Archive for the ‘Marbach direkt – Neues und Hintergründiges aus Marburg-Marbach’ Category

Für Marbacher ein Muss – Kinofilm Streiflicht irritiert und kommt gleichzeitig galant daher

Donnerstag, November 16th, 2017

Weich gezeichnet und überblendet, fast in der Anonymität verschwindend, agieren Thomas Rösser (rechts) und sein Streiflicht-Komponist Markus Metzler, auf der Bühne vor dem Glitzervorhang des Marburger Kinos „Studio“ im Capitol. Gleich beginnt der Film. Es ist Mittwochabend im gefühlt ausverkauften Kinosaal.     Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Eine Kurzkritik

Die gute Nachricht ist: Das alte Marbacher Europabad kommt in dem Film Streiflicht sehr gut weg. Die schlechte: dazu später. Gestern präsentierte der Macher, Regisseur und Drehbuchautor des Kinofilms, Thomas Rösser, im Marburger Kino „Studio“ eine weitere Vorstellung – eine Sonderveranstaltung.

So stiegen Rösser und der Komponist der Streiflicht-Filmmusik, Markus Metzler, gemeinsam vor Beginn auf die Bühne. In unterhaltsamer Wechselrede sprachen beide über die Entstehung der Musik. Dutzende Orchestermusiker machten diese letztlich erst möglich. Das Ergebnis: eine brillante Untermalung, Verstärkung und Begleitung dessen, was die Zuschauer auf der Leinwand zu sehen bekommen.

Und der Film selbst, das Visuelle? Ja, er ist gut. Streiflicht ist interessant. Langsam kommt er daher, tatsächlich, ganz so, wie Rösser ihn eingangs auch angekündigt hatte. Streiflicht erinnert an Filmkunst aus den späten 50ern, an die 60er. „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, ist zu spüren. Dieser Film aus den 70ern mit Donald Sutherland wird als Thriller/Drama gelistet. Rösser macht es ebenso in seiner Werbung für sein Werk Streiflicht. Zufall? Das ist nicht entscheidend, wichtiger erscheint die Bildsprache, wie Streiflicht mit Farben spielt. Szenen sind mal optisch überzeichnet, fast grell, insgesamt aber sehr weich gehalten, matt. Sparsam waren die Macher beim Schnitt. Das tut gut, so folgt das Auge in aller Ruhe dem, was geschieht – oder eben nicht geschieht. Die Längen tun gut. Zehntelsekunden kurze Momente, in denen ETWAS aufblitzt, etwas Unheimliches, würzen den Film, ohne ihn doch wieder eher hektisch werden zu lassen.

Die Geschichte im Ganzen ist in sich logisch, wenn auch an zwei Stellen, nach dem erstmaligen Anschauen, irgendetwas nicht ganz stimmt. Vielleicht löst sich das beim mehrmaligen Betrachten auch auf. Und entpuppt sich als Irrtum des Kritikers. Nicht nur das Europabad kommt im Film gut weg. Marburger erkennen Dutzende markante Orte in der Uni-Stadt wieder. Besonders schön: der Eis-schleckende Hauptdarsteller in der Rolle des Wilko vor dem Café Klingelhöfer im Marburger Südviertel. Nur ein Beispiel.

Ja, Wilko. Und da kommt das Aber. Zumindest gleich. Wunderbar ist, dass Rolle und Schauspieler dem Betrachter Zeit geben, zu verstehen, was Wilko wie sagt. Das unterscheidet übrigens sämtliche Dialoge in Streiflicht auf angenehme Weise von denen, die in Sendungen wie „Tatort“ oder anderen Filmen, meist im Fernsehen, bisweilen ganz selbstverständlich, gesprochen werden. Und zwar schnell und undeutlich. Ganz anders also in Streiflicht. Auch Wilkos Mimik in Rössers Film ist klar, sie ist verständlich, unterstreicht das Gesprochene. Aber: Der Hauptdarsteller spricht seinen Text hölzern. Verzeihung. Vielleicht mag das ein Stilmittel des Films sein. Vielleicht ein Markenzeichen des Schauspielers, aber irgendetwas an der Rolle und dem Wilko-spielenden Menschen irritiert. Auf jeden Fall ist es seine Sprache, wie er Worte betont. Da fehlt die Lässigkeit. Liegt es am Schauspieler, an der Rolle des Wilko oder an dem Regisseur?

Insgesamt ist Streiflicht – und wieder ein Aber – aber ein ansprechender Kinofilm mit angenehmen Längen, der seine Betrachter galant durch Marburg und das Umland mitnimmt. Und für Marbacher ein Muss. Allein deshalb, weil viele dort Schwimmen gelernt, jede Wand- und Bodenfliese sowie die Treppe zur Schwimmhalle hinauf sicher noch exakt im Gedächtnis haben, weil sich viele bestimmt gerne ans Kassenpersonal, an andere Mitarbeiter und den Bademeister erinnern, wie er ohne Murren stets das Sprungbrett mal hoch, mal runter hat fahren lassen (war stufenlos verstellbar). Und der Film ist wichtig, weil das Europabad so wenigstens weiterhin sichtbar bleibt. Wenn auch „nur“ in einem Film.

Streiflicht jetzt im Kino – Thriller-Dreh im Europabad Marbach – Interview mit Regisseur

Donnerstag, November 9th, 2017

So kennen die Marbacher ihr Europabad aus vergangenen Zeiten. Das Drehkreuz, das Kassenhäuschen. Auf dem Bild zu sehen ist eine Szene aus dem Kinofilm Streiflicht – gedreht auch im ehemaligen Europabad. 2010. Es wurde entkernt. An gleicher Stelle steht heute ein schickes Wohnhaus. Erhalten blieb die runde Form des – ursprünglichen – Marbacher Wahrzeichens.   Foto: privat

von Daniel Grosse

Im Europabad in der Marbach geschehen seltsame Dinge, zumindest im Film Streiflicht von Regisseur Thomas Rösser. Das ehemalige Schwimmbad in dem Marburger Stadtteil war Teil der Kulisse beim Dreh vor sieben Jahren. Morgen startet der Thriller in Marburg auf großer Leinwand im Kino. Mit dem Filmemacher sprach ich über das Projekt und mailte ihm ergänzend Fragen. Heraus kam ein Interview. Dort verriet Rösser mir, warum er in der Marbach drehen wollte, weshalb er damals Angst hatte, wieso auch die Crew mutig sein musste und welches Projekt er nun plant.

Welchen Bezug haben Sie persönlich „zur Marbach“, wie wir unseren Stadtteil ja nennen?
Thomas Rösser:
1989 sind meine Eltern, mein Bruder und ich in die Marbach gezogen. Ich war 16. Meine Eltern wohnen dort weiterhin. Ein schöner Stadtteil, ich hatte tolle Jahre dort. Ich erinnere mich daran, dass es durch die Berge wirklich hart war, mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Ich habe schon immer Sport gemacht, aber die Hohe Leuchte mit dem Fahrrad zu meistern, ist eine Herausforderung.

Warum haben Sie 2010 gerade im Europabad gedreht?
Rösser: Ich habe im Europabad schwimmen gelernt. Das große Sprungbrett war die Mutprobe schlechthin. Als wir den Dreh geplant haben, suchten wir ein altes Schwimmbad. Über drei Ecken erhielten wir die offizielle Genehmigung. Als wir die erste Besichtigung hatten, verschlug es mir fast den Atem. Es sah alles noch aus wie früher – nur ohne Wasser. Es roch sogar noch nach Chlor. Ich fand alte Schwimmflügel und Handtücher. Es war für mich sofort klar, dass es keine bessere Location geben würde.

Was geschah dort im Film – ohne natürlich zu viel vorab zu verraten?
Rösser: Das mache ich nicht, wobei es eine meiner Lieblingsszenen ist. Zunächst sollten die Leser wissen, dass wir einen Independent-Film produziert haben, ohne Filmförderung und doppelten Boden. Das aufgebrachte Budget reicht bei anderen Filmen gerade mal für das Catering. Im Film schleicht Wilko, gespielt von Michael Herrmann, durch die Umkleidekabinen, um dort dem Geheimnis des mysteriösen Gemäldes auf die Spur zu kommen. Das Bild scheint seine Besitzer zu bedrohen. In den Umkleidekabinen herrschte eine klaustrophobische Atmosphäre. Und das Ganze bei absoluter Dunkelheit zu passieren, erforderte schon etwas Mut, selbst für die Crew. Ich hoffe, ich konnte das im Film auch so einfangen. Denn ich hatte Angst.

Was war denn die Besonderheit bei dem Dreh?
Rösser:
Wir haben aufgrund der Verletzungsgefahr noch eine Extraversicherung abgeschlossen, da vor allem das Becken des Sprungturms sehr tief war. Wir hatten uns große Gedanken gemacht, dass dort jemand hineinfällt. Übrigens befindet sich die Dachluke, durch die Wilko in das Schwimmbad gelangt, nicht im Europabad. Ich muss in nächster Zeit mal dort vorbeischauen und mir die Wohnungen ansehen. Ich glaube, ich kann noch einiges vom Ursprünglichen erkennen.

Nun dürfen Sie gerne jemandem danken für die damalige Unterstützung in der Marbach. Wem?
Rösser:
Herrn Kappeller, dem damaligen Immobilieninvestor, für die offizielle Genehmigung und dem Tennisverein Europabad Marbach und Peter Penzler. Wir haben auf dem Parkplatz oberhalb des Europabades gedreht. Als Wilko mit seinem Auto das Schwimmbad erreichte, regnete es. Eine tolle Stimmung. Zwei Nächte später, als wir dort wieder drehten, war der Boden trocken. Wir bekamen Wasser zum Anfeuchten des Parkplatzes. Ist nicht wichtig, denken Sie vielleicht, aber für uns elementar, denn die Szenen folgen direkt aufeinander und der Zuschauer hätte es gesehen. Und falls es der Zuschauer nicht bemerkt hätte, hätte ich es gewusst – und ich hätte es immer gesehen.

Stichwort Marbach-Krimi. Kennen Sie eigentlich Birger und Betty, die beiden Marbacher aus dem Buch „Plausch am Ententeich“? Oder wissen Sie, wer Harry, der schreckliche Marbacher, ist?
Rösser:
Ja, wäre gelogen, aber ich habe schnell nachgesehen. Eine interessante Herangehensweise an einen Text. Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Werde gleich ein Exemplar für meine Eltern bestellen. Das ist natürlich eine ganz andere Art, sich einer Geschichte zu nähern. Wir hatten für Streiflicht 13 Drehbuchfassungen und man ist nie zufrieden. Momentan schreibe ich an dem Drehbuch für „Der Gelbe Ballon“, eine sozialkritische Liebeskomödie.

Viel Erfolg und danke für das Interview.

Marbacher Grundschüler und ihr Stress – oder wie das heißt

Dienstag, November 7th, 2017

Anstrengend, gar stressig, wird es für Schüler, wenn ihre Welt auf dem Kopf steht.     Foto: Daniel Grosse

von Daniel Grosse

Stress kannten Grundschüler früher nicht, in den 80er-, 70er- oder 60er-Jahren. Das Wort Stress zumindest nicht. Sie fühlten etwas. Schule war vielleicht bisweilen anstrengend. Sie mussten lernen, Hausaufgaben machen, Lehrer zufriedenstellen – zusätzlich erfolgreich sein. Hinzu kamen Freizeit und Familie. All das war – auch – anstrengend. Zurück zur Begrifflichkeit. Damals wurde noch nicht gemobbt, sondern gehänselt. Und Schüler und ihr Stress? Stress? Wie nannte man das eigentlich vor 20, 30 oder 40 Jahren? Und fühlten die Schülerinnen und Schüler so wie die, die in den heutigen Grundschulen lernen?

Dazu, also zum Schulstress, hat heute Morgen die Techniker Krankenkasse eine Pressemitteilung verschickt. Auch an dieses Blog „Marbach direkt“. „Bleib locker!“, ist zu lesen, heiße es noch bis in den Dezember hinein für die vierten Klassen der Grundschule Marbach in Marburg. In einem speziellen Anti-Stress-Programm lernen Kinder verschiedene Entspannungsmethoden sowie Strategien, die ihnen helfen, stressige Situationen frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Das für Grundschüler entwickelte Stress-Präventionskonzept „Bleib locker!“ sei ein Angebot der – na ja, der besagten Krankenkasse.

Scheinbar schließt das Anti-Stress-Konzept für die Grundschule Marbach eine Lücke. Bisher standen Projekte für mehr Bewegung, für Lehrergesundheit, bessere Ernährung und Gewaltprävention im Vordergrund. Mit diesem Engagement für die Kinder, Eltern und Lehrkräfte hat sich die Schule bereits voriges Jahr das Gesamtzertifikat „Gesundheitsfördernde Schule“ des Hessischen Kultusministeriums erarbeitet. „Das Projekt passt deshalb für unsere Schule gut in die Lücke unserer sonst sehr verzahnten gesundheitsförderlichen Angebote“, zitiert die Krankenkasse Beate Wagner-Nowicki, Schulleiterin der Grundschule Marbach. Gerade für die Kinder der vierten Klassen sei der Übergang zur weiterführenden Schule für viele mit Leistungsdruck und Stress verbunden, so Wagner-Nowicki, so komme der Kurs jetzt gerade recht und trage auch dazu bei, die Resilienz der Schüler zu stärken. Sie meint damit die psychische Widerstandsfähigkeit als Fähigkeit, Krisen zu bewältigen.

„Untersuchungen zeigen, dass schon Kinder im Grundschulalter unter Stress-Symptomen wie Schlafstörungen, Kopfweh oder Appetitlosigkeit leiden“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Das TK-Angebot wirke dem nachhaltig entgegen.

Aber was passiert da eigentlich konkret in der Marbacher Grundschule? Beim TK-Projekt „Bleib locker“ lernt der Nachwuchs in acht Einheiten à 90 Minuten effektiv mit Stress umzugehen und diesen wirksam zu bewältigen. Eigens geschulte Fachkräfte leiten das Präventionskonzept an. Das Programm ist ein Angebot für Grundschulen, die den Kindern der dritten und vierten Klassen gezielte Stressbewältigung ermöglichen wollen. Die Referenten setzen dafür im Unterricht verschiedenste Materialien ein: ein Arbeitsheft, in dem die Schüler beispielsweise einzeichnen, wo sie gegebenenfalls Schmerzen empfinden, wenn sie sehr angestrengt sind; außerdem eine kindgerecht aufbereitete CD mit Übungen aus der progressiven Muskelentspannung, bei denen die Schüler Muskeln bewusst an- und dann wieder gezielt entspannen. „Die CD wird von den Kindern sehr gut angenommen und auch gemeinsam mit den Eltern, Oma, Opa und anderen Kindern in der Familie gehört. In der Gruppe in Marburg gibt ein Drittel der Klasse an, die CD mehrmals in der Woche zu hören“, erzählt Sozialpädagogin Kerstin Itzenhäuser, von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte in Marburg. Sie gehört zu dem Team, das „Bleib locker!“ an der Grundschule Marbach anbietet. Sie zeigt sich vom Konzept überzeugt: „Im Kurs hat sich sehr rasch eine vertraute Atmosphäre entwickelt. Die Kinder haben das Thema sehr gut angenommen, schnell belastende Situationen erkannt, diese benannt und selbst Lösungsideen entwickelt.“

Die Eltern werden des Weiteren durch einen Elternabend in den Kurs eingebunden und erhalten die Elternbroschüre „Kinder und Stress. Mehr Gelassenheit für Eltern und Kinder.“

Hintergrund:
Das Konzept „Bleib locker“ ist ein Anti-Stressbewältigungsprogramm und richtet sich an Kinder zwischen acht und elf Jahren. Es wurde in Kooperation der TK und der Philipps-Universität Marburg, unter Leitung von Prof. Dr. Arnold Lohaus, entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Prof. Lohaus ist heute an der Universität Bielefeld tätig, er ist allerdings weiterhin für die Ausbildung der Referenten des Programms zuständig.

Marbacher streiten sich – oder?

Mittwoch, Mai 17th, 2017

Von Daniel Grosse

Kommentar:

Maschendrahtzaun – ja, der Stefan Raab hat das vergaukelnd damals gesungen. Aber dazu später. Zunächst zur Marbach. Da gibt es die Menschen, die auf der sonnendurchfluteten Seite der Marbach leben: Oberer Eichweg und so weiter Richtung Elsenhöhe.  Und da gibt es die Menschen im alten Dorf und in der so genannten Jakoo-Siedlung nahe des Wieselackers. Alle eint, dass sie doch eigentlich in Frieden miteinander leben möchten.

Sicher ragt mal eine Hecke etwas zu weit hinaus, stört vielleicht den Nachbarn, aber dann setzen die sich zusammen und finden eine Lösung. Oder ein Marbacher grillt jedes Wochenende, die Holzkohle glüht, und die Rauchschwaden treiben dem Nachbarn Tränen ins Gesicht. Ja, dann setzt man sich zusammen und findet eine Lösung. Liebe Marbacher, das ist ein Appell, die Kirche im Dorf zu lassen, wenn in der Nachbarschaft etwas kneift.

Wenn ihr das nicht schafft, findet euch garantiert Stefan Raab, und was dann geschehen kann, weiß ja wohl jeder!

Das Video!

Übrigens: Ab sofort könnt ihr im IKEA WETZLAR einkaufen, wenn ihr auf Nicht-Vollholz steht!

Flugblatt zu Gewerbegebiet in Marbach – Konfrontation oder Lösungen?

Freitag, Mai 12th, 2017

Auch um dieses Marbacher Gebiet geht es.  Archivfoto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Journalisten sollen nicht einseitig berichten. Sie sollen mindestens zwei Quellen überprüfen – aber sie sollen auch das weitergeben, was sich ereignet. Vor allem im Lokalen. Und das ist manchmal solch etwas wie dieses, zum Thema tegut, Gewerbegebiet und Bebauung am Oberen Rotenberg, was mich zur Nachtzeit per E-Mail erreicht hat: Nachbarn einer Marbacherin haben eine Nachbarschaftsinitiative (Marbacher Nachbarn) gegen ein eventuelles Gewerbegebiet und eventuelle Baumaßnahmen am Oberen Rotenberg und den Marbacher Wiesen gegründet. In diesem Beitrag in MARBACH DIREKT zitiere ich aus einem gemailten Flugblatt zum Thema, das die Initiative schon nach eigenen Angaben verschiedentlich verteilt habe. Zudem hat „Marbacher Nachbarn“ auf change.org eine Petitition aufgelegt: Naturareal am Marburger Rücken retten: Gewerbegebiet und Bebauung verhindern!“

Das Flugblatt in Auszügen:

„Planungen zu Gewerbegebiet, Windkraft und Wohnbebauung bedrohen die „Grüne Lunge“ am Marburger Westrand….Das Naturareal um den Sellhof, die Alte Weinstraße und den Marbacher Wiesengrund am Westrand Marburgs wird von Planungen zu einem großen Gewerbegebiet, Windkraftanlagen und Wohnbebauung bedroht:
▪ Großer Marktkomplex geplant (tegut, Bäckerei, Cafe, Dienstleistungs-zentrum: gesamt ca. 2200 qm) auf der westlichen Hälfte des Gärtnereigeländes am Oberen Rotenberg. Das Gärtnereigelände ist kein Gewerbegebiet, sondern landwirtschaftliche Fläche mit Sondernutzung (Bauamt Stadt Marburg), Umwidmung in Gewerbefläche notwendig. Zulässige Verkaufsflächen am Stadtrand laut Regionalplan Mittelhessen max. 800 m2, aus gutem Grund: keine Dezentralisierung der Städte. Genehmigung der Abweichung durch Regierungspräsidium Giessen notwendig. … Auch für östliche Hälfte des Gärtnerei-Grundstücks liegt eine Kaufoption für tegut vor (laut Projektentwicklungsfirma, öffentliche Ortsbeiratssitzung Marbach am 29.3.17), das hieße: Erweiterung (Verdoppelung) der Gewerbegebiets-fläche. Konkrete Pläne existierten nicht. Ist die Ansiedelung weiterer Anbieter wie in anderen Gewerbegebieten denkbar? … Wohnbebauung der Marbacher Wiesen in Verlängerung des Gärtnerei-Areals geplant, Flächenumwidmung notwendig. Planungen zum Einkaufsmarkt und Wohnbebauung Marbacher Wiesen bedingen einander laut Vertretern der Stadt Marburg (Diskussion Ortsbeiratssitzung Marbach 29.3.17). Welche Bedenken haben wir?  Gefährdung eines wichtigen Naherholungsgebiets für ganz Marburg. Nur ein erster Schritt zu weiterer Bebauung und langfristig Zerstörung dieses wunderschönen und schützenswerten Naturareals. … Großes Gewerbegebiet (kein „kleiner Supermarkt“): erhebliches Verkehrs-aufkommen, insbesondere durch LKW (realistisch sind laut Branchenkennern 7-10 LKW-Hinfahrten plus Rückfahrten pro Tag, besonders früh morgens). Zu erwartende LKW-Anfahrt über Marbach („Im Köhlersgrund“ oder „Brunnenstraße“); … Versiegelung großer Flächen oberhalb des Ortsteils Marbach: erhebliche Zunahme der Wassermengen, die den Stadtteil Marbach belasten. Mögliche Folgen für Straßen und ggf. auch Wohnbebauung in der Marbach. … Freie Flächen zwischen Marbach, Wehrshausen und Ockershausen sind einewichtige Frischluftschneise für ganz Marburg. Zubauen dieser Flächen kann die Luftqualität weiter Teile der Stadt verschlechtern. … Eine Zunahme des PKW-Verkehrs in und aus diesem Gebiet ist für die Marbachund Marburger Innenstadt schwer zu verkraften; schon jetzt massive
Überlastung des nördlichen Innenstadtbereichs während der „Rush hours“. … Im angrenzenden Gebiet der Bauplanungen: Vielzahl bedrohter, geschützterTierarten, insbesondere seltene Vogelarten. Störung vor allem in der Brutzeitdurch Lärm, ständig laufende Abluft-/Kühlanlagen und nächtliches Licht…..  Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil Marbach wünschenswert, sinnvoller im Dorfkern oder in Nähe der Behringwerke; wichtig: Schutz der ortsansässigen Bäckereien. Ein einmal begonnener Eingriff in die Natur dieses Bereichs, der Beginn der
Umwidmung von landwirtschaftlicher Fläche in Gewerbefläche zieht mittel- und langfristig weitere Bebauung nach sich, wie die Erfahrung in anderen Stadtteilen zeigt….“

…Kontakt: marna-marburg@t-online.de

Für die weniger medienkundigen Leser: Es geht nicht um einseitige Berichterstattung, hier geht es  vielmehr darum, über Menschen  und Meinungen zu berichten, die sich mit Marbacher Themen auseinandersetzen. In welche Richtung auch immer. Die Diskussion ist eröffnet.

Lesezeit: 30 Sekunden – Digitalisierung

Mittwoch, Mai 10th, 2017

Von Daniel Grosse

Mir geht dieser Digitalisierungswahn gehörig auf den Sender. Entschuldigt, liebe Kolleginnen und Kollegen. Auch dieses Lokalblog ist natürlich eine Folge der Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Zugegeben.

Zu publizieren ist, dank der Technologien und des Internet, einfacher geworden. Auch ich publiziere über Books on Demand. Auch ich schreibe für Medien über Recht, die Juristen und wie sie mit Legal Tech erfolgreicher werden. Sinnvoll? Aber darum geht es nicht. Die Häufung und die Lobpreisung, mit der Digitalisierung medial hinaus gepustet wird, stört mich. Wir lesen über faceebook und darüber, wie Gedanken Prozesse steuern sollen. Wir hören von Implantaten, die Körper wieder beweglicher machen. Medien dürfen nicht mehr crossmedial arbeitend bezeichnet werden, weil das den Stand vor zehn Jahren beschreibe. Da entsteht ein schiefes Bild. Das ist mir zu einseitig. Muss Digitalisierung überhaupt sein, oder wie viel davon, und wo? So arbeiten zum Beispiel Unternehmerinnen auf der Schwäbischen Alb schon seit Jahren erfolgreich, beschicken und betreiben ihre Wochenmärkte, ohne Internet, teils sogar ohne E-Mail. Von einem Oliven-Online-Shop ganz zu schweigen. Steinzeit? Nein. Kundennähe? Ja. Zu den Wochenmarktkunden und den Lieferanten. Und was ist mit Branchen, in denen Menschen sich mit einem Tuch neben Bettlägrige setzen, ihnen den Speichel vom Mund wischen? Altenpflege eben. Da kommen leider auch auch schon Online-Digital-Geräte zum Einsatz, die die Takt- und Pflegezeiten vorgeben, aber die dienen eben nicht dem Menschen, sondern den Arbeitgebern und Krankenkassen. Nur zwei ganz kleine Beispiele.

Dass lange nach der Dampfmaschine die Digitalisierung gefolgt ist, mag ja logisch erscheinen. Aber dass das immer so gesund und sinnvoll ist, ist eine andere Frage. Und die ist unpopulär. Gut so. Übrigens, im Wald singen noch immer Vögel – vollkommen undigital.

Mein Vorschlag für das Unwort des Jahres: Digitalisierung.

Frische Ideen oder stirbt das Lokalblog?

Dienstag, Mai 2nd, 2017

Gekommen, um zu bleiben. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Zurück aus Berlin, wo ich in den vergangenen Tagen rund 30 Blogger, Journalisten, Wissenschaftler und andere interessante Menschen getroffen, gehört und gesprochen habe, werden ab sofort frische Ideen in dieses Lokalblog MARBACH DIREKT einfließen. Um was es in Berlin ging, und was das mit den Marbacher Lesern zu tun hat? „Gekommen, um zu bleiben – Neue Ideen für lokale Onlinemedien“ hieß die Redaktionskonferenz/das Seminar, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

MARBACH DIREKT einfach offline stellen, die Kanäle kappen, tschüss zu sagen, das war kürzlich die Option. Die Marbach ist schließlich klein, wir sprechen hier also von hyperlokalem Journalismus für rund 4.000 Marbacher. Kann so etwas funktionieren? Oder leiden wir in unserem Mikrokosmos schlicht an Themenarmut? Keineswegs. Nicht zuletzt nach der Berlin-Konferenz bin ich mir daher sicher: Ja, das funktioniert, das mit MARBACH DIREKT, und ist wichtig als Gegenöffentlichkeit für angestammte Medien wie etwa die Oberhessische Presse oder andere.

MARBACH DIREKT macht also auch weiterhin in der Regel keinen Terminjournalismus. Wenn doch, dann sind Termine Startschuss oder Beschleuniger für langfristige Berichterstattung. MARBACH DIREKT liefert einen anderen Blick auf Themen, die in unserem Stadtteil wichtig sind für seine Bewohner – und damit die Leser.

„Wie geht gute Berichterstattung im Lokalen und Hyperlokalen? Welche multimedialen Möglichkeiten können gerade kleine Onlineseiten nutzen, die ohne eingefahrene verlegerische Strukturen arbeiten, um etwa Themen des Wahlkampfs aufmerksamkeitsstark zu erzählen? Ein paar engagierte Journalistinnen und Journalisten hatten sich mit eigens gegründeten Onlinemedien vor einigen Jahren daran gemacht, wieder stärker auf Themen vor Ort einzugehen und auch die schwierigen nicht auszusparen. Um zu überzeugen, braucht auch ein noch so kleines Medium ein scharfes Profil, das auf die Leserschaft, die Umgebung und die Konkurrenzsituation zugeschnitten ist.“ So hatten die Kollegen der drehscheibe/bpb zu Beginn der Berliner Redaktionskonferenz geschrieben.

Eine twitter-Rückschau ist hier zu sehen.

Also drei Ergebnisse: Nach Berlin ist vor Berlin. Und nur die systematische und nachhaltige Vernetzung der Hyperlokalen untereinander schafft letztlich den konsequenten Gegenentwurf zu etablierten Medien. Eine sich regelmäßig aktualisierende Seite im Internet sollte installiert werden, die einen Überblick über deutsche Online-Lokalmedien/Lokalblogs liefert.

MARBACH DIREKT in Berlin dabei

Mittwoch, April 26th, 2017

###Aktuell### Die Bundeszentrale für politische Bildung hat entschieden, dass dieses Lokalblog, MARBACH DIREKT, es wert ist, gemeinsam mit anderen lokalen Online-Medien Deutschlands an einer Redaktionskonferenz in der Hauptstadt teilzunehmen. Das ist eine gute Nachricht. Für die Marbacher Leser hoffe ich daher, dass ich in Kürze mit einem dicken Bündel neuer Ideen aus Berlin zurückkehre.

Der Name der Veranstaltung: „Gekommen, um zu bleiben.“

 

Einkaufsvorfreude im Konjunktiv

Montag, April 3rd, 2017

Kommt der Markt, oder kommt er nicht? Und was folgt eventuell noch nach, dort oben, am Oberen Rotenberg in Marbach? Entfaltet solch ein Markt einen Sogeffekt?   Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

#########
Aktualisierung/Zusatzinfo, 9. April: Ob tegut nun baut – oder vielleicht auch nicht-, Blumen Philipps werde in jedem Falle weiterhin bestehen bleiben, so die Planung.
#########

Mit 1.500 Quadratmetern Ladenfläche weit mehr als doppelt so groß wie der Markt in der Ketzerbach, Ladenöffnungszeiten von 7 bis 21 Uhr, eine Raumhöhe von 6,50 Metern, eine Frischetheke, sogar Fisch soll es dort geben, eine Bankfiliale, eine Ruhezone, die Zufahrt auf den Parkplatz an gleicher Stelle wie bislang, so wie ihn die Gärtnerei-Kunden kennen, allerdings mit 90 Stellplätzen, vielleicht mit einer zusätzlichen Bushaltestelle in direkter Nähe, eine eventuelle zusätzliche Abbiegespur – 2019 könnten die ersten Bagger bei dem tegut-Projekt in Marburg-Marbach rollen. Sieben bis acht Monate Bauzeit könnten es dann schon werden.

Was die Zuhörer jüngst bei der Ortsbeiratsitzung im kleinen Saal des Marbacher Bürgerhauses erfuhren, waren Informationen, die alle Beteiligten auch ansonsten weitestgehend im Konjunktiv formulierten. Könnte, würde, sollte. „Wir sind noch in einem sehr frühen Stadium“, so Bürgermeister Dr. Franz Kahle. Und trotzdem, die tegut-Pläne haben vergangene Woche ein Gesicht bekommen.

Da irritiert es zwar etwas, dass tegut etwa mit seiner Stamm-Bäckerei bereits gut versorgt sein müsste, trotzdem aber auf die Frage, ob es eventuell eine Kooperation mit den Bäckereien rund um die Tankstelle in Marbachs Mitte geben könnte, der tegut-Mann verkündete: „Genau das ist der Plan.“ Und könnte es denn auch eine Poststelle im Markt geben? „Da rennen Sie bei uns offene Türen ein.“ Irgendwie alles etwas zu positiv. Spätestens an dieser Stelle wandelte sich die Präsentation im Bürgerhaus in eine Werbeverkaufsveranstaltung. Schon zuvor hatte der tegut-Vertreter die Besucher auf einen gedanklichen Rundgang durch den eventuell dann existierenden tegut-Markt mitgenommen. Am Ende des Rundganges angekommen, folgte der Bereich, „der uns natürlich am liebsten ist: die Kassenzone. Denn es muss natürlich auch Geld verdient werden.“

Weitere Knackpunkte kamen zur Sprache. Natürlich werde es mehr Verkehr geben, aber der werde sich im Rahmen halten. 3,3 Anlieferungen hat tegut als tägliches Mittel für den Markt am Oberen Rotenberg errechnet, für einen eventuellen Markt. Über die Wege der künftigen Kunden lässt sich natürlich nur spekulieren. Höhenweg, Köhlersgrund, Landstraße aus Richtung Wehrshausen und der Rotenberg sind die möglichen Zufahrtstraßen. Von Wehrshausen kommend, am Sellhof vorbei, könnte ein kombinierter Rad-Fußweg gebaut werden. Könnte. Ein kleinklimatisches Gutachten müsste bei einem Supermarktbau vorliegen.  Eine Alternative zum simplen Ableiten von Abwasser in die Kanalisation wäre ein Rückstau und eine Versickerung auf dem Grundstück. Das erwartete Einzugsgebiet des Marktes umfasst 8.000 Menschen. Altglascontainer nahe des Marktes sieht tegut eher kritisch, zu groß sei die Gefahr, dass dann Schmutzecken entstehen. Eine Alternative könnte ein Unterflurcontainer für Altglas darstellen. Die Idee kam von Kahle.

Spätestens Mitte 2018 könnte es zu Konkretisierungen der Planungen kommen. Und eine Baugenehmigung werde eh erst erteilt, wenn Planreife da ist, wie es Kahle formulierte. Spontan ließ der Bürgermeister bei der Sitzung im Bürgerhaus abstimmen. 18 Besucher votierten pro tegut, drei contra tegut und neun enthielten sich. „Ich, als Stadt“, war übrigens die schönste Aussage an diesem Abend. Sie kam? Natürlich, von Kahle.

Wen es beruhigt: Sollte tegut kommen, kommt wenigstens ein Supermarkt mit einem biologisch-grünen Öko-Anstrich und einem Gedanken der Nachhaltigkeit sowie einem Herz für den regionalen Anbau. Dass tegut inzwischen mit Amazon kooperiert, um den erfolgreichen Online-Vertriebskanal mit seinem effizienten Logistiknetzwerk zu nutzen, sei nur am Rande erwähnt. Wie war das? 3,3 Anlieferungen täglich? Hinzu kommen in Kürze in der Marbach dann noch die Lieferwagen der Paketdienste mit dem tegut-Trockensortiment von Nudeln bis Zahnpasta. Egal, ob tegut auf dem Philipps-Gelände nun baut – oder eben nicht.

Marbacher ehren ihren berühmten Forscher

Montag, April 3rd, 2017

Der Bürgerverein überreicht einen Blumenstrauß an der Gedenktafel von Emil von Behring im Bürgerhaus Marbach (von links: Heinz Muth, Irmgard Sedlacek, Andreas Lauer, Manfred Keller vom Vorstand des Bürgervereins und Daniel Grosse vom Redaktionsteam der „Marbacher Nachrichten“).
Foto: Bernd Duve-Papendorf

Am 100. Todestag von Emil von Behring hat der Bürgerverein Marbach im Bürgerhaus des Marburger Stadtteils an der Gedenktafel zu Ehren Behrings an das Wirken des Nobelpreisträgers erinnert.

Am vergangenen Freitag haben die wissenschaftliche Welt, die Behring-Nachfolgefirmen, die Universität und die Stadt des 100. Todestags des Nobelpreisträgers Emil von Behring gedacht, der mit nur 63 Jahren verstorben war.

Durch sein Wirken als Militärarzt und Assistent Robert Kochs an der Berliner Charité hat er die Bekämpfung von Infektionskrankheiten revolutioniert. In Marburg setzte er seine Forschungen fort und kaufte Gelände, wo er Pferde zur  Serumgewinnung hielt. Mit dem Geld des Nobelpreises (208000 Goldfranken) erwarb er in der Marbach den Schneiderschen Gutshof (Brunnenstraße) mit umfangreichen Ländereien. Das 1904 gegründete Behringwerk wurde 1914 zur GmbH erweitert und 1920 zur Aktiengesellschaft.

Sein Wirken stand in engem Zusammenwirken mit Stadt, Universität und Gutsverwaltung. Seit der Eingemeindung Marbachs 1974 zählen die Behringwerke neben der Universität zum größten Arbeitgeber der Stadt.

In den Nachrufen zu seinem Tod wurde Behring im In- und Ausland als der größte Wohltäter der Menschheit gewürdigt. Max von Gruber schreibt in seiner Gedenkrede: „Nur ein Mann von seltener Tüchtigkeit und Ausdauer konnte diese Leistung vollbringen“. Auch noch heute braucht die Menschheit Ärzte wie Emil von Behring. Ohne ihn wäre die Entwicklung und hohe Lebensqualität von Stadt und Universität nicht möglich gewesen, so Manfred Keller vom Bürgerverein Marbach.