innen heranwachsen und damit für weitere Angebote vor Ort attraktiv werden. Der Soziale-Stadt-Prozess, die etablierte Gemeinwesenarbeit sowie die vorhandene und ausbaufähige Infrastruktur sind weitere Pluspunkte des Hasenkopfes. Allerdings sind die Eigentümerverhältnisse der Flächen, die zum Wohngebiet werden könnten, dort wesentlich komplizierter als am Oberen Rotenberg. Deshalb könnte ein neues Wohngebiet dort auch erst später bezogen werden – mit sieben Jahren mindestens zwischen Beschluss und Umsetzung rechnet die Vergleichsstudie.

Was die soziale Komponente angeht, liegen beide Gebiete zwar prozentual gleich auf, aber nicht in der absoluten Zahl der geförderten Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen. Die Analyse rechnet mit einem Anteil von rund 30 Prozent gefördertem Wohnungsbau – also zehn Prozent mehr als die in Marburg gültige Quotenregelung. Am Hasenkopf wären das rund 100 geförderte Wohnungen und am Höhenweg etwa 60. „Aus städtebaulicher Sicht wäre ein noch höherer Anteil denkbar“, heißt es in dem Papier. Welche Chancen und Risiken das mit sich bringen würde, müsste dann mit Blick auf die Sozialverträglichkeit noch geprüft werden.

„Aus fachlicher Sicht eignen sich beide Gebiete“, so Oberbürgermeister Spies. „Nun gilt es, die Ergebnisse der Studie durch die Beteiligung der Öffentlichkeit zu präzisieren und ein möglichst von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragenes Votum des Stadtparlaments vorzubereiten“. Der nächste Schritt sei nun, das weitere Verfahren nach der Zustimmung des Stadtparlaments gemeinsam mit den Ortsbeiräten zu besprechen. Läuft alles nach Plan, entscheiden die Stadtverordneten im vierten Quartal 2018 darüber, auf welcher Fläche vorrangig gebaut wird.

Marbach direkt ist gescheitert – und erfindet sich neu

Montag, März 12th, 2018

Von Daniel Grosse

Marbach direkt ist gescheitert. Zumindest in der Online-Variante, die hin und wieder „reale Nachrichten und Hintergründe“ liefert. Was folgt?

Bereits bei den vergangenen beiden Seminaren der Bundeszentrale für politische Bildung in Berlin zu lokalem, hyperlokalem Journalismus, war mir deutlich geworden, dass der Wert an Berichterstattung steigt, und zwar mit der Anzahl an Bewohnern in Stadt und Stadtteil. Wir haben hier in der Marbach rund 4.500 Einwohner. Wir haben zwei Bäcker, eine Apotheke, eine Tankstelle, einige Ärzte und viele Privatmenschen. Und wir haben die Behringwerke, die natürlich längst gesplitted sind in Siemens, CSL etc.

Das reicht nicht. Da passiert nichts. Zumindest nicht das, was real nachrichtlich online ins Blatt gehoben werden könnte. Die journalistischen Nachrichtenkriterien sind nicht erfüllt. Deshalb: Wirklich wahr?

Ihr könnt diese Rubrik immer daran erkennen, dass Wirklich wahr? ganz oben erscheint.

Und wenn ihr glaubt, dass Wirklich wahr? das Niveau von POSTILLON oder STREIFLICHT der SZ erreicht hat, freue ich mich auf eine Nachricht.

Aber: Wenn neben euch ein Mensch umfällt, die Bäckerei explodiert, der Nachbar irre Dinge tut, Bürgermeister oder Ortsvorsteher sich verhaltensauffällig verhalten, Behring-Manager und andere Menschen seltsames Zeug verkünden, dann spätestens ist es an der Zeit, eine Mail an Marbach direkt zu senden. info (at) dgrosse.de

Marbacher Mitmachgarten siegt

Freitag, März 9th, 2018

Pressemitteilung der Stadt Marburg im Wortlaut:
Durch eine Bürgerinitiative mit Unterstützung des Ortsbeirates und der Stadt Marburg entstand 2014 in der Marbach neben dem Bürgerhaus als Nachbarschaftsaktion ein Mitmachgarten. Jetzt ist er preisgekrönt, denn der Garten gehört zu den Gewinnern des bundesweiten Wettbewerbs „Die schönsten Nachbarschaftsaktionen 2017“ des Netzwerks Nachbarschaft. Bürgermeister Wieland Stötzel gratulierte den Ehrenamtlichen zu der Auszeichnung.
Das Gartenprojekt wird als eine Gartenwerkstatt geführt, mit dem Ziel einer Verwendung von Heil- und Nutzkräutern in ausschließlich ökologischer Bewirtschaftung. Die Jury hat das Projekt aus Marburg unter 108 Bewerbungen ausgewählt. Die zum Preis gehörende Plakette soll im Bürgerhaus ihren Platz erhalten.
„Es ist immer schön, wenn in einem Dorfmittelpunkt etwas Neues entsteht“, freute sich Bürgermeister Stötzel. Gerade in Zeiten, in denen Ortskerne strukturellem Wandel unterstehen, sei es wichtig, Plätze zu haben, an denen die Menschen ins Gespräch kommen und gemeinsam etwas schaffen könnten. „Und der Mitmachgarten ist ein ganz besonderes Projekt, bei dem von Jung und Alt zusammen etwas gemacht wird, deshalb hat er den Preis verdient“, so der Umweltdezernent.
Das Netzwerk prämiert jedes Jahr herausragende Projekte von Nachbarn für deren Nachbarn in ganz Deutschland. Dabei gibt es unterschiedlichste Aktionen, etwa gemeinsame Bau- und Wohnprojekte oder Sport- und Kulturevents.
Marbachs Ortsvorsteher Jürgen Muth erinnerte daran, dass die Initiatorin des Mitmachgartens, Christa Stuwe, bereits 2013 mit dem Ziel einen Treffpunkt für Nachbarn zu gestalten, gestartet sei. Der Ortsbeirat habe sofort zugestimmt, einen Teil der Wiese beim Bürgerhaus umzuwidmen und der Fachdienst Stadtgrün habe das Material für den Garten gestellt. Beim Anlegen des Gartens habe neben zahlreichen Marbacherinnen und Marbachern auch die Kinder der damaligen zweiten Klasse der Marbacher Grundschule mitgeholfen.
Zentrales Element des Mitmachgartens ist das Kräuter-Hochbeet. Es ist in vier Segmenten angeordnet und mit unterschiedlichen einheimischen und mediterranen Kräutern bepflanzt. Ergänzt wird die Gartenanlage durch essbare Beerensträucher und Wildrosen. Der Mitmachgarten leistet einen kleinen Beitrag für die Biodiversität in der Stadt und hat damit auch eine Vorbildfunktion.
Mittlerweile kommen Gärtnerinnen und Gärtner aus anderen Stadtteilen hinzu, um die Kräuter zu hegen und an Workshops im Bürgerhaus teilzunehmen, bei denen die Nachbarinnen und Nachbarn die selbstgeernteten Kräuter verarbeiten und etwa Seifen, Salate, Tees und Smoothies herstellen.
2017 sei der Garten bereits erweitert worden, so Muth, und 2018 komme noch eine Fläche hinzu, auf der ein Gemüsegarten entsteht. „Und dafür suchen wir noch Leute, die sich gerne die Hände schmutzig machen.“ Initiatorin Christa Stuwe betonte, dass Mitstreiterinnen und Mitstreiter immer willkommen sind.
Anlässlich des Jubiläums – fünf Jahre Marbacher Mitmachgarten – soll es am 9. Juni von 11 bis 18 Uhr ein Kräuterfest geben.

Mal Journalist, mal Krimi-Autor – Marbacher stellen sich vor

Dienstag, Januar 16th, 2018

Fortsetzung der Reihe, die ab dem nächsten Heft, im März, „Marbacher stellen sich vor“, heißt.   Repro: Daniel Grosse

Kaum ist die neue Ausgabe der Marbacher Nachrichten erschienen, ist das kleine Magazin mit Geschichten und Neuigkeiten aus dem Marburger Stadtteil Marbach auch schon nicht mehr wiederzuerkennen. Neues Layout, neue Ideen, neues Redaktionsteam. Vieles ist gut, vieles können wir noch besser machen. Vorschläge bitte gerne an mich per Mail.

info (at) dgrosse (punkt) de

Individuelle Kurzgeschichten für Kinder

Dienstag, Dezember 19th, 2017

Schreiben ist Handwerk. Und eine Kurzgeschichte bringt es auf den Punkt.   Foto: Daniel Grosse

Immer wieder die gleiche Situation beim abendlichen Zubettgehen. Sie möchten Ihrem Kind oder den Kindern etwas vorlesen, aber alle Bücher sind schon mehrmals dran gewesen, das Neue ist noch nicht im Haus, Ihre Kinder wollen Abwechslung – zum freien Erzählen haben Sie heute partout keine Lust. Jetzt können Sie punkten mit etwas, das Ihre Kinder noch nicht kennen: mit einer individuellen Kurzgeschichte, die genau das erzählt, was Ihr Kind mag. Ich schreibe diese Kurzgeschichten für Kinder zwischen 6 und 10 Jahre.

Die individuelle Kurzgeschichte für Ihr Kind:
– Schreiben Sie mir 5 Sätze zum Inhalt, die für die Geschichte wichtig sind
– Ich benötige das Alter Ihres Kindes
– Planen Sie zwei bis drei Wochen ein
– …und Sie bekommen eine Kurzgeschichte mit einer Länge von 10.000 Zeichen – zu einem Festpreis

Sprechen Sie mich einfach an. Oder schreiben Sie mir eine Mail an info (at) dgrosse.de
Weiteres können wir besprechen, und schon bald lesen Sie Ihrem Kind seine Geschichte vor. Liest ihr Kind selbst und kommt auf den Geschmack, möchte gar selber Geschichten schreiben, berate ich Sie gerne.

Zum Fest

Dienstag, Dezember 19th, 2017

Liebe Leserinnen und Leser, Marbacherinnen und Marbacher, Kundinnen und Kunden, liebe Freunde und Bekannte, Ihnen und euch wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest mit vielen Schleifen um die Päckchen, keinen Knoten und Klebestreifen! Warum? Na, weil…

Ahoi,

Ihr und euer Daniel Grosse

Marbacher Nachrichten frisch gedruckt

Freitag, Dezember 15th, 2017

Guten Morgen, liebe Marbacherinnen und Marbacher!

Heute erscheinen die neuen Marbacher Nachrichten, frisch geliftet, im komplett neuen Layout.

Das sind unter anderem die Themen:

  • Barrierefreies Marbach
  • Jahresrückblick 2017 des MGV
  • Frauenchor Piano
  • Pro und Contra zu Supermarkt und Wohnbebauung am Oberen Rotenberg / Höhenweg
  • Grundschule Marbach stellt sich vor
  • Gottesdienste Weihnachten, Kinderkirche und Kinderfrühstück
  • Rubrik Marbach stellt sich vor: Mal Journalist, mal Krimi-Autor
  • Spielplätze Höhenweg und Hasenberg
  • Regenrückhaltebecken – mehr als nur ein Ententeich?

Die Marbacher Nachrichten werden in Kürze in der Marbach verteilt, liegen aber zum Beispiel auch in der Grundschule und bei den Bäckereien aus. Wie gefallen Ihnen / euch Themenwahl und neues Layout? info (at) dgrosse.de

Für Marbacher ein Muss – Kinofilm Streiflicht irritiert und kommt gleichzeitig galant daher

Donnerstag, November 16th, 2017

Weich gezeichnet und überblendet, fast in der Anonymität verschwindend, agieren Thomas Rösser (rechts) und sein Streiflicht-Komponist Markus Metzler, auf der Bühne vor dem Glitzervorhang des Marburger Kinos „Studio“ im Capitol. Gleich beginnt der Film. Es ist Mittwochabend im gefühlt ausverkauften Kinosaal.     Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Eine Kurzkritik

Die gute Nachricht ist: Das alte Marbacher Europabad kommt in dem Film Streiflicht sehr gut weg. Die schlechte: dazu später. Gestern präsentierte der Macher, Regisseur und Drehbuchautor des Kinofilms, Thomas Rösser, im Marburger Kino „Studio“ eine weitere Vorstellung – eine Sonderveranstaltung.

So stiegen Rösser und der Komponist der Streiflicht-Filmmusik, Markus Metzler, gemeinsam vor Beginn auf die Bühne. In unterhaltsamer Wechselrede sprachen beide über die Entstehung der Musik. Dutzende Orchestermusiker machten diese letztlich erst möglich. Das Ergebnis: eine brillante Untermalung, Verstärkung und Begleitung dessen, was die Zuschauer auf der Leinwand zu sehen bekommen.

Und der Film selbst, das Visuelle? Ja, er ist gut. Streiflicht ist interessant. Langsam kommt er daher, tatsächlich, ganz so, wie Rösser ihn eingangs auch angekündigt hatte. Streiflicht erinnert an Filmkunst aus den späten 50ern, an die 60er. „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, ist zu spüren. Dieser Film aus den 70ern mit Donald Sutherland wird als Thriller/Drama gelistet. Rösser macht es ebenso in seiner Werbung für sein Werk Streiflicht. Zufall? Das ist nicht entscheidend, wichtiger erscheint die Bildsprache, wie Streiflicht mit Farben spielt. Szenen sind mal optisch überzeichnet, fast grell, insgesamt aber sehr weich gehalten, matt. Sparsam waren die Macher beim Schnitt. Das tut gut, so folgt das Auge in aller Ruhe dem, was geschieht – oder eben nicht geschieht. Die Längen tun gut. Zehntelsekunden kurze Momente, in denen ETWAS aufblitzt, etwas Unheimliches, würzen den Film, ohne ihn doch wieder eher hektisch werden zu lassen.

Die Geschichte im Ganzen ist in sich logisch, wenn auch an zwei Stellen, nach dem erstmaligen Anschauen, irgendetwas nicht ganz stimmt. Vielleicht löst sich das beim mehrmaligen Betrachten auch auf. Und entpuppt sich als Irrtum des Kritikers. Nicht nur das Europabad kommt im Film gut weg. Marburger erkennen Dutzende markante Orte in der Uni-Stadt wieder. Besonders schön: der Eis-schleckende Hauptdarsteller in der Rolle des Wilko vor dem Café Klingelhöfer im Marburger Südviertel. Nur ein Beispiel.

Ja, Wilko. Und da kommt das Aber. Zumindest gleich. Wunderbar ist, dass Rolle und Schauspieler dem Betrachter Zeit geben, zu verstehen, was Wilko wie sagt. Das unterscheidet übrigens sämtliche Dialoge in Streiflicht auf angenehme Weise von denen, die in Sendungen wie „Tatort“ oder anderen Filmen, meist im Fernsehen, bisweilen ganz selbstverständlich, gesprochen werden. Und zwar schnell und undeutlich. Ganz anders also in Streiflicht. Auch Wilkos Mimik in Rössers Film ist klar, sie ist verständlich, unterstreicht das Gesprochene. Aber: Der Hauptdarsteller spricht seinen Text hölzern. Verzeihung. Vielleicht mag das ein Stilmittel des Films sein. Vielleicht ein Markenzeichen des Schauspielers, aber irgendetwas an der Rolle und dem Wilko-spielenden Menschen irritiert. Auf jeden Fall ist es seine Sprache, wie er Worte betont. Da fehlt die Lässigkeit. Liegt es am Schauspieler, an der Rolle des Wilko oder an dem Regisseur?

Insgesamt ist Streiflicht – und wieder ein Aber – aber ein ansprechender Kinofilm mit angenehmen Längen, der seine Betrachter galant durch Marburg und das Umland mitnimmt. Und für Marbacher ein Muss. Allein deshalb, weil viele dort Schwimmen gelernt, jede Wand- und Bodenfliese sowie die Treppe zur Schwimmhalle hinauf sicher noch exakt im Gedächtnis haben, weil sich viele bestimmt gerne ans Kassenpersonal, an andere Mitarbeiter und den Bademeister erinnern, wie er ohne Murren stets das Sprungbrett mal hoch, mal runter hat fahren lassen (war stufenlos verstellbar). Und der Film ist wichtig, weil das Europabad so wenigstens weiterhin sichtbar bleibt. Wenn auch „nur“ in einem Film.

Streiflicht jetzt im Kino – Thriller-Dreh im Europabad Marbach – Interview mit Regisseur

Donnerstag, November 9th, 2017

So kennen die Marbacher ihr Europabad aus vergangenen Zeiten. Das Drehkreuz, das Kassenhäuschen. Auf dem Bild zu sehen ist eine Szene aus dem Kinofilm Streiflicht – gedreht auch im ehemaligen Europabad. 2010. Es wurde entkernt. An gleicher Stelle steht heute ein schickes Wohnhaus. Erhalten blieb die runde Form des – ursprünglichen – Marbacher Wahrzeichens.   Foto: privat

von Daniel Grosse

Im Europabad in der Marbach geschehen seltsame Dinge, zumindest im Film Streiflicht von Regisseur Thomas Rösser. Das ehemalige Schwimmbad in dem Marburger Stadtteil war Teil der Kulisse beim Dreh vor sieben Jahren. Morgen startet der Thriller in Marburg auf großer Leinwand im Kino. Mit dem Filmemacher sprach ich über das Projekt und mailte ihm ergänzend Fragen. Heraus kam ein Interview. Dort verriet Rösser mir, warum er in der Marbach drehen wollte, weshalb er damals Angst hatte, wieso auch die Crew mutig sein musste und welches Projekt er nun plant.

Welchen Bezug haben Sie persönlich „zur Marbach“, wie wir unseren Stadtteil ja nennen?
Thomas Rösser:
1989 sind meine Eltern, mein Bruder und ich in die Marbach gezogen. Ich war 16. Meine Eltern wohnen dort weiterhin. Ein schöner Stadtteil, ich hatte tolle Jahre dort. Ich erinnere mich daran, dass es durch die Berge wirklich hart war, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Ich habe schon immer Sport gemacht, aber die Hohe Leuchte mit dem Fahrrad zu meistern, ist eine Herausforderung.

Warum haben Sie 2010 gerade im Europabad gedreht?
Rösser: Ich habe im Europabad schwimmen gelernt. Das große Sprungbrett war die Mutprobe schlechthin. Als wir den Dreh geplant haben, suchten wir ein altes Schwimmbad. Über drei Ecken erhielten wir die offizielle Genehmigung. Als wir die erste Besichtigung hatten, verschlug es mir fast den Atem. Es sah alles noch aus wie früher – nur ohne Wasser. Es roch sogar noch nach Chlor. Ich fand alte Schwimmflügel und Handtücher. Es war für mich sofort klar, dass es keine bessere Location geben würde.

Was geschah dort im Film – ohne natürlich zu viel vorab zu verraten?
Rösser: Das mache ich nicht, wobei es eine meiner Lieblingsszenen ist. Zunächst sollten die Leser wissen, dass wir einen Independent-Film produziert haben, ohne Filmförderung und doppelten Boden. Das aufgebrachte Budget reicht bei anderen Filmen gerade mal für das Catering. Im Film schleicht Wilko, gespielt von Michael Herrmann, durch die Umkleidekabinen, um dort dem Geheimnis des mysteriösen Gemäldes auf die Spur zu kommen. Das Bild scheint seine Besitzer zu bedrohen. In den Umkleidekabinen herrschte eine klaustrophobische Atmosphäre. Und das Ganze bei absoluter Dunkelheit zu passieren, erforderte schon etwas Mut, selbst für die Crew. Ich hoffe, ich konnte das im Film auch so einfangen. Denn ich hatte Angst.

Was war denn die Besonderheit bei dem Dreh?
Rösser:
Wir haben aufgrund der Verletzungsgefahr noch eine Extraversicherung abgeschlossen, da vor allem das Becken des Sprungturms sehr tief war. Wir hatten uns große Gedanken gemacht, dass dort jemand hineinfällt. Übrigens befindet sich die Dachluke, durch die Wilko in das Schwimmbad gelangt, nicht im Europabad. Ich muss in nächster Zeit mal dort vorbeischauen und mir die Wohnungen ansehen. Ich glaube, ich kann noch einiges vom Ursprünglichen erkennen.

Nun dürfen Sie gerne jemandem danken für die damalige Unterstützung in der Marbach. Wem?
Rösser:
Herrn Kappeller, dem damaligen Immobilieninvestor, für die offizielle Genehmigung und dem Tennisverein Europabad Marbach und Peter Penzler. Wir haben auf dem Parkplatz oberhalb des Europabades gedreht. Als Wilko mit seinem Auto das Schwimmbad erreichte, regnete es. Eine tolle Stimmung. Zwei Nächte später, als wir dort wieder drehten, war der Boden trocken. Wir bekamen Wasser zum Anfeuchten des Parkplatzes. Ist nicht wichtig, denken Sie vielleicht, aber für uns elementar, denn die Szenen folgen direkt aufeinander und der Zuschauer hätte es gesehen. Und falls es der Zuschauer nicht bemerkt hätte, hätte ich es gewusst – und ich hätte es immer gesehen.

Stichwort Marbach-Krimi. Kennen Sie eigentlich Birger und Betty, die beiden Marbacher aus dem Buch „Plausch am Ententeich“? Oder wissen Sie, wer Harry, der schreckliche Marbacher, ist?
Rösser:
Ja, wäre gelogen, aber ich habe schnell nachgesehen. Eine interessante Herangehensweise an einen Text. Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Werde gleich ein Exemplar für meine Eltern bestellen. Das ist natürlich eine ganz andere Art, sich einer Geschichte zu nähern. Wir hatten für Streiflicht 13 Drehbuchfassungen und man ist nie zufrieden. Momentan schreibe ich an dem Drehbuch für „Der Gelbe Ballon“, eine sozialkritische Liebeskomödie.

Viel Erfolg und danke für das Interview.