Posts Tagged ‘Daniel Grosse’

Frische Ideen oder stirbt das Lokalblog?

Dienstag, Mai 2nd, 2017

Gekommen, um zu bleiben. Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Zurück aus Berlin, wo ich in den vergangenen Tagen rund 30 Blogger, Journalisten, Wissenschaftler und andere interessante Menschen getroffen, gehört und gesprochen habe, werden ab sofort frische Ideen in dieses Lokalblog MARBACH DIREKT einfließen. Um was es in Berlin ging, und was das mit den Marbacher Lesern zu tun hat? „Gekommen, um zu bleiben – Neue Ideen für lokale Onlinemedien“ hieß die Redaktionskonferenz/das Seminar, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

MARBACH DIREKT einfach offline stellen, die Kanäle kappen, tschüss zu sagen, das war kürzlich die Option. Die Marbach ist schließlich klein, wir sprechen hier also von hyperlokalem Journalismus für rund 4.000 Marbacher. Kann so etwas funktionieren? Oder leiden wir in unserem Mikrokosmos schlicht an Themenarmut? Keineswegs. Nicht zuletzt nach der Berlin-Konferenz bin ich mir daher sicher: Ja, das funktioniert, das mit MARBACH DIREKT, und ist wichtig als Gegenöffentlichkeit für angestammte Medien wie etwa die Oberhessische Presse oder andere.

MARBACH DIREKT macht also auch weiterhin in der Regel keinen Terminjournalismus. Wenn doch, dann sind Termine Startschuss oder Beschleuniger für langfristige Berichterstattung. MARBACH DIREKT liefert einen anderen Blick auf Themen, die in unserem Stadtteil wichtig sind für seine Bewohner – und damit die Leser.

„Wie geht gute Berichterstattung im Lokalen und Hyperlokalen? Welche multimedialen Möglichkeiten können gerade kleine Onlineseiten nutzen, die ohne eingefahrene verlegerische Strukturen arbeiten, um etwa Themen des Wahlkampfs aufmerksamkeitsstark zu erzählen? Ein paar engagierte Journalistinnen und Journalisten hatten sich mit eigens gegründeten Onlinemedien vor einigen Jahren daran gemacht, wieder stärker auf Themen vor Ort einzugehen und auch die schwierigen nicht auszusparen. Um zu überzeugen, braucht auch ein noch so kleines Medium ein scharfes Profil, das auf die Leserschaft, die Umgebung und die Konkurrenzsituation zugeschnitten ist.“ So hatten die Kollegen der drehscheibe/bpb zu Beginn der Berliner Redaktionskonferenz geschrieben.

Eine twitter-Rückschau ist hier zu sehen.

Also drei Ergebnisse: Nach Berlin ist vor Berlin. Und nur die systematische und nachhaltige Vernetzung der Hyperlokalen untereinander schafft letztlich den konsequenten Gegenentwurf zu etablierten Medien. Eine sich regelmäßig aktualisierende Seite im Internet sollte installiert werden, die einen Überblick über deutsche Online-Lokalmedien/Lokalblogs liefert.

Marbacher ehren ihren berühmten Forscher

Montag, April 3rd, 2017

Der Bürgerverein überreicht einen Blumenstrauß an der Gedenktafel von Emil von Behring im Bürgerhaus Marbach (von links: Heinz Muth, Irmgard Sedlacek, Andreas Lauer, Manfred Keller vom Vorstand des Bürgervereins und Daniel Grosse vom Redaktionsteam der „Marbacher Nachrichten“).
Foto: Bernd Duve-Papendorf

Am 100. Todestag von Emil von Behring hat der Bürgerverein Marbach im Bürgerhaus des Marburger Stadtteils an der Gedenktafel zu Ehren Behrings an das Wirken des Nobelpreisträgers erinnert.

Am vergangenen Freitag haben die wissenschaftliche Welt, die Behring-Nachfolgefirmen, die Universität und die Stadt des 100. Todestags des Nobelpreisträgers Emil von Behring gedacht, der mit nur 63 Jahren verstorben war.

Durch sein Wirken als Militärarzt und Assistent Robert Kochs an der Berliner Charité hat er die Bekämpfung von Infektionskrankheiten revolutioniert. In Marburg setzte er seine Forschungen fort und kaufte Gelände, wo er Pferde zur  Serumgewinnung hielt. Mit dem Geld des Nobelpreises (208000 Goldfranken) erwarb er in der Marbach den Schneiderschen Gutshof (Brunnenstraße) mit umfangreichen Ländereien. Das 1904 gegründete Behringwerk wurde 1914 zur GmbH erweitert und 1920 zur Aktiengesellschaft.

Sein Wirken stand in engem Zusammenwirken mit Stadt, Universität und Gutsverwaltung. Seit der Eingemeindung Marbachs 1974 zählen die Behringwerke neben der Universität zum größten Arbeitgeber der Stadt.

In den Nachrufen zu seinem Tod wurde Behring im In- und Ausland als der größte Wohltäter der Menschheit gewürdigt. Max von Gruber schreibt in seiner Gedenkrede: „Nur ein Mann von seltener Tüchtigkeit und Ausdauer konnte diese Leistung vollbringen“. Auch noch heute braucht die Menschheit Ärzte wie Emil von Behring. Ohne ihn wäre die Entwicklung und hohe Lebensqualität von Stadt und Universität nicht möglich gewesen, so Manfred Keller vom Bürgerverein Marbach.

Vernissage kommt an und verzaubert

Mittwoch, März 29th, 2017

Daniel Grosse liest im grün-bunten Ambiente, während die Musiker Pause haben.   Foto: privat

Von Daniel Grosse

Wow, was für ein Nachmittag! Am Samstag besuchten etwa 50 Besucher die Vernissage am Oberen Rotenberg. Bei Blumen Philipps im Glashaus hingen und standen weit über 20 Acrylgemälde von Barbara Grosse, Heidi Wollmer und Frank Hinrichs. Leila Grosse sang, Yvonne Zörner spielte – auf ihrer Gitarre. Das Gesamtpaket komplettierte dann eine ganz junge Sängerin, die mit 99 Luftballons ihr Konzertdebüt gab. Auch die Lesung von Daniel Grosse aus seinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“ erreichte rund 30 Zuhörer.

Gut möglich, dass weitere Veranstaltungen rund um Blumen, Kunst, Musik und Literatur im Glashaus des Marbacher Traditionsbetriebes folgen.

Neuen Luxus in der Marbach entdeckt

Donnerstag, Februar 23rd, 2017

Von Daniel Grosse

Was Luxus mit Daten zu tun hat? Nun, öffentlich sichtbar zu sein, so dass jeder, der das Internet nutzt, auch Details erfährt, die vielleicht gar nicht für jeden Menschen sichtbar sein sollen, ist 2017 im Zuge der Digitalisierung trotzdem Realität. Da tippt jemand bei WhatsApp auf ein Feld und eine schlüpfrige Grafik samt Text können alle Teilnehmer einer Gruppe sehen. Gut? Nein, sicher nicht, aber darum geht es auch weniger. Es geht vielmehr um den Spagat zwischen der gewollten Sichtbarkeit im Netz und der diskreten Zurückhaltung.

Ob das für Marbacher ein Thema ist? Ich versuche, dieses einfach einmal runterzubrechen. Stellen Sie sich vor, Sie wohnen im Birkenweg. Sie leben dort als Privatmensch. Nebenbei sind Sie Freiberufler. Oder Sie arbeiten fest bei einem Arbeitgeber. Nun macht es Sinn, dass Sie sich öffentlich darstellen oder präsentieren, für sich werben oder einfach digital präsent sind. Aber wie wäre es, wenn Sie in einigen Jahren die Verfügungsgewalt über Ihre eigenen Daten und damit das Nicht-Weitergeben Ihrer persönlicher Daten und Umstände und Ihre Nicht-Existenz im Internet als ein Luxusgut erfahren? Vielleicht wäre das vergleichbar mit dem heutigen Luxus, sich mittels Lage und Größe von Wohnumgebung und der Art von Transportmitteln einen gegen Dritte geschützten privaten Lebensraum zu schaffen. Eine denkbare Option?

Cölbe und die Lesung aus dem Krimi Plausch am Ententeich – Kultur bei der WABLage

Montag, Februar 13th, 2017

Schön war die Lesung aus meinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“, am gestrigen Sonntagmorgen, 12. Februar, in Cölbe bei der WABLage. Ein tolles Publikum! 50 Zuhörer hat der Veranstalter gezählt. Weitere Lesungen in und um Marburg mit dem „Plausch am Ententeich“ folgen. Und auch eine Fortsetzung des PLAUSCHs: das GRAUEN.      Foto: privat

Warum Marbacher und Kölner die gleichen Krimis mögen

Donnerstag, Januar 12th, 2017

Birger und Betty sind verliebt – und sie warten bereits auf eine Fortsetzung des Marbach-Krimis.   Illustration: Barbara Grosse

Weil der Regionalkrimi in der Marbach spielt, Marbacher darin die Hauptrolle spielen, und das Unfassbare in meinem Roman alles andere als verspielt daherkommt, passt das folgende Interview, das das Bücherportal/Bücherblog LESERKANONE.DE vor wenigen Tagen mit mir geführt hat, gut in dieses Blog MARBACH DIREKT.

Also: In meinem gleichnamigen Kriminalroman lade ich, Daniel Grosse, zu einem »Plausch am Ententeich« ein. Im Interview mit Leserkanone.de sprach ich jüngst als Autor über mein Buch, dessen Entstehungsgeschichte und eine ungewöhnliche Regel beim Schreiben – und über weitere Buchprojekte sowie eine Lesung im Februar.

– Herr Grosse, im Sommer des abgelaufenen Jahres ist Ihr Roman »Plausch am Ententeich« erschienen. Womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz davon genommen, könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern deshalb kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Gerne. Zwei Marbacher, ein Liebespaar, finden etwas. Am Ententeich. Dieses Etwas ist grausig. Es macht seltsame Dinge und überbringt dabei eine Botschaft. Die beiden jungen Leute haben keine Wahl. Den schrecklichen Fund müssen Birger und Betty unbedingt abliefern. Bei wem und wo, ahnen sie jedoch nur. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. 72 Stunden verbleiben. Und wenn die jungen Marbacher dieses Ultimatum nicht einhalten, sterben zwei Frauen. Oder gar die zwei Finder des unheimlichen Dings selber? Ein perfides Druckmittel lässt Birger und Betty zusätzlich schaudern.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Lustig, dass Sie diese Fragen gerade jetzt stellen. Zurzeit lese ich den Thriller »Engelskalt« von Samuel Bjørk«. Der Norweger schreibt schnell, liefert häufig kurze Sätze, bringt Geschwindigkeit in seine Geschichte. Halbsätze in schneller Folge. Wer das mag, wird auch Freude an »Plausch am Ententeich« haben. Wer zudem trotz vieler Krimi- und Thriller-Elemente das Komische akzeptiert und sich gerne auf irre Figuren einlässt, liest mein Buch an einem Nachmittag in einem Rutsch, ohne zwischendurch essen oder trinken zu wollen. … Weiterlesen unter

http://www.leserkanone.de/index.php?befehl=autoren&autor=6107&interview=427

Cölbe, wir kommen! Marbacher sind dabei!

Donnerstag, Dezember 15th, 2016

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Auch Marbacher machen bei der Kulturveranstaltung mit. Schon allein deshalb lohnt ein Besuch in Cölbe.   Repro: Daniel Grosse

Auf facebook ist zu lesen: „WABLage am 11. und 12. Februar 2017 in Cölbe  –  Literatur-Café, Kunst, Künstler, Kultur, Musik und Unterhaltung, das wird an den beiden Tagen jeweils ab 10 Uhr in den WABL-Hallen in Cölbe geboten. Unter der Leitung von Frank Hinrichs stellen insgesamt 17 bildende Künstler eine Auswahl ihrer Werke aus. Die K&K&K-Tage beginnen jeweils mit einer Lesung und klingen im wahrsten Sinne des Wortes abends musikalisch ab 18 Uhr aus. Schirmherrin ist Landrätin Kirsten Fründt.“

Eine starke Beteiligung der Marbach bei der Cölber Kulturveranstaltung ist garantiert, immerhin wird Barbara Grosse dort viele ihrer farbstarken Bilder ausstellen, Daniel Grosse liest aus seinem Marbach-Krimi „Plausch am Ententeich“. Auch der Auftritt eines Gemischten Chors aus der Marbach ist nicht unwahrscheinlich. Näheres in Kürze.

Eiskalter Besuch an der Haustür

Donnerstag, November 10th, 2016

Von Daniel Grosse

Gegen den wohl künftigen Präsidenten der USA anschreiben zu wollen, nachrichtlich, ist nicht leicht in diesen Tagen. Zu präsent ist dieser höchst umstrittene Mann mit seinen „ungewöhnlichen“ Ideen. Zurückhaltend formuliert. Trotzdem ein Versuch mit einem eher zeitlosen Thema: Auch in der Marbach bestellen Studenten, Hausfrauen, Hausmänner, Geschäftsleute, Rentner und andere Marbacher hin und wieder bei den großen Versendern. Sie ordern Musikinstrumente, elektronische Geräte, ganze Küchen und was sonst noch alles. Und eben auch Lebensmittel. Sogar der Gigant unter den Versendern mit dem großen A am Anfang hat Lebensmittel im Angebot. Er ist erfolgreich. Aber wer wirklich die Zeichen der Zeit erkannt hat, und das schon vor vielen Jahren, sind zwei andere Versender, große Nummern im Direktvertrieb.

Und noch viel direkter als all die anderen Unternehmen: Diese zwei Tiefkühltruhen auf Rädern mit B und E am Wortanfang liefern Produkte wie Fritten, Schnitzel und Eis, heruntergekühlt auf eisige Minusgrade. Direkt ins Haus.

Und es gibt sie immer noch, diese zwei Unternehmen. Erstaunlich, wo doch inzwischen die Discounter dieser Welt spätestens nach 15 Autominuten deutschlandweit zu erreichen sind und auch selbst der Gigant unter den Versendern die leckere Eiskugel zur Haustür bringt. Welches Geheimnis macht diese zwei Relikte der Konsumwelt also so erfolgreich? Ist es das Umsorgen des Kunden? Funktioniert das Geschäftsprinzip der Tiefkühlprofis, weil sie Kunden bedienen, die den besonderen Service in Anspruch nehmen, weil sie das eben so schon seit Jahrzehnten machen? Zumindest scheinen die frostigen Direktvertriebler an ihrem Geschäftsmodell festzuhalten. Denn die Tiefkühltruhen auf vier Rädern rollen allwöchentlich durch die Marbach. Ein Mann mit Headset im Ohr und hektischem Gebaren springt aus seinem Fahrzeug, klingelt und händigt den Kunden zwei, drei oder fünf Beutel oder Pakete mit Tiefkühlkost aus. Ist das das Geschäftsgeheimnis? Sich als der mobile Tante-Emma-Laden zu gerieren, der eben persönlich kommt, die Ware auch ins Haus trägt, gerne auch über Jahrzehnte hinweg? Der einen schnellen Plausch führt. Der seine Kunden – oder eher Kundinnen – schon seit Jahren persönlich kennt, was auch daran zu erkennen ist, dass der Fahrer sie persönlich namentlich anspricht und die Nachbarschaft kennt?

Also, wir fassen zusammen: Was die Giganten der Versender machen, machen andere schon seit vielen, vielen Jahren. Scheinbar nur besser oder zumindest mit Ausdauer. Und in einem kleinen Bereich. Sie haben eine Nische gefunden – das Eisige. Und diese Nische bedienen sie konsequent.  Sie kommen und bringen die Ware ins Haus. Die Kunden dieser Direktvertrieb-Relikte sind… Ja, wer? Familien, Alleinstehende, Ältere, die ohne Auto? Und sind es auch die, die schlecht NEIN sagen können, zu dem, was sie schon seit Jahren umsorgt? Denn was wäre die Alternative, zumindest unter den Direktvertrieblern der Minusgrade-Branche zu wählen? B oder E? Denn das sind die zwei, die sich den eiskalten Markt teilen. Und ein Heraustreten aus diesem Umsorgtsein würde für Kunden zudem bedeuten, zu Discountern wie etwa A oder L zu wechseln. Aber die kommen eben nicht bis vor die Haustür. Noch nicht. Obwohl eine der Ketten doch immer wieder damit geworben hat, die des Supermarktimperiums mit dem R am Anfang. Wir liefern zu Ihnen nach Hause. Ab 30 Euro Einkaufswert. Kostenlos. Aber: Tiefkühlware ausgenommen. Das lässt also die rollenden Tiefkühltruhen der zwei eingangs beschriebenen Tiefkühldirektvertriebler kalt und wohl gleichzeitig vor Eifer glühen. Das ist ihr Markt und da sind sie stark. Und was kostet dieser Service und das Umsorgtsein? Selber fragen!

Was auf den ersten Blick wie eine PR-Nummer für B und E daherkommt, sind eher Gedanken um veränderte Konsumgewohnheiten, die natürlich auch vor der Marbach nicht Halt machen. In unserem Stadtteil leben viele Ältere und Familien. Teilweise schon seit Generationen. Und da ist es besonders interessant, zu beobachten, wie sich alte Geschäftsmodelle Nischen bedienen, eiskalter Nischen, deren Macher schon früh erkannt haben, wie wichtig es ist, nah am Kunden zu sein, statt ihn lediglich zu beliefern von irgendeinem Paketdienst. Direktvertrieb alter Schule? Staubsaugervertreter von V fällt mir da ein… Aber das ist ein anderes Thema.

Plausch am Ententeich – Die Hütte

Dienstag, Juni 14th, 2016

Gut, damit steht unter diesem fünfundzwanzigsten Kapitel ein letztes Mal „Fortsetzung folgt“. Denn mit dem Kapitel Z ist in Kürze der hyperlokale Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, beendet. Dieses Mal lesen Sie, warum es manchmal scheinbar wichtig ist, innerorts 80 zu fahren, warum die Augen brannten, was sich durch die Marbach schlängelt, wer keine Auskunft erteilt, was Hütten verbergen und was ansonsten Unfassbares auf der Welt geschieht.

Kapitel Y: Die Hütte

Von Daniel Grosse

…Hätte der Zeitungschef gewusst, was soeben in der Marbach geschehen, war, er hätte die Bargeld-Meldung von der Seite gekickt. Aber sie war im Moment nun einmal das beste, was er hatte für die Seite 1. Da klingelte sein Telefon. „Krahlich, Pressestelle Marburger Polizeipräsidium, wir haben ein Problem.“ Eine Minute später hätte der Journalist den PR-Kollegen der Polizei am liebsten gleichzeitig umarmt und erwürgt.

Inzwischen war es später Sonntagnachmittag, 16 Uhr, in vier Stunden würde Harrys Ultimatum ablaufen, wenn der Kopf bis dahin nicht gefunden war und bei Harry wäre. Das war Birger, Betty, dem Gartenmann, dem Zeitungsausträger und auch dem älteren Herrn bewusst – aber egal. „Was kümmert uns das jetzt noch?“, fragte jemand von ihnen in die Runde. Betty kniete neben der schönen Polizistin und hielt sie fest im Arm, blinzelte Birger dabei zu. Der verstand nichts. Oder doch? Betty und Frauen?, überlegte Birger. Das klären wir später. Die Kommissarin war noch immer ganz benommen, hatte aber schnell ihre Dienststelle angerufen. Der Pressemann dort reagierte, woraufhin kurz darauf das Telefon des Redaktionsleiters geklingelt und dieser von der Sache in der Frisörakademie erfahren hatte. Allerdings hatte die Polizei keineswegs ein Interesse daran, dass ein Journalist schnelles und gutes Futter für seine Zeitungsseiten bekommen sollte. Das Interesse ging in eine ganz andere Richtung. Die kleine Vermisstenmeldung kürzlich in der Zeitung, war der Anlass. Biene und Bella wurden darin beschrieben, es hieß, sie seien vermisst. Um Hinweise war gebeten worden.

Und deshalb kam nun auch einige Minuten später der Redaktionsleiter gemeinsam mit dem Polizeisprecher Krahlich in einem alten Porsche 911 den Marbacher Weg herauf gerast. „50 bitte, der Herr.“ Doch der Journalist kümmerte sich nicht um den Regel-hörigen Krahlich neben ihm. 80 zeigte die Tachonadel, als die beiden am Abzweig zum Köhlersgrund vorbei fuhren. „Das klären wir später“, sagte der Polizeisprecher streng, drehte den Kopf zur Seite und grinste. Schließlich wusste er, wie sehr sich der Journalist nach jedem Signal der Kommissarin sehnte. Jedes kleine Zeichen, das andeutete: „Ja, mit uns zwei könnte es etwas werden“, war ein Fest für den Zeitungsmann. Er begehrte diese Polizistin. Und nun war sie verletzt, wie schlimm, wussten weder der Polizeisprecher noch der Journalist. Beide mussten schnell zu ihr.

Vor dem Frisörsalon stand bereits ein Notarztwagen. Ein Flatterband sperrte die Frisörakademie weiträumig ab. Neugierige reckten die Hälse. Die Marbacher Feuerwehr hatte erst vorhin einen gemeinsamen Ausflug mit dem örtlichen Männergesangverein unternommen. So kam es, dass auch zwei Feuerwehrfahrzeuge unweit des Tatorts parkten. Schnell wuchs die Zahl der Neugierigen an. „Was ist los?“, rief jemand dem Gartenmann zu, der vor der Akademie kurz frische Luft schnappen musste. „Frag die Polizei“, erwiderte der. „Aber du bist doch vor Ort. Also, was ist passiert?“ Langsam wurde der Marbacher Ortsvorsteher unruhig. Kannte er doch den Gartenmann schon so viele Jahre und nun stellte der sich so bockig an. Noch nicht mal diese kleine Auskunft. Missmutig stellte sich der Ortsvorsteher zu den anderen in die Menge.

„Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gesehen? Was ist geschehen?“ Wie die Kommissarin, war auch der Polizeisprecher ein Profi. Die Fragen durften sachlich sein. Anteilnahme kam später. Jetzt ging es um schnelle Ermittlungsergebnisse. Auch der Redaktionsleiter war dazu gekommen. Sanft, fast schon beiläufig, küsste er die Polizistin auf die Wange. Sie schaute ihn an, lächelte. „Du bist lieb, aber jetzt zur Sache“, sagte die Kommissarin und berichtete präzise, was geschehen war. Birger und Betty, die die Zärtlichkeiten zwischen den beiden sehr wohl bemerkt hatten, hörten der Kommissarin zu. Der ältere Herr mit seinen Pressefoto-Erfahrungen vom WM-Jahr 1982 und der Redaktionsleiter nickten sich zu. Sie kannten sich schon seit Jahrzehnten. Auch den Zeitungsausträger hatte der Zeitungschef erkannt. In der Kantine des Zeitungshauses war er ihm häufiger aufgefallen, so schüchtern und klein wie er war. Wohl gerade deshalb.

Diese paar Haare, dort am Tatort, mussten dieser Biene gehören. Der dicke Mann, der der Kommissarin eine halbe Dose Reizgas in die Augen gesprüht hatte, war ganz sicher Harry. Also der, der unbedingt diesen Frisierschädel brauchte. Alles schien so klar und einfach zu sein. Zudem zog sich auch noch eine lange Blutspur durch den Flur der Frisörakademie. Also gab es für die Spurensicherung und ihre Kollegen von der Medizinerfront massenweise Material. Fast schon wie eine Schnitzeljagd, dachte Birger. Da müssten sie diesen Harry doch leicht finden können.

„Ihr habt uns doch damals diese Meldung geschickt, dass zwei Frauen, die eine mit roten Haarbüscheln und die andere mit einem Po-langen schwarzen Zopf, von der Frisöakademie vermisst wurden, oder“, fragte die Kommissarin den Redaktionsleiter wieder ganz sachlich. „Ja, nach dem Anruf eures Herrn Krahlich habe ich schnell die Unterlagen geholt und die Datei aus der Anzeigenabteilung ausgedruckt.“ Die Anzeige war damals nicht per Mail, per Internet oder telefonisch bei der Marburger Tageszeitung eingegangen – sondern persönlich überbracht worden. „Ja, das ist schon ungewöhnlich, kommt aber vor in kleineren Städten wie Marburg.“ Der Journalist grinste. „Und wisst ihr, wie die beiden Personen aussahen, die die Vermisstenmeldung bei uns in der Anzeigenabteilung abgegeben hatten?“ Diese Besonderheit war das erste, was ihm seine Kollegin im Zeitungshaus vorhin noch zugerufen hatte, diese komische Randnotiz. „Die eine hatte rote Haarbüschel auf dem Kopf und die andere einen sehr, sehr langen Zopf.“ Wow, das wird doch noch eine Geschichte, freute sich der Journalist, während er das den anderen berichtete. Denn so sehr er auch das Vertrauensverhältnis zur Poizei schätzte und diese unglaubliche Ermittlerin liebte, war er doch auf seinem Gebiet zu sehr Profi, als dass er das nicht verarbeiten würde. Noch nicht morgen, aber vielleicht übermorgen würde das sein Aufmacher auf der Seite 1.

„Und welche Namen hatten die beiden“, wollte die Kommissarin wissen, „mit welchen Namen haben sie die Suchanzeige unterzeichnet?“ Tine und Stella Berger. Irgendwas stimmte nicht. Allen war das klar. Und das war mehr als dieses Ähnlichkeit der Personen und die ähnlich klingenden Namen der Frauen. Biene und Bella, Tine und Stella. Rote Haare, schwarzer Zopf. Harry. Den galt es zu finden.

Aus dem Hinterausgang der Frisörakademie trat ein ganzer Pulk an Menschen heraus. Zum Glück hatten die Kollegen von der Spurensicherung und die Mediziner nichts dagegen, dass sie der Blutspur folgten. Die Spur war breit, verwertbares Material in Massen. Die Kommissarin ging vorne weg, dahinter der Polizeisprecher, zwei weitere Beamte, und in einigem Abstand folgten der Redaktionsleiter, zudem Betty, Birger und die drei Marbacher, die inzwischen schon so etwas,wie ihre Freunde geworden waren. Das Du war längst selbstverständlich.

Das Grüppchen ging durch mehrere Gärten, stieg über drei Zäune, immer noch schlängelte sich die Blutspur durch die schöne Marbacher Natur. Die Kommissarin hatte dem brutalen Mann in den Oberschenkel getroffen. Dem starken Blutverlust nach zu urteilen, war das Projektil scheinbar in ein Gefäß eingedrungen mit lebenswichtiger Funktion. Ob dieser Mann überhaupt noch lebte?, fragte sich die Polizistin und stand plötzlich vor einem – nein, ein Haus war das nicht, eher eine Hütte. Sie kannte sich in der Marbach zwar nicht sehr gut aus, aber irgendwo in der Nähe der Brunnenstraße mussten sie wohl sein. Die Turmglocken der Markuskirche läuteten. 17 Uhr.

Von drinnen drang Geschirrgeklapper durch die Fenster. Eines stand offen. Ein Radio war wohl eingeschaltet, der Nachrichtensprecher machte seinen Job: „Es ist die bisher schlimmste Bluttat eines Todesschützen in der US-Geschichte: In dem Nachtklub Pulse hat ein Mann in der Nacht zu Sonntag Dutzende Menschen als Geiseln genommen und erschossen. 50 Gäste seien gestorben, sagte Orlandos Bürgermeister. Zudem seien 53 Menschen verletzt worden, von denen viele noch in Lebensgefahr schwebten. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.“ Der Nachrichtensprecher fasste mit diesen Worten nochmals zusammen, was bereits den ganzen Tag durch die Medien ging und so unfassbar schien.

Alle hatten einen Kloß im Hals nach dieser Meldung, aber die Polizisten und der Journalist waren Profis genug, so dass sie gleich wieder innerlich umschalteten und auch hier in der Marbach mit dem Schlimmsten rechneten: mit einem schwer bewaffneten, schwer verletzten brutalen Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte – außer diesen Frisierkopf vielleicht. Dann ging alles ganz schnell. Die einfache Holztür zerbarst, die Polizisten stürmten in die Hütte, in der Küche schrie eine Frau. Und in einem großen roten Sessel saß ein Mann mit dickem Bauch und Glatze, Hausschuhen an den Füßen, sein Vollbart war seltsam weiß verschmiert. Weit aufgerissene Augen starrten die eben Hereingestürmten an. In dem Mund des Mannes steckte etwas. Es war weiß und stank. Der Mann war nicht verwundet.

…Fortsetzung folgt.

Plausch am Ententeich – Die Ekelmasse

Donnerstag, Juni 9th, 2016

Plausch am Ententeich Daniel Grosse Marburg Journalist

Die Jagd nach dem Kopf – ob sie schon beendet ist? In dem Marbach-Krimi wird es eklig. Zeit für die Ermittler der Polizei? Schließlich könnte es um mehr gehen als nur einen Frisierkopf und nur einen angekündigten Mord.   Bild: Barbara Grosse

Die zweiundzwanzigste Runde vom hyperlokalen Online-Fortsetzungskrimi, Plausch am Ententeich, startet. Erbrochenes kommt darin vor, viele Fragen tauchen auf, der Kopf macht mehr als Ärger und frische Luft tut einfach gut. Und dann noch der Wahlkampf.

Kapitel V: Die Ekelmasse

Von Daniel Grosse

…Hunderte Kilometer südlich der Marbach feierten währenddessen die Schweizer ein Jahrhundertereignis. Wie bei Birger, geschah dieses Unfassbare im Untergrund, tief drinnen im Fels. Denn nach fast 17 Jahren Bauzeit hatten die Schweizer im Gotthard-Massiv tatsächlich den längsten Eisenbahntunnel der Welt eröffnet. Am nördlichen und südlichen Ende fuhren gleichzeitig die ersten Züge in den Berg, verkündeten rund um die Welt die Nachrichtensprecher. Aber davon bekam Birger nichts mit. Wohl spürte er die feuchte Hand, die sich auf seine Wange legte. Aber dieses Gefühl, und das Husten neben ihm, verschwanden – waren plötzlich ganz weit weg.

Menschen flüsterten durcheinander, hatten krächzende Stimmen. Irgendwo inmitten dieser Dunkelheit schienen sich bedauernswerte Kreaturen zu übergeben. Würgegeräusche und ein beißender Geruch nach Buttersäure waren der Beweis dafür. „Wie sehen wir bloß aus“, fragte eine Frau. Ein Mann: „Ich kann nichts sehen.“ Über und über war er von Zeitungspapier bedeckt. Eine Stimme hinter einem Erd-verschmierten Gesicht wollte eben sprechen, erstarb jedoch, spuckte stattdessen einen großen Schwall Halbverdautes über die anderen hinweg. Es war absolut finster. In weiter Ferne riefen Kinder sich etwas zu, es hörte sich an wie: „Kommen wir noch pünktlich zur Schule?“

Birger war es, der sich plötzlich blitzschnell aufrichtete, ganz automatisch sein Smartphone nahm. Funkstille. Kein Strom mehr. Der Akku war längst leer. Ach, er befand sich ja in dieser feuchten Gruft. Birger kombinierte, so weit er das überhaupt noch schaffte in seinem Zustand, so sehr dröhnte sein Kopf – und dann diese Übelkeit. Seltsam, wie bei den anderen, wunderte er sich. Birger musste Stunden geschlafen haben. Oder war er derart lange sogar bewusstlos gewesen? Und was war hier eigentlich um ihn herum los? Es musste früher Morgen sein, Schulbeginn. Das Ultimatum. Birger rechnete, kam auf etwa 12 Stunden, die noch verblieben, ehe die Lebenszeit von Biene und Bella ablief. Es sei denn, Harry würde bis dahin den künstlichen Kopf zurückbekommen.

Eigentlich hatte ihn und die anderen all das aber gar nicht mehr zu interessieren. Harry war zweifelsohne extrem gefährlich, Biene und Bella schienen sadistisch durchs Leben zu gehen – und der Kopf? Ja, wo war der geblieben?

Birger nahm sein Feuerzeug aus der Hosentasche, zündete, die kleine Flamme spendete ein wenig Licht. Da erkannte er Betty. Sie kniete direkt vor ihm. Sie lächelte, umarmte ihren Freund liebevoll, und Birger begann zu erzählen, von gestern Abend. Davon, wie grotesk und seltsam sie und die drei Männer in diesem feuchten Marbacher Untergrund zugerichtet waren. Er berichtete ihnen von jedem Detail. Was keiner der fünf verstand, war, woher diese Übelkeit gekommen war. Denn sogar Birger war ja die ganze Zeit kurz davor, sich komplett zu entleeren. Zumindest den Magen. Und in der Luft waberte noch immer dieser ekelhafte Geruch, den die fünf kannten. Es war der Gestank aus dem Frisierkopf. Stimmt, der Kopf hatte ja einen Riss. Und vor vielen Stunden war dieser Gestank schon einmal aus dem Kunst-Schädel geströmt. Etwa in dem Haus des älteren Herrn, der so gern fotografierte. Also musste der Kopf doch hier sein, hier unten in diesem Labyrinth der feuchten Gänge und Räume.

„Wohin seid ihr eigentlich gestern so schnell verschwunden, nachdem diese beiden wahnsinnigen Stylefrauen Biene und Bella in der Markuskirche aufgetaucht waren? Ich hatte noch mit einem Teenager und diesem dicken Harry das Vergnügen. Dann rief ich auf deinem Telefon an, Betty, und da meldete sich diese Biene. Was war los? Haben die beiden verrückten Frauen euch so unglaublich durchgeknallt in Szene gesetzt – du mit Sahne, der alte Mann mit den Objektiven über dem Gesicht, die Erde auf dem Gartenmann und dann noch der in Zeitungspapier eingewickelte Austräger?“ Die Fragen purzelten nur so aus Birger heraus.

Woher sollte Birger auch wissen, dass Biene und Bella bewaffnet gewesen waren, gestern abend. Dass die vier sich plötzlich zwei Pistolen gegenüber sahen. Was hätten sie anderes tun sollen, als mit den beiden Verrückten mitzugehen, wohin auch immer? Sie hatten tatsächlich Betty, den Gartenmann, den älteren Herrn und den Zeitungsausträger in diesen gigantischen Wassertank im Erdinnern neben der Brunnenstraße gebracht. In dieses Labyrinth. Dort lagerten bereits die ganzen Utensilien, die die beiden Frauen für ihre Inszenierung brauchten: Sahne, Erde, Objektive, Zeitungen. Aber warum das Ganze? Weil sie den Kopf nicht bei den vier Menschen fanden, die sie entführt hatten? Aus Rache? Nein, dafür schien alles zu sehr geplant gewesen zu sein. Immerhin wussten Sie ja scheinbar auch einiges über die Vorlieben, Hobbys oder die Berufe der Entführten.

Was Biene und Bella allerdings nicht wussten, war, dass der Kopf die ganze Zeit, keine zehn Meter von ihnen, in einer Ecke des Raumes lag, verborgen hinter einer alten, angeschimmelten Holzkiste. Betty hatte ja den Rucksack mit dem Kopf nach der Aktion in der Markuskirche dabei gehabt und ihn schnell versteckt. Sie fürchtete sich zwar sehr, als die beiden Frauen sie zwangen, sich in diesem feuchten Raum hinzulegen und still zu sein. Aber den Rucksack hatte sie zum Glück noch hinter die Kiste werfen können. Da lag er immer noch.

Der anfängliche Riss hatte sich durch den Aufprall geweitet. Ein großes Loch offenbarte den Inhalt des Kopfes. Eine weiße Masse quoll in der Nacht hervor. Die roch zwar jetzt immer noch etwas seltsam, in den vergangenen Stunden hatte sich ihr Aggregatzustand allerdings verändert. Von wabbelig hin zu fest. Und dieses Etwas aus dem Kopfinnern verhinderte, dass von weiter drinnen das, was den fünf den Magen umgedreht hatte und sie in Tiefschlaf versetzt hatte, weiterhin die Luft verpestete. Ein noch viel schlimmerer Stoff. Aber der Narkoseeffekt endete damit zumindest. Schon als Bella und Biene am Vorabend damit begonnen hatten, die vier so seltsam herzurichten, hatte die narkotisierende Wirkung eingesetzt. Ganz langsam. Trotzdem waren die vier schnell sehr schläfrig geworden, die beiden Stylefrauen hingegen sahen zu, dass sie, leicht benommen, noch aus dieser stinkenden Gruft herauskommen konnten. Das hatten sie geschafft. Allerdings ohne den Frisierkopf.

Die fünf Marbacher Helden standen vor der schweren Eisentür, atmeten tief durch. Endlich draußen an der frischen Luft. Durch die Brunnenstraße fuhren die Autos im Berufsverkehr. Birger dachte an das Kondom in den dunklen Gängen. Ihn ekelte die Vorstellung. Noch mehr als gestern. Aber die frische Marbacher Morgenluft tat gut. Die fünf saugten die Frische in ihre Lungen. Schräg gegenüber steckte die aktuelle Zeitung im Gartenzaun des Gutshofs. Der Zeitungsausträger wunderte sich zwar darüber, wer seinen Job übernommen hatte, las dann aber vor: „Der US-Vorwahlkampf ist zu Ende: Hillary Clinton sichert sich die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten – als erste Frau in der Geschichte der USA, ein historischer Moment.“ Trotzdem sei sie, Medienberichten zufolge, die unbeliebteste Kandidatin seit Langem. Nur einer sei unbeliebter – der Mann, der zwischen ihr und dem Weißen Haus stehe: Donald Trump. „Den greift sie denn auch frontal an“, las der Austräger vor. Schön, dachte Betty, wie wohl unser Kampf hier ausgeht. War es Zeit, die Polizei einzuschalten?

…Fortsetzung folgt.