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Der Tod riecht nun einmal so, nach Eisen, blutig – Grauen am Ententeich – Krimi aus der Marbach

Mittwoch, Februar 13th, 2019
Mit dem Arbeitstitel „Grauen am Ententeich – Birger und Betty decken auf“ ist der zweite Teil der Marburg-Marbach-Krimi-Reihe von Daniel Grosse am Start. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Arbeitstitel „Grauen am Ententeich – Birger und Betty decken auf“. Bei der dreitägigen Kultur-Veranstaltung WABLage 2.0 in Cölbe musste der Krimi-Nachfolger vom „Plausch am Ententeich“, Mitte Februar 2019, während meiner Lesung, zeigen, was Birger und Betty zu Weiterem antreibt. In loser Folge ist hier mehr darüber zu lesen. Das Buch folgt im Laufe des Jahres. Print und E-Book.

Aus dem Rohmanuskript:

Nur weil das A nicht auf der Notenlinie stand, starb Mareike Pelleworm. Sie sang an diesem Abend das Stück „Gib mir diesen Stich ins Herz“. Das Messer steckte noch tief im Brustkorb der 28-Jährigen, als die Kommissarin auf den Parkplatz des Bürgerhauses Marbach fuhr. Das After Shave ihres guten Freundes, der vielleicht mehr als das war, haftete noch an ihrer Haut. Der liebe Redaktionsleiter der Marburger Lokalzeitung, dachte sie. Sie schüttelte sich bei dem Anblick, der sich ihr bot. 20 Menschen, Frauen und Männer, gemischt, manche schick gekleidet, andere in lockerer Freizeitkleidung standen vor dem Bürgerhaus. Die Kommissarin sah Tränen, versteinerte Gesichter, andere blickten starr vor sich hin. Manche plapperten, die meisten schwiegen jedoch. Der Kollege vor Ort hatte der Kommissarin schon Details genannt. Die Gruppe hatte geprobt. Im Anbau des Bürgerhauses übten die Mitglieder des Gemischten Chores ihre Stücke ein. Im Herbst wollten die Sängerinnen und Sänger vier oder fünf Stücke bei dem Konzert in der Gedächtniskirche in Berlin singen. Eine Einladung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin hatte auch die Marbacher überrascht. Aber die Freikarte hatten nun einmal sie gewonnen.

Es war eine Idee, die aus einem Wettbewerb heraus entstanden war. Immerhin sang der Regierende Bürgermeister von Berlin seit Jahren selbst in einem Gemischten Chor. Er wollte in der Hauptstadt hören, was in der Provinz an gesanglichen Schätzen verborgen ist. Ein Chor von zehn, die die Einladung erhalten hatten, war der Gemischte Chor aus der Marbach. Er sollte nach Berlin reisen. Im Oktober zum Herbstkonzert in die Gedächtniskirche.

Ob sich das nun erledigt hat?, überlegte die Kommissarin, als sie aus ihrem Dienstfahrzeug stieg. Sie hob ihr linkes Bein aus dem Wagen, weit gespreizt, stellte den Fuß auf den Boden des Parkplatzes. Der intime Geruch des Redaktionsleiters strömte an ihr vorbei. Sie hatte vorhin keine Zeit gehabt, neue Unterwäsche oder eine andere Hose anzuziehen. An Duschen gar nicht zu denken. Trotz des Grauens , das sie erwartete, lächelte die Kommissarin kurz.

Im Flur des Bürgerhaus-Anbaus roch es nach Eisen. Die Kommissarin kannte das. Tatorte waren doch alle gleich. Der Tod, wenn er blutig daher kam, roch nun einmal so. Trotzdem irritierte sie etwas. Wenn der Chor vorhin geprobt hat, mussten eigentlich alle in dem Probenraum anwesend gewesen sein. Warum hat keiner etwas von dem Stich mitbekommen?

„Haben Sie auch den Notenschlüssel erkannt?“, fragte eine Stimme hinter ihr, die zu einem Mann gehörte, der die Ermittlerin an einen Basketballspieler erinnerte. Allein wegen seiner schieren Größe. Die Kommissarin stellte sich vor, wie dieser Mann mühelos jeden Ball über die Köpfe seiner Gegenspieler hinweg in den Korb hob. Fast hätte sie den Kollegen nicht erkannt, der neben dem Hünen stand. Noch hatte er diesen so dünnen weißen Anzug an, wie Anstreicher ihn tragen, mit solch einer putzigen Kapuze oben dran. Er gehörte zur Spurensicherung. Sie hatte ihre Arbeit beendet. Verhören wollte die Kommissarin eigentlich erst später. Warum kam dieser Basketballspieler also jetzt schon zu ihr oder wurde gebracht?

„Sie sind vom Fach? Anscheinend ja. Warum also ein Notenschlüssel, was meinen Sie?“

Die Kommissarin schaute zu dem Kopf des großen Mannes hinauf und wartete auf die Antwort.

„Ich bin der Chorleiter“, sagte der Angesprochene.

Die Sahne hing ihr noch im Mundwinkel. Betty schaute in den runden Spiegel, der an der blau-gekachelten Wand hing. Die war nicht ihr Badezimmer. Eine Männerstimme rief von hinten: „Komm bitte wieder zu deinem Konditor zurück ins Bett. Ein Stück ist noch da.“ Der, der das sagte, war Birger, es war sein Bett, seine Wohnung. Und er war der Freund von Betty, von seiner Liebsten, die neben Birger nichts mehr liebte als Schwarzwälder Kirschtorte. War sie unglücklich, sagte sie häufig ganz unvermittelt: „Dann mach ich nicht mehr mit.“ Das Signal für Birger, in Hochgeschwindigkeit zum Bäcker in der Brunnenstraße zu rennen und am besten gleich eine ganze Torte zu kaufen.

Fortsetzung folgt….

Endlich im Herz der WABLage tief drinnen verankert – die Marbach mit Kunst, Chor und Geschichten

Montag, Februar 11th, 2019

Von Daniel Grosse

Neues trifft auf alte Wände. Zwei der Werke in den Hallen der WABLage 2.0 in Cölbe. Foto: Daniel Grosse

Riesige, armdicke Hölzer donnern herunter auf die dickbauchige Trommel, der Magen bebt. Mehr als ein Dutzend Künstler ziehen Besucher hinein in eine Welt aus Formen, Farben, Ideen und Gesprächen. Ein Marbacher Chor aus Frauen und Männern singt dazu mehr als das Hallelujah von Cohen. Zuvor liest Daniel Grosse aus seinem Grauen am Ententeich. Später sprechen sogar Puppen. Was das alles war, am Ende, fasst Poetry Slammer Felix Römer, Pionier der Szene, am späten Sonntagnachmittag punktgenau zusammen. Zusammen mit seinen Workshop-Teilnehmerinnen. Nicht nur die Landrätin klatscht. Alle!

Das, und noch viel mehr, war die WABLage 2.0 in Cölbe bei Marburg. 8. bis 10. Februar 2019. Ich schreibe dies jetzt subjektiv. Garantiert nicht nachrichtlich, denn während dieser zweieinviertel Tage in Cölbe drehte sich alles um Kultur – und die ist subjektiv. Denn: Wie herrlich, wenn zwei Damen vor einem Kunstwerk stehen, die eine schaut die andere an und sagt: „Das geht so aber gar nicht.“ Das sind Momente, in denen die Kunst gewonnen hat. Sie hat eine Reaktion, eine Emotion, ausgelöst.

Es wird eine WABLage 3.0 geben. 1, 2 oder 3 Jahre bis dahin. Je nachdem, wann der Rohbau stehen wird an der Stelle, wo jetzt noch die, aber in wenigen Tagen pulverisierten WABL-Hallen, stehen. Laut E-Verein-Vorstand kommt sogar eine WABLage 4.0. Der endgültige Beginn einer Cölber Tradition. Hallelujah.

In der Gondel – kürzeste Krimi-Lesung der Welt

Dienstag, Januar 15th, 2019

Von Daniel Grosse
Die Marbach soll „gelesen“ werden. Also nahm ich 30 Flyer, 30 vorgedruckte Postkarten und 20 Lesezeichen mit. Die erste Fahrt mit der Gondel im Skiurlaub, da die Idee. Wo trifft man sonst sechs bis zehn Menschen für 15 Minuten und ist ihnen ganz nah? In der Gondel einer Bergbahn. In meiner Jackentasche steckten mehrere Flyer und Postkarten. Professionell hatte ein Kollege dort aufdrucken lassen, was auf dem Marbach-Krimi Plausch am Ententeich abgebildet ist. Auch das Logo mit den zwei Enten. Und das knallrote Herz. Hinzu kamen die ISBN-Nummer, mein Autorennname, ja, auch der Begriff „Marbach-Krimi“. Direkt nach der Talstation, oder besser oberhalb der Mittelstation, kurz vor dem Ausstieg? Wann wäre der beste Zeitpunkt, um ganz platt Werbung für den Krimi und die Marbach zu machen?, fragte ich mich. Ab der Mittelstation, da waren die Mitfahrer am besten drauf. Das merkte ich spätestens nach der dritten Fahrt. Also schnell eine Geschichte rund um mich erzählt, den Krimi, die Marbach. Auch wie verrückt die Protagonisten so sind und das Ganze mit dem Plausch am Ententeich ein Schreibexperiment war. Dann öffneten sich die Kabinentüren. Ein kurzer Abschied und der nachgerufene Gruß von mir: „Viel Spaß beim Lesen. Ich freue mich auf eine Rückmeldung.“

Nach etwa zehn Fahrten kam Stufe 2 der PR-Kampagne: Die kürzeste Krimi-Lesung der Welt. Auf dem Lesezeichen zu meinem Krimi stand die Zusammenfassung der Geschichte rund um Birger, Betty und den Kopf. Die Mitfahrenden in der Gondel fragte ich jedes Mal: „Darf ich Ihnen kurz vor dem Gipfel die kürzeste Krimi-Lesung der Welt präsentieren?“ Keiner sagte Nein. Alle blickten mich vielmehr fragend, gleichzeitig erwartungsvoll, an. Bingo. Egal, ob nur zwei Wintersportler in der Gondel saßen oder acht, ob Deutsche, Holländer oder Österreicher, alle freuten sich, dass die Fahrt zum Gipfel so endete.

Fazit: Als Freier Autor immer eine Geschichte dabei haben, anderen davon erzählen, Situationen nutzen – und an Werbematerial denken.
PS: Die Steigerung wäre eine längere Lesung in der Gondel gewesen oder auf einer Skihütte beim Einkehrschwung. Aber der komplette Krimi lag leider zu Hause auf dem Nachttisch 🙁 Der nächste Skiurlaub kommt bestimmt. Dann!

Vor der Wahl einer Partei ist vor der Orange – Nur wer sie schält, erfährt, ob sie schmeckt

Mittwoch, Oktober 24th, 2018

Verkehr umgibt uns täglich, die Themen dazu sind auch Schwerpunkte mancher Parteien.    Foto: Daniel Grosse

Kreuzchen machen, heißt es am kommenden Sonntag, dem hessischen Wahlsonntag. Marbach direkt stellt plakativ nochmal kurz die Inhalte, den Kern der Parteien vor. So zumindest lautet der Plan, wenn ich diesen Vorspann schreibe. Für die Inhalte des Folgenden sind ausschließlich die Parteien verantwortlich. Was das mit der Marbach zu tun hat? Das werden wir in den kommenden Jahren sehen. Spätestens dann, wenn Wahlversprechen auch in unserem Stadtteil einzulösen sind. Ob die Frucht Orange dann auch genießbar ist, muss sich zudem noch zeigen.

von Daniel Grosse

Grüne Marburg-Biedenkopf

„Die Zukunft ist GRÜN“. Dort heißt es am Anfang: „Uns eint, uns verbindet ein Kreis von Grundwerten, nicht eine Ideologie. Wir haben als Partei von Grundwerten linke Traditionen aufgenommen, wertkonservative und auch solche des Rechtsstaatsliberalismus. Unsere Grundposition heißt: Wir verbinden Ökologie, Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit und lebendige Demokratie. Mit gleicher Intensität treten wir ein für Gewaltfreiheit und Menschenrechte.“

SPD Marburg

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CDU Marburg

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Die Piraten

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Andere

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Dafür, dass Menschen – insbesondere als Wähler – gerne schnell erfahren möchten, für was jemand und eine Partei steht, was seine und ihre Ziele sind, wie es um die Haltung steht, war die schnelle Suche auf den Internetseiten der jeweiligen Parteien, die auch in Marburg antreten, sehr enttäuschend. Einzig die Marburger Grünen schaffen es zumindest, in wenigen Zeilen eine Grundaussage zu liefern. Auch wenn sie sich dort auf ihre Mutterpartei beziehen. Wer also Details erfahren möchte, dazu, wofür die Parteien jeweils stehen, kommt nicht daran vorbei, sich die Internet-Auftritte genauer anzuschauen. Arbeitskreise, Inhaltliches und Ansprechpartner erleichtern die weitere Recherche. Wer die Orange essen möchte, muss sie zunächst schälen.

Also: Am Sonntag Kreuzchen machen! Aber mit Sinn und Verstand! Deshalb vorher lesen und mit den Verantwortlichen sprechen!

Digital-Kongress re:publica 2019 in Berlin: Smartphones und Tablets unerwünscht

Donnerstag, Mai 3rd, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

„Das kann ja wohl nicht wahr sein. Wir und die Kolleginnen und Kollegen stehen hier vorne auf dem Podium oder referieren in einem der 287 Räume vor erwachsenen Menschen und die haben nichts besseres zu tun als ständig auf ihre Smartphones, Tablets oder Notebooks zu schauen!“ Organisator Markus Beckedahl ist sauer. Als Netzpolitikbeobachter, Journalist und Aktivist hat er vor mehr als zehn Jahren die re:publica mitbegründet. Seit gestern toben sich dort in Berlin 10.000 Netz-affine Menschen aus. Und jetzt das.

Tatsächlich hören die Besucher nicht zu. Sie schauen auf ihre Geräte, statt dem Vortragenden zustimmend zu folgen. So beschreiben es dutzende Korrespondenten, die derzeit von der re:publica 2018 aus Berlin berichten. Auch sie können es nicht fassen, wie ignorant diese Menschen sein müssen. Dabei gehe es doch gerade um deren Themen. „In der Schule würden diese jungen Leute sofort einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen“, sagt Sandra Scheeres. Als oberste Bildungshüterin Berlins hat die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sie zur re:publica entsandt.

Schon längst ist die Kritik bei der gesamten Organisationsspitze rund um Markus Beckedahl angekommen. Immerhin könne es nicht sein, dass sich tausende Besucher – die immerhin zur digitalen Elite Europas gehören – anmelden und dann so tun als würde sie das alles nicht interessieren, so Beckedahl. Deshalb fordert der Digital-Chef der re:publica alle Mitstreiter dazu auf, spätestens für die Ausgabe 2019 der Internet-Konferenz ein striktes Verbot einzuführen. Smartphones, Notebooks und Tablets sind dann tabu. Stattdessen erhalten die Teilnehmer der digitalen Zusammenkunft je einen Kugelschreiber, Bleistift und ein von Elon Musk signiertes Notizbuch. Sofern sein selbstfliegendes Flugzeug im Frühjahr 2019 den Weg nach Berlin findet und Musk rechtzeitig zur Signierstunde befördert.

Spendenläuferin unterschätzt: Dreijährige aber unter Dopingverdacht

Freitag, April 27th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Elsbeth Dümp ist fassungslos. Weil ihre Enkeltochter einfach nicht aufhören wollte, auf dem Sportplatz in der Marbach ihre Runden zu drehen, stand die Siebzigjährige zunächst vor einem echten Problem. Mit einem harmlosen Formular hatte das spätere Drama begonnen. Ein Sportverein hatte über den Kindergarten die Drei- bis Sechsjährigen dazu aufgerufen, Runden zu laufen. Pro Runde 100 Euro. Für Elsbeth Dümp eine gute Idee. Sie kreuzte alles an, teilte sogar ihre Bankverbindung mit, drei Wochen später dann der Schock: der Verein hatte 10.000 Euro abgebucht. „100 Runden, welch ein Wahnsinn! Meine Enkeltochter ist drei. Ich hatte mit maximal eineinhalb Runden gerechnet. Das hätte ich noch bezahlen können. Aber das?!“, sagte sie, nachdem sie ihren Kontoauszug erhalten hatte.

Schnell hieß es, wie das sein könne, dass ein so junges Mädchen derlei Leistungen vollbringt. Das Wort Doping war zu hören. Die Großmutter hatte Glück, denn nach dem Rennen hatte die Kleine einen Strohhalm benutzt, den eine Freundin einsteckte, „weil er so schön grün war“, wie sie sagte. Diesen Strohhalm nahmen dann Experten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes an sich, untersuchten ihn – und tatsächlich: die Dreijährige hatte gedopt.

Vier Wochen nach dem Rennen stand das Ergebnis der Analyse fest: Center Schock-Kaugummis und Bionade. Warum die Kleine eine derartig hohe Konzentration dieser, bei Kindern so beliebten Produkte, in ihrem Blut hatte, konnten auch die Eltern nicht beantworten.“In jedem Fall werden wir fortan bei Kindergeburtstagen unserer Tochter einen Zettel mitgeben, auf dem wir bitten, unserer Tochter diese Dinge nur in Maßen zu geben“, sagte die Mutter

Die dreijährige Enkeltochter von Elsbeth Dümp wurde lebenslang für sämtliche Spendenläufe gesperrt.

Entschuldigung, aber es geht um das bedauernswerte dumme Ar***loch

Montag, April 23rd, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

„Erlauben Sie mir die Feststellung, dass Sie einfach ein bedauernswertes dummes Arschloch sind.“ – „Derartige Äußerungen“, so ist von Anwaltsseite zu lesen, „pfeffern sich im persönlichen Streit befindliche Anwälte um die Ohren. “ Nun musste der Bundesgerichtshof (BGH) entscheiden, ob der Kläger als tituliertes „bedauernswertes dummes Arschloch“ Ansprüche auf Unterlassung und Geldentschädigung geltend machen kann. Es ging hin und her in dem Rechtstreit, gekämpft wurde mit harten Bandagen – verbal. Und das ist wahr. Nachzulesen im Urteil des BGH vom 14. November 2017, Aktenzeichen VI ZR 534/15.

„Unerträglich“, findet Jus Dillon-Wurst. Der Senior-Partner der Großkanzlei „Cornwall and more“ ist am Boden zerstört. Er schäme sich, wie er sagt, für seine Berufskollegen. Früher, als er ein junger Jurist war, hätten sich seine Kollegen noch duelliert, sie wären abends in die Kneipe gegangen, um zu wetten, wer nach so und so vielen Schnäpsen schneller vom Keipenhocker fällt. Und nicht selten krachten Fäuste auf Nasenbeine. Dillon-Wurst erklärt im Interview die Hintergründe.

Herr Dillon-Wurst, was passt Ihnen nicht an diesen verbalen Attacken?

Jus Dillon-Wurst: Die heutigen Kollegen, vor allem die jungen, sind einfach peinlich.

Das ist zu pauschal.

JDW: Sie wollen es mal wieder genau wissen, oder? Na gut. Das sind Weicheier. Schreien kann jeder, argumentieren auch, wenn er halbwegs klar im Kopf ist. Aber seinen Mann stehen, wenn er es muss, das ist eine Kunst.

Eine, die Sie damals beherrscht haben?

JDW: Sie Schleimer. Aber ja, ich konnte tatsächlich austeilen. Nicht selten trafen wir uns als junge Anwälte abends im Stadtpark. Wir waren Gegner, weil unsere Mandanten Gegner waren.

Sie benutzten Waffen?

JDW: Naürlich! Die zwei, die Sie auch haben: Fäuste.

Wie primitiv.

JDW: Sie Weichei! Glauben Sie wirklich, Fäuste seien nur dafür da, um sie im Winter in Handschuhe zu stecken? Mitnichten. Die können sie sogar argumentativ einsetzen. Und das beste Argument sitzt noch immer an derselben Stelle wie das Nasenbein.

Sind Sie nun Mediziner oder Jurist?

JDW: Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Kommen Sie heute Abend in den Stadtpark. Dort zeige ich Ihnen, wo Ihr Nasenbein sitzt. Und danach sagen Sie mir, wer recht hat.

Darf ich auch ein Kamerateam und eine Reporterin aus der Redaktion mitbringen?

JDW: Bringen Sie mit, wen Sie möchten, aber unbedingt einen Verbandskasten.

Mit Unterschriften gegen Pläne am Oberen Rotenberg

Montag, April 23rd, 2018

Von Daniel Grosse

Das Baugebiet auf den Wiesen am Oberen Rotenberg/Höhenweg in Marburg-Marbach ist zwar noch lange keines. Aber immer wieder ist bereits jetzt zu lesen, dass sich Menschen gegen Überlegungen, dort eventuell in großem Stil zu bauen, wehren. Für heute Vormittag (Montag), 11 Uhr, hat zum Beispiel die so genannte „Initiative Marbacher Nachbarn“ angekündigt, der Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk (SPD) eine Unterschriftensammlung zu überreichen. Mehr als 400 Unterschriften habe sie gegen eine eventuelle Bebauuung gesammelt, teilt die Initiative mit.

Zugrunde liegt ein Memo mit folgendem Wortlaut:

„Keine Bebauung von Oberem Rotenberg und Marbacher Wiesen !….Bau eines Gewerbegebietes und Wohnbebauung am Oberen Rotenberg und „Engelsberg“ (Marbacher Wiesen) gefährden ein wichtiges Naherholungsgebiet und einen Bereich mit erheblicher klimatischer Bedeutung für ganz Marburg.
Welche Folgen hat das für Natur und Klima?
• Freie Flächen am Stadtrand sind eine wichtige Frischluftschneise für ganz Marburg. Zubauen dieser Flächen kann die Luftqualität weiter Teile der Stadt verschlechtern. Aktuelle Daten/Klimamessungen sind notwendig im Bereich Marburger Rücken zwischen Marbach-Engelsberg und Ockershausen-Hasenkopf zur Kaltluftentstehung über den Höhenflächen und Kaltluftzufuhr in die tiefer gelegenen Bebauungs- und Stadtlagen. Gibt es aktuelle Klimafunktionskarten der Stadt (nicht nur Daten aus Investoren-Gutachten)?
• Verpflichtung zur Luftreinhaltung der Städte: eine Verringerung/Veränderung der Frischluftzufuhr in die Tallagen der Stadt kann zur Nichteinhaltung von Schadstoffgrenzwerten führen. Welche Folgen hat das für den Marburger Straßenverkehr? Welche Untersuchungen gibt es, um die zur Einhaltung der Schadstoffgrenzen zu gewährleisten? Ginge es um drohende Fahrverbote hat die Stadt die Nachweispflicht, entsprechende Vorsorge getroffen zu haben.
• Zahlreiche geschützte Arten in diesem Bereich: Amphibien (Erdkröten, Molche; Schutzgebiet Erdkröten weniger als 100 m entfernt: Köhlersgrund/ Dammelsberg); Vögel wie Graureiher, Wiedehopf, Eulen, Kauze, Greifvögel, Schwalben, Feldlerchen, Zaunkönig, Zugvögel wie Wildgänse und Kraniche.
• Der Engelsberg ist ein Wasserpuffer bei starkem Regen ! Versiegelung großer, hoch gelegener Flächen führen zu erheblicher Zunahme der Wassermengen, die den Stadtteil Marbach belasten mit Folgen für Straßen, Wasserleitsysteme und ggf. auch Wohnbebauung. Zu erwarten sind erhebliche finanzielle Belastungen für die Bewohner weiter Teile der Marbach. Die Folgekosten müssten einzig von den Investoren getragen werden ! Die angedachten Zisternen sind nicht ausreichend.
• Erhebliches Verkehrsaufkommen – PKW und LKW – auf dafür nicht geeigneten Straßen mitten durch den Ortsteil Marbach, entlang Naturschutzgebieten („Im Köhlersgrund“), über „Rotenberg“ oder „Hohe Leuchte“. Es gibt derzeit keine LKW-geeignete Zufahrt, außer, wie vom Bauamt vorgeschlagen, ein weiter (Um-)Weg über die Lahntal-Landstraße und Neubaugebiet Wehrshausen.
• Verkehrszunahme auch in der ohnehin überlasteten nördlichen Marburger Innenstadt (schon seit Jahren kilometerlanger Stau bis Marbach zur Rush hour).
• Ist geklärt, ob es Weltkriegsminen in dem Bereich gibt ? (ähnliches Projekt in Gossfelden musste wegen Kosten der Minenräumung aufgegeben werden)
• Bau eines Einkaufszentrum mit ca. 2000 qm nach §11 Baunutzungsverordnung (Sondergebiet für Einkaufszentren und großflächigen Einzelhandel) widerspricht dem Regionalplan Mittelhessen (hier nur Wohnfläche vorgesehen). Zulässige Verkaufsflächen am Stadtrand max. 800 qm, bei Sondergenehmigung höchstens 1200 qm Gesamtfläche.
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• Planungen für Bauleitplanverfahren des Einkaufszentrums (tegut) stammen
unmittelbar von der Werner Group. Bisher keine unabhängigen Prüfungen und
Gutachten der Stadt (wie von Bauamt bei Ortsbeirat Marbach angekündigt).
• Einkaufszentrum ist nicht im Gewerbeentwicklungskonzept Marburg 2017
vorhanden: Ist die Planung zum tegut-Einkaufszentrum mit dem Marburger
Gesamtkonzept abgestimmt? Kann die Bedarfsplanung stimmen, wenn nicht im
GEK integriert?
• Verlagerung der Einkaufszentren an den Stadtrand widerspricht sowohl Vorgaben
im Regionalplan MH als auch aktuellen Vorgaben der Bundesregierung.
• Keine Zersiedelung und „Gewerbekomplexierung“ des Umlands bei Leerstand
von Gewerbe und teuren Immobilien in den Innenstädten (auch in Marbach und
Umfeld Rotenberg stehen Immobilien leer aufgrund hoher Preise).
• Ausreichende Einkaufsflächen für Marbach und Wehrshausen vorhanden:
Ketzerbach (u.a. tegut; auch nicht weiter als Oberer Rotenberg für die meisten
Marbacher und besserer ÖPNV-Anschluss) sowie in PKW-Entfernung zahlreiche
Märkte in Stadt Marburg, Sterzhausen, Wehrda, Cappel. Ein Vorranggelände für
den Bau eines Supermarktes am oberen Höhenweg wurde vor wenigen Jahren als
„nicht benötigt“ aufgegeben, hier sind jetzt Mehrfamilienhäuser. Damals waren
bereits Planungen zu Erweiterungsfläche „Engelsberg“ für Regionalplan
Mittelhessen den Akteuren bekannt. Jetzt plötzlich Bedarf?
• Voten der Ortsbeiräte Marbach und Wehrshausen für Supermarkt basierten auf
falschen Informationen bezüglich der Ausweisung des Gebietes (nach Auskunft
des Ortsbeirats Marbach). Die Voten der Ortsbeiräte sollten daher wiederholt
werden, insbesondere nach sorgfältiger Recherche und Darlegung der
Folgekosten für die Bürger der Stadtteile bei Erschließung des Geländes.
• Unzulässige Vorgänge wie Reservierungen/ Vorverträge für Baugebiete Flurstück
Engelsberg durch Investoren noch vor Beginn des Gesamtverfahrens – dies führt
zu Vorfestlegungen und Druck auf die Entscheidungsträger.
Wo sind Transparenz und Bürgerbeteiligung der Stadt? Bisher sind für den Oberen
Rotenberg nur die gesetzlich vorgeschriebenen Formen der Bürgerbeteiligung
angekündigt worden, also keine darüber hinausgehende Beteiligung von Anwohnern
und interessierten Bürgern zu diesem Vorhaben. …“

Endlich als Brettspiel im Laden: Familienspaß mit Zugriff

Donnerstag, April 19th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

Mit dem neuen Spiel „Zugriff“ ist endlich wieder ein Brettspiel für die ganze Familie auf dem Markt. Es ist schnell, unbarmherzig und wahnsinnig witzig. So jedenfalls heißt es in der Werbung für „Zugriff“. Vorgestellt hat es ein Erfinder, dem man das gar nicht zugetraut hätte, schließlich ist der Top-Jurist in seinem Hauptjob mit ganz anderen Dingen beschäftigt. „Aber in den vergangenen Jahren konnte ich durch die massive mediale Berichterstattung so viel über das Vorgehen bei einer Razzia lernen, und in welchen Branchen sie sich am ehesten lohnt, dass mir morgens die Idee kam: Das kann man doch auch spielen, am besten mit der ganzen Familie“, sagt Spiele-Erfinder Jus Dillon-Wurst.

Und das tolle ist, bei „Zugriff“ muss kein Spieler nur langweilig am Wohnzimmertisch sitzen, die Spieler schwärmen aus. Sobald jemand vier Ereigniskarten einer Branche gesammelt hat, stürmt er los. Ab da läuft die Zeit. 15 Minuten verbleiben, bis erste Ergebnisse den Mitspielern präsentiert werden müssen. Das kann eine Akte aus einem Büro des Durchsuchten sein, eine Kassenrolle oder auch ein Firmenchef persönlich. Ob das denn nicht kriminell sei und Familien in die Illegalität treibe, wird Spiele-Erfinder Jus Dillon-Wurst häufig gefragt: „Natürlich ist es das. Aber glauben Sie ernsthaft, dass Sie heute noch Familien für ein Brettspiel begeistern, bei dem zum Beispiel gelbe oder rote Holzfiguren möglichst schnell auf passende Farbfelder gelangen müssen?“

Nun wird der Markt entscheiden, ob „Zugriff“ einschlägt. Aber bei den Ereigniskarten müsste das gelingen: Autoindustrie, Gastronomie, Einzelhandel aller Art.

Kinovorführer brutal geweckt – nach 35 Jahren

Mittwoch, April 18th, 2018

Wirklich wahr?

Von Daniel Grosse

BL drehte sich in seinem Bett gerade von links nach rechts, als er das Gejohle hörte. BL ist die Abkürzung für einen Mann, der in Hinterindien als letzter seiner Zunft noch im aktiven Dienst ist. Zumindest im Bereitschaftsdienst. Es war 8 Uhr abends. „Die Meute rief: `Lasst uns rein!`“, berichtet BL. Er schaute auf seinen Kalender. Dort stand 18. April 2018. Das letzte Mal hatte der Kinovorführer dieses Spektakel vor 35 Jahren erlebt. Und nun war er der Einzige im ganzen Land mit Vorführerlaubnis. Nach so langer Zeit durfte BL endlich wieder seine Kinotüre öffnen.

Innerhalb weniger Minuten musste BL sich für einen Film entscheiden. Nur drei Filme hatten die Jahrzehnte unbeschadet überlebt: Vom Winde verweht, Zurück in die Zukunft 1, Robocop. BL schwitzte, denn wenn das nun schief ging – weitere 35 Jahre würde er nicht überleben. Immerhin wäre er dann über 90.

Zehn Minuten später wusste BL, dass seine Entscheidung richtig war. Er schaute den riesigen Filmspulen zu. Die drehten sich gleichmäßig, während unten im Kinosaal 7.899 Zuschauer im einst größten und einzigen Kinosaal Hinterindiens Popcorn aßen. Marty McFly war zurück. Und BL schlief ein.