Archive for the ‘Allgemein’ Category

Neuer Einkaufsmarkt in Marbach

Mittwoch, Dezember 2nd, 2015

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Das Handelsunternehmen interessiert sich für einen Standort in Marbach.   Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

Die Firma tegut prüft zumindest derzeit, ob sie in Marburg-Marbach, auf und hinter dem Gelände der derzeitigen Gärtnerei (Bereich Höhenweg/oberer Rotenberg) aktiv werden soll. Konkret: tegut prüft an der genannten Stelle einen Standort für einen neuen Supermarkt. Wenn dieser umgesetzt werden sollte, dann könnte mit einem Eröffnungstermin Ende 2017 gerechnet werden.

Aber viele Fragen sind noch offen, zum Beispiel, mit wie vielen Parkplätzen zu rechnen ist und wie groß das Supermarktareal dann werden könnte. „Leider kann ich Ihnen noch keine weiteren Details nennen, da sich Prüfung und die danach folgenden Planungen erst im Anfangsstadium befinden. Wenn die Prüfung positiv verläuft, werden wir dazu zu gegebenem Zeitpunkt auch informieren“, so Stella Kircher, Leiterin der tegut-Unternehmenskommunikation, gegenüber „Marbach direkt“.

Weiteres in Kürze!

Plausch am Ententeich

Montag, Oktober 12th, 2015

Von Daniel Grosse

Die Marbach hat es verdient, dass über sie geschrieben wird. Deshalb startet bei MARBACH DIREKT in Kürze „Plausch am Ententeich“. Im besten Sinne des Wortes ein Groschenroman. Starke Charaktere leben in den Geschichten. Machen sie lebendig. Leser erkennen bekannte Straßen, Plätze und weniger bekannte Ecken Marbachs wieder. Und vielleicht auch so manche Marbacher Originale? Diese streiten, schimpfen, leben, lieben. Sie arbeiten oder faulenzen. Alles ist erlaubt. Es darf auch kitschig oder fies oder böse sein. Freuen Sie sich auf „Plausch am Ententeich“. Und: Natürlich ist bei „Plausch am Ententeich“ alles erfunden 😉

Der schmale Grat – Kinder zwischen Angst und gesundem Selbstvertrauen

Freitag, Oktober 9th, 2015

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Trotz der Pflicht, täglich mit Ranzen und Federmäppchen aufzubrechen – zumindest der Schulweg ist für viele Kinder auch so etwas wie ein erster Befreiungsschlag. Endlich dürfen sie alleine und ohne die Großen unterwegs sein. Das wissen auch Kriminelle. Ein Risiko?   Foto: Daniel Grosse

Von Daniel Grosse

„Kinderansprecher“ oder der „Kastenwagen in der Nähe der Schule“ ängstigen Kinder, Eltern und Lehrer. Zumindest sorgen sie häufig für Unruhe und Unsicherheit. Auch in der Marbach sind jeden Tag Dutzende Schüler auf dem Weg zur Schule und wieder nach Hause unterwegs.

Bereits die Grundschüler sollen selbstständig werden, alleine laufen, nicht ständig rundum versorgt werden: durch das Schul-Mama- oder Papa-Taxi. Und die Kinder sollen auch selbstbewusst und selbstständig ihren Ort erkunden, dort spielen, toben oder Sport treiben. Das ist wichtig. Und dabei sei der Grat zwischen Informationen zur Sensibilisierung der Kinder und ihrer Einschüchterung schmal, stellen die Experten des Hessischen Landeskriminalamtes (LKA) fest. Deshalb haben die Fachleute Tipps und Hilfen heraus gearbeitet, die Kinder auf brenzlige Situationen vorbereiten sollen, ohne übertriebene Angst hervorzurufen oder die Phantasie der Kinder negativ anzuregen.

Danach sind für Kinder einfache Regeln und klare Absprachen die beste Orientierung. Wichtig ist es, dass Eltern besonnen und überlegt reagieren, wenn ein Kind fragwürdige oder ungewöhnliche Erlebnisse erzählt. Eine „Informationsverbreitung“ beispielsweise über soziale Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp ist da nach Ansicht des LKA häufig kontraproduktiv und führe zu einer Vielzahl von„Fehlmeldungen“, die die Ermittlungsarbeiten behindern und erschweren könnten.

Wenn ein Kind zum Beispiel davon erzählt, von einem Unbekannten angesprochen worden zu sein, raten die Experten des LKA:

Loben Sie Ihr Kind dafür, dass es sich Ihnen anvertraut hat.

Stellen Sie in einem ruhigen Tonfall offene Fragen über den Ablauf der Geschehnisse. (Zum Beispiel: Und was ist dann passiert? Was hat xy danach gemacht?) Geben Sie dem Kind keine Details vor.

Akzeptieren Sie es, wenn das Kind nicht weitersprechen will.

Überfordern Sie das Kind nicht mit bohrenden Fragen nach Einzelheiten.

Melden Sie den Vorfall der Polizei.

Von außen sichtbaren Namensschildern auf Rucksäcken und Schulranzen rät die Polizei ab. Diese gehörten an die Innenseite, denn werde ein Kind mit seinem Namen angesprochen, suggeriere ihm dies eine nicht vorhandene Vertrautheit.

Halten Sie sich an Absprachen mit Ihrem Kind, wer es abholen darf und zu welcher Uhrzeit. Seien Sie pünktlich und vermeiden Sie Ausnahmen.

Erkundigen Sie sich nach Möglichkeiten, ob Ihr Kind zum Beispiel mit Nachbarkindern den Schulweg laufen kann. In der Gruppe sind und fühlen sich Kinder sicherer. Bereiten Sie Ihre Kinder vor. Eltern können Verhaltensregeln für den Schulweg und die Freizeit festlegen. Realitätsnahe Rollenspiele sollten aber auf jeden Fall vermieden werden, um Kinder nicht zu ängstigen, warnt das LKA.

Und warum nicht auch mit dem Kind den Schulweg abgehen und dabei klare Absprachen treffen: Wer darf es im Auto mitnehmen? Wer darf es von der Schule abholen?

Und der letzte Tipp: Vielleicht können sich Eltern ein Spiel überlegen, um so Informationen vom Kind „abzufragen“, die wichtig für die polizeiliche Fahndung sein können: Angaben zum Fahrzeug (Kennzeichen, Typ, Farbe)? Personenbeschreibung (Alter, Größe, Kleidung)? Wann und wo wurde die verdächtige Person gesehen?

Singen fürs Volk im Bürgerhaus Marbach

Freitag, Mai 29th, 2015

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Ein Wochenende rund um den Gesang. Am Samstag und Sonntag erleben Sie, liebe Marbacher und Besucher, was Stimmbänder und menschliche Resonanzkörper so alles leisten können. Von glockenklar hoch bis tief brummend, von laut bis leise. Auch unser gemischter Chor „Chorios“ wird auftreten. Ich erlaube mir, dort als Tenor mitzusingen.     Fotos/Repros: Daniel Grosse

Farbenrausch in der Marbach

Donnerstag, Mai 14th, 2015

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Repros/Fotos: Daniel Grosse

Werke mit Tiefe. Bunt. Gemalt von Barbara Grosse.

Der mutige Nick – Mit einem Zwölfjährigen im Hamburg Dungeon – Grusel in der Speicherstadt

Mittwoch, April 29th, 2015

Nick schreit. Er ist erst zwölf, und er steht im Fahrstuhl des Grauens, der ihn gleich in die Tiefen des  Hamburg Dungeon bringen wird. Die Tür schließt sich. Nur einer ist bei ihm, Wolfgang, der Fahrstuhlführer. Bleiches Gesicht, lange, graue Haare, die Stimme ächzt, „pass auf, dass du da unten nie als letzter hinterher läufst, sonst kommen schreckliche Dinge auf dich zu“. Erst dann drückt Wolfgang den Knopf, damit die Tür wieder aufgeht. Fünfzehn Besucher treten ein. Nick atmet durch. Jetzt könnte er noch raus. Doch er bleibt. Der Aufzug rattert in den Keller.

Liebe Marbacher, wer es schafft, sollte dieses Jahr unbedingt das Hamburg Dungeon in der Speicherstadt besuchen. So wie damals Nick, der Held dieser Reportage, die ich vor zehn Jahren als Volontär geschrieben hatte.

„Ich glaub, ich grusel mich nicht so doll. Alleine hätte ich aber schon Angst“, hatte Nick vorher gesagt, zehn Minuten bevor die Zeitreise in die dunkle Geschichte Hamburgs für ihn beginnt. Noch kennt er auch Wolfgang nicht. Wolfgang, den Fahrstuhlführer. Nick hat große, wache Augen. Er lächelt. Seine dunklen Haare fallen ihm frech über die Stirn. Den Kragen seiner Jacke hat er hochgeklappt. Nick geht schnell. Nur noch um eine Hausecke, dann ist er endlich da. Als er zwölf wurde, hatte ihm seine Mutter einen Besuch im Dungeon versprochen. Und heute wird er ihn sehen, diesen Kerker. Aus dem Erdkundeunterricht weiß Nick einiges über das große Feuer von 1842. Darüber, dass der Brand ein Viertel der Stadt zerstörte. Und Nick weiß von der Sturmflut, die Weihnachten 1717 Norddeutschland überschwemmte. Tausende Menschen starben damals. Beides wird Nick gleich im Hamburg Dungeon in der Speicherstadt erleben, nacherleben. Inquisition, Pestkrankenhaus und der kopflose Pirat Störtebeker – drei weitere Stationen des Rundganges durch das Dungeon. Durch eine Kulisse aus Plastik, Holz, Licht, Geräuschen, Wasser und Rauch.

Schwarze Würfel stehen auf dem Boden. „Bloß nicht hinsetzen“, sagt Nick. Zu gefährlich. Hier kann er sich nicht vorher ausmalen, was passiert, wenn er es doch tut. Vielleicht kommt eine Hand von hinten. Und er hat Wolfgang kennen gelernt, den Fahrstuhlführer. Nick ist vorsichtig. Er und die fünfzehn anderen aus seiner Besuchergruppe stehen in einem dunklen Raum. Unter der Decke schaltet sich ein Bildschirm ein. Er zeigt das brennende Hamburg. Himmelfahrtstag 1842. Menschen fliehen. Feuerwehrleute versuchen zu löschen. Weißer Qualm dringt auch in den dunklen Raum, hier unten im Dungeon. Nick und die anderen sehen den Monitor, sie erfahren vom Sprecher, dass Nachtwächter den Brand zuerst bemerkten und dass die Flammen sich vier Tage lang durch Hamburgs Altstadt fraßen. Über Stunden pumpten die Feuerwehrleute aus den Kanälen damals kein Wasser, sondern spritzten versehentlich Schnaps ins Feuer. Den hatten die Menschen zuvor in die Kanäle geschüttet. 350 Schapsfässer in einem Warenlager sollten das Feuer nicht noch zusätzlich anheizen. Wegen der Ebbe floss der Alkohol aber nicht ab.

Dreiundzwanzig Schauspieler arbeiteten 2005 im Hamburg Dungeon. Heute, zehn Jahre später, beschäftigt das Dungeon in der Hauptsaison etwa 100 Mitarbeiter. Darunter 50 festangestellte Schauspieler. Grusel pur auf inzwischen 3.000 Quadratmetern. Den Machern war und ist es wichtig, dass die Schauspieler improvisieren. Sie sollen die Besucher in die Geschichte einbeziehen. Wenn der Großinquisitor in die Besuchergruppe zeigt, wird der Auserwählte Teil des Schauspiels. Wie heißt du? Sven. Woher kommst du? Aus Niedersachsen. Wie viele Frauen hattest du in den vergangenen Monaten? Es war nur eine. Nein! Hier steht, du hattest 196 Frauen und zwei Schafe. Das ist Vielweiberei und Unzucht mit Kleinvieh! Die Schauspieler im Dungeon fordern die Besucher. Verstecken kann sich keiner, das ist gewollt. Das freie Spiel ist hier ganz wichtig.

Nick, der Besucher, ist zwar Teil dieses Spiels, ist ihm ausgeliefert, aber er hat seine Gruppe. Die braucht er. Dicht hinter seinem Vordermann geht er, will aber auch nicht der letzte sein. Denn davor hat Wolfgang ächzend und eindringlich gewarnt. Wolfgang, der Fahrstuhlführer. Aus sechzehn werden sechsundsechzig Besucher, hier unten im Labyrinth der Verlorenen. Siebenundzwanzig Spiegel. Gänge, die ins Unendliche führen. „Ich habe Schiss“, flüstert Nick und blickt hinter sich. Wie ein Bandwurm schlängelt sich die Besuchergruppe durch die Spiegelgänge. Hoffnung? Nein. Der Bandwurm läuft im Kreis. Eine Tür öffnet sich. Frei. Und auch gefangen: im Pestkrankenhaus.

Ein Toter liegt auf einem Tisch, ein zerschundener Körper. Mit Pestbeulen am Leib und zerfressenen Gliedern. Eine alte Frau steht hinter dem Toten. Sie erzählt vom Hamburg des vierzehnten Jahrhunderts, sticht dabei mit einer Schere in eine Pestbeule und infektiöser Eiter trifft einen Besucher. Ihm, sagt die Frau, werde es wie damals tausenden in Hamburg ergehen. Er werde dahin siechen. Sechstausend Menschen verschlang die Seuche im Sommer 1350, die Hälfte der Einwohner der Stadt. Die einen bekamen Geschwülste an Armen, Beinen und am Hals, so groß wie Orangen. Anderen Pestkranken färbte die Seuche die Haut mit dunklen Flecken. Bis sie starben. 25 Millionen waren es in ganz Europa. Still und mit großen Augen lauscht Nick dem Vortrag der Alten.

Viele waren schon im Hamburg Dungeon. Im November 2004 kam der millionste Besucher, seit der Eröffnung im Mai 2000. An Wochenenden waren es schon vor zehn Jahren manchmal bis zu 1300 am Tag, die sich durch die Gänge quälen, die riechen, dass sie von Raum zu Raum in andere Zeiten eintauchen. Gerüche sind Teil der Inszenierung. Duftlampen und -kerzen verteilen Moder- und Rauchgeruch im Dungeon. Schauspieler, Techniker, Maskenbildner – sie schaffen eine düstere Welt der Illusion.

Nick hat sie an diesem Nachmittag gesehen. Er hat durchgehalten. Und das mit zwölf. Keiner in seiner Besuchergruppe war jünger. Nach dem Rundgang sitzt er im Restaurant des Dungeon an einem Holztisch. Mit großen, wachen Augen schaut er auf einen Bildschirm in der Ecke des Raumes. Eine Gruppe Menschen schlängelt sich wie ein Bandwurm. „Da waren wir auch. Die anderen haben uns von hier aus auch gesehen.“ Dass die Besucher den Schauspielern Fragen beantworten mussten, das findet Nick gut. Und auch, dass sich seine Gruppe für Störtebekers Befreiung einen Schlachtruf ausdenken sollte. Der Nachmittag mit einem Wort beschrieben? „Aufregend“, sagt Nick und grinst. Aber alleine durch die Gänge gehen, ohne einen Erwachsenen in der Nähe? Wie vor zwei Stunden ist Nick immer noch skeptisch: „Das müsste ich mir überlegen. Mich hatte Wolfgang auf dem Kieker.“ Wolfgang mit der ächzenden Stimme.

Nicks Mutter ist ins Dungeon Restaurant gekommen, ihren Sohn abholen. Auch mal ins Dungeon? Nein! Zu gruselig. Später will er ihr alles erzählen, sagt Nick. Er füllt einen Zettel aus, oben drüber steht: Besucherumfrage Schauspiel. Bei „Grüße an die Schaupieler“ trägt Nick, der Zwölfjährige, ein: „Wolfgang, vor dir hatte ich Angst!“

Das Hamburg Dungeon

Die Sache mit dem Flatterband

Montag, April 27th, 2015

Während ihrer Streife stellten Polizisten am Abend des 26. April in Prenzlau in der Triftstraße zwei junge Männer mit einem Handkarren voll Mischschrott. Das hat heute die Polizei Brandenburg gemeldet. Die 17- und 24-Jährigen verwickelten sich bei der Herkunftsangabe des Wageninhaltes in Widersprüche. Das ließ die Beamten noch genauer hinsehen und so fanden sie bei einer Durchsuchung der beiden auch noch einen Schlagring sowie drogenähnliche Substanzen. Die beiden Uckermärker mussten die aufgefundenen Gegenstände und den Schrott aushändigen. „Die Herren erhielten Anzeigen wegen Diebstahls in Verbindung mit einem Verstoß gegen das Waffen- beziehungsweise das Betäubungsmittelgesetz“, lautet die Polizeimeldung.

Klauen lohnt sich. Das Stehlen von Metall scheinbar auch. Und wenn es nur Schrott ist. Die Tonne Kupfer ist wertvoll geworden. Bronze und Messing sind begehrt. Tagesaktuell, so ist zu lesen, bekommt man so viel Geld fürs Kilo Metall: Mischschrott 13 Cent, Scherenschrott 15 Cent, Aluminium 80 Cent, Blei 95 Cent, Edelstahl 75 Cent, für Kupferschrott mehr als vier Euro und für das Kilo Hartmetall gar elf.

Metalldiebe gehen auf Friedhöfen, Schrottplätzen, Baustellen, Bahnstrecken oder in leerstehenden Häusern auf Beutetour. Sie trennen Gleisstücke heraus, nehmen tonnenweise alte Schienen mit, auch Sommerreifen auf Felgen, Heizkörper oder eine Waschmaschine können sich lohnen. Und wenn diese Metallobjekte nur mal eben auf dem Hof zwischengelagert sind. Irgendwohin müssen sie ja. Kurz vor dem Umtausch gegen die Winterreifen, während der Putzaktion in der Waschküche oder bevor die frisch tapezierten und gestrichenen Wände noch nicht ganz trocken sind.

Was also tun, wenn der Klingelpütt ums Eck kommt? Oder wenn andere, nach Brauchbarem Suchende durch die Straßen fahren? Ganz gleich, ob finstere Gestalten oder ehrbare Bürger. Flatterband um Sommerräder, Waschmaschine, Heizkörper & Co. drumherum wickeln mit einem großen Warnschild daran: „Bitte stehen lassen! Muss noch fahren, meine Wäsche waschen und meine Wohnung heizen!“ Ist das die Lösung?

Was nach einem schlechten Witz klingt, ist in der Marbach kürzlich passiert. Wo, wird nicht verraten. Aber weg waren die Stücke. Nur mal eben abgestellt von den Besitzern, zwischengelagert – und doch dreist mitgenommen. Verkaufen konnten die Marbacher ihr Hab und Gut damit nicht mehr. So war es allerdings geplant gewesen. Und beim nächsten Mal: Flatterband und ein Warnschild!

Blitzer, aufgepasst!

Mittwoch, April 15th, 2015

Insbesondere morgen, am 16. April, sollten die Marbacher langsam fahren. Der Grund: der dritte bundesweite Blitz-Marathon, wie ihn die Polizei nennt. Zuschnappen können die Fallen in der Zeit von 6 bis 24 Uhr. Laut Polizei stehen die Blitzer unter anderem
– in Marburg in der Ketzerbach
– an der Grundschule Cyriaxweimar
– an der Grundschule Wehrshausen
– in Marburg in der Leopold-Lucas-Straße, auf Höhe der Schulen
– im Raum Wetter an der B 252
– in Marburg, Höhe Großseelheimerstraße / Sonnenblickallee
– und an der B3 in Marburg.

Aktualisierung:

Von einem Leser kam soeben der gute und wichtige Hinweis, Menschen sollten sich doch stets an Geschwindigkeitsbegrenzungen in Wohngebieten, insbesondere bei Schulen, halten. Es werde unterstellt, der „Blitz-Marathon“ sei reine Willkür. Solche Nachrichten könnten getrost Medien wie FFH überlassen werden.

Nein, derlei Themen gehören in ein Lokalblog – auch eine solche Nachricht. Service und Denkanstoß. Zudem heißt es ja oben: „Insbesondere morgen, am 16. April, sollten die Marbacher langsam fahren.“

Ihre Meinung interessiert mich sehr! info@dgrosse.de

Revolution im Strandkorb – Bald wird der Bikini 70 und war früher verboten

Montag, April 13th, 2015

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Wenig mehr als nichts: der Bikini.     Foto: Daniel Grosse

Noch wenige Wochen, dann öffnen die Freibäder. Und wer in der Marbach sogar einen eigenen Pool im Garten stehen hat, füllt ihn bald mit Hunderten Litern Wasser: willkommen Badesaison!

Und die Bademode dieses Jahr? Anders gefragt: Wie kleiden sich die Frauen 2015 im Wasser, ein Jahr bevor der legendäre Bikini 70 wird? Fest steht: Der sexy Zweiteiler hat schon so manchen Eishersteller für atemberaubende Werbeplakate inspiriert. Und: Er hat den Sprung aus dem Kühlregal an den heißen Strand geschafft. Und dort präsentieren ihn Frauen auch heute noch. Fast 70 Jahre nachdem der französische Bademodendesigner Louis Réard sein Model über einen Pariser Laufsteg schreiten ließ, bedeckt mit wenig mehr als nichts: dem Bikini.

Bikini stand bis zu diesem 5. Juli 1946 eher für Zerstörung und Tod. Vier Tage zuvor hatte ein US-amerikanischer B-29-Bomber über dem Bikini-Atoll in der Südsee die erste Atombombe abgeworfen. Die Militärs starteten über den Marshallinseln ihre langjährige Versuchsreihe. Das Wort Bikini war von nun an in den Köpfen der Menschen verankert.

Ebenso wie die Abwürfe, provozierte die neue Mode, die viel weibliche Haut zeigte. 1946 hoben die Sittenwächter jedoch nur mahnend die Finger – anders die Moralapostel im Deutschland der 30er-Jahre: Ein Erlass bestimmte: „Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt und unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.“

Designer Réard hatte zwar auch 1946 noch immer die Moral gegen sich, die modischen und selbst bestimmten Frauen aber auf seiner Seite. Sie eroberten die Strände in den kommenden Jahrzehnten mit ihren bauchfreien Bikinis.

Mode und Musik verschmolzen, als Caterina Valente 1960 vom „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ sang. Es war die Zeit der um die Hüften kreisenden Hula-Hoop-Reifen, der ungezwungenen, lustigen Variante des kultischen Tanzes hawaiianischer Eingeborener: dem Hula.

Und es war die Zeit der Fransen und des Twist für so manche junge Frau, die Anfang der 60er-Jahre im Bikini am Strand von Rimini den Sommer genoss. „Im Bikini fielst du noch auf“, lautete das Motto. Es war die Zeit, als Bräune schick wurde. Und die Chemie half dabei. Bräunungscreme war eine Revolution.

Auffallen wollten auch andere, zum Beispiel Ursula Andress als Muscheltaucherin Honey Ryder. Im cremefarbenen Baumwoll-Bikini entstieg sie 1962 dem Meer und faszinierte als Bond-Girl den gleichnamigen Agenten in dem Film „James Bond – 007 jagt Dr. No“. Der Kino-Klassiker gab den Startschuss für zig weitere Filme der Bond-Reihe. Dutzende Male noch sollte Gut gegen Böse kämpfen – und die Frauen sollten vor allem eines: dem Agenten gefallen, ihn sexy gekleidet verführen. Meist mit wenig auf der Haut. Halle Berry tat es wieder, wie damals die Andress. Auch Halle Berry entstieg dem Meer, nass, tropfend, bekleidet mit einem Bikini. Die Schauspielerin war das Bond-Girl in „Stirb an einem anderen Tag“.

Hollywood brachte den Textil-Zweiteiler in die Kinosäle. Modeschöpfer und Designer haben ihn immer wieder verändert. Sie verwendeten Materialien, die sich mit Lycra völlig anders der Haut anschmiegten als einfache Baumwolle. Das war im 20. Jahrhundert. Erfunden hat den Bikini als zweiteiliges Kleidungsstück aber vielleicht doch nicht erst der Designer Réard. Antike Wandmalereien aus dem 4. Jahrhundert nach Christus im sizilianischen Bergstädtchen Piazza Armerina zeigen römische Sportschönheiten mit wenig Stoff auf der Haut. Der eigentliche Beginn der freizügigen Bikini-Mode?

Fest steht: Ab den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts war in der Bademode alles möglich. Der Designer Rudi Gernreich stellte 1964 den busenfreien Einteiler Monokini vor. Mehr Haut zeigten Frauen in einem Nokini mit dem Bekenntnis vom Wenigen zum Nichts. Aus oben ohne wurde nackt. Modisch aktuell ist der Tankini, für die, die sich nicht entscheiden können, ob sie Bikini oder Badeanzug tragen sollen. Der Zweiteiler besteht aus einer Badehose und einem (Spaghetti-)Träger-Shirt. Mit dem Trikini lebt eine Spielart des Bikinis modisch wieder auf, die in den 60er-Jahren nicht mehr als ein Gag war. Bei dem Dreiteiler von damals war jede Brust einzeln von einem Teil ohne Bänder bedeckt. Das ging aber nur mit Klebstoff. Die alltagsuntaugliche Bademode überlebte deshalb nur als Motiv für die Modefotografie. Anders der Trikini neuerer Zeit. Er kombiniert Oberteil mit String und der knappen Hüfthose Hipster.

Und was ist der Trend im Bikini-Design? „Starke Farben, aber auch Schwarz und Weiß, asymmetrische und grafische Muster, ebenso abstrakte sind in. Auch Bikinis mit Perlen, Schnürchen und Fransen könnten wieder kommen“, prognostizierten Designer kurz vor dem 60. Geburtstag des Bikinis vor zehn Jahren.

Heute, 2015: In der aktuellen Werbung ist kein wirklicher Trend erkennbar. Scheinbar ist erlaubt, was gefällt.

Um noch mehr bräunende Sonne an die Haut zu lassen, setzen Hersteller allerdings immer häufiger auf so genannte Tan Thru-Produkte aus blickdichter Microfaser. Schutz soll ein in die Badesachen integrierter Lichtschutzfaktor gewährleisten. Die Zukunft? Trotz des Trends zu High-Tech Materialien besetzt durchbräunende Bademode wohl eher eine Nische. Trotzdem könnten Baumwolle und Lycra in der Bikini-Mode wieder kommen. Ein Schritt zurück in die Zeiten von Bond-Girl Ursula Andress? Oder wählt Frau, was ihr gefällt, weil Funktion und Mode vielleicht gar nicht miteinander verknüpfbar sind? Wohl aber Eis und Bademode, kühler Genuss und heiße Bikinis. Eisherstellern sei Dank.

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Kirchenasyl II

Freitag, Februar 27th, 2015

Kürzlich lag mir während einer Recherche zum Kirchenasyl folgende Meldung vor: „…“Juristische Bedenken gegen das „Kirchenasyl“ hat der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) vorgebracht. Er halte dieses Instrument für „rechtlich problematisch“, sagte er am 6. November in einer Aussprache bei der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Dresden. Es fiele ihm leichter, dieses Instrument zu akzeptieren, wenn die Kirchen auch die finanziellen Folgekosten tragen würden. …“

Ich war etwas irritiert, also fragte ich Günther Beckstein, ob er erklären kann, wie er das konkret meint. Und wie er aktuell zu dem Konstrukt des Kirchenasyls steht – auch rechtlich.

Beckstein: „Ich halte das Kirchenasyl für rechtsstaatlich nicht richtig. Wenn durch alle Instanzen – manchmal bis zum Verfassungsgericht – die Gerichte bestätigt haben, dass dem Asylbewerber keine Verfolgung droht und er ohne Gefahr in sein Heimatland – oder den Drittstaat beim Schengenverfahren – zurück kann, dann muss auch die Kirchengemeinde dies hinnehmen. Und schließlich: Was wäre, wenn eine islamische Gemeinde – gegebenenfalls unter Hinweis auf die Scharia – Asyl böte? Der Hinweis auf Kosten: Wenn die Kirchengemeinde alle Kosten tragen würde, wäre das Interesse der Allgemeinheit an einer Aufenthaltsbeendigung geringer als wenn die – oft hohen – Folgekosten von den Sozialbehörden getragen werden.“